Sorry, dass ich euch so lang hab warten lassen! Ich hatte keine Ahnung, wie ich das Kapitel starten sollte, obwohl meine liebe Co. Autorin und ich besprochen haben, wie es weiter gehen soll. Irgendwie blieb die Motivation aus und wir mussten ja noch die Kapitel besprechen. Aber naja, jetzt geht es ja weiter ^.^ Viel Vergnügen!


Kleidung.

Kleidung war es, die an der jungen Dame fehlte. Sherlock war für einen kurzen Moment aus der Fassung gebracht worden. Das kam nie vor. Binnen Sekunden hatte sich der Detektiv wieder gefangen und sah die junge Frau an, welche sich mit einem Lächeln näherte. Nur wenige Zentimeter von ihm entfernt blieb sie stehen und sah in seine grauen Augen.

„Ich dachte schon, ich müsste noch länger warten. Sie haben anscheinend keine Ahnung davon, dass man eine Dame nicht warten lässt." sagte sie mit einem zarten Lächeln und strich mit ihrem Zeigefinger über seinen Hemdkragen. Sherlock sah zu ihr runter und zog eine Braue in die Höhe. „Nun, Miss, ich habe nicht gewusst, dass Sie hier sind und jetzt, wo ich es weiß, frage ich mich, was Sie hier tun."

Ein breites Grinsen erschien auf ihren Lippen. „Ich stehe hier unbekleidet vor Ihnen, Mr. Holmes. Und das einzige, was Sie sich fragen, ist, wieso ich hier bin?" Ein leichtes Lachen konnte Sie sich nicht verkneifen. Sherlock sah weiterhin kühl in ihre Augen. „Ich kann mir vorstellen, dass Sie mir es auch erzählt hätten, wenn ich Sie nicht gefragt hätte." Kurz pausierte er. „Sie kennen meinen Namen. Ich würde gerne Ihren erfahren." Die junge Frau lächelte wieder. „Gut, Mr. Holmes. Fangen wir dann doch mit den Höflichkeitsfloskeln an. Der Name ist Irene Adler und ich bin hier, weil ich Ihre Hilfe brauche." „Und weshalb brauchen Sie meine Hilfe? Doch etwa nicht, weil Sie ihre Kleidung nicht mehr finden.", entgegnete der junge Mann mit sarkastischem Unterton.

Irene Adler lachte. Es war selten, dass jemand über Sherlocks Sarkasmus lachte und das verwirrte ihn. Diese Frau war ungewöhnlich. Sie schien nicht so langweilig und dumm wie alle anderen Klienten zu sein, die jemals bei ihm in der Wohnung gestanden hatten. Sherlock sah sie an. Sie hatte offenkundig etwas Besonderes an sich, er wusste nur nicht was es war. „Nein, ich bin hier, weil ich einen Mordfall für Sie habe." „Und wieso kommen Sie unbekleidet in meine Wohnung, um mir das mitzuteilen?" „Weil ich gehört habe, dass Sie anhand von Kleidung und einigem drum herum erschließen können, was man für eine Person ist. Ich dachte mir, dass unser Kennenlernen nicht nur auf einer Deduktion Meinerseits basieren sollte, finden Sie nicht?".

Diese Frau war ganz und gar etwas Besonderes. Sie wusste es, wie Sie Sherlock Holmes die Worte verschlagen konnte. Nicht aufgrund der Tatsache, dass sie nackt war, sondern warum sie es war. „Es könnte ein interessanter Beweggrund sein, Ms. Adler oder Sie haben etwas zu verbergen." Er trat kleines Stück näher und musterte ihre Augen. „Egal was es ist, ich werde es herausfinden." „Wenn Sie mir bis dahin helfen einen Mord aufzuklären.." Sie kam ebenfalls ein Stück näher, sodass sich ihre Körper berührten. „..Werde ich das doch wohl in Kauf nehmen müssen."

Es war nur ein Hauchen, was über ihre Lippen kam, jedoch hatte Sherlock es hören können. Irene blickte in seine Augen. Ihre Körper berührten sachte einander, ihr Blick löste sich von seinen Augen und wanderte sein Gesicht runter, ehe er eine kurze Weile auf seinen Lippen ruhte. Eine Gänsehaut überzog ihren Körper. Sie konnte sich nicht der Tatsache erwehren, dass sie sich zu Sherlock hingezogen fühlte, denn erst jetzt bemerkte sie, dass er viel mehr war als sie sich vorher einzureden versucht hatte.

Mehr als eine Figur in einem großen Spiel.

Irene ließ ihren Blick wieder nach oben wandern und den ihren mit Sherlocks kreuzen. Etwas tief in ihr drin wusste, dass sie sich unter Kontrolle halten musste und vor allem keine Gefühle entwickeln durfte. Seine Augen fesselten sie und sie war unfähig wegzusehen. „Um was für einen Mord handelt es sich denn, Ms. Adler? Es scheint kein gewöhnlicher zu sein, sonst hätten Sie sich sicherlich an die Polizei gewandt."

Diese Wangenknochen..

Erst wenige Sekunden später realisierte sie, dass Sherlock sie angesprochen hatte. Zu sehr hatte sie sich in ihren Gedanken verloren. Sherlock sah sie an. Langsam wurde er ein wenig unruhig. Die Müdigkeit begleitete ihn seit Tagen und alles was er wollte, war eine Nacht zu schlafen. Wieder einmal wurde ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht. Er wollte seine Zeit nicht damit vergeuden Gespräche zu führen, die zu nichts brachten. „Lassen Sie uns doch im Wohnzimmer platznehmen. Hier in der Küche wird es.." Kurz strich sie über seinen Arm. „Langsam zu eng, finden Sie nicht auch?"

Sherlock entzog sich ihrer Berührung. Ohne Worte ging er ins andere Zimmer und setzte sich auf seinen Sessel vor dem Kamin. Irene folgte ihm, zog den langen Mantel an, welcher gefaltet vor dem Kamin lag an und ließ sich in dem Sessel gegenüber nieder. Sherlock hatte den Mantel gar nicht bemerkt, war unbewusst aber schon mit den Augen auf der Suche nach einem Kleidungsstück gewesen. Niemals wäre sie unbekleidet in die Baker Street gegangen.

Die junge Frau überschlug die Beine und zog sich ihre Pumps aus, die sie vor sich auf den Boden stellte. Sherlock schwieg. „Wenn ich den Mantel wieder ausziehen soll, dann sagen Sie mir Bescheid." Irene zwinkerte Sherlock zu, biss sich kurz auf die Unterlippe und spielte etwas unbeholfen an ihren Mantelknöpfen rum. „Sie können Ihren Mantel anbehalten, Ms. Adler. Ich würde gerne erfahren, wobei genau ich Ihnen eigentlich helfen soll." Zwar hatte Irene gewusst, dass Sherlock abweisend war, jedoch war sie auch ein wenig enttäuscht, dass er auf ihre Anspielungen nicht einging.

Seufzend lehnte sie sich zurück. „Ich habe gehört, Sie sollen der Beste sein und selbst Scotland Yard soll Sie zur Beratung ziehen. Wenn selbst die Polizei nichts herausfinden kann, kommen Sie zum Einsatz." „Mir ist durchaus bewusst, was ich als meine Berufstätigkeit ansehen kann, Ms. Adler." Leicht genervt verdrehte er kurz seine Augen.

Langweilig.

Sherlock faltete leicht die Hände und legte sie vor seinen Mund. Er atmete tief durch und seufzte. „Fahren Sie fort, Ms. Adler." Irene lächelte kurz. Seine Bemühungen seine Geduld zu zügeln schmeichelten sie unbewusst. Leicht beugte sie sich nach vorne und fuhr fort. „Nun, Mr. Holmes, Sie werden dazu gezogen, wenn niemand mehr weiter weiß. Ich habe Hilfe bei der Polizei ersucht, sie konnten mir aber nicht helfen. Anders gesagt: Es war für sie unmöglich. Ich weiß jetzt nicht mehr weiter und habe einen Mord, einen leeren Sarg und einen abgebrannten Tatort für Sie."

Aufgrund der Tatsache, dass Sherlock sich in seinem Sessel leicht aufgerichtet hatte, wusste Irene, dass ihr Plan funktioniert hatte.

Sein Interesse ist geweckt.

Irene lächelte. Es war ein triumphierendes Lächeln, denn sie wusste, dass sie gewonnen hatte. Der Fall klang bizarr und das war er auch. Und genau das war es, was Sherlock Holmes suchte – eine neue Herausforderung.

Der Regen hatte sich mittlerweile verstärkt und prasselte gegen die Fensterscheiben. Sherlock hatte sich die letzten bekannten Details des Falles von Irene erläutern lassen und schien begeistert von dem Fall zu sein. Irene beobachtete den jungen Mann, wie zurückgelehnt in seinem Sessel saß und hinter den gefalteten Händen breit Grinste. Einen kurzen Moment wendete sie ihren Blick von ihm ab und sah auf die Uhr. Sherlock folgte ihren Augen.

Bereits 02.00 Uhr.

„Ich denke, dass es sinnlos wäre, den Tatort so spät nachts aufzusuchen. Wie wäre es, wenn wir uns morgen um vier dort treffen." Irene holte einen Zettel aus ihrer Manteltasche und reichte ihn dem Detektiv. Sherlock nahm die Notiz entgegen und musterte sie kurz. Die Adresse war ihm nicht unbekannt.

In Chinatown.

Sein Blick wanderte wieder zu Irene, welche sich im Sessel nach vorne gelehnt hatte. Sie lächelte, richtete sich langsam auf und zog ihre Pumps an. „Ich würde Ihnen zu gerne noch etwas Gesellschaft leisten, Mr. Holmes, jedoch muss ich leider nach Hause." Irene ging auf Sherlock zu, der sich von seinem Sessel erhoben hatte und strich über seinen Arm, ehe sie seine kalte Hand ergriff.

Ihre Augen waren auf seine gerichtet und sie zog ihn ein Stück näher an sich. Der Rest seines Körpers schien genauso kühl wie seine Hand, Irene ließ sich davon allerdings nicht ablenken. Ihre Lippen näherten sich seiner Wange, doch ihre Bewegung stoppte nur wenige Millimeter vor seiner Haut. „Es wäre eine Schande, wenn ich Sie morgen nicht wiedersehen würde." Sanft hauchte sie ihre Worte und drückte ihre Lippen zu einem zärtlichen Kuss auf seine Wange. Ohne weitere Worte verschwand Irene Adler aus der Wohnung in die Nacht.

Sherlock hatte ihr nachgesehen, als sie ging. Das hatte er zuvor noch nie getan. Unbewusst hob der junge Mann seine Hand und strich mit den Fingern über die Stelle, auf die Irene ihre Lippen gelegt hatte. Das hatte zuvor noch niemand bei ihm getan. Völlig in seinen Gedanken verloren, ging Sherlock duschen und danach in sein Schlafzimmer. Langsam ließ er sich aufs Bett sinken.

Irene Adler.

Diese Frau war nicht besonders – sie war einzigartig.