Na Hallöchen! Hier ist dann auch mal das achte Kapitel. Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, jedoch blieb irgendwie die Motivation aus. Trotzdem viel spaß mit dem Kapitel :3
Menschen.
Überall Menschen. Die Gasse, in der Sherlock wartete war mit ihnen nahezu überfüllt. Trotz, dass er viel zu spät war, musste er auf Irene Adler warten – und Sherlock hasste es zu warten. Nach einer halben Stunde saß der junge Detektiv auf einer kleinen Treppe vor einer Tür und deduzierte die vorbeilaufenden Leute.
Wie unglaublich langweilig Menschen doch sein können.
Genervt von der Monotonie der Situation wuschelte er sich seufzend durch die Haare. Sein Blick wanderte durch die Gasse und blieb auf ihr hängen. Sie trug ein schwarzes Kleid, über welches sie einen dunkelgrauen Mantel geworfen hatte. Eleganten Schrittes näherte sie sich Sherlock, der sich bereits wieder aufgerichtet hatte und lächelte ihn an. „Mr. Holmes, tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Ich wurde aufgehalten." Sherlocks Blick wanderte über ihre Kleidung und Gesicht. Sofort bemerkte er, dass sie sich viel Mühe gegeben hatte, kaum etwas Persönliches in ihr Outfit einzubringen – sie wollte es so gut es geht vermeiden, dass Sherlock etwas über sie deduzierte.
Interessant. Nur.. Wieso?
Der junge Mann stoppte seine Deduktionsversuche. „Da Sie nun aufgetaucht sind, würde ich es für richtig erachten, wenn wir den Tatort aufsuchen würden, welchen Sie mir letzte Nacht so angepriesen haben." Sherlock wirkte kühl, professionell und vor allem eines – abweisend. Irene musterte ihn. Trotz des Schlafes, den er die Nacht hatte wirkte er müde und zerbrechlich. Sie wusste, dass es ebenfalls etwas mit seinem Drogenentzug zu tun hatte und fragte sich, ob oder wann er schwach werden würde. Viel mehr fragte sie sich, weshalb sie das interessierte. Klar – sie wusste viel über Sherlock und die Abweisung, die er ihr entgegenbrachte, traf sie. Und das, obwohl sie selbst keinerlei Gefühle in das Spiel einbringen wollte.
Ein großes Spiel..
Sie musterte ihn schweigend noch einmal ganz genau. Weshalb fühlte sie sich so zu ihm hingezogen? Irene konnte es sich nicht erklären und wollte sich selbst zügeln.
Es war unser erstes Treffen. Wenn ich zu viel Interesse zeige, wird er sich zurückziehen..
Sie seufzte und sah in seine kühlen Augen.
Und sich langweilen.
„Gut, lassen Sie uns losgehen." Irene lächelte angestrengt. Es fiel ihr schwer nicht zu zeigen, dass sie zu viel über ihn nachdachte. „Unser Fußweg kann etwas dauern – ich dachte mir, dass ich Ihnen so schon mal ein paar letzte Informationen geben kann. Und Ihr Taxifahrer hätte das Haus in zehn Jahren nicht gefunden." Irene zwinkerte ihm zu und ging los.
o.o
Es dauerte 45 Minuten ehe die beiden an dem abgerannten Gebäude standen. Irene hatte recht gehabt – nie im Leben hätte es ein Taxifahrer zu diesem Ort geschafft. Sherlock kannte den Ort zwar, konnte aber nicht genau herausfinden woher. Wahrscheinlich lag es daran, dass er eigentlich alle Ecken und Winkel von London und näherer Umgebung kannte. Kurz blickte er sich um.
Ein perfekter Ort, um einen Mord zu begehen. Hier findet niemand so einfach hin.
Sein Blick wanderte über das Gebäude und das Umfeld. Mehrmals drehte er sich im Kreis, um auch alles Wichtige erkennen und einfangen zu können. Schnell begab er sich zur Ruine. Vor der „Tür" flatterte ein halb abgerissenes Absperrband der Polizei. Sherlock betrat ohne zu zögern das Gebäude und blickte sich um.
Beinahe alles beim Feuer zerstört. Aber nur beinahe..
Ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen und er zog seine kleine Lupe aus der Manteltasche. Er sah sich weiter um.
Jemand hat versucht seine Spuren zu verwischen. Mit mäßigem Erfolg.
Irene Adler kam zur Tür herein. Sie sah dem jungen Detektiv mit großem Interesse bei seiner Arbeit zu. Schweigend stand sie im Türrahmen und hoffte, dass ihr Herzklopfen für ihn nicht so laut zu hören war, wie für sie. Tief atmete sie durch und versuchte ihren Herzschlag und Puls zu regulieren. Sie konnte sich nicht dagegen wehren, dass sie bereits beim ersten Treffen mit ihm Gefühle entwickelt hatte. Sherlock verließ den Raum und ging hinaus. Stumm starrte er das Gebäude von außen an und ohne, dass er es wollte glitt sein Blick zu Irene, welche noch immer im Türrahmen stand. Sie blieb mit dem Rücken zu ihm stehen. Unfreiwillig ballte er seine linke Hand zur Faust.
Was ist los?
Der Detektiv konnte sich nicht erklären, weshalb er sich so unbeholfen fühlte. Er würde es auch nicht so schnell herausfinden können – niemals zuvor hatte er sich so gefühlt. Sein Herz hämmerte stark gegen seine Brust und immer wieder wanderten seine Gedanken zu der Frau, die er aller höchstens zehn Stunden kannte. Er musste sich konzentrieren und verwarf seine Gedanken an Irene.
Ein Fall. Konzentrieren!
Kurz ließ er seine Blicke über die Außenwand gleiten und kniff seine Augen danach zusammen. In seinem Kopf rekonstruierte er zuerst das Aussehen des Gebäudes. Schicht für Schicht baute es sich vor seinem inneren Auge wieder zu seiner alten Form auf und Sherlock ging in Gedanken darauf zu. Er öffnete die schwere Holztür. Das innere baute sich nun ebenfalls wieder auf.
Kitschige Tapete – ohne Frage.
Sein Blick streifte durch das Zimmer. Eine braune Kommode mit Porzellantellern stand direkt neben einem riesigen Spiegel. Blumenkübel standen überall im Raum verteilt, zwei Sessel, eine Couch - nichts Besonderes. Er legte den Kopf schief und konzentrierte sich auf die verschwommene Gestalt, welche auf einem der Sessel saß. Sherlock ging um sie herum, um ihr vorderes sehen zu können – ebenfalls verschwommen.
Irgendwer war zum Zeitpunkt des Brandes hier. Und dieser jemand war bereits tot, als es geschehen ist.
Der junge Mann atmete tief durch und führte die Rekonstruktion in seinen Gedanken weiter. Er drehte sich um, versuchte alles zu erkennen und richtete letzten Endes dem Blick auf die Vorhänge. Das Feuer hatte sich schnell ausgebreitet und zuerst die Gardinen verschlungen, ehe es auf die hölzernen Möbel übergegangen war und schließlich Wände und die Leiche.
Moment! Die Leiche.. Wo ist die Leiche abgeblieben? Es hätte Überreste geben müssen. So heiß kann das Feuer nie gewesen sein.
Sherlock drehte sich schnell zurück zu dem Sessel. Er war leer.
Der Detektiv öffnete seine Augen und sah auf das Gebäude – abgebrannt und glanzlos stand es mehrere Meter vor ihm. Irene war zwei Schritte von dem Türrahmen, in welchen sie vor einigen Sekunden noch stand, entfernt und bewegte sich langsam auf ihn zu. Er hatte nur vier Sekunden in der Realität gebraucht, um den Brand zu rekonstruieren und herauszufinden wo der Körper abgeblieben war. Ein Grinsen bildete sich auf seinen Lippen. „Interessant, wie manche Menschen denken aus problematischen Situationen herauszukommen. Nur ein Idiot würde denken, die Leiche wäre beim Brand vernichtet worden."
Schnellen Schrittes begab er sich hinter das Gebäude und sah sich um. Blitzschnell hatte Sherlock das gefunden, wonach er gesucht hatte. Kopfschüttelnd ging er zu einer kleinen Wölbung im Boden und trat vorsichtig drauf. „Miss Adler, ich habe Ihre Leiche gefunden." Irene war neben ihn getreten. „Ich kann nichts sehen, was darauf hindeutet, Mr. Holmes.. Wo ist die Leiche?" Die junge Frau sah sich um. Sherlock seufzte und blickte sie an. „Denken Sie nach, es liegt doch auf der Hand!" Als Irene nichts weiter als einen verwirrten Blick für ihn hatte, schnaubte er und zeigte auf die Wölbung auf den Boden. „Sehen Sie das? Eine Wölbung. Sonst ist hier alles flach. Und zufällig wächst hier auf der Stelle kein Gras? Kommen Sie, das ist wirklich einfach!"
Irene betrachtete die Wölbung auf dem Boden. „Ist das eine Art Falltür?" Fragend blickte sie zu dem Detektiv hoch. Sherlock lächelte leicht, hockte sich auf den Boden und zog tatsächlich eine Tür auf, nachdem er den Griff erstastet hatte. Beide sahen hinunter.
Das Gesicht war eingeschlagen, teilweise entsetzlich entstellt. Der Kopf war völlig falsch platziert, das Genick gebrochen und verdreht. Beide Schultern schienen ausgerenkt worden zu sein, das rechte Handgelenk gebrochen. Das T-Shirt des verstorbenen Mannes war blutgetränkt, drei Stichwunden befanden sich in Bauch- und Schulterbereich. Sherlock zog seine kleine Lupe aus der Tasche und untersuchte die Leiche.
Männlich, 47 Jahre alt. Schultern ausgerenkt, Rippen gebrochen, Lunge gequetscht. Zu Tode geprügelt?
Kurz betrachtete er die Stichwunden.
Schwere innere und äußere Blutungen. Eine wahrscheinlichere Todesursache. Taschenmesser, der Größe nach zu urteilen. Es wurde sehr schnell zugestochen.
Der junge Detektiv zog seine Handschuhe an und betrachtete Hände, Gesicht und Hals etwas näher.
Genick wurde postmortal gebrochen.
Raue Handflächen und Fingerkuppen –Handwerker? Schreiner. Keinerlei Abwehrverletzungen an den Handrücken und Fingerknöcheln- Er wurde also überrascht.
Irene beobachtete den jungen Mann mit großem Interesse und hockte sich neben ihn. Schweigend verfolgte sie seine Bewegungen und Blicke. Seine Augen wanderten den Rest des Körpers hinunter und er achtete auf jegliche Merkmale, welche die Kleidung des Opfers ihm geben konnten.
Sägespäne aus.. Kurz beugte er sich vor, um an ihnen riechen zu können. Eiche? Kiefer? Idiot, nie im Leben.. Aber was da - Tanne! Tatsächlich Schreiner. Sein Blick viel auf die Hose des Mannes. Verwaschen, also schon etwas älter. Rückseite ist dreckiger. Er wurde also hierher geschleift. Die Frage ist, von wem?
Sherlock richtete sich auf und sah sich um. Sein Blick fiel suchend auf den Boden und langsam ging er zurück zur Brandruine. Trotz, dass die Polizei bereits nach Hinweisen gesucht hatte, konnte er die Schleifspuren noch leicht erkennen. Seufzend schüttelte er den Kopf.
Was für Idioten doch bei Scotland Yard arbeiten. Erkennen die Beweise noch nicht einmal, wenn sie direkt vor ihnen liegen. Was brauchen sie noch als Hinweis? Ein Leuchtschild?
Der junge Mann beugte sich über eine der Spuren und konnte einen Schuhabdruck erkennen, der bereits stark verblasst war. Trotzdem konnte er einige Merkmale deuten.
Der Täter ist männlich. Schuhgröße 47, über 1,80 m und circa 97 Kilo schwer. Starke Oberarme, sonst hätte er das Opfer nicht alleine wegzerren können.
Sein Blick fiel wieder zum Fundort des Toten.
Er muss sich hier auskennen. Anders hätte er nicht von diesem Ort und vor allem von dem Versteck gewusst.
Sherlock richtete sich wieder auf und kniff die Augen zusammen. Ein leichter Schwindel überkam ihn und er konnte das Ziehen in seinem Kopf wieder spüren. Die Depressionen, welche immer wie Gewitterwolken in seinem Kopf aufzogen kehrten langsam zurück und der junge Mann versuchte krampfhaft seine Gedanken auf etwas anderes zu lenken.
Jetzt nicht. Und auch sonst nie wieder!
Für fast zwei Tage hatte er es tatsächlich geschafft all seine Sorgen zu vergessen und sich vollkommen auf andere Dinge zu konzentrieren, doch nun kam alles auf einen Schlag zurück und der Detektiv hatte Schwierigkeiten damit klarzukommen. Krampfhaft biss er die Zähne zusammen, in der Hoffnung die Schmerzen in seinen Schläfen ignorieren zu können und begab sich wieder zur Fundstelle zurück. Irene musterte ihn und zog eine Augenbraue hoch. „Alles in Ordnung, Mr. Holmes?" Der junge Mann nickte. „Ja, alles in Ordnung." Kurz blickt er sich um. „Nun, Ms. Adler, ich habe alles was ich brauche. Wenn Sie wollen, können Sie jetzt die Polizei rufen."
