Das Gespräch mit Mumm war ihr alles andere als angenehm gewesen. Sie musste höllisch aufpassen, dass sie nicht zu viel verriet und im Nachhinein lief sie Gefahr, dass doch noch alles herauskommen könnte.
Aber sie kam nicht drum rum. Sie musste den Verdacht von der Diebesgilde und von sich selbst ablenken. Am besten, indem sie dafür sorgte, dass alles sang- und klanglos ein Ende fand.
Außerdem machte sie sich Sorgen. Sie selbst war eine sichere Diebin, die alle Tricks kannte. Sie selbst kannte alle Fehler und wusste, wie man sie vermied. Deshalb war sie diejenige gewesen, die ihre Pläne in die Praxis umsetzte.
Wie leicht konnte Lilian einen Fehler begehen? Und wie dumm war sie, all diese Spuren zu hinterlassen?
Der Fingerabdruck was so deutlich der eines Mädchens, dass es an ein Wunder grenzte, dass niemand eine derartige Vermutung geäußert hatte. Nun, die Wachen trauten Mädchen einfach nicht allzu viel zu.
Der Fußabdruck. Die Sohle erkannte Charlotte sofort. Sie selbst hatte sie anfertigen lassen für einen Schuh, den sie Lilian vor einigen Jahren zum Geburtstag schenkte. Als Maß hatte sie dem Schuhmacher ihren eigenen Fuß vermessen lassen, was dazu führte, dass der Schuh Lilian nie gepasst hatte.
Und was sollte der Zettel? Es war ganz eindeutig ihre Handschrift. War sie wahnsinnig geworden? Größenwahnsinnig?
Niemand wagte es im Palast einzubrechen!
Was sollten all diese Hinweise? Wollte sie tatsächlich Rache an Charlotte üben, indem sie die Diebesgilde in Verruf brachte?
Charlotte konnte weder zulassen, dass dies geschah, noch dass Lilian etwas zustieß, wenn sie erwischt wurde.
*
