Mumm hatte insgeheim eine Theorie, die ihm selbst so abwegig schien, dass er sie nicht einmal wagte zu notieren.
Stattdessen streifte er den Rest des Tages durch die Straßen Morporks. Es half ihm auf andere und auf zusammenhängende Gedanken zu kommen.
Er wusste nicht, warum er Freemont darauf angesprochen hatte. Wahrscheinlich wollte er ihm einfach eine reinwürgen und sich an seiner Existenzangst laben.
Charlotte zu verdächtigen hatte einen großen Haken: Sie war zugegen, als der Dieb einen Einbruch begehen wollte.
Ob sie einen Komplizen hatte?
Mumm glaubte das nicht. Charlotte war eine Einzelgängerin. Sie würde keine Beute teilen.
Außerdem hatte Freemont Recht. Ein Wächter, der Verbrechen beging, war nicht nur untragbar, sondern würde mit Sicherheit der kompletten Wache gefährden. Diese bestand derzeit aus fünf Leuten, auf die der Patrizier sicher auch verzichten konnte, wenn zu Sprache käme, dass einer von Mumms Wächtern selbst ein lizenzloser Dieb war.
Sicher war Nobby nicht unbedingt das Paradebeispiel eines Wächters und auch nahm er es mit dem Eigentumsrechten nicht immer besonders genau, aber wenn er stahl, so war das Opfer meist ohnehin nicht mehr fähig Besitzrechte geltend zu machen, aber in den Untiefen seiner Seele war er ein ehrlicher Kerl, der seine Grenzen kannte und diese zwar auslotete, aber nie überschritt.
Sollte Charlotte wirklich etwas mit lizenzlosen Diebstählen zu tun haben, konnte das Mumm die Dienstmarke kosten... Wenn Vetinari gnädig war.
Doch er war angewiesen auf das Wissen, das Charlotte mitbrachte. Auch wenn er ihr nicht vollständig vertrauen konnte, so musste er es. Es war seine einzige Möglichkeit, den Gedanken des Diebes näher zu kommen.
Charlotte musste sich bereithalten. Sie war eine Wächterin und für den Schutz von Leben und Eigentum der Bürger verantwortlich.
Treffpunkt waren die Außenmauern des Palastes um 19 Uhr.
Ins Innere -selbst in den Hof und den Garten - wollte man sie nicht hineinlassen, da hierfür die Palastwache zuständig sein wollte.
Die Stadtwache musste sich damit begnügen den Dieb vor den Toren zu schnappen. Würde ihnen das nicht gelingen, wäre es eine Niederlage. Eine persönliche Niederlage für Hauptmann Mumm, welche die Palastwächter ihm bis in alle Ewigkeit unter die Nase reiben würden.
Ein wenig gingen ihm die Nerven, als er zum Palast abbog. Es war 17 Uhr 30.
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