So wie es einst war, wird es nie mehr sein. Mittelerde ist im Wandel. Die Zeit der Elben ist vorüber. Sie segeln gen Westen, alle. Auch du wirst gehen. Eines Tages, wenn nichts mehr ist. Höre mir gut zu, mein Sohn. Auch ich werde mich jenen anschließen und meine Heimat verlassen. Du wirst einer der Letzten sein, die noch verbleiben. Sei stark und trotze jeder Gefahr. Du hast schon einmal bewiesen, dass du zu großen Taten fähig bist.

Thraduil ließ die Feder sinken und lehnte sich zurück. Zwei Tage waren vergangen, seitdem Legolas aus dem Palast gestürmt war. Niemand vermochte zu sagen, wo er war. Nicht einmal die Späher, die er hatte ausschicken lassen. Seufzend erhob er sich und trat an das Fenster. Schon bald würde es ein Fest zu seinen Ehren geben. Und jene die ihn begleiteten.

Legolas, welcher es inzwischen leid war, ziellos durch den Immer-Grünen -Wald zu streunen, hatte sich im benachbarten Elbendorf in der Schenke niedergelassen. Grübelnd starrte er orkgroße Löcher in die Luft und nippte an dem Apfelwein.

So, so, drückt sich der Herr Elb mal wieder vor der königlichen Etikette. Dröhnte es in Kneipenmanier in seine Richtung. Legolas war die Stimme wohl bekannt und er rückte ein wenig zur Seite. Setz dich doch, Irmanir. Was führt dich her?

Dich könnte ich dasselbe fragen. Doch begrüßt man so einen alten Freund?

Nein, verzeih mein Benehmen. Legolas hob den Kopf und ein leichtes Lächeln war zu erkennen. Schnell verfielen sie in eine Plauderei. Nach einer Weile hielt Legolas inne und musterte seinen Freund von der Seite. Jener schien sich überhaupt nicht verändert zu haben.

Seit wann bist du wieder in der Heimat? Irrmanir schob den Krug beiseite und winkte dem Wirt zu. Noch einmal dasselbe für mich und meinen Freund. Irrmanir war nicht im Krieg gewesen.

He, Legolas, träumst du mit offenen Augen? Der Bärtige ellenbogte den anderen. Verzeih, seit ein paar Wochen.

Ich vernehme Trauer in deiner Stimme. Dabei solltest du Grund zur Freude haben. Der Ringkrieg ist gewonnen. Du bist ein Held

Ein Held. Leoglas zog den neu gebrachten Apfelwein zu sich und nahm einen langen Schluck. Hielt kurz inne, seufzte schwer. Sag mir, was bringt es ein Held zu sein, wenn alle um mich herum gen Westen segeln?

Irrmanir stutzte. So, so, der Fürst hatte sich also entschieden zu gehen und mit ihm sein Volk. Legolas war nun knapp des Wortes und malte imaginäre Kreise auf die Holzbank.

Siehst du nun, mein Freund, warum ich hier sitze und Trübsal blase. Aber genug von mir. Wie ist es dir ergangen? Insgeheim war Irrmanir froh über die Wendung und fing an von Haus und Hof zu berichten.

Dunkle Nacht hatte Mittelerde und den Immer- Grünen- Wald in Schweigsamkeit gehüllt. Legolas begleitete seinen Freund noch ein Stück. Der Hof des Bärtigen lag ein paar Gehmeilen außerhalb des Dorfes. An der großen Waldstrasse hielten beide inne. Seufzend schaute Legolas gen Abendhimmel.

Nach einer Weile runzelte er die Stirn. Ist dir nicht etwas aufgefallen, Irmanir? Der Bärtige schaute ihn verdutzt an. Was meinst du Legolas? Der Elb hielt kurz inne, das Kinn noch nach oben gerichtet. Sooft ich ihn auch suche, meine Augen vermögen ihn nicht zu finden.

Du sprichst in Rätseln, mein Freund. Wen meinst du? Legolas Blick wendete sich wieder dem anderen Elben zu.

Den Abendstern. Ich kann den Abendstern nirgends mehr entdecken.

Bald trennten sich ihre Wege.

Derweil, an einem anderen Ort

Ein dumpfes Pochen riss ihn aus dem Schlaf. Verwirrt setzte er sich auf, hielt dann einen Moment inne. Wo, wie, was?

Wieder, diesmal lauter. Jemand klopfte an die Tür seine Gemaches. Um diese Uhrzeit. Herrgott noch mal, wenn der Störenfried keine akzeptable Entschuldigung hervorbrachte würde er ihn eigenhändig…

Herein! Ein Diener, dessen Namen er sich nicht hatte merken können, trat unsicher über die Türschwelle und starrte auf den Steinboden.

M-m-mein Herr…stotterte der Jüngling…der Anblick ließ ihn innerlich grinsen. Doch als König hieß es Haltung bewahren.

Nun!

W-w-wir ha-ha-haben soeben Nachricht erha-ha-halten aus…Wieder stockte er. Nachricht von wem? Sprich weiter!

A-a-aus Bruchtal, m-m-mein Herr. Die Frau Königin...S-s-s-ie…

Was ist mit ihr? Aragorn stand jetzt direkt vor ihm.

Sie w-w-wird s-s-s-eit S-s-stunden v-v-vermisst....

Wieder im Immer-Grünen-Wald

Legolas blickte nachdenklich über das Grüne Blätterdach. Wechselte dann und wann von einem Fuß auf den anderen, wenn der eine einzuschlafen drohte. Immer wieder fiel sein Augenmerk nach oben. Das Abhandenkommen des Abendsterns beunruhigte sein Gemüt.

Er spürte, dass etwas nicht stimmte. Elben haben einen Sinn für so etwas. Ein entferntes Rascheln riss ihn aus dem Gedankenstrom. Blitzschnell drehte er sich Richtung Geräusch, den Bogen im Anspann...

Ende Kapitel 2