Es hatte nicht mehr lange gedauert, da hatte Thorin die Gruppe angehalten. Jeder ging sofort seiner Aufgabe nach, und Derin stand wie bestellt und nicht abgeholt mitten zwischen 13 herumwuselnden Zwergen und einem Hobbit, der ebenfalls leicht aufgekratzt hin und her lief.
Es dauerte ein bisschen, und langsam kam der Schmerz wieder. Am liebsten hätte Derin sich in eine dunkle Ecke verkrochen, bis der Schmerz verschwunden sein würde, doch er musste es bis zu Thranduil schaffen. Er schloss seine Augen und versuchte, sich auf etwas zu konzentrieren, um den Schmerz erneut auszublenden.
Als er seine Augen wieder öffnete, stand Thorin vor ihm.
„Kann ich Euch helfen?"
„Komm mit zu den anderen.", sagte Thorin nur. „Bombur hat gekocht, und du könntest eine kleine Stärkung vertragen."
Zunächst wollte Derin ablehnen, doch wie auf Kommando knurrte sein Magen.
„Siehst du?", grinste Thorin. Er kannte die Einstellung des jungen Mannes nur zu gut von seinen Neffen. War er mit den beiden länger unterwegs und Kili hatte kein Glück beim Jagen gehabt, wollten sie auch immer ablehnen, nachdem er selbst dann nochmal losgezogen und mit einem Kaninchen oder ähnlichem zurückgekommen war. Die beiden waren dann einfach zu stolz, um zuzugeben, dass sie noch viel lernen mussten und um zu akzeptieren, dass man nicht immer Glück haben konnte.
„Komm mit!"
Grummelnd folgte Derin dem Zwerg zu den anderen, und ließ sich ein wenig umständlich auf einen Platz im Gras fallen, den Thorin ihm zuwies. Kaum hatte er sich gesetzt, hielt man ihm auch schon eine Schüssel gefüllt mit einem herrlich duftenden Eintopf unter die Nase.
Schweigend aß er, unterdrückte den Drang, die Schüssel so schnell wie möglich in sich hinein zu schaufeln, während die anderen über den weiteren Tagesverlauf berieten. Er hatte bestimmt seit zwei Tagen nichts mehr gegessen.
Dies dauerte nicht lange, und kaum hatte Derin aufgegessen, da wandte sich Thorin an ihn.
„Kili und Fili haben mir zugetragen, dass du ihnen von der Schlacht erzählt hast."
„Das stimmt, und ich habe ihnen auch vom Anführer der Orks berichtet, und dass ich mich an ihm rächen werde.", erwiderte Derin etwas verunsichert. „Sie benahmen sich ein wenig komisch, und sagten, dass Ihr mir am besten erklären könntet, was es mit ihrem Verhalten auf sich hat."
„Das kann ich in der Tat.", sagte Thorin. „Aber zuerst möchte ich, dass du mir den Ork nochmal beschreibst."
„Er war weiß, und die anderen schienen sich schon fast vor ihm zu fürchten.", begann er. Thorin hielt bei diesen Worten die Luft an, was Derin aber nicht bemerkte.
„Und er hatte einen Metallarm und ritt auf einem weißen Warg."
Nun schwiegen alle für einen Moment, bis Thorin sich die richtigen Worte im Kopf zu Recht gelegt hatte und antwortete.
„Ich kenne diesen Ork.", begann er vorsichtig. „Das ist Azog, der Ork, der meinen Großvater tötete."
Zunächst sah Derin den Zwerg fragend an, doch nach ein paar Sekunden weiteten sich seine Augen, und er schien zu verstehen.
„Ich…äh…ich…"
„Du wirst deine Rache bekommen.", sagte Thorin nur. „Doch das ist etwas, was noch warten kann. Wichtig war, dass du erfuhrst, gegen wen du gekämpft hast. Nun sollten wir uns mehr auf das Jetzt konzentrieren."
Derin nickte, und erneut herrschte Stille, bis Derin vorsichtig zu einer Frage ansetzte.
„Darf ich Euch etwas fragen?"
„Alles.", erwiderte Thorin daraufhin nur freundlich.
„Eure Neffen haben mir erzählt, was der Grund für Eure Reise ist.", begann er langsam. Er wollte den Zwerg nicht verärgern. Thorin nickte nur. „Der Durinstag ist nicht mehr fern, und es ist noch ein ziemlich weiter Weg bis zum Erebor, und trotzdem wollt Ihr Thranduil bitten, die Vorräte aufzustocken und meine Wunden zu versorgen. Warum?"
Nun war es Thorin, der den Menschen fragend und verwundert ansah, und der Zwerg schwieg erneut, bevor er antwortete.
„Sobald wir den Düsterwald durchquert haben, ist es nicht mehr weit, wenn wir nicht trödeln.", sagte er. „Warum bist du mit unserer Zeitrechnung vertraut?"
„Mein Vater hat einige Jahre mit mir und meinem Bruder in einer Zwergenstadt gelebt und als Schmied gearbeitet.", sagte Derin schnell. Zu schnell für Thorins Geschmack, doch er beließ es dabei. Stattdessen wandte er sich den anderen zu.
„Packt eure Sachen, in fünfzehn Minuten brechen wir auf."
Derin gab Bombur seine Schüssel und wollte schon einen Versuch starten, aufzustehen, als Fili ihn zurück hielt.
„Thorin will nochmal nach deinem Bein sehen.", sagte er. „Mein Bruder und ich werden dich schon mal darauf vorbereiten. Es könnte ziemlich schmerzhaft werden."
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