Es dauerte nicht lange, bis Thorin ebenfalls zu dem jungen Menschen stieß. Fili hatte sich ins Gras gesetzt, Rücken an Rücken mit Derin, für alle Fälle. Kili kniete neben ihm, und Thorin machte sich ohne ein weiteres Wort an Derins Bein zu schaffen. Zunächst schien es, als würde der junge Mann gut mit den Schmerzen zurechtkommen, doch kaum hatte Thorin angefangen, den provisorischen Verband zu lösen, musste der Zwerg nicht einmal von seiner Arbeit aufsehen, um zu bemerken, dass der Mensch vom Schmerz förmlich überwältigt wurde.
Er schloss die Augen und lehnte sich nach hinten, gegen Filis Rücken. Thorin spürte, wie sich Derins Muskeln anspannten und nickte Kili zu. Sein jüngster Neffe legte seine Händen auf den Oberschenkel des Mannes und fixierte das Bein, indem er sich etwas auf das Bein stützte.
Thorin machte unbeirrt weiter, achtete nun aber mehr darauf, wie Derin reagierte, agierte also vorsichtiger. Er hatte die Wunde nun endgültig freigelegt, und begann sie nun vorsichtig mit ein wenig von dem Kräutersud auszuwaschen, den sie schon benutzt hatten, als sie ihn auf dem Schlachtfeld fanden. Auch das schien der Mensch zunächst halbwegs gut wegzustecken, doch schon nach wenigen Sekunden verkrampfte er sich noch mehr, begann, sich zu bewegen. Nun drückte Kili seinen Arm mit einer Hand Richtung Boden, um Derin daran zu hindern, sich zu stark zu bewegen. Viel brachte dies jedoch nicht, denn Thorin musste seine Arbeit unterbrechen.
„Halte ihn besser fest, er bewegt sich zu viel."
„Ich kann nicht.", erwiderte Kili und versuchte, eine bessere Position zu finden, um den Menschen zu fixieren.
„Fili, hilf deinem Bruder!"
Fili tat wie geheißen, und kniete sich nun schräg hinter Derin, sodass er ihn immer noch stützen, aber gleichzeitig auch festhalten konnte. Thorin fuhr fort.
Als nächstes begutachtete er die Wunde, und säuberte sie im nächsten Schritt erneut, bevor er diese mit einigen Blättern des Krautes bedeckte und mit einem Streifen Stoff, den er aus seiner Tunika gerissen hatte, umwickelte.
Die Beinschiene mit dem Riss ließ er diesmal weg, da er glaubte, dass es für Derin vielleicht angenehmer sein würde.
Kili und Fili redeten leise auf ihn ein, drückten seine Hand. Thorin sah, dass sich seine Neffen schon erheblich mit dem Menschen angefreundet hatten.
„Die Wunde hat sich nicht verbessert, aber sie ist auch nicht stärker entzündet als gestern.", bemerkte Thorin. „Reichen dir zehn Minuten?"
Die Frage war an Derin gerichtet, der immer noch die Augen geschlossen hatte, und schwer atmend an Fili lehnte. Die ganze Prozedur hatte zehn Minuten in Anspruch genommen, aber Thorin kannte das schlechte Zeitgefühl seiner zwölf Begleiter, also würden die fünf Minuten Verspätung nicht auffallen.
Der Mensch öffnete seine Augen ein wenig, sah Thorin an und nickte kurz. Thorin klopfte ihm nochmal auf die Schulter und ließ ihn mit seinen Neffen alleine.
Die nächsten Tage würden hart für Derin werden. Sehr hart.
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