Die letzte Zeit bis hin zum Schulanfang verging für Draco wie im Flug. Er war nun, als offizieller Schüler, damit beschäftigt sich seine Schulsachen zu besorgen und mit allem Nötigen für die kommende Zeit einzudecken. Es erstaunte ihn, dass die Schuluniformen sich in keinster Weise von der, die er gewohnt war, unterschied. Er hatte zwar nicht erwartet, dass sie groß anders wäre – Hogwarts war in gewisser Weise traditionell – aber es war für ihn fast schon erschreckend, dass er die Sachen anzog und den seltsamen Eindruck bekam wieder „zu Hause" zu sein.

Noch wanderte er ungestört durch die altvertrauten Gänge – allerdings verstärkten diese das unheimliche Gefühl des Bekannten, liesen ihn schwer schlucken und doch zugleich die Schultern straffen. Er wollte kein mulmiges Gefühl in sich aufkommen lassen, welches ihm ins Ohr flüsterte dass jederzeit irgendwer entsetzt „Verräter! Mörder!" kreischen könnte.

Hier und jetzt war er noch kein Mörder – und wenn er es geschickt anstellte.. dann musste er auch nie einer werden.

Die wenigen Stunden bis zum Willkommensfest zogen sich allerdings lang und zäh dahin, im Vergleich zu den letzten Tagen.


Beinahe hätte der gewohnte Trubel ein Lächeln auf Dracos Gesicht gezaubert – aber nur beinahe. Seine Sinne waren viel zu sehr damit beschäftigt einen Schüler ausfindig zu machen, den er zwar noch nie gesehen hatte.. aber von dem er wusste, dass er ihn sofort erkennen würde. Wenn er ihm nur endlich ins Sichtfeld laufen würde.

Dunkelblond, dunkelblond, schwarz, hellbraun, schwarz, flammendes rot – Weasley? – dunkelbraun.

Aber bisher hatte er noch nicht das Glück gehabt einen Haarschopf ausfindig zu machen, dessen bleiche Färbung höchst rar war in der Zaubererwelt. Wenn es nicht so absurd wäre hätte er sich fast schon Sorgen gemacht in der falschen Zeit gelandet zu sein.

Mittelbraun, aschblond, schwarz, schwarz, silberblond, hellbraun.. Stop! Silberblond.

Hastig huschte Dracos Blick zurück – und er sollte sich nicht getäuscht haben. Inmitten einiger Schüler, deren Hausfarben an den Uniformen sie als Slytherins kennzeichnete, stand er.

Bis auf die Haarfarbe und aristokratische Blässe erinnerte ihn jedoch nichts an seinen Vater.

Er war hochgewachsen, schmal und athletisch – man konnte seine später, breitschultrige und kraftvollere Statur nur sehr entfernt erahnen. Noch nicht einmal dessen silbergraue Augen, die seinen ureigenen so ähnlich waren, erschienen Draco vertraut. Strahlten sie zu Hause Ernsthaftigkeit und.. Gefahr aus, so waren sie hier ein einziges Funkeln aus Verwegenheit und mildem Spott. So voller Leben.

Die silberblonden Haare waren windgesträhnt und einfach nur mit einem Band zurückgenommen – so als würde es helfen das Chaos zu mildern. Keine Chance. Wenn es nicht unmöglich wäre, hätte Draco darauf getippt dass sein Vater eben vom Quidditch spielen kam.. aber so?..

Was ihn jedoch am meisten schockierte war das Fehlen seiner Haltung (die lose um den Hals gelegte Krawatte für den Moment schlicht ignorierend). Er kannte von Lucius nur das gerade Kreuz und den aufrechten Gang – etwas dass er bei Draco immer wieder bemängelt hatte.
In dieser Zeit dagegen hatte der junge Malfoy die Arme vor der Brust verschränkt, den Kopf zur Seite gelegt, der Oberkörper leicht schräg nach hinten geneigt und ein Fuß überkreuzt vor dem anderen.. lieferte das Paradebeispiel schlechthin, dass es möglich war sogar im stehen zu lümmeln.

Unwillkürlich schoss Draco die Frage durch den Kopf, wie sein Vater es schaffte nicht umzukippen. Dicht gefolgt von dem unwiderstehlichen Drang ein Beweisfoto zu machen, und es für die nächste Gelegenheit aufzuheben, bei der Lucius ihn an einen geraden Rücken erinnern würde.. .


Ungläubig behielt er die kleine Gruppe noch eine ganze Weile im Auge – den Kopf scheinbar desinteressiert abgewand und seinen Vater durchweg aus den Augenweinkeln beobachtend. Er wusste, dass es auffällig sein könnte, wenn er weiter direkt neben dem Eingang zur Großen Halle stehen bleiben würde. Aber es sollten noch einige Minuten verstreichen, ehe er sich langsam wieder in Bewegung setzte – ohne Angst bei nächster Gelegenheit einen Kieferorthopäden konsultieren zu müssen.

Mit mehr Anstrengung als er aus „seinem" Hogwarts kannte, schob er sich schließlich durch den noch ununterbrochenen Schülerstrom in die Halle, mit dem festen Ziel sich so nah wie möglich zu Lucius zu setzten.


Anm.:Kurz – nicht all zuviel Inhalt, wenn man den ersten Blick auf Lucius streichen würde.. aber ich habe eine kleine und (hoffentlich) passable Entschuldigung: Schreibblockade. Und mir fiel nichts besseres ein als trotzdem weiter zu schreiben, um sie zu brechen. „scheues lächeln"