Wut, Frustration.. und ganz entfernt auch stille Erheiterung prägten in den nächsten Tagen Dracos Gefühlswelt, wann immer er seinen Vater miterleben dürfen musste.
Statt sich an dessen Art zu gewöhnen, machte ihn jede Kontroverse zu dessen erwachsenen Selbst noch eine Spur konfuser.. und lies ihn glauben, fast hoffen, dass seine Zeitreise genügend im Äther verändert hatte, um der Urheber hierfür zu sein.
So wusste er zum Beispiel, dass sein Vater Schulsprecher gewesen war – doch das Fehlen seines Abzeichens und der Umstand, dass niemand Lucius darauf ansprach, keine Gratulation, keine Fragen, lies ihn fast an seine Äther-Theorie glauben. Bis er bei einem Klassenwechsel hinter Lucius hergegangen war, und es mit einem gewissen Entsetzen dreist baumelnd am Lederband erspäht hatte, welches das platinfarbene Chaos bändigte.
Außerdem sprach auch der Unterricht gegen diese schöne Theorie. Draco hatte nie bewusst hinterfragt, weshalb er seinen Vater nie Dinge verwandeln hatte sehen – es hatte ihn lediglich bei Zeiten ein wenig gewundert, wenn seine Mutter eine Spur zu genüsslich die Frage stellte, ob Lucius Dinge, die er nicht finden konnte, verwandelt hatte.
Der Blonde, so oft er in anderen Fächern auch ein „O" bekam, war in Verwandlung schlicht eine lebende Katastrophe. Dinge, die er verwandeln sollte, hatten den unwiderstehlichen Drang zu explodieren, ohne Wiederkehr zu verschwinden.. oder schlichtweg garnicht auf den frustriert geschwungenen Zauberstab zu reagieren.
Und die Spannung, die sich über die Jahre zwischen Lucius und Professor McGonegall aufgebaut hatte, war im Unterricht fast greifbar. Nach all dieser Zeit waren sie wohl einfach überreizt voneinander.
Der Gedanke daran, dass Lucius das Fach hätte abwählen können, entlockte dem nun Braunhaarigen ein feines Grinsen. Vor allem bei der Vorstellung, was Abraxas Malfoy, eine Koryphäe der Verwandlung, wohl dazu gesagt hätte.. .
Allerdings gab es einige Dinge, die seine Gesichtszüge zum erstarren brachten. Und dazu gehörte vorneweg Bellatrix Black – seine Tante, bei der er Angst bekam, dass sie eigentlich seine Mutter werden könnte. Bella war ohne Zweifel hübsch, aber damit endeten ihre Vorzüge in Dracos Augen auch sehr rapide.. . Einen derart morbiden Frauengeschmack hätte er seinem Vater nie zugetraut; und vor allem dieses offene Ausleben ihrer – er weigerte sich, es Beziehung zu nennen. Sie waren nicht verlobt, dennoch küsste er sie öffentlich.. oder lies sie in der Trautheit des Gemeinschaftssaals den Abend über auf seinem Schoß sitzen.
Nicht eben leise hallten dem jungen Malfoy die Worte seines Vaters nach, dass Mann / Frau sich zurückzuhalten hatte, bis alles seinen „ordentlichen Weg" ging. Oder hatte da eine schlechte Erfahrung aus ihm gesprochen?
Draco hob scharf eine Augenbraue, als er die beiden am Abend vor dem Kamin aus den Augenwinkeln heraus beobachtete. Dazu würde das hier werden – und wenn er höchst persönlich dafür Sorge trug!
Er war einer von vielen, dessen Blick ab und an zu der kleinen Gruppe am Feuer huschte – aber wohl der Einzige, der eine zart gebaute, jüngere Blondine am Rand des Gemeinschaftsraumes nicht nur wahrnahm, sondern auch den Kummer aus ihrem Blick herauslas, wann immer er ihr Buch verlies und das bekannte Slytherin-Pärchen streifte.
Ihr Haar war sehr hell – aber eher goldstichig, denn das typische Malfoy-Silber. Und sie wirkte blass, für eine Slytherin nicht ungewöhnlich.. aber die schüchterne Haltung wollte so garnicht hier her passen. Ebensowenig der beständig gesenkte Blick. Er musste mehrere Male hinsehen, um in der – geschätzten – Drittklässlerin seine Mutter zu erkennen. Und es schockierte ihn – denn 'so' hatte sie nichts mit der jungen Narzissa Black gemein, die er von Fotos kannte.
Draco brauchte einige Augenblicke, um diese neue Erkenntnis zu schlucken. Andererseits war sie im Gegensatz zu jetzt auf den Fotos auch schon ein werdender Teil der Malfoy-Familie. Irgendetwas lief hier furchtbar falsch.
Seine eigene Lektüre vergessend, legte Draco selbige zur Seite und erhob sich. Vielleicht täuschte er sich. Vielleicht wirkte sie nur scheu, und war ganz anders, wenn man mit ihr sprach.. ? Mit dieser Hoffnung bahnte er sich seinen Weg durch den Gemeinschaftsraum.
Anmerkung: Eigentlich hatte ich die FF pausiert.. aber irgendwie huscht sie mir in (wahrlich.. ) kleinen Teilen wieder unter den Fingern durch. Ich hoffe sie ist trotz Kürze eine positive Weihnachtsüberraschung. Ein Frohes Fest an alle!
