On Ice
Bellas Sicht
Edward verschwand hinter den vielen Schatten der Nacht. Ich lächelte immernoch. Er war mir sehr sympatisch. Ich fasste die Hand, auf die er vorhin einen Kuss gehaucht hatte. Als ich die Stelle berührte, wo seine Lippen meine Hand berührt hatten, kribbelte es wohlig in meinem Bauch.
Seufzend, da dieser Tag bald zu Ende war, ging ich ins Haus und schloss die Tür. Ich hatte nicht viel zu tun. Die Matratze war bereits aufgepumpt, also trug ich sie in mein Schlafzimmer. Es war ziemlich kalt – kein Wunder, die Heizung war nicht an. Hoffentlich funktionierte sie gut …
Ich drehte den Duschhahn auf und angenehmes, warmes Wasser fließte an meinem Rücken herab. Erneut seufzte ich. Und erneut dachte ich an die Momente von vorhin und an Edward. Der Name blieb mir einfach im Gedächnis haften, als würde er selbst in meinem Kopf sitzen, nur er, sodass ich ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommen konnte. Aber das war es wert. So einen Jungen kriegte man doch schliesslich nicht alle Tage zu sehen. Sein Antlitz, sein Lächeln, seine schönen, grünen Augen, sein bronzefarbenes Haar … Er war einfach zu schön, um wahr zu sein. Doch an seiner Familie war etwas seltsam. Die Augen von Alice und den anderen hatte ich noch deutlich in Erinnerung – denn die sahen auf jeden Fall anders aus, als die von Edward. Die Augen von ihnen waren ja Topas, seine waren grün.
So eine seltsame Augenfarbe hatte ich ja wirklich noch nie gesehen! War das hier in Alaska etwa ein neuer Trend? Andersfarbene Kontaktlinsen? Oder gehörte das zu ihrem Image? Nur warum hatte Edward dann keine topasfarbene Augen? Aber auch Alice ist anders. Von Emmett, Rosalie und Jasper könnte ich mir vorstellen, dass sie die Kinder von Dr. Cullen und Esme Cullen waren. Doch Alice hatte eine ganz andere Haarfarbe. Aber vielleicht hatte ja Dr. Cullen einfach neu geheiratet … Aber was war mit Edward? Meine Güte, schwirrten mir echt so viele Fragen durch meinen Kopf? Ich sollte lieber damit aufhören, darüber nachzugrübeln, sonst würde mein Gehirn anfangen zu protestieren.
Ich drehte den Duschhahn wieder zu und zog meinen Bademantel an. Dann stand ich vor dem Spiegel. Es hatte sich nichts an mir verändert, ausser dass sich durch meine Aufregung meine Wangen rosa gefärbt hatten. Es sah eigentlich ganz hübsch aus, wenn meine Haut ein wenig Farbe bekam. Ich föhnte meine Haare, kämmte sie und dann schlüpfte ich in mein Pyjama. Den bekam ich von meiner Mutter. Sie hatte ihn in Victoria's Secret gekauft.
Sofort huschte ich in mein Zimmer. Nun war es erstaunlich warm. Die Heizung funktionierte wirklich gut – oder ich war einfach zu lange in der Dusche. Ich trat ans Fenster. In weiter Ferne sah ich ein Licht. Ich kniff die Augen zu schmalen Schlitzen, damit ich was erkennen konnte, aber es war einfach zu dunkel. Schliesslich gab ich es auf, hüpfte auf meine Matratze, zog mir die Decke über und schaltete das Licht aus. Ich schlief traumlos.
Der Tag war sonnig als ich meine Augen wieder aufschlug. Ich setzte mich auf. In der Nacht war die Luft aus meiner Matratze wieder gewichen – na toll. Ich saß nun auf dem eiskalten Boden und bemerkte, wie steif mein Rücken nun war. Ich versuchte aufzustehen – es knackste bei jeder meiner Bewegungen.
„Au. Ich glaub, ich wird zu ner Oma …", murmelte ich und zog mir meinen Bademantel über und trat auf den Balkon. Die Luft war kühl und angenehm.
„Hey Bella!", brüllte jemand zu mir hoch.
„Edward?", flüsterte ich, doch fehlanzeige. Es war mein Vater Charlie. „Hey Dad!"
„Komm, zieh dich an, die Umzugsleute kommen gleich."
„Ok, gib mir ein paar Minuten."
Schnell zog ich mich an – ich entschied mich für meine blaue Bluse, einer weißen Strickjacke und Bluejeans. Meine Haare bindete ich zu einem Pferdeschwanz zusammen. Ich rannte ins Bad, putzte mir schnell die Zähne, prüfte mich nochmals im Spiegel und rannte wieder hinunter, nach draußen. Charlie stand schon im Vorgarten.
„Na, Bells, wie war die erste Nacht?"
„Hmpf, nicht sehr toll. Die Matratze hatte ihren Dienst verweigert."
„Oh, das heißt dann wohl, dass du auf dem Boden schlafen musstest …"
„… während du ein Zimmer mieten und auf einem Bett schlafen konntest.", vollendete ich mit gespielter, grimmiger Miene.
„Tut mir leid. Aber es war ja nur für eine Nacht, heute wird ja dein Bett geliefert."
„Hey, Dad"
„Ja?"
„Ich habe gestern echt nette Nachbarn kennen gelernt.", sprudelte es mir heraus.
„Ja? Wer wars denn?", fragte er neugierig.
„Dr. Cullen und seine Familie." Charlies Mund klappte nach unten.
„Das ist nicht dein Ernst, oder? Jetzt echt?"
„Ja. Dr. Cullen meint, ihr kennt euch."
„Ja natürlich kennen wir uns!"
„Du hast mir nie etwas über seine Familie erwähnt …"
„Na ja, du bist ja sonst nicht wirklich erpicht darauf, Bekanntschaften zu machen."
„Dinge ändern sich."
„Und, wie war dein erster Eindruck von den Cullens?"
„Sie sind allesamt sehr hübsch. Und nett." Und wie …
„Ja, das stimmt. Aber das überrascht mich …"
„Was überrascht dich?"
„Dass alle Kinder von ihnen adoptiert sind."
„Was? Alle?" Das würde vieles vielleicht erklären … Und meine Denkprobleme nur noch erschweren.
„Ja, einer von ihnen, Edward, glaub ich, wurde zuletzt von ihnen aufgenommen." Ah, vielleicht kriegte er ja auch noch bald topasfarbene Kontaktlinsen … Vielleicht war dies ja Tradition, oder so.
„Das ist wirklich nett von Mr und Ms Cullen."
„Das kannst du laut sagen."
„Oh, wann kommen nun die Umzugsleute?"
„Gleich müssten sie da sein – ah, wenn man vom Teufel spricht." Natürlich meinte er das mit dem ‚Teufel' nicht so.
Der mittelgroße Wagen platzierte sich selbst in der Straße, sodass sie nicht auf Charlies Hilfe angewiesen waren. Ich ging aus dem Weg – sobald der Wagen zum Stillstand kam, fingen die Leute an, die Kartons und die vielen Möbel ins Haus zu tragen. Ich wäre ihnen nur ein Hindernis.
„Bella!" Ich erkannte die Stimme und drehte mich sofort um. Es war – Edward. „Hey, wie geht's? Wie ich sehe, fangen sie schon an."
„Ja. Jetzt fängt das Chaos an." Ich lächelte mild. Charlie bemerkte unseren Besucher.
„Ah ja, Edward. Das ist mein Vater." Charlie betrachtete Edward neugierig.
„Hallo, freut mich dich kennen zulernen. Mein Name ist Charlie Swan. Und du bist?"
„Edward Cullen." Charlie riss die Augen auf, fing sich aber wieder.
„Ah, der Sohn von Dr. Cullen, nicht wahr?"
„Richtig." Die zwei kamen mir wie zwei gute Kumpels vor, die sich seit langem kennen.
„Wie ich sehe, hast du schon meine Tochter kennen gelernt."
„Ja." Edward klang mit jedem Wort höflicher. Es beeindruckte Charlie.
„Nun, Chief Swan"
„Du darfst mich ruhig Charlie nennen."
„Okay, Charlie. Kann ich irgendwie helfen?"
„Nun ja, Bella und ich werden wohl damit beschäftigt sein, alles einzuräumen und die Möbel aufzubauen. Aber ich weiß nicht, ob ich ihr heute damit helfen kann, ich muss noch viele Dinge erledigen."
„Ich könnte mit meiner Familie helfen. Es würde alles sehr schnell fertig sein."
„Wär das möglich? Ich möchte aber keine Umstände bereiten."
„Aber nein. Es macht mir und meiner Familie wirklich nichts aus."
„Das ist gut, ich habe nämlich gleich ein Meeting."
„In Ordnung, ich hole dann gleich mein Vater, um ihm Bescheid zu sagen."
„Es tut mir wirklich leid, Bells.", Er wendete sich wieder mir zu. „Aber in seiner Obhut kann ja wohl nichts schief laufen." Wieso musste Dad immer abhauen? Was hatte er bloß vor?
„Ich werde auf alles achten, Sir."
„Schön.", sagte Charlie und lächelte. „Bis dann, Bells. Ich bin sobald wie möglich zurück."
„In Ordnung, Dad." Charlie trommelte noch schnell den Rest der Helfer zusammen, dann verschwand er mit ihnen. Und wir waren allein. Wieder versetzte mich der Gedanke einen kleinen Stich.
„Wie willst du das denn anstellen?", fragte ich Edward.
„Was denn?"
„Na, das mit den ganzen Möbeln und so. Wie soll das denn heute alles fertig werden?"
„Das überlass mal mir." Er zwinkerte. „So. Ich habe meinem Vater schon Bescheid gesagt, dass er mitsamt dem Rest kommen soll."
„Huh? War das alles also geplant?"
„Aber sicher."
„Wie hast du dann" Ich wurde unterbrochen, denn Carlisle Cullen kam mit dem Rest seiner Familie auf uns zu.
„Hallo Bella.", begrüßte mich Carlisle in einem freundlichen Ton.
„Guten Morgen, Carlisle."
„Okay, Edward. Überlass es mal uns. Du kannst gehen." Carlisle schaute Edward an, dieser nickte. Konnten sie sich einfach so ohne Worte verstehen?
„Gehen?", erwiderte ich.
„Ja. Mit dir." Ich schluckte und erinnerte mich an die Worte, die Edward gestern gesagt hatte.
„Ich glaub, du hattest noch etwas anderes im Sinn?"
„Na ja, schon. Wir könnten doch dann Schlittschuhlaufen, oder so."
„Nur wenn du willst."
„Ich würd ja gerne, nur"
„Du kannst kein Schlittschuhlaufen?"
„Ja, das auch …"
„Die Sache ist, aber lach mich bitte nicht aus, ja?"
„Nein, ich versprechs."
„Also gut. Es ist so, dass ich ziemlich, aber wirklich ziemlich ungeschickt bin. Bei sportlichen Aktivitäten sowieso. Ich kann ja noch nicht einmal über eine gerade Oberfläche laufen, ohne zu stolpern. Ziemlich armselig, findest du nicht?"
„Wie wärs, würdest du, wenn wir mit der Umzugssache fertig sind, mit mir Schlittschuhlaufen? Ich werde dir auch helfen. Wirklich, es macht Spaß."
„Wenn du dabei bist … Na gut. Warum nicht. Viel hab ich ja nicht zu verlieren."
„Außer dass du stolpern könntest. Aber natürlich fang ich dich dann auf."
„Ok."
Wieder schluckte ich.
„Also Bella. Bist du bereit?" Edward schaute mich direkt an, seine Augen funkelten. Ich hätte schwören können, jemanden dabei kichern gehört zu haben.
„Ich habe ja schon zugesagt … Also gut."
„Wie gesagt, ich fange dich auf, falls du stolperst." Er grinste.
„Wir sind dann fertig, wenn ihr dann zurückkommt.", sagte Carlisle.
„So schnell?"
„Überlass das uns.", sagte Carlisle und lächelte. Und die anderen schauten mich freundlich an. Na dann … Ich werds ja sehen.
Edward zog mich hinter sich zu seinem Auto. Es war ein silberfarbener Volvo. Passte zu ihm. Ich drehte mich nochmals um, um mich zu vergewissern, dass die Cullens keine Magie benutzten. Doch als ich hinsah, sah ich nur, wie sie ganz normal die Möbel hin- und her trugen und Carlisles Anweisungen befolgten. Alice winkte mir zu.
Ich setzte mich neben Edward auf den Beifahrersitz. Und sofort fuhr er los. Im Radio lief Musik aus den Fünfzigern. Edward hatte mir ja schon über seinen Musikgeschmack berichtet.
(Fortsetzung folgt)
„Und?", fragte Edward mich. „Wie hast du heute geschlafen?" Er drehte sich zu mir um und zeigte mir sein wunderschönes Lächeln. Ich konnte ihn erst nur eine ganze Weile anstarren, bevor ich ihm antwortete. Sein Anblick nahm mir einfach den Atem.
„Äh, gut. Und du?"
„Hätte nicht besser sein können.", erwiderte er mit breitem Grinsen. „Und was hast du noch gestern Abend gemacht?"
„Es gab nicht viel zu Auswahl … Ich bin einfach Schlafen gegangen."
„Hmm, dann hättest du einfach bei mir klingeln sollen, dann hätte ich dich schon irgendwie beschäftigt.", sagte er neckend.
„Mit was? Putzen?" Ich riss mit gespieltem Schrecken meine Augen auf.
„Nee, wir erledigen den Haushalt selbst. Da müssen keine Putzfrauen her." Er grinste noch immer.
„Sehr witzig."
„Aber jetzt im Ernst", Und sofort sah er ernst aus. „Wenn dir langweilig oder so ist, dann darfst du gern bei uns vorbeischauen. Es ist alles kein Problem. Wir sind schließlich Nachbarn, nicht?"
„Sicher.", sagte ich und nickte. Im Radio war ein Lied, das ich überhaupt nicht kannte. Edward jedoch schien es zu kennen. Er sang mit. Ich beobachtete ihn. Seine Lippen formten jeden einzelnen Buchstaben, sodass ich den Text sogar von ihnen ablesen konnte, ohne zuzuhören zu müssen. Er hatte eine sehr schöne, und angenehme Stimme. Eine Stimme, die jedes Mädchen zu schmelzen bringen würde.
Er merkte, dass ich ihn durchgehend anschaute und sein Blick traf meinen. Dennoch sang er weiter.
You and I were torn apart
I should have known from the start
We
fell in love a lot too fast
I could have seen it wouldn't last
I can't forget the night that we met
It burns deep down in my
soul
And all of those years
Have turned into tears
Something
made us let go
You and I were bound to change
What made our lives rearrange
I
was true, so were you
Why did our love turn to pain
All of those nights
That we've been apart
I kept my heart
crying for you
All of those days
They've been so sad
We
never knew what we had
All of those nights
That we've been apart
I kept my heart
crying for you
All of those days
They've been so sad
We
never knew what we had
You and I weren't meant to be
Why can't my heart be set free
Das Lied war einfach wunderschön. Wenn Liebe wirklich so aufregend wäre, wüsste ich nicht, ob ich sie überhaupt überleben würde. „An was denkst du, Bella?", unterbrach Edward meine Tagträumereien.
„Ich denke an … nichts." Ich konnte ja schlecht zugeben, dass ich an ihn dachte. „Nein, wirklich."
„Bitte, Bella", hauchte er. Das war unfair! Ich seufzte.
„Nun ja. Ich dachte genau genommen an deine Familie." Er hob eine Augenbraue, ich biss mir auf die Lippen. Er schwieg erst, dann bohrte er weiter.
„Ja?"
„Ich habe erfahren, dass du und deine Geschwister … dass ihr alle adoptiert seid?"
Er atmete auf, als hätte er mit etwas schlimmerem gerechnet.
„Ach, darum geht es dir also. Ich nehme an, dass du das von deinem Vater hast." Er runzelte die Stirn. „Ja, es ist wahr. Ich und die anderen sind Adoptivkinder."
„Was ist mit deinen richtigen Eltern passiert?", fragte ich sanft, ich wollte ihn zu nichts drängen.
„Sie sind ums Leben gekommen.", sagte er traurig, und lächelte mich schüchtern an.
„Das tut mir leid. Ich hätte nicht darauf ansprechen sollen."
„Das macht nichts. Ich bin schon drüber hinweg, obwohl ich zugeben muss, dass ich sie weiterhin sehr vermissen werde."
„Ich hoffe, ich habe deine Laune jetzt nicht verdorben?"
„Nein. Außerdem sind wir auch schon da."
„Oh." Ich blickte aus dem Fenster und sah ein Schlittschuhfeld auf dem sich einige mit hoher Geschwindigkeit um die eigene Achse drehten. Ich schluckte. Das war nichts für mich.
„Du siehst besorgt aus.", merkte Edward mir an. „Soll ich dich nicht lieber Nachhause fahren?"
„Nein, nein. Bringen wir's hinter uns." Er lachte leise. Edwards Volvo blieb dann auf dem Parkplatz stehen. Edward stieg dann aus, ich fuchtelte mit den Gurten rum, doch ehe ich aussteigen konnte, war er schon an der Tür und hielt sie für mich auf. Und ganz ohne verlegen zu wirken. „Vielen Dank", erwiderte ich freundlich und stieg aus.
„Bitte." Er schlug die Tür wieder zu und ging dicht neben mir zum Eingang. Als er dann an der Kasse stand, musste die Kassiererin erstmal zweimal hinschauen, bevor sie ihren Augen trauen konnte. Das ist ja nun wirklich kein Wunder bei so einem gutaussehenden … Bella, hör auf damit. Du träumst schon genug, mach mal Pause, ermahnte ich mich.
„Wie kann ich Ihnen behilflich sein?", fragte die Frau an der Kasse und spielte mit ihren Haaren rum. Mir fiel auf, dass sie so ungefähr alt war wie ich. Na, das passte ja prima. Mal sehen, ob Edward gleich anfing mit ihr zu flirten … aber dennoch … er flirtete null mit ihr. Sie strengte sich nur noch mehr an.
„Zwei Erwachsene, für zwei Stunden.", sagte er in einem ruhigem Monoton. Ihr fiel es auch auf, es frustrierte sie. Nun blickte sie auf mich – oh nein, lass du mich aus dem Spiel, ich habe dir nichts getan. Oh mann, wenn Blicke töten könnten, dann hätte sie mich schon längst ins Jenseits befördert …
„Hey, starr sie nicht so an." Ich merkte, dass das von Edward kam. Wie bitte?
„Wie?" Die Frau glotzte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Ich sagte, du sollst sie nicht so anschauen, o.k? Sie hat dir schließlich nichts getan. Außerdem gehört sie zu mir." Sie reichte ihm nur wortlos die Tickets und er drehte ihr sofort den Rücken zu. Ich sah, wie sie ihn noch weiterhin anschaute. Er sah das, und dann … Oh, was machte er denn? Er legte seinen linken Arm um meine Schulter und führte mich so von der Kasse weg. Ich war hin und weg!
Er blieb die ganze Zeit über still, und lief rot an. Sofort ging er zügig zum Verleih und borgte sich zwei Schlittschuhpaare aus. Seine waren Schwarz, meine waren weiß – sie sahen ziemlich neu aus.
„Ich hoffe nur, ich habe die richtige Schuhgröße für dich ausgewählt."
„Das werden wir ja gleich sehen." Und wie ich das sah – sie passten perfekt. „Woher wusstest du meine Größe?"
„Ich habe geschätzt."
„Dann bist du wohl sehr gut darin."
„Ja, das stimmt."
„Und du bist dir wirklich sicher, dass ich lieber doch nicht laufen soll, mit diesen Kufen an den Schuhen kann doch gar nichts gut gehen …", beklagte ich mich und drehte meinen Fuß ein wenig um diesen gefährlichen Schuh in Betracht zu ziehen.
„Ach was.", widersprach Edward. „Es kommt immerhin auf die Technik an. Ich werde dir zeigen, wie es geht, in Ordnung?" Er entblößte wieder sein schönes Lächeln.
„Und jetzt komm, das Eis ruft." Er nahm mich an die Taille und ich legte meine Sicherheit in seinen Händen.
Als wir ankamen war die Eisbahn schon fast leer – es schlitterten nur drei Personen darauf herum. Edward schien dies zu gefallen. Er machte einen Schritt auf die Eisfläche, ganz vorsichtig erstmal und schon ging er zu Seite, machte eine schnelle Wendung und stand mir wieder gegenüber.
„Komm", sagte er ruhig und streckte mir langsam seine Hand entgegen. „Vertrau mir. Dir passiert nichts." Ich schluckte. Mit zitternder Hand streckte ich ihm seine entgegen und ergriff sie. Langsam hob ich den rechten Fuß – mit starker Konzentration. Jetzt war der andere Fuß dran. „Leg dein ganzes Gewicht auf deine Beine", wies er mich zurecht. Ich versuchte es. Nun stand ich mit beiden Beinen auf dem Eis – unsicher und wackelig wie ein Wackelpudding.
„Gut, und jetzt gib mir deine andere Hand." Gehorsam fasste ich seine andere Hand und hielt sie verkrampft fest. „Leg wieder dein ganzes Gewicht auf deine Beine und lass dich von mir einfach führen. Den Rest mach ich schon." Er klang so selbstsicher. Mit schreckensgeweiteten Augen starrte ich ihn an. Seine grünen Augen glühten.
„In Ordnung.", sagte ich matt. Er glitt mit einer leichten Bewegung nach vorne und fuhr dann rückwärts, sodass sein Körper zu mir gewandt war. Es war ein mulmiges Gefühl – mit breit gespreizten Beinen stand ich da und konnte mich nur gerade so auf dem Eis halten. Edward schüttelte seinen Kopf und lächelte freundlich.
„Dein Oberkörper ist viel zu verspannt. Warte" Er kam näher und war nun neben mir, sein Körper kam nun in Kontakt mit meinem. Mein Herz hämmerte gegen meinen Brustkorb. Er legte nun seinen rechten Arm um meine Taille, mit der linken Hand hielt er meine Hand. Und so führte er mich – als würde er Walzer seitlich tanzen. Und tatsächlich – es machte Spaß. Mit ihm an meiner Seite.
„Und?", murmelte er in mein Ohr. „Ist doch gar nicht so schlimm, wie du dachtest, oder?"
Ich nickte lächelnd. „Beweg deine Beine genau so", sagte er und deutete mit seinem Kinn auf seine Beinbewegungen, die exakt so aussahen wie beim Inlinerfahren. Und jetzt machte es ‚Klick!', denn in Phoenix, wo ich noch mit meiner Mutter lebte, und wo das Wetter so schön warm war, bin ich immer mit ihr Inliner gefahren. Das war die einzige Sportart, die ich neben Fahrradfahren konnte. Erleichtert atmete ich auf. Meine Beine fanden ihren Rhythmus wider und schon verschmolzen meine Bewegungen mit seinen. Erstaunt schaute er mir in meine Augen. „Du kannst doch Schlittschuhfahren?", fragte verblüfft.
„Ja, so langsam fällt es mir wieder ein, wie das ging.", sagte ich und log ein bisschen.
„Oh, na dann. Brauchst du meine Führung noch?" Er grinste breit. Ich schüttelte nur den Kopf und grinste ebenfalls. Sofort schoss er nach vorn, nahm Anlauf und schon machte er eine Pirouette und landete kunstvoll wieder auf dem Eis. Mein Mund klappte auf. Meine Güte, was konnte er denn noch? Er kam wieder zu mir gesprintet, nahm meine Hand und ich folgte seiner Geschwindigkeit. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, doch ich genoss das Gefühl zu fliegen und mich frei zu bewegen. „Das ist so was von cool!", schrie ich vor Begeisterung, er lachte. Dann plötzlich, schien er eine Idee zu haben.
Edwards Sicht
Ich sah ein kleines Fahrzeug, das zwischen durch den Schnee wegräumte und sofort hatte ich eine Idee. Ich blickte nach hinten und sah, dass nun immer mehr Menschen kamen.
„Bleib kurz hier stehen. Ich bin gleich wieder zurück.", sagte ich schnell zu Bella und schlitterte zum Fahrzeug, sprach kurz mit dem Mann, der am Steuer saß und dieser mit weitem Lächeln nickte. Sofort sprintete ich wieder zu Bella. Sie schaute mich fragend an, ich sagte aber nichts. Der Mann fuhr los, befestigte noch eine lange, dicke Stange am Ende seines Fahrzeuges und schon schrien die Ersten und schnellten auch schon herbei. Der Erste hielt sich an der Stange, die Zweite hielt sich an seiner Taille fest, die Dritte an ihrer Taille und so weiter. Die Schlange war ungefähr fünf Meter lang, bis ich Bella am Arm fasste und zur Schlange deutete. Sie zögerte erst misstrauisch, nickte dann. Sie hielt sich dann an einem Mädchen fest, ich legte meine Hände um Bellas Hüften. Der Mann am Steuer läutete eine Glocke und gab Vollgas. Bella, ich und die anderen jubelten und der Mann schaltete noch einen weiteren Gang. Es wurde schneller und schneller und ich war schon ganz heiser vom vielen Schreien als plötzlich eine scharfe Kurve in Sich kam. Jetzt war es noch schneller und wir rasten mit voller Geschwindigkeit um die Kurve. Und Bella hatte ihr Gleichgewicht nicht mehr unter Kontrolle und fiel um – und mich riss sie auch zu Boden.
Als ich wieder meine Augen öffnete, schaute ich direkt in ihr Gesicht – sie lag auf mir. Erschrocken darüber sprang Bella wieder auf. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen war ihr das extrem peinlich. Und mir ging es nicht anders. Auch ich sprang wieder auf meine Füße. Schweigend schauten wir uns an – und plötzlich brachen wir in schallendes Gelächter aus. Ich hatte schon Lachkrämpfe.
„Oh mann, das war cool", keuchte ich.
„J-ja, da h-hast du recht." Sie kriegte ebenfalls keine Luft. Die eiskalte Brise brannte in meiner Kehle und ich musste husten.
„Brauchst du eine Pause?", fragte Bella mich, als das Husten stärker wurde. Aber ich wollte nicht wie ein Weichei aussehen, also schüttelte ich nur den Kopf. Doch zu meiner Beschämung knurrte mir der Magen. Bella fing an zu kichern, ich wurde rot.
„Aber wie es aussieht, brauchst du was zu Essen." Sie kicherte erneut und schaute mich freundlich an. Dann nahm sie mich bei der Hand und führte mich von der Eisfläche. Ich schlug vor, dass wir Pizza essen gehen würden, sie stimmte zu. Und natürlich lud ich sie ein. Das war ja schließlich selbstverständlich.
Im Lokal bestellten wir uns einen großen Teller Pizza Salami.
Zum Trinken nahmen wir eine große Flasche Cola. Eine, wohlgemerkt.
Bellas Sicht
Edward und ich gingen um die Tische herum und nahmen am hinteren Ende des Lokals Platz. Mir war ziemlich warm geworden, also zog ich meine Jacke und den Pulli, den ich darunter trug aus, sodass meine blaue Bluse zum Vorschein kam. Edward musterte mich, während er einen Bissen von seiner Pizza nahm.
„Dieses Blau steht dir wirklich sehr gut.", sagte er. „Es passt so gut zu deinem Teint." Ich senkte meinen Kopf nach unten und wurde natürlich rot. Ich war es nicht gewohnt, Komplimente zu bekommen, er aber schien es wirklich ernst zu meinen. Nun nahm auch ich einen Bissen und kaute sorgfältig, während ich über irgendein Gesprächsthema grübelte. Ich schaute zu ihm hinüber und sah, dass auch er seinen Pullover ausgezogen hatte – er trug ein weißes Polohemd, das seine starke Brust betonte. Ich konnte einfach nichts anderes tun, als dorthin zu starren. Und er schien es auch noch zu bemerken und fing an zu grinsen. Doch nicht auf die spöttische Art - er schien sich darüber zu freuen. Sehr sogar.
„Wie lange bist du denn schon in Alaska?", fragte ich ihn nun.
„Ein paar Jährchen.", antwortete er lässig.
„Hmm."
„Was ist deine Lieblingsfarbe?", fragte er plötzlich.
„Grün.", platzte es mir heraus, ohne nachzudenken. Wieso grün? Würde ich noch in Forks leben, dann hätte ich über diese Farbe eher negativ gedacht. Dort ist nämlich alles grün. Zumindest draußen in der Natur. Doch jetzt war es anders. Und als ich Edwards Blick erwiderte, erkannte ich auch, wieso. Seine Augen waren grün. Es war eine intensive Farbe. Seine Iris war in einem dunkleren grün und um die Pupille rum war die Farbe heller. Die Farbe verschönerte den Kontrast zu seiner blassen Haut. Edward setzte meinem Schmachten ein Ende, indem er fragte, wieso ich diese Farbe mochte. Aber ich konnte es doch nicht erklären. Nicht deswegen!
„Ähm. Nun ja. Was ist denn deine Lieblingsfarbe?"
„Hey. Wir wollen doch fair zueinander sein, oder? Zuerst beantwortest du mir meine Frage, und dann beantworte ich dir deine. Nix mit Ausweichmanövern.", mahnte er mich im neckendem Ton. Ich unterdrückte ein Lachen.
„Also …" Ich zögerte.
„Ja?" Er beugte sich näher zu mir, um mich hören zu können, falls ich flüstern sollte. Er war mir so nah – seine Augen schauten direkt in mein Gesicht. Tja, und wie soll es anders kommen – ich gab mir einen Ruck und verriet es ihm schließlich.
„Es ist deine Augenfarbe. Ich mag sie." Meine Antwort überraschte ihn, als hätte er einen anderen Grund erwartet. Mir saß ein Kloß im Hals. Ich versuchte, mich geräuschlos zu räuspern, doch er wollte nicht verschwinden. Es war ja noch eine Flasche Cola da – doch keine Gläser. Ich musste wohl aus der Falsche trinken. Ich öffnete sie - Edward musterte mich erneut - ich setzte meine Lippen an die Öffnung an und trank. Jetzt merkte ich, wie Durst ich nun hatte. Wow. Ich hatte fast bis zur Hälfte hin in einem Schluck getrunken.
Edwards Sicht
„Darf ich?", fragte ich.
„Klar." Bella reichte mir die Flasche. Sie schaute mir zu. Langsam setzte ich meine Lippen an und trank in vollen Zügen. Das war fast wie – sie zu küssen. Wohltuende Kälte nistete sich in meinem Bauch ein.
Irgendwie beschämend, dass mir nichts einfiel, was ich mit ihr bereden könnte. Schließlich fragte ich sie, ob sie fertig sei. Sie nickte stumm.
Langsam standen wir auf und gingen zum Ausgang, ich hielt ihr die Tür auf. Wir gingen wieder zum Parkplatz, wo ich meinen Volvo geparkt hatte. Bella stieg auf der Beifahrerseite ein und schlug die Tür zu. Dann war ich auch schon im Wagen. Ich drehte die Heizung hoch und die Musik auf mittlerer Lautstärke, und schon fuhr ich los. Bella schaute nachdenklich aus dem Fenster. Mit kurzem Zögern wandte sie sich wieder zu mir und fragte dann:
„Sag mal, Edward. Trägt deine Familie Kontaktlinsen?"
