Überraschung!

Bella

Mit Edward Zettelchen zu schreiben war echt witzig. Manchmal musste ich mich einfach nur totlachen, doch die Lehrer ermahnten nicht mich, sondern ihn. Alle nannten ihn den Klassenclown. Er war wirklich für jeden Spaß zu haben. Seufzend riss ich ein weiteres Blatt aus meinem Heft, und schrieb die Antwort auf Edwards Frage darauf. Meine Schrift war bloß Gekrakel und ich schämte mich dafür. Seine Schrift war äußerst ordentlich …

Aha, du willst also, dass ich dich mal wieder besuche, hm?

Schnell reichte ich ihm den Zettel unter dem Tisch in seine Hand. Er schaute kurzdarauf, grinste mich an und schrieb:

Aber sicher, was sonst? Du langweilst dich doch nur zu Tode, ohne mich!

Mhm, wahrscheinlich bist du einfach zu unwiderstehlich.

Edward grinste nur noch breiter. Anscheinend war das hier eine Art Flirt. Das Problem war nur, dass ich von so etwas überhaupt keine Ahnung hatte.

Das Gleiche könnte ich auch von dir behaupten.

Ich musste schlucken. Das war doch wohl alles ein Scherz!

Aber sicher.

Nein! Jetzt im Ernst! Du bist äußerst attraktiv!

Oh mein Gott. Als Edward wieder ein mein Gesicht schaute, half nichts mehr: Ich errötete. Und wenn das passierte, war es nicht zu übersehen. Peinlich! Er lächelte wieder sein schiefes Lächeln und schrieb:

Ich meine es wirklich ernst. Du kannst mir ruhig glauben. Weißt du, meine „Kumpels" finden dich nämlich sehr, sehr süß. Besonders wenn du rot wirst. Ich kann da nur zustimmen.

Wieder lächelte er mich an und lachte in sich hinein, als er merkte, dass ich noch mehr errötete als sonst.

Ja, aber deine Kumpels kennen mich doch überhaupt nicht so lange!

Wenn du aufgepasst hättest, dann hättest du sicher bemerkt, dass du nicht die einzige bist, mit der ich im Moment schreibe.

Er schob mir den Zettel mit einen breitem Grinsen herüber und lehnte sich zurück, damit ich vier Jungs sehen konnte, die mir lächelnd zuwinkten.

Wie es aussieht, hast du gleich mehrere Verehrer auf einmal gefunden

Ich war nicht sehr erpicht darauf, dieses Thema weiter in Betracht zu ziehen, also lenkte ich ihn davon ab und schrieb ihm einen neuen Zettel.

Um noch mal auf vorhin zurückzukommen … Du willst also, dass ich dich wieder besuche?

Ja, wenn du nichts Besseres vorhast?

Ich wusste nicht, ob ich zustimmen sollte, oder nicht. Seine Familie kam mir im Moment irgendwie seltsam vor. Ich wusste nicht wieso. Also log ich und schrieb:

Ja, gerne. Aber ich glaube, dass ich besser noch ein wenig Zeit mit meinem Vater verbringen sollte, da er doch bald wieder wegfährt, nach Forks.

Dabei war ich mir ziemlich sicher, dass mein Vater solange wegblieb, bis er alles erledigt hat, was zu erledigen war. Dann würde er bestimmt wieder nach Forks verschwinden. Aber das wird er natürlich nicht tun, ohne dass ich ihm vorhin den Hals umdrehe … Wegen ihm wäre ich heute ja beinahe zu spät gekommen! Er hätte mich ja irgendwie mit einem Taxi oder so, hinbringen können! Aber das andere Problem war: Ich wollte ja zu ihm, um etwas mit ihm unternehmen zu können. Aber wir kannten uns ja nicht besonders lange, und wir sollten uns vielleicht erstmal näher kennen lernen.

Ach so. Ok, verstehe. Sag mir dann ruhig bescheid, wenn du möchtest. Wir könnten ja irgendwas zusammen machen. Kino, oder so.

Klar!

„Mr. Cullen. Wenn Sie Ihren Blick bitte nach vorne richten würden?", mahnte ihn Ms. Cramer.

„Ja, sicher."

Du, ich muss nach dieser Stunde leider in einen anderen Kurs verschwinden. Sehen wir uns dann mittags in der Cafeteria?

Auf jeden Fall!

Ich malte noch ein Smiley dahinter und drückte ihm den Zettel in die Hand. Er schien sich richtig über meine Antwort zu freuen, dann schenkte er mir noch ein kurzes Lächeln und schon läutete die Klingel, er stand auf, nahm seine Bücher und verschwand aus dem Klassenzimmer. Die vier Jungs, die vorhin gewunken hatten kamen nun zu mir rüber. Der eine hatte blonde Haare. Er sah eigentlich ganz gut aus. Er war groß, hatte blaue Augen und blasse Haut. Der andere war dunkelhäutig. Er kam wohl aus Asien und hatte tiefschwarze Haare; sie waren kurz geschnitten. Braune Augen schauten zu mir hinunter. Der dritte hatte rote Haare, die zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden waren, er hatte grüne Augen. Er war es, der sich plötzlich auf meinem Tisch breit machte. Und der letzte hielt sich mehr im Hintergrund. Er hatte braune Haare und blaue Augen. Sommersprossen waren auf seinem Gesicht zu sehen; er lächelte mich schüchtern an.

„Hi.", begrüßten mich alle gleichzeitig. Der blondhaarige Junge sprach anschließend als Erster.

„Du bist neu hier, oder? Wie heißt du denn?", fragte er mit großem Interesse. Der Junge, der auf meinem Tisch saß war mir irgendwie unheimlich … Er machte mir mit seinem eigenartigen Blick wirklich Angst.

„Ich bin Bella. Und wie heißt ihr?"

„Mike. Mike Newton.", sagte der blondhaarige und reichte mir die Hand. Sie war vollkommen verschwitzt. Ganz unauffällig wischte ich meine Hand an meiner Hose ab.

„Steven Taylor.", sagte der Dunkelhäutige und grinste breit. Er hatte blendend weiße Zähne und dieser Kontrast zu seiner dunklen Haut war einfach atemberaubend.

„John Smith.", sagte der Typ, der auf meinem Tisch saß. Er rückte näher an mich heran, ich rückte mit meinem Stuhl etwas weiter weg von ihm. Nun kam der letzte Junge an der Reihe und stellte sich vor.

„Harry Brown.", sagte er leise. Zuerst zögerte er, aber dann reichte er mir dann doch die Hand. Ich lächelte ihn an. Er war wirklich sehr schüchtern. Wenigstens nicht so ein Aufreißer, wie dieser John …

„Freut mich, euch alle mal kennen zulernen."

„Ey Süße, hast du heute schon was vor?", fragte mich John und gaffte mich an.

„Äh …", stammelte ich. Was sollte ich jetzt sagen? Jetzt wünschte ich mir, ich hätte Edward doch zugestimmt. „Ähm, ja?" Was redete ich denn da?!

„Oh, darf ich fragen was?"

„Also, ich geh aus. Irgendwo in die Stadt, um Besorgungen zu machen.", murmelte ich und wurde mal wieder knallrot.

„Ach so. Schade." Es klingelte und eine weitere Stunde der Langeweile verging. Dafür war ich umso mehr aufgeregt, Edward sehen zu können. Ich trommelte ungeduldig auf dem Tisch herum und wartete darauf, dass die Uhr endlich 13.15h anzeigte. Nur noch ein paar Sekunden … Die Klingel zur Mittagspause läutete endlich und ich sprang auf, klaubte meine Sachen zusammen und stopfte sie mir in die Tasche. Als ich erneut aufblickte, waren die vier Jungs verschwunden. Was für eine Erleichterung!

Doch als ich schon aus dem Raum rennen wollte, um Edward zu treffen, packte mich jemand am Arm und zerrte mich bis zum hinteren Teil des Ganges. John Smith presste mich an die Wand und stützte sich mit seinem rechten Arm neben mir ab.

„Ich dachte, du wolltest es dir mit deinem Ausflug noch mal überlegen?", hauchte er. Er roch nach Alkohol und Zigaretten und ich zog die Nase kraus.

„Nein, ich bleib dabei. Darf ich jetzt gehen?", sagte ich mit zitternder Stimme. Ich hatte das Gefühl, als würde er nicht nur ein Date mit mir wollen …

„Nee, bleib doch hier."

„Ich will aber nicht!", sagte ich nun etwas lauter und versuchte ihn von mir wegzuschubsen, jedoch ohne Erfolg. Ich wurde nur noch enger an die Wand gepresst und … oh mein Gott, jetzt versuchte er mich auch noch zu küssen! Hilfe! Edward …

„Verdammt noch mal! Lass sie los!", brüllte eine vertraute Stimme und ich atmete auf. „Was fällt dir ein?!" John schaute auf und sah ihn: Edward, der cool und lässig und doch gefährlich auf uns zuschlenderte, sein Blick war wütend. Sofort packte er John am Arm, sodass ich ein wenig Platz hatte, um wegzukommen. Edward nahm mich mit seiner freien Hand und stellte sich schützend vor mich. Beide blickten sich nun zornig an, doch John verlor das Blickduell, zuckte die Schultern und machte kehrt. Edward atmete tief ein und drehte sie anschließend zu mir um.

„Alles okay mit dir?", fragte er, sichtlich besorgt.

„Ja. Mir geht's gut. Danke." Ich lächelte ihn an, er schaute mich einfach nur an und dutzend von Emotionen huschten über sein Gesicht. Was er wohl dachte?

„Wollen wir zur Cafeteria?", fragte ich. Er nickte stumm. Wir gingen dicht nebeneinander zur Cafeteria, und zogen dabei wahrhaftig Blicke auf uns. Jeder drehte sich zu uns um und erstarrte vor Erstaunen. Tja, und die Mädchen? Die durchbohrten mich mit ihren neidischen Blicken, was mir sehr unangenehm war.

Als wir ankamen sah ich auf den ersten Blick Edwards Adoptivgeschwister. Sie erkannten uns und winkten uns zu. Edward aber reagierte nicht. Er blickte nur stur geradeaus und ging hinüber zu den Tischen, dort wo weniger Leute waren. Hatte er etwa Zoff mit seinen Geschwistern gehabt? Ich winkte Alice und Rosalie zurück, die mich breit angrinsten. Die Jungs lächelten mich einfach nur an. Ich wusste jetzt nicht, ob ich Edward folgen und ihn allein lassen sollte, oder ob ich mich vielleicht zu den Rest der Cullens setzen sollte, oder …

„Wo bleibst du?" Ich erschrak und sah Edward, der auf mich wartete. Oh. Schnell ging ich hinter ihm her, und er nahm an einem der Tische Platz; ich setzte mich ihm gegenüber. Schweigend schaute er aus dem Fenster. Schließlich brach er das Schweigen.

„Ich habe dich überall gesucht.", sagte er leise. „Ich dachte, ich würde dich nerven, oder so. Und ich war mir nicht sicher, ob die vier Jungs, besonders John, dich in Ruhe lassen würden. Ich war wirklich besorgt, sie würden über dich herfallen, verstehst du? Sie sind bekannt dafür, erstmal den treuen Kumpel zu spielen und dann hinterher sich an einen ranzuschmeißen. Und als ich dich dann mit ihm sah-" Er wurde erneut wütend; seine Augen bekamen einen düsteren Ausdruck und er ballte seine Hände zu Fäusten. „Da dachte ich, ich müsste ihn zu Tode prügeln! Er hat schon so viele Mädchen Schlimmes angetan, und ich wollte nicht, dass er es auch noch mit dir macht. Ich wollte nicht, dass dir irgendetwas zustößt.", verriet er mir flüsternd und richtete seinen besorgten Blick auf mich. „Ich würde dich immer beschützen wollen, Hauptsache, dir passiert nichts." Bei diesen Worten schmolzen meine Knochen einfach dahin und ich bekam Herzflattern. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Langsam glitten meine Hände in den Schoß. Jetzt in diesem Moment war die Kraft seiner grünen Augen einfach unbeschreiblich und es war wohl jetzt das Beste, einfach nichts zu sagen. Es würde diesen wunderschönen Augenblick einfach nur zerstören. Stattdessen schauten wir uns in die Augen und sein Blick brannte sich in meinen. Seine Augen sahen aus wie Edelsteine, wie Smaragde. Sie glitzerten leicht im schwachen Licht, das vom Fenster ausging. Doch leider hielt der Moment nicht sehr lange an, da es bereits zur nächsten Stunde klingelte. Edward begleitete mich zu meinem nächsten Kurs. Ich rechnete damit, dass er wieder zu seinem Kurs verschwinden würde, doch er setzte sich neben mich. Ich verkniff mir meine Fragen, die durch meinen Kopf schwirrten und blickte zum Lehrer, der den Fernseher einschaltete. Ein Film! Als ich wieder zu Edward schaute, sah ich, wie er mich musterte. Es half wieder nichts: Ich wurde rot. Die restlichen zwei Stunden sahen wir uns irgendeinen Film an, doch ich konnte mich nicht konzentrieren. Allein der Gedanke, dass er hier und jetzt neben mir saß brachte mich schon um den Verstand! Ich verschränkte meine Arme und legte mein Kinn drauf, damit ich jetzt nicht auf die Idee kam, über Edward herzufallen. Mich überkam wieder das gleiche Gefühl, wie bei unserem Ausflug: Ich wollte ihn berühren. Ich schielte zu ihm herüber, auch er hatte dieselbe Position wie ich, er schaute mich an. Vielleicht lag es ja am Licht vom Fernseher, aber irgendwie schafften seine Augen es, auch im Dunkeln zu leuchten. Es verschlug mir den Atem und ich schaute wieder weg. Den Rest der Stunde beschränkte ich mein Blickfeld auf den Fernseher. Und schließlich nahm die Stunde auch ihr Ende und es klingelte. Alle stürmten aus der Klasse, nur ich war mal wieder die Langsamste. Typisch. Ich wollte schon meine Sachen in die Tasche stopfen, als jemand mich ansprach.

„Und was hast du jetzt vor?" Die Stimme kam vom Tisch nebenan. Edward war immer noch da? Sofort richtete ich meinen Blick in seine Richtung.

„Ähm, ich weiß nicht. Ich werde heute wohl ein paar Besorgungen in der Innenstadt machen müssen. Einkaufen und so weiter. Schließlich kann mein Kühlschrank ja auch nicht ewig leer bleiben." Er grinste.

„Und wie willst du dort hin kommen?" Oh. Daran hatte ich ja überhaupt nicht gedacht.

„Ähm, nun ja … Ehrlich gesagt, habe ich auch keine Ahnung.", gestand ich und wurde erneut rot.

„Soll ich dich mitnehmen? Ich muss auch in die Stadt." Seine Augen leuchteten auf; ich konnte schlecht nein sagen.

„Ja, gerne."

„Natürlich lasse ich dich dann, wenn du möchtest, auch allein, nur müssten wir uns zu einer bestimmten Zeit wieder treffen, damit ich dich Nachhause fahren kann."

„Ach, das muss nicht sein. Ehrlich nicht. Du kannst mir doch auch Gesellschaft leisten!"

„Ja? Ok. Aber ich kann nicht sehr lange bei dir bleiben, ich muss auch meinen Pflichten nachgehen." Er lächelte mich an. „Wollen wir jetzt losfahren, oder später?"

„Je früher, desto besser.", sagte ich und lächelte zurück. Also gingen wir auch schon zum Parkplatz, wo sein Motorrad stand. Dann fiel mir mit etwas Verspätung was auf.

„Wieso bist du eigentlich mit einem Motorrad gefahren, und nicht mit dem Auto?"

„Meine Geschwister sind heute mit ihm gefahren.", sagte er zerknirscht. „Ich wäre deswegen heute beinahe zu spät gekommen! Aber es hatte auch Vorteile: Ich war so viel schneller in der Uni, als mit dem Auto. Außerdem gefällt es mir, wenn du beim Motorradfahren deinen Kopf auf meine Schultern legst. Ich habe es sehr genossen.", sagte er neckend. Ich schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an, und hoffte so, dass mein Gesicht nicht schon wieder wie eine frisch gekochte Tomate aussah, aber viel half das nicht …

Und wieder einmal sausten wir durch die Gegend und wieder einmal legte ich meinen Kopf auf seine Schultern, und wie bei der Fahrt zuvor lachte Edward in sich hinein. Wir waren tatsächlich schneller als gedacht in der Stadt und Edward setzte mich genau im Zentrum der Metropole ab, so dass die ganzen Geschäfte nicht so weit von mir entfernt waren. Kurz bevor er wieder abfuhr, sagte er mir noch die Uhrzeit, um die wir uns später wieder hier treffen sollten und seine Handynummer, falls ich (mal wieder) in Schwierigkeiten steckte. Und dann brauste er davon. Ich machte mich auf dem Weg zum Supermarkt; Charlie hatte mir glücklicherweise noch etwas Geld dagelassen. Das Angebot war reichlich, doch ich kaufte nicht ganz so viel ein. Ich war ja die einzige Person im Haus. Als ich meine Einkäufe erledigt hatte, machte ich mich auf dem Weg zum Buchladen in nächster Nähe. Der Laden war mit vielen Sesseln ausgestattet und es gab hier zahlreiche Bücher. Zu meiner Überraschung gab es auch viele Bücher in englischer Fassung, so dass ich mich in Ruhe hinsetzen und lesen konnte. Nach längerer Zeit fiel mir auf, dass ich einen Bärenhunger hatte. Ich ging zur Kasse und kaufte die zwei Bücher, die mein Interesse geweckt hatten. Dann machte ich mich auf dem Weg zu einem Lokal. Und schließlich fand ich auch eins; es sah sehr schön von außen aus, und auch innen war alles sehr schön eingerichtet. Doch das Lokal war nicht sonderlich voll. Wahrscheinlich war jetzt im Frühling eher Nebensaison. Eine Frau begleitete mich zu meinem Tisch und reichte mir die Karte. Ich bestellte mir eine Cola, sie lächelte mir noch kurz zu und ging davon. Kurz darauf kam der Kellner mit meinem Getränk und – oh mann! Das war doch wohl alles nicht wahr! Ich sitze hier, in einem schicken Restaurant, wartete auf meine Cola, und wer kam als Kellner auf mich zugeschlendert? Edward!

Auch er erblickte mich. „Bella?" Ich brauchte erstmal eine Weile, um das zu schlucken. Ich wusste ja nicht, dass er hier arbeitete.

„Edward? Arbeitest du hier?" Was für eine dumme Frage.

„Ja. Schön, dich nach so einer kurzen Zeit wieder zu sehen!", sagte er und grinste süffisant. Er stellte die Cola auf den Tisch und fragte mich dann geschäftsmäßig, was ich zu Essen haben wollte. Ich musste mir ein Kichern unterdrücken. Da ich die Karte in dieser fremden Sprache nicht verstand, beugte sich Edward vor, und erklärte die einzelnen Gerichte. Seine plötzliche Nähe brachte mein Herz zum Rasen. Als er fertig war, entschied ich mir für ein Fischgericht. Er schrieb es auf, zwinkerte mir zu und ging. Edward hatte einen Job. Der hatte es auch gerade nötig! Aber trotzdem wusste ich so was sehr zu schätzen. Nach etwa zehn Minuten kam Edward auch schon mit meinem bestellten Essen. Er stellte es vor mich hin, nahm das leere Glas, und stellte mir wieder ein gefülltes hin. Er wünschte mir noch einen guten Appetit und ging wieder weg. Ich aß und schaute dabei auf meine Uhr; in wenigen Sekunden war es viertel nach sechs. In diesem Moment kam Edward auch schon wieder, dieses Mal hatte er seine Alltagskleidung an, und setzte sich zu mir.

„Und? Hat's geschmeckt?"

„Ja, sehr. Na dann, Herr Kellner, würde ich gern bezahlen." Er grinste.

„Musst du nicht. Geht aufs Haus." Er sah meine Skepsis im Gesicht. „Na gut. Nicht ganz. Ich habe für dich bezahlt." Jetzt schaute ich ihn verwundert an.

„Aber ich habe dich doch nicht darum gebeten!"

„Das hatte ich mir schon gedacht, aber ich habe nicht auf dich gehört." Jetzt grinste er nur noch breiter. Aufgebracht schaute ich zur Seite. Ohne dass ich es merkte legte er mir meine Jacke über meine Schultern und wartete auf mich. Schweigend stand ich auf. Er schien wohl immer noch gute Laune zu haben, denn er grinste weiter vor sich hin. Die Nacht war kühl und frisch und ich wollte mir nicht vorstellen, wie kalt dann die Fahrt sein würde. Doch zu meiner Überraschung war mir sehr warm. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich hier mit Edward allein war und wir durch die Straßen rasten, die in Mondlicht eingehüllt waren. In meinem Bauch kribbelte es – Schmetterlinge schwirrten umher und mich überkam ein so unglaubliches Gefühl, das so schön und unbeschreiblich war, wie ich es noch nie erlebt hatte.