John, der Stalker

Edward

Es war so angenehm, Bella so nahe zu sein. In meinem Bauch kribbelte es heftig, und es fühlte sich an, als würde ich jeden Moment explodieren vor Freude. So ein Gefühl hatte ich in meinem Leben noch nie so intensiv gespürt, wie jetzt; es war einfach unbeschreiblich.

Ein eisiger Wind wehte uns entgegen und ließ Bella für einen kurzen Moment erzittern. Und plötzlich waren ihre Hände nicht mehr um meine Hüften geschlungen, sondern sie wanderten hinauf und umschlossen meinen Oberkörper. Das Blut schoss mir ins Gesicht und mir war so warm, dass ich jetzt mit einem T-Shirt und einer kurzen Hose hätte rumlaufen können, ohne mir einen Schüttelfrost zu holen. Ich drehte mein Handgelenk ein wenig, um auf meine Uhr zu schauen. Es war erst kurz nach acht. Ich bog in die Landstraße ein, und hielt schließlich an Bellas Haus an, stellte den Motor aus und setzte den Helm ab. Als ich mich umwandte, lächelte Bella mich an.

„Hey Edward, danke für die tolle Fahrt." Im schwachen Mondlicht sah ich ihre Wangen rot anlaufen. Auch ich lächelte.

„Bitte. Wir können so etwas jeder wieder Zeit machen, wenn du willst." Sie schob sich ihre Haare auf einer Seite hinters Ohr und spielte mit dem Helm in ihrer Hand herum: ein Zeichen der Nervosität. Sie räusperte sich.

„Ähm, und noch etwas", sagte sie ein wenig kleinlaut, sie schaute immer noch nach unten. Mein Herz begann zu poltern und hämmerte gegen meine Brust. Ich hatte überhaupt gar nicht mitgekriegt, dass wir mittlerweile vor Bellas Haustür standen.

„Ja?", fragte ich und räusperte mich ebenfalls. Bella zögerte, öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder. Ich blickte nach unten.

„Danke, dass du mir heute geholfen hast. Das mit John meine ich.", sagte sie. Ich nickte, und wusste nicht, was ich sagen sollte. Und dann, ganz plötzlich, stellte Bella sich auf ihre Zehenspitzen und gab mir einen leichten Kuss auf meine Wange. Dann stürmte sie ins Haus, ohne auf meine Reaktion zu warten. Verdattert stand ich da und hielt meine Hand an die Stelle, wo sie mich geküsst hatte. Wieder einmal wurde ich rot, ich nahm mein Motorrad und schob es vor mich hin, zu mir nach Hause. Ich drehte mich vorher um, und sah Bella an einemder Fenster stehen. Als sie sah, dass ich zu ihr hinaufblickte, winkte sie mir kurz und lächelte. Ich erwiderte ihr Lächeln, es gab keinen Grund, sich zu schämen. Wir waren doch nur Freunde, oder nicht? Dann drehte ich mich seufzend um und wartete hoffnungsvoll auf den nächsten Tag.

Als ich am nächsten Morgen Bella abholen wollte, um sie zur Schule zu fahren, stand sie nicht wie wir es per SMS abgemacht hatten, vor dem Haus. Vielleicht hat sie ja verschlafen, dachte ich. Also stieg ich aus meinem Auto (ich hatte es gestern wiederbekommen, allerdings musste es noch repariert werden, da Emmett es gegen einen Baum gefahren hatte …) und klingelte. Nichts passierte, und ich drückte erneut auf die Klingel. Wieder passierte nichts. Da fiel mir ein, dass mein Handy ja auch noch da war. Ich wählte Bellas Nummer und wartete. Nach dem dritten ätzenden „Tuuut" nahm sie endlich ab.

„Hi Bella, ich bi-"

„Bin schon in der Schule", sagte sie schroff und legte auf. Was war das denn? Jetzt stand ich wie ein Idiot da und es fing auch noch an zu regnen.

„Mist."

Schnell schlüpfte ich zurück ins Auto und fuhr zur Uni. Was war mit Bella los? Hatte ich ihr etwas getan? War ihr der Zwischenfall von gestern peinlich und sie wollte nichts mehr mit mir zu tun haben? Oder war sie immer noch so depressiv wegen ihrem Vater Charlie? Ich hatte wirklich keine Ahnung. Besorgt darüber, dass John ihr wieder etwas angetan haben könnte, gab ich mehr Gas. Unzählige Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher und brachten ihn beinahe zum Platzen. Nachdem ich geparkt hatte, sprang ich aus dem Auto und rannte wie ein Irrer durch den Regen zur ersten Stunde, obwohl ich bis zum Klingeln nochreichlich Zeit hatte. Ich durchsuchte alle möglichen Räume nach Bella, doch sie war in keinem von ihnen. Nur im Chemiekurs war ihre Tasche zu finden, sie selbst aber nicht. Und da war der Groschen gefallen. Meine Vermutung, wo Bella hätte sein können war, dass sie sich auf dem Mädchenklo aufhielt und heute waren alle Kurse getrennt. Ich stöhnte.

„Na super!"

Ich öffnete die Tür zur Jungentoilette und betrachtete mich im Spiegel. Ich sah aus, wie ein durchnässter Straßenköter … Und die Verärgerung darüber war mir deutlich anzusehen. Also, ich lief nicht gerade gerne so rum. Für Mike wäre dies vielleicht ja ganz üblich, für mich sicherlich nicht. Niedergeschlagen trottete ich zurück in meine Klasse, knallte mich auf den Stuhl und verschränkte die Arme. Das kann doch alles nicht wahr sein! Was hat Bella nur? Dann nahm ich meinen Mut zusammen und wählte erneut ihre Nummer. Sie hob gleich beim ersten Klingeln ab.

„Verdammt Edward, lass mich in Ruhe, okay?", schluchzte sie und legte auf. Sie weinte? Warum? Ich war mir absolut sicher: Bella war sauer auf mich. Es war die einfachste Erklärung. Aber warum fühlte ich mich dann so … so … wütend?

„Ey Alter, was geht?" Irgendjemand klopfte auf meine Schultern.

„Halt die Klappe und lass mich in Ruhe.", brummelte ich, ohne den Blick von der Tischplatte zu nehmen.

„Hat dich die Neue etwa abblitzen lassen?"

„Was geht dich das an?" Ich drehte mich immer noch nicht um.

„Tja, Ed. Bist wohl nicht ganz ihr Typ, was?" Das klang ganz nach John.

„Ach sei still."

„Vielleicht habe ich ja ne Chance bei ihr."

„Ja, das hat man gesehen." Ein Grinsen huschte über mein Gesicht, bei dem Gedanken, wie Bella ihn hasste. Doch meine Schadenfreude verwandelte sich schon wieder in Zorn. Plötzlich flüsterte er mir ins Ohr: „Wenn du nicht schnell genug bist, dann werde ich mit ihr das gleiche antun, wie ich es bei Margo Blair auf der High School gemacht habe. Weißt du noch?" Das war zu viel und ich sprang auf, packte John am Kragen und brüllte: „Wenn du das machst, dann werde ich dich zu Tode prügeln, ohne mit der Wimper zu zucken, hast du mich verstanden!"

Im Raum herrschte Stille.

„Ha!", stieß er nach einer Weile hervor. „Die Kleine gehört bereits mir, du wirst schon sehen." Er wandte sich ab und ging zurück zu seinem Platz, ich setzte mich wieder auf meinen Stuhl, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Wenn er wirklich das mit Bella vorhatte, was er damals Margo angetan hatte … Der Gedanke brachte mich schon fast um! John würde ab sofort nur den Stalker spielen und Bella verfolgen. Das war seine Strategie und die kannte ich nur zu gut. Er würde sie austricksen, und sie nach und nach in die Enge treiben und … Nein! Das Gleiche hatte er damals mit Margo Blair gemacht, einem Mädchen aus England mit dem ich auf die High School gegangen war. John war sitzengeblieben und so kam er in unsere Klasse. Seitdem hatte er Margo nicht mehr aus den Augen gelassen und zu dem Zeitpunkt war ich mit ihr zusammen, doch nur, um sie vor John zu schützen. (Ich wollte eigentlich, dass Margo und Edward richtig zusammen waren, also dass sie sich lieben und so. Aber das würden mir vielleicht einige nicht verzeihen, also hab Ich's sein gelassen xD) Sie wandte sich an mich, flehte und bettelte, ich solle ihr helfen und sie hatte richtig Angst. Nie wieder würde ich ihre Angst vergessen können und ihren Blick, in dem sie so deutlich zu sehen war. Margo war nur eine gute Freundin für mich, nicht mehr. Sie war eher wie eine Schwester für mich, als meine Geliebte. Trotzdem mussten wir eine Liebesbeziehung vortäuschen, damit John sein Interesse verlor. Es war schwer für uns Beide – sie hatte ja bereits einen Freund, doch der studierte in England. Ich selbst war allein und empfand nichts weiter als Freundschaft für sie. Meine Familie konnte mir da nicht wirklich helfen – töten konnten sie John schließlich nicht einfach so. Das war gegen die Regel und es wäre äußerst brutal gewesen. Carlisle wäre ohnehin nicht damit einverstanden gewesen, Emmett hätte aber sicher seinen Spaß damit gehabt.

John durchschaute aber unsere Absicht, was unsere „Beziehung" angeht, und strengte sich nur noch mehr an. Da er begriff, dass sein Plan nicht funktionierte, nahm er eine andere Taktik. Anstatt sie zu belästigen und über sie herzufallen, spielte er den Höflichen, begrüßte sie wenn sie in die Klasse hereinkam, und bezahlte manchmal sogar ihr Mittagessen. Ich wurde allmählich misstrauisch, doch sie schien es nicht zu stören, also behielt ich meine Kommentare für mich. Dann ein paar Tage später sagte sie mir, dass sie ein Date mit ihm habe. Ich wollte es ihr abraten, doch sie sagte nur: „Na hör mal, ich habe doch schon einen Freund! Es ist nur ein Kinoabend zu zweit. Mach dir keine Sorgen, ich weiß nämlich, dass John sich gebessert hat." Doch sie irrte sich. Es war nämlich das letzte Mal, dass ich sie gesehen hatte. Zwei Tage später wurde sie tot in einem See gefunden. John war auf jeden Fall ihr Mörder. Niemand anders kam dafür in Frage. Ermittler sagten, Margo sei misshandelt und dann anschließend ermordet worden. Der Täter habe sie dann in den See geworfen, um die Leiche zu beseitigen. John hatte seine Spuren sehr gut verwischt, denn ein anderer wurde verurteilt, nicht erIch stellte ihn zur Rede, doch er lachte nur, und sagte, dass es ihm sehr viel Spaß gemacht hatte. Damit ich es nicht weitererzählen konnte, schlug er auf mich ein, so dass ich ins Krankenhaus kam und mich erst Jahre später daran erinnern konnte. Doch dann war es bereits zu spät. Viele hatten den Fall einfach vergessen. Es interessierte sie nicht mehr. John aber, machte weiter. Er suchte sich die Mädchen aus, die ihn neugierig machten und verfolgte sie. Er sah sich als Stalker, sonst nichts. Es war sein Lebensstil. Er war einfach … krank. All diese Erinnerungen an damals schossen mir durch den Kopf. Plötzlich berührte man mich am Arm. Ich drehte mich um und sah Margo am Fenster sitzen. Sie war durchscheinend, wie ein Geist, und doch sah sie aus wie damals. Ich erinnerte mich an ihr rotbraunes, kurzes Haar, das völlig zerzaust aussah und in allen Richtungen abstand. Und an ihre blauen Augen. Im Allgemeinen sah sie mir sehr ähnlich, als wären wir Geschwister.

Beschütze Bella vor diesem Tyrannen, Edward. Das Mädchen ist dir doch schließlich so wichtig."

„Du bist mir aber auch wichtig, Margo.", flüsterte ich. Sie lächelte.

Ich weiß. Doch das meinte ich nicht. Ich fühle, was in deinem Herzen vorgeht. Bella ist für dich wichtiger, als ich es für dich war. Für sie würdest du durchs Feuer gehen, oder im Meer ertrinken. Bitte, lasse nicht zu, dass ihr etwas passiert. Es würde nur dein Herz brechen, und ich möchte nicht, dass dies geschieht. Warne Bella und beschütze sie, bleib bei ihr. Ich werde dich mit meinen Engelsflügeln bewahren, sei bitte unbesorgt."

Große Flügel kamen auf ihrem Rücken zum Vorschein. „Ich bin dein Schutzengel, Edward. Dein ganzes Leben lang, werde ich auf dich aufpassen." Und damit schoss Margo in die Lüfte, zurück zur Sonne, zurück in den Himmel. Bella war nun das Mädchen, das ich beschützen musste. Ihr Glück lag in meinen Händen, und ich würde alles tun, damit dieses Glück auch weiterhin bestand.

Jo, wie ihr seht, ist der John doch fast eine Kopie von James, nicht? Hier ist bereits ein erster Höhepunkt, nämlich der Kampf zwischen Edward und John quietsch Los, Leute, feuert alle Edward an! Ich hoffe, ihr denkt jetzt nicht, Margo liebt Edward oder so. Er kommt vielleicht so langsam dahinter, dass er Bella sehr, sehr, sehr mag. Aber das konnte man sich ja auch schon denken … Und was wohl mit Bella los ist? Das seht ihr im nächsten Kapitel.

Liebe Grüße,

Blood Freesia P.S.: Kommis bitte!