Unsichere Gefühle und ein Geheimnis

Unsichere Gefühle und ein Geheimnis

Edward

Ich rannte hinaus in den Regen. Mich überkam auf einmal eine Welle der Angst, ich wusste nicht, wieso. Es war so, als würde ich mich davor fürchten, von Bella abgelehnt zu werden.
War sie mir so wichtig? Als Freundin? Oder war es vielleicht mehr?
Vielleicht.
So schnell mich meine Beine trugen, lief ich in irgendeine Richtung, und hoffte darauf, dass auch Bella in diese Richtung gelaufen war. Die Angst wurde mit jedem Schritt größer – ich hatte sie wirklich gekränkt.
Was war ich nur für ein Idiot.
Ich wollte das doch nicht. Nicht so! Ich war doch nur so furchtbar besorgt. Vor allem hatte sie mich angelogen, obwohl sie ganz genau wusste, dass er gefährlich war. Ich hätte sie beschützen können!
Sie hatte sich in Gefahr begeben!
Sie hatte ihr Leben aufs Spiel gesetzt!
Sie … ging mit ihm auf ein Date!
Doch sie tat es wegen mir – und das wusste ich nicht. Sie wollte mich vor ihm bewahren, da sie es nicht ertragen konnte, dass er mir irgendetwas antun würde.

Er hat mich betatscht!"

Er hatte sie berührt. Ich selbst hatte es mit meinen eigenen Augen gesehen. Wie er sie angefasst hatte. Wie er sie beinahe vergewaltigt hatte! Ich spürte die Wut in mir aufsteigen.
Es fraß mich innerlich auf!
Es machte mich rasend!
Und es machte mich traurig.

Ich konnte sie nicht berühren.



Ich wollte sie berühren, ihr die Tränen vom Gesicht wischen, sie in den Arm nehmen und sagen, wie sehr mir das alles leid tut. Der Drang danach war so stark, dass ich es einfach nicht mehr aushalten konnte! Sie durfte wegen mir nicht weinen. Es schmerzte mich, dass ich ihr Schmerzen bereitete. Es war einfach … falsch.
Doch sie würde wohl nur eine Freundin für mich bleiben, nicht mehr. Oder?

Ich rannte immer weiter, an ihr Haus vorbei – irgendetwas sagte mir, dass sie in diese Richtung gegangen sei. Der Regen war mittlerweile schon gefroren, und es hagelte. Wie ein Steinhagel stachen sie auf mein Gesicht ein, sodass ich mit einem Arm schützend über dem Kopf hielt.
Wo war sie nur? Weit konnte sie eigentlich nicht gekommen sein.
Zweifel kamen in mir hoch. Was, wenn meine Gefühle stärker waren als mein Vorsatz? Könnte ich Bella dann noch weiterhin wie eine Freundin behandeln? Gab es für sie etwa einen anderen?
Ich verspürte seltsamerweise einen schmerzhaften Stich bei dieser Vorstellung. Der Gedanke machte mich traurig. Sie würde diesen Anderen mir gegenüber vorziehen.
Was machte ich denn da?! Wir waren doch nur Freunde, und es würde dabei bleiben.

Der Kuss…

Mein Herz polterte, als ich daran dachte, wie ich sie beinahe geküsst hätte. Ich hätte es beinahe getan. Fast hätte ich ihre wundervollen, schönen Lippen mit meinen berührt, und ein Schauer durchlief meinen Körper.
Ich war so verwirrt. Nie in meinem Leben war mir sowas passiert. Was für ein Durcheinander.

Konnte eine Freundschaft in einer Liebe enden?

Die Hagelkörner schmolzen, und es regnete wieder. Plötzlich sah ich ein Mädchen mit langen, braunen Haaren.
Bella!
Ich rannte auf sie zu – meine Freude, sie endlich gefunden zu haben, war einfach nicht zu bremsen. Doch sie legte sich wieder, und die Angst kam zurück – was, wenn sie mich abweisen würde? Wäre unsere Freundschaft dann zu Ende? Nein, das durfte ich nicht zulassen! Ich wollte sie nicht verlieren!
Zuerst zögerte ich – der Regen wurde immer stärker – und rannte auf sie zu, nahm ihre Hand, drehte sie herum, und schloss sie einfach in meine Arme.
Mein Gewissen, das für die Freundschaft war, schrie, dass es total falsch sei, doch ein anderes Gewissen sagte mir, ich solle auf meine Gefühle hören, und das tat ich.
Sie wehrte sich nicht gegen mich, und ich spürte ihre Hände auf meinem Rücken.
Bella war mir wichtig. Wichtiger als alles andere.
Für sie würde ich sogar mein Leben riskieren.
„Es tut mir leid", flüsterte ich ihr ins Ohr. Ich hörte sie schluchzen. Der Regen prasselte weiterhin auf uns herab, als würde er mit Bella zusammen weinen wollen, und versuchen, sie zu trösten.
Ich wusste nicht, wie lange wir noch so im Regen standen, doch irgendwann lehnte sie sich von mir fort, um mir in die Augen zu schauen; sie sahen glasig aus, irgendwie leer, doch sie funkelten. Als ich mich zu hinunter beugte, und ihr einen leichten Kuss auf die Wange hauchte, und dessen Wärme unter meinen Lippen spürte, bekam ich auf einmal Herzflattern.
Warum küsste ich sie nicht einfach auf den Mund?
Erneut schauten wir uns in die Augen, und wie am Vortag stellte sie sich auf die Zehenspitzen, und gab mir einen Kuss auf die Wange.
Dann drehte sie sich um, und lief fort. Ich beschloss, ihr nicht nachzulaufen, und plötzlich bildete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht – unsere kleine Auseinandersetzung war nun vorüber.
Ich war so glücklich darüber, dass ich einen Freudenschrei ausstieß. Den ganzen Tag lächelte ich vor mich hin, und als ich mein Haus betrat, und die anderen mich völlig verwirrt anschauten, waren es nur Alice und Jasper, die mich verstanden – denn auch sie lächelten.

Alice

Edward kam ins Haus und strahlte. Seine Augen funkelten aufgeregt, und ich hörte sein Herz auf und ab hüpfen. Seine Haut im Gesicht war gerötet, er atmete unregelmäßig.
Lächelnd ging er in sein Zimmer. Ich sah, wie die anderen ihn völlig verwirrt nachstarrten, denn nur ich und Jasper waren in der Lage, ihn in diesem Moment zu verstehen.
Ich hatte das alles bereits vorausgesehen. In einer Vision sah ich, wie die Beiden sich versöhnten. Im Regen, und wie sich gegenseitig auf die Wangen küssten.
Wie romantisch!
Jasper spürte seine Gefühle, und war glücklich darüber. Unser Bruder hatte nun seine erste große Liebe, und er würde es bald herausbekommen, dass es mehr, als nur Freundschaft war.
Plötzlich nahm Jasper mich in den Arm, und wiegte mich hin- und her. Ich lachte leise in mich hinein.
„Ich wusste es", flüsterte er. „Edward ist verliebt." Die anderen um uns herum konnten es hören, und als ich mich umwandte und sie anschaute, lächelten sie ebenfalls.
Wir alle freuten uns für Edward. Und wir hofften, dass daraus mehr werden würde. Und das würde es sicherlich. Schon bald. Das stand fest.

Bella

Edward und ich trafen uns in den nächsten Tagen immer nach der Schule. Wir alberten ausgelassen herum, und je öfter ich ihn sah, desto stärker wurde mein Herzschlag, und das schöne Gefühl in meinem Bauch, das ich immer wieder bekam, sobald ich ihn erblickte.
Es war einfach unbeschreiblich; als könnte ich ganze Berge versetzen!
Manchmal kam ich zu ihm nach Hause. Mir fiel während meiner Besuche auf, dass die Augen seiner Eltern und Geschwister mit jedem Tag dunkler wurden. Waren es wirklich Kontaktlinsen? Einmal hatte ich sogar gesehen, wie ihre Augen schwarz wurden. Ich war so erschrocken von diesem Anblick, ließ mir aber nichts anmerken. Doch Jasper schaute mich in diesem Moment so seltsam an, dass ich mir sicher war, er konnte irgendwie meine Gefühle spüren …

Edward zeigte mir, wie man Walzer tanzte, als ich bei ihm allein Zuhause war. Ich musste zugeben, dass meine Koordinationsprobleme, die ich von meinem Vater hatte, mich jedes Mal im Stich ließen, sobald ich meinen Schritt setzte. Ich trat Edward jedes Mal auf die Füße. Doch er lachte nur, sagte, ich solle ihm vertrauen, und meine Augen schließen.
Ich glitt in seinen Armen nur so dahin, nahm nur die Musik und seinen Körper wahr, und nichts anderes. Es war, als würde ich schweben. Er war ein himmlischer Tänzer.
Die nächsten Tage ging das so, bis ich den Walzer perfekt konnte, und meine Augen offen hielt, sodass ich in seine schauen konnte. Ich versank völlig in ihnen; sie waren wie ein grüner Strudel, der mich gefangen hielt, doch ich blieb nur zu gern in ihm gefangen.

Als ich ihn ein weiteres Mal besuchte, sagte er, dass der Rest seiner Familie im
Denali National Park wanderten, und dass nur er Zuhause blieb. Er wollte also, damit er sich nicht langweilte, dass ich ihm Gesellschaft leistete. Da gibt es viele schöne Tiere, dachte ich. Vermutlich wollten sie sie sich anschauen. Ich fragte mich bloß, warum nicht Edward mitgegangen war. Wahrscheinlich hatte er bloß keine Lust. Und meine Vermutung bestätigte er mit einer Antwort, als ich ihn darauf ansprach.
An diesem Tag brachte er mir einige Akkorde auf seinem Klavier bei, und zu seiner Belustigung war das Einzige, was ich fehlerfrei spielen konnte „Alle meine Entchen".
Wenn ich einen Ton nicht richtig traf, nahm er meine Hand, und setzte ihn auf die richtige Taste ab, was jedes Mal dazu führte, dass mein Herz laut zu poltern begann.
Dann spielte er etwas für mich vor, und sagte, dass ich ihn dazu inspiriert hatte. Schweigend lauschte ich der Melodie, die mal dramatisch klang, dann unerträglich süß.
Ich legte meinen Kopf an seine Schulter, und hörte das schönste Geräusch auf Erden: sein Lachen.
Mit einem Mal flog die Tür auf, und Alice kam hereingestürmt.
„Tut mir leid, dass ich euch störe, ich habe nur etwas vergessen.", sagte sie, und kramte in eines der Zimmer herum.
„Wie ist denn eure Wandertour?", fragte ich sie. Mittlerweile waren wir unzertrennliche Freundinnen. Als Alice sich umwandte, traf mich ein Schlag. Ihre Augen waren wieder ‚normal', doch was an ihrem Mund klebte, jagte mir einen Schauer über den Rücken. An ihm klebte Blut.
Edward neben mir erstarrte ebenfalls, und blickte besorgt zu mir herüber. Mir wurde plötzlich übel – so erging es mir immer, wenn ich Blut roch; es roch nach Rost und Salz. Und dieses Mal war es genauso.
Benommen stürzte ich zur Tür, sagte zu Edward schnell auf Wiedersehen und rannte nach draußen. Was hatte das zu bedeuten?

Zuerst diese makellose Schönheit, die jeden von ihnen einschloss.
Dann die Augenfarbe, die mal von Gold zu Schwarz wechselte, und dann wieder zurück. Dann meine Halluzination, dass Emmett mit einem Arm einen Kleiderschrank trug. Es war bestimmt bloß nur Einbildung, doch es ging mir einfach nicht aus dem Kopf.
Dann die Tatsache, dass Alice von einer Stelle zur anderen auftauchte, ohne sich großartig zu bewegen.
Dann dieser starke Geruch, den Alice hatte, und der so köstlich roch, dass ich ihn immer um mich haben wollte. Er war wie eine Droge für mich.
Und nun das.

Schönheit, wechselnde Augenfarben, ungewöhnliche Stärke und Geschwindigkeit, der köstliche Geruch, Blut.

War das etwa normal?
Ich zerbrach mir nur unnötig den Kopf, das war alles bestimmt nur Einbildung. Doch es kam mir einfach nicht mehr aus dem Sinn! Verwirrt ging ich in mein Haus, es war mittlerweile schon spät, und legte mich erschöpft ins Bett.

Edward

So ein Mist.
„Alice! Wieso hast du das nicht kommen sehen?!" Erschrocken wischte sie sich den Mund ab.
„Ich weiß es nicht! I-Ich hatte einfach keine Vision! Keine Ahnung warum!", rief sie verzweifelt und hielt ihren Kopf in Händen. Seufzend rieb ich ihren Rücken.
„Was soll's. So schlimm ist es wahrscheinlich auch nicht." Sie erstarrte auf einmal und schloss ihre Augen.
„Du hast Recht", sagte sie nach einer Weile, als sie ihre Augen öffnete. Ich runzelte die Stirn.
„Wieso?"
„Es macht wirklich nichts. Bella wird und bald sowieso auf die Schliche kommen. Leugnen ist zwecklos, Edward. Du musst ihr ab sofort nichts mehr vormachen."
„Ah, verstehe." Ich nickte. Sie würde es früher oder später herausfinden. „Wann?"
„Wahrscheinlich diese Woche. Vielleicht. Es ist noch nicht sicher, aber sie wird in den nächsten Tagen darauf kommen." Sie stand auf.
„Ich gehe wieder jagen.", sagte sie, und drehte sich zu mir herum, um mir zu zeigen, dass sie noch durstig war; ihre Augen verrieten es mir.
„Ok, bis dann." Ich wandte mich wieder dem Klavier zu.
„Ach, und Edward?"
„Mhm?", murmelte ich ohne aufzublicken.
„Falls Bella dich das nächste Mal darauf anspricht, und dir ihre Theorien erzählt" – sie holte tief Luft. – „dann kannst du ihr unser Geheimnis erzählen. Aber gib auf ihre Reaktion acht. Nur wenn sie deiner Meinung bereit ist, es zu erfahren, klar?" Ich nickte erneut.
„Bis später." Und schon war sie verschwunden und ich überlegte mir, wie ich es Bella am Besten erzählen sollte.

Bella

Am nächsten Tag fuhr mich Edward wie gewohnt zur Uni. Wir redeten über alles, nur nicht vom Vorfall von gestern Abend. Ich wusste, dass er dieses Thema mit Absicht nicht ansprach.
Heute waren wieder alle Kurse getrennt, und ich musste in der Schulbibliothek was recherchieren, also begleitete Edward mich in der Mittagspause dorthin, und gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Dann drehte er sich um und ging. Die Studenten, vor allem die Mädchen, starrten mich mit offenem Mund an. Ich wurde nur knallrot und öffnete die Tür zur Bibliothek.
Sie war sehr groß, und hatte reichlich Auswahl. Zudem war sie auch noch besonders gemütlich eingerichtet.
Ich schlenderte durch die vielen Regale, denn ich suchte nach Physikbüchern, da ich ein Referat über Atomenergie halten musste. Doch plötzlich fiel mein Blick auf etwas Anderes, das mein Interesse weckte.
Ich zog das Buch heraus, und ging zu eines der Sessel, setzte mich hin, schlug das Buch auf und begann zu lesen. Es handelte von Vampiren.

(A.N.: Ich habe den folgenden Text aus dem Buch übernommen, also nicht wundern. Und Thunderbird: Das mit dem Referat über Atomenergie … Na? Kommt dir das bekannt vor? grins)

In der ganzen weiten Schattenwelt der Gespenster und Dämonen gibt es kein Wesen, das so schrecklich ist, das so gefürchtet und verabscheut wird und das doch so eine unheimliche Faszination ausübt wie der Vampir, weder Gespenst noch Dämon, aber dennoch ein Teil der dunklen Seite der Natur; ausgestattet mit den geheimnisvollen und furchtbaren Eigenschaften von beiden. – Reverend Summers

Wenn es für eine Sache in dieser Welt eine wohl belegte Zeugenschaft gibt, dann ist es die Existenz der Vampire. Nichts fehlt: weder die offiziellen Berichte, noch die beeideten Erklärungen prominenter Persönlichkeiten, Chirugen, Priester, Beamter; die juristische Beweislast könnte kaum erdrückender sein.
Und trotz allem, wen gibt es, der an Vampire glaubt? – Rousseau

Danach waren verschiedene Arten von Vampiren aufgezeichnet, und es gab eigentlich nur drei von ihnen, die meine Aufmerksamkeit erregten: der zum rumänischen Varacolaci, einem mächtigen, untoten Wesen, das als schöner blasshäutiger Mensch in Erscheinung treten konnte; der zum slowakischen Nelapsi, einer Kreatur, die so stark und schnell war, dass sie in der einen kurzen Stunde nach Mitternacht ein gesamtes Dorf abschlachten konnte, und ein dritter Eintrag, der zum Stregoni Benefici.
Er war kurz.

Stregoni benefici: ein italienischer Vampir, der Überlieferung nach auf der Seite des Guten, Todfeind aller bösartigen Vampire.

Was für eine Erleichterung, dass es auch noch, nach vielen der anderen Einträge, eine Legende gab, die von guten Vampiren sprach.
Ich verglich das Gelesene mit meinen bisherigen Beobachtungen:
Geschwindigkeit, körperliche Stärke, Schönheit, blasse Haut, Augen, die ihre Farbe wechselten. Mir fiel außerdem auf, dass ich manchmal Edwards Geschwister nie zu Gesicht bekam, wenn draußen die Sonne schien, und dies erinnerte mich noch an eine andere Sache, die ich aus Gruselfilmen kannte – Vampire konnten nicht ans Tageslicht kommen, die Sonne würde sie sonst zu Asche verbrennen. Sie schliefen den ganzen Tag in Särgen und kamen nur nachts heraus. Was für ein Zufall, dass seine Geschwister an solchen Tagen nie zur Schule kamen, dachte ich mir.
Genervt schlug ich das Buch zu. Das war doch alles vollkommen absurd! Ich war verärgert, doch zugleich war mir das alles furchtbar peinlich. Ich saß hier in einer Schulbibliothek und recherchierte über Vampirlegenden – wie dämlich war das denn! Was war bloß los mit mir?
Das war doch lächerlich! Als würde es Vampire geben!
Und was war mit Edward? Er war anders, als der Rest seiner Familie. War er etwa kein Vampir? Es war sehr schwer, das zu glauben, was ich gerade gelesen hatte. Aber anders ließe es sich nicht erklären.
In den letzten Tagen war ich so häufig mit den Cullens zusammen gewesen. Und mit jedem Tag schienen sie sich zu verändern. Ihre Augen wurden immer dunkler, und auch ihre Laune verschlechterte sich. Jasper hatte mich damals so merkwürdig angeschaut, als würde er spüren, was in mir vorging.
Er ging immer mehr auf Abstand, wenn ich in seiner Nähe war – ich hatte das Gefühl, als würde er meine Nähe unbedingt vermeiden wollen.
Wenn Edward und ich zu Abend aßen, nahmen sie selbst nichts zu sich. Sie sagten, sie hätten entweder kein Hunger, oder sie müssten in die Stadt, was erledigen.
Und wenn sie sagten, sie müssten mal in die Stadt, dann hatte ich manchmal den Verdacht, als würden sie etwas anderes unternehmen.
Jetzt erinnerte ich mich, als ich die Cullens zum ersten Mal besucht hatte, wie sich Alice unbeschreiblich schnell mit Jasper unterhalten hatte, und wie ihr das Wort „jagen" entfallen war.

Jagen.

Es schien sich alles zusammenzufügen. Doch es war so unglaubwürdig, dass mir der Atem stockte. Aber wenn sie Menschen … jagten, warum … lebte Edward dann bei ihnen? Sie tranken wohl doch kein Menschenblut. Es musste etwas anderes sein, was ihr Lebenselixier war. Doch wenn sie keine Lebensmittel aßen, was aßen sie dann? Blut konnte doch nur ihre einzige Nahrung sein.

Der Denali National Park

Dort gingen sie ja „wandern". Und dort gab es Tiere. Jetzt verstand ich. Sie tranken zwar kein Menschenblut, aber sie tranken Tierblut. Es war die einzige Möglichkeit.
Ich schluckte. Anscheinend hatte ich es wirklich mit wahrhaftigen Vampiren zu tun.
Aber warum lebte Edward bei ihnen?
Ich musste ihn bei Gelegenheit ausfragen. Aber was würde er machen, wenn er mitbekam, dass ich vom Geheimnis seiner Familie wusste? Würde er mich abweisen?
Die Klingel zur nächsten Unterrichtsstunde läutete und ich machte mich auf dem Weg zur Tür. Das Buch steckte ich in die Tasche. Vielleicht würde es mir helfen, meine Vermutungen zu bestätigen. Auch wenn ich mir jetzt bereits sicher war.
Es gab sie also tatsächlich. In dieser Welt gab es wirklich Vampire.

Edward

Ich wartete vor der Bibliothek auf Bella, die nun schließlich hinaustrat und die Tür schloss. Sie kam auf mich zu und begrüßte mich. Etwas in ihrem Blick war nun anders.
Plötzlich hörte ich ein dumpfes Geräusch neben mir; Bella schien es nicht zu bemerken. Ich schaute nach unten und entdeckte ein Buch – es war wohl aus ihrer Tasche gefallen – und ich sah den Titel. Das Buch handelte von Vampirlegenden. Sie war uns also schon auf die Schliche gekommen.
Bella hakte sich bei mir ein, und wir gingen zu unseren Kursen. Meine Gedanken waren völlig zerstreut – ich musste es Bella wohl bald erzählen müssen.
Wahrscheinlich lag unsere Freundschaft auf dem Spiel, wenn ich es nicht tat.