Verluste
A.N.:
Also, erstmal müsst ihr euch an meine Betaleserin Vampyre
bedanken, denn sie hat mir bei meiner Schreibblockade geholfen, und
mir eine gute Idee geliefert Pläne schmied
Ihr werdet ja jetzt
sehen, was passiert
Bella
Wie
Edward sich benahm war wirklich seltsam. Doch ich hatte das Gefühl,
als wäre es nicht seine Schuld. Es kam mir eher vor, als würde
etwas – oder Jemand – ihn ablenken wollen. Und Lucia war mir
nicht geheuer, aber was sollte ich dagegen tun? Ich wusste nicht, was
ich tun sollte. Schnell verscheuchte ich die Vorstellung, dass sie
Edward irgendwie beeinflusste, aber so ganz unmöglich war diese
Sache nicht. Vielleicht hatte man als Vampir irgendeine besondere
Fähigkeit, oder so was. Ich war mir nicht so sicher, aber es könnte
doch sein, oder?
Verzweifelt sah ich ihn an, wie er mit ihr
redete. Er lachte ungehemmt, und legte einen Arm um ihre Schulter.
Blitzartig warf sie mir ein grimmiges Grinsen zu, ich musste
schlucken. Angewidert drehte ich mich weg. Ich konnte es nicht mehr
länger ertragen, sie so zu sehen. Edward musste dahinter kommen, was
für ein Spiel diese Lucia da trieb. Aber wie sollte ich ihm das
klarmachen? Ich konnte doch nicht so einfach zu ihm hingehen, und ihm
das ins Gesicht schreien. Es musste doch auch einen anderen Weg
geben. Ich spürte, wie sich meine Augenbrauen düster zusammen
schoben, und vom vielen Nachdenken brummte mir der Schädel. Ob
Edward überhaupt merkte, dass ich mir Sorgen machte? Dass ich mich
um ihn sorgte? Und das ohne Ende?
Ich lief zum Ende des
Campus, lehnte mich an den Zaun, und starrte erbost zum Himmel.
Verdammt, was nun? Ich wollte Edward doch nicht so schnell verlieren!
Die Hoffnung, ihn wieder zurück zu bekommen blieb mir verschlossen.
Meine Brust schwoll vor Schmerz an, und ich spürte wie warme,
wütende Tränen an meinen Wangen hinab liefen.
Bella,
ermahnte ich mich. Hör auf zu heulen, das ist doch lächerlich.
Aber ich konnte nicht aufhören. Je mehr ich an ihn, und an sie
dachte, wurde der Schmerz immer unerträglicher. Ich wollte schreien,
ich wollte diesem Ort einfach entkommen. Doch ich konnte nicht. Ich
musste etwas unternehmen, damit Edward wieder der Edward wurde, in
den ich mich verliebt hatte. Jetzt war er vollkommen anders. So …
abweisend mir gegenüber. Ich seufzte schwer.
„Bella? Ist alles
in Ordnung?" Beim Klang dieser Stimme zuckte ich zusammen, denn es
war nicht seine Stimme. (A.N.: Ja, ich weiß, ihr alle habt darauf
gehofft, ich auch xD) Langsam drehte ich mich um, und schaute in das
besorgte Gesicht eines braunhaarigen Jungen. Schnell durchforstete
ich mein Hirn nach seinem Namen, doch er wollte mir nicht einfallen.
Ich seufzte erneut.
„Ja, mir geht es gut. Entschuldige, wie war
noch mal dein Name?", fragte ich beschämt, und senkte den Kopf.
Der Junge lächelte mild.
„Ich bin Harry Brown. Ich habe mich an
deinem ersten Tag zusammen mit den anderen drei Jungs vorgestellt."
Mein Blick verdüsterte sich, doch aus einem ganz anderen Grund.
Harry verstand es falsch, und wich vorsichtshalber ein kleines Stück
von mir zurück.
„Hab ich etwas Falsches gesagt?", fragte er
und wirkte erneut besorgt. Schnell schüttelte ich den Kopf.
„Nein,
nein. Es ist nur … an diesen Tag erinnere ich mich nur sehr ungern.
Aber es hat nichts mit dir zu tun." Verwundert hob er eine
Augenbraue.
„Darf ich wissen, warum?", fragte er. Ich
überlegte eine Weile, dann nickte ich, setzte mich auf die Bank, und
klopfte auf den Platz neben mir. Harry setzte sich.
„Nun ja,
also, du kennst doch John" Sein Blick war zuerst geschockt, dann
verärgert. Er nickte grimmig.
„Ja, den kenne ich nur zu gut.
Und lass mich raten: Er ist über dich hergefallen?" Überrascht,
als auch schockiert starrte ich ihn an. Er wusste also, wie John sich
… benahm? Wieso war er dann sein „Freund"? Schließlich fing
ich mich wieder.
„Ja", krächzte ich. Wieder nickte er,
und sein Blick wurde zornig.
„Edward tut mir irgendwie leid"
Mein Herz überschlug sich, als er seinen Namen nannte.
„Wieso
sagst du so was?", fragte ich ihn verwirrt. Er druckste ein wenig
herum, ehe er antwortete.
„Nun ja, vor ein paar Jahren gab es da
so einen Fall, weißt du", erwiderte er geknickt. „Ein Mädchen
war ums Leben gekommen, nachdem John" – Er schluckte schwer –
„sie belästigt hatte. Nein, Moment, das trifft es noch nicht mal
annähernd. Er hat sie … gefoltert. Und Edward hatte versucht, sie
zu beschützen" Mit leerem Blick starrte er ins Leere.
„Margo",
flüsterte ich. Als er ihren Namen hörte, fing er leise an zu
schluchzen. Verwundert schaute ich ihn an.
„Was ist los?",
sagte ich leise. Seine Hände hielt er vors Gesicht, und er sprach
gedämpft, so dass ich mich anstrengen musste, um ihn zu
verstehen.
„Margo war – meine Verlobte." Ich fiel aus allen
Wolken, und fragte:
„Wie alt bist du – Harry?" Langsam
wandte er sich wieder zu mir. Er sprach langsam und deutlich.
„Aber
sag es bitte niemandem, okay?" Ich nickte, und er holte tief Luft.
„Ich bin dreiundzwanzig, fast vierundzwanzig. Schon ein bisschen zu
alt für deine Klassenstufe, nehm ich an.", sagte er und lächelte
leicht. „Ich hab mich mit Absicht jünger ausgegeben."
„Warum?",
stieß ich hervor, immer noch verwirrt. Schließlich schaute er mir
ins Gesicht. Sein Blick war schmerzerfüllt, und doch lächelte er
wieder. Ich wartete geduldig.
„Ich studierte noch in England,
als ich erfuhr, was mit Margo geschehen war. Es hatte mich zutiefst
getroffen, ich konnte es einfach nicht glauben, also brach ich mein
Studium ab, um hierher zu kommen, und um mich zu vergewissern, dass
es stimmte. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen – damals war
noch nicht ganz klar, wie Margo gestorben war, es wurde als Unfall in
die Akten gelegt. Schließlich traf ich Edward, der mit ihr
befreundet war, und sehr schnell wurden wir selbst Freunde. Er wies
mich auf John hin, der immer noch Unfug trieb, und Mädchen Schaden
zufügte. Es war grauenvoll." Harry schüttelte sich. „Ich selbst
bekam es mit meinen eigenen Augen zu sehen.", flüsterte er. „Meine
Vermutung entsprach genau Edwards: Es war John. Er war der Mörder
meiner Verlobten. Meine Recherchen wurden somit bestätigt. Ich
schwor Rache, doch er entglitt mir, noch bevor ich ihn zur Rede
stellen konnte. Alles war extrem ärgerlich. Tja, und wenig später
kamst du. Ich wusste sofort, dass du in John Interesse geweckt
hattest, denn er wurde bei deiner Ankunft aufmerksam. Du warst seine
neue ‚Beute'." Er schwieg. „Ich habe ihn und Edward genau
beobachtet, Bella. Edward schaut dich an, als … würde er sich
jeden Moment vor dich werfen, nur um dich zu beschützen. Ich war
sehr erstaunt, und zugleich beeindruckt darüber." Harry warf mir
ein freundliches Lächeln zu, und er merkte, wie ich bei seinem Namen
zusammengezuckt hatte, und sein Lächeln verschwand.
„Jedenfalls
war ich weiterhin auf der Hut. Ich musste sicherstellen, dass John
dir nichts antat. Aber anscheinend schien ich alles zu verpassen. Es
ging viel zu schnell, und ich hatte schon den Überblick über die
ganze Sache verloren. Edward berichtete mir alles am Telefon. Als du
plötzlich eines Nachmittages verschwunden warst, klang er völlig
verzweifelt. Was soll ich bloß machen?!"
Er
machte sich also Sorgen um mich?
"Ich versuchte ihn in aller
Ruhe zu erklären, was er als Nächstes tun sollte, obwohl ich selbst
nicht genau wusste, was. John war sehr talentiert, was sein
plötzliches Verschwinden angeht. Er war dann unauffindbar. Doch als
ich weiter sprechen wollte, verabschiedete er sich abrupt, und legte
auf." Wahrscheinlich war es Alice, die Edward mit etwas Verspätung
über meinen Standort informiert hatte.
„Es bereitete mir
wirklich Sorgen. Am Tag darauf ward ihr beide nicht zur Schule
gekommen. Auch seine Geschwister nicht. Was war passiert?, fragte ich
mich. Doch dann berichtete unser Direktor, was geschehen war. John
wurde gefasst, und somit wurde auch der Mörder von Margo gefunden.
Ich atmete erleichtert auf. Es ging euch bestimmt gut. Edward
erzählte mir, was vorgefallen war." Ich schwieg, und er
verstummte. Ich wartete ein paar Minuten, um mich zu vergewissern,
dass er fertig war. Erneut hob er den Kopf. „Bella?"
„Mhm?",
antwortete ich abwesend. Meine Gedanken waren ganz woanders.
„Darf
ich dich etwas fragen?" Ich nickte. Er räusperte sich verlegen.
„Nun ja, ich habe mich bloß … gewundert, als ich Edward und
Lucia" – Ich verkrampfte, als er sie beide erwähnte. –
„zusammen gesehen habe. I-Ich dachte, du wärst mit ihm zusammen."
Er wartete einen Augenblick. Ich atmete schwer aus.
„Ja, das
sind wir. Aber ich weiß nicht, was in ihm vorgeht. Ich habe echt die
leiseste Ahnung.", flüsterte ich bedrückt. Er schien zu
begreifen, und fasste mich leicht an der Schulter.
„Bella",
sagte er vorsichtig. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich
kenne Edward, und ich habe gesehen, wie er dich anschaut." Er
lachte leise in sich hinein. „Das reicht mir als Antwort. Er
empfindet wirklich sehr stark für dich, glaub mir. Auch wenn ich
persönlich zugeben muss, dass diese, ähm, Lucia irgendwie nicht
mehr richtig tickt. Aber lass dich davon nicht entmutigen. Ich weiß,
dass Edward es ernst mit dir meint, und er würde nicht wollen, dass
du wegen ihm unglücklich bist." Ich war wirklich erstaunt über
seine Worte. Er war wirklich viel erwachsener, als ich gedacht
hatte.
„Danke", flüsterte ich, und ich spürte, wie sich
erneut Tränen in meinen Augen ansammelten. Dieses Mal vor Freude.
Wortlos reichte er mir ein Taschentuch.
„So, jetzt haben wir uns
ein wenig näher kennen gelernt", sagte er lächelnd. „Und, wenn
du irgendwelche Sorgen hast, darfst du jederzeit zu mir kommen. Ich
biete dir gern meine Freundschaft an." Er streckte mir seine Hand
entgegen. Zuerst zögerte ich, doch dann ergriff ich sie.
„Ich
danke dir." Meine Mundwinkel formten sich zaghaft zu einem kleinen
Lächeln. Er zog mich von der Bank.
„So, und jetzt solltest du
wieder zu deinem Kurs gehen. Es wird alles gut, Bella." Ich nickte,
und lief eilig davon.
Die letzten zwei Kurse war ich wieder
allein. Edward war in anderen, und ich betete nur darauf, dass Lucia
nicht bei ihm war. Aber bestimmt war meine Hoffnung vergebens. Ich
blendete alles um mich herum aus, nur um meinen Gedanken nachgehen zu
können. Es musste einen Weg geben, Edward auch ohne einen Tritt in
den Hintern zur Vernunft zu bringen. Ich grummelte irgendetwas
Unverständliches vor mich hin, und ab und zu drehten sich ein paar
Studenten nach hinten, um mich skeptisch zu beäugen. Einige unter
ihnen sahen besorgt aus.
Der Lehrer an der Tafel dachte erst gar
nicht daran, mich aufzurufen. Ich war ja die „Neue" und musste
mich eingewöhnen, laut seinen Worten, die er mir am Anfang der
Stunde geradezu ins Gesicht gespuckt hatte. Angewidert verzog ich das
Gesicht.
„Miss Swan", sagte Mr. Kirschstein (A.N.: Sorry Alex
xD Mir fiel kein besserer Name ein!) in starken deutschen Akzent.
„Schreiben Sie sich bitte die Aufgaben zu morgen auf." Ich
gehorchte, holte meinen Kalender hervor, und trug meine Hausaufgaben
ein. Dann klingelte es auch schon. Langsam stand ich auf, packte
meine Sachen zusammen, und trottete zum nächsten Raum. An der Ecke
blieb ich wie erstarrt stehen.
Edward stand an der Wand gelehnt,
Lucia neben ihm. Beide lachten und kicherten, und als Lucia breit
grinsend auf mich zeigte, richtete Edward seine grünen Augen auf
mich. Wie ausdruckslos sie waren. So, als würde er sich nicht für
mich interessieren. Schnell wandte er seinen Blick ab, und Lucia
schwatzte wieder auf ihn ein. Taumelnd ging ich in den Raum, wo mein
nächster Kurs war, wo ich mich kraftlos auf den Stuhl fallen ließ.
Ich war wie in Trance, und nahm so die Welt um mich herum nicht mehr
wahr. Mir wurde schwindelig, das Gefühl zu Erbrechen kam in mir
hoch, und ich gab mir alle Mühe, nicht jetzt hier in der Klasse zu
kotzen.
Dieser Blick … Er hatte einfach … nichts. Es war
nichts in seinen Augen zu sehen außer Abneigung vielleicht.
Ansonsten war in ihnen nur Leere. Leere, die mir Unbehagen bereitete,
und mir Angst einjagte. Würde er mich nicht mehr wollen? Oder war
Lucia diejenige, die ihre Finger im Spiel hatte? War das ihre
Fähigkeit? Konnte sie Menschen einfach so manipulieren? Aber warum
klappte das bei mir nicht so effektiv wie bei Edward?
Fragen über
Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Obwohl es sehr unglaubwürdig
für mich war – dennoch war es die einzige Möglichkeit, die mir in
den Sinn kam.
Noch heute würde ich mit ihm reden. Noch heute
würde ich ihm versuchen zu sagen, dass es falsch war, sich mit Lucia
abzugeben. Ich würde um ihn kämpfen.
Doch ob er wohl auf mich
hören würde? Wenn es wirklich ihre Fähigkeit war, dann konnte sie
ihn dazu bringen, mir aus dem Weg zu gehen. Sie konnte auch all die
Leute hier mir auf den Hals hetzen, wenn sie es so wollte. Und
ich? Ich war doch nur ein Schwächling, im Gegensatz zu ihr. Sie
hatte so eine effektive Waffe, wann es ihr gerade passte. Was hatte
ich schon zu bieten? Meine Tollpatschigkeit? Meine negative
Besonderheit, ständig hinzufallen, und andere dabei mitzureißen?
Die Fähigkeit, alle Gefahren um mich herum magnetisch anzuziehen?
Schon damals als Kind war ich etlichen Gefahren ausgesetzt. Ich bin
so häufig gestolpert, gefallen, mehrmals hätte mich beinahe ein
Auto überfahren …
War das etwa meine Fähigkeit? Alles ins
Unglück zu stürzen? Was sollte ich denn nur bloß machen. Ich hatte
einfach … nichts. Und trotzdem würde ich versuchen, Edward von ihr
fernzuhalten. Ich würde alles tun, damit er wieder vernünftig
würde. Deshalb grübelte ich die ganze Stunde vor mich hin, wie ich
das am Besten anstellen sollte. Wenn ich Glück hätte, dann würde
er mich nach der Schule nach Hause fahren. Die Gelegenheit könnte
ich dann ja ausnutzen …
Aber was, wenn dem nicht so war? Ich
fluchte innerlich. Er war ja wie eine Klette an ihr! Er lief ihr
überall hinterher, und war nur schwer von ihr los zu bekommen!
„Miss Swan!", rief Mr Banner. Erschrocken blickte ich ihn an.
„Ich rufe Sie schon zum vierten Mal auf, ohne dass Sie antworten.
Was ist heute nur los mit Ihnen? Andere Lehrer haben sich auch schon
beschwert, dass Sie heute so unaufmerksam waren!" Empört
schüttelte er den Kopf.
„Es tut mir leid. Das wird nicht mehr
vorkommen, versprochen."
„Das will ich aber auch hoffen."
„Ja,
Sir" Dann drehte er sich um und ging zurück zur Tafel. Ich blickte
auf die Uhr, und stöhnte leise. Der sollte sich mal wieder abregen,
dachte ich. Es würde sowieso in wenigen Sekunden klingeln. Und
tatsächlich, die Klingel läutete, ich sprang auf, stopfte meine
Sachen in die Tasche, und stürmte aus dem Klassenzimmer. Es war
Hektik pur, meine Augen schweiften über den Flur, und jetzt
entdeckte ich ihn, und sah, wie Lucia sich auf die Zehenspitzen
stellte, und ihm einen Kuss auf die Wange drückte. Meine Augen
blieben entsetzt auf die Zwei geheftet, ich stand regungslos da und
schaute zu, wie sie sich in meine Richtung bewegte.
„Für heute
soll es erstmal gut sein", hörte ich sie sagen, sie kicherte.
Aufgebracht torkelte ich zu Edward herüber, der mich einfach nur
anstarrte.
„Fährst du mich nach Hause?", fragte ich ihn
ruhig. Er nickte stumm, und ging voran zum Parkplatz. Ich lief hinter
ihm her. Als wir nun endlich im Auto saßen, wirkte er etwas ruhiger,
und weniger angespannt. Er seufzte, ließ den Motor an, und
manövrierte den Volvo aus der winzigen Parklücke – ich wunderte
mich, wie er es geschafft hatte, hier einzuparken.
Er schwieg die
ganze Zeit über, und sagte kein Wort. Ich beschloss, ihn zuerst
anzusprechen.
„Edward?" Sein Blick war immer noch nach vorne
gerichtet, doch um seine Mundwinkel zuckte es. „Sag doch etwas"
Es klang flehend, und in seinen Augen flackerte etwas auf.
„Bitte",
flüsterte ich. Endlich schaute er mich an. Er sah nicht mehr so …
distanziert aus wie vorher.
„Was soll ich denn sagen?", fragte
er leise. Ich holte tief Luft.
„Du lässt dich mit der falschen
Person ein", sagte ich ruhig. Er richtete seinen Blick wieder nach
vorn; seine Hände verkrampften sich am Lenkrad.
„Wie bitte?",
fragte er höflich, seine Stimme klang kontrolliert.
„Lucia …
nutzt dich nur aus, Edward", versuchte ich lässig zu antworten,
doch es klang eher kratzig. Vorsichtig lugte ich zu ihm herüber. Er
war wieder in einer Art Trance.
„Das bildest du dir nur ein,
Bella", sagte er schneidend. Ich zuckte bei seinem Ton zurück, und
versuchte es wieder. Es klang aufgebracht.
„Edward, sie
kontrolliert dich!!", schrie ich fast, und mit jedem Wort
schraubte sich meine Stimme eine Oktave höher. Seine Mundwinkel
zuckten.
„Das tut sie nicht", erwiderte er zischend. Ich
funkelte ihn mit zusammengekniffenen Augen an.
„Oh
doch!"
„Nein." Er betonte das Wort langsam und deutlich.
Wütend starrte ich nach draußen, und plötzlich schienen meine
Augen alles in Slow-Motion aufzunehmen. Ich bekam sehr scharfe Bilder
zu sehen, die ich wahrscheinlich normalerweise nicht gesehen hätte.
Es ging alles viel zu schnell. Die Bilder verschwammen
schemenhaft zu einem, doch ich sah für kurze Zeit eine weiße
Silhouette neben dem Auto hervorblitzen, die schnell wieder
verschwand. Edward bemerkte von dem nichts, er starrte weiterhin nach
vorn. Doch dann riss er das Lenkrad zur Seite, und meine Hände
krallten sich am Sitz fest. Ich Idiot war nicht angeschnallt. Die
weiße Silhouette kam wieder zum Vorschein, dann krachte das Auto in
einen riesigen Felsen. Edward wurde nach vorn gerissen, mein Kopf
rammte gegen die Fensterscheibe, die Risse bekam, und an manchen
Stellen zersprang. Regungslos lag mein Kopf auf dem Armaturenbrett,
und ich blinzelte benommen. Für kurze Zeit blies mir ein kalter,
eisiger Wind entgegen, dann war alles still. Vorsichtig streckte ich
meine Hand aus, und tastete nach ihm, doch ich fühlte nichts. Ich
riss die Augen auf – er war weg. Die Autotür stand auf, er war
spurlos verschwunden.
Edward war weg.
Ich sackte zurück in
den Sitz, bis mir schummrig wurde. Die Wunde an meinem Schädel war
noch größer als ich gedacht hatte. Ich fasste mir an den Kopf und
blickte dann auf meine Hand. Tiefrotes Blut klebte an ihr. Vom Geruch
wurde mir schlecht, und ehe mir schwarz vor Augen wurde, spürte ich,
wie kalte Tränen an meinen Wangen herunterrollten.
Er war weg
…
