höhö Hallo ihr Lieben
Danke für die vielen Reviews! Dafür kann ich mich echt nicht genug bedanken.
Einige von euch lagen mit ihrer Theorie gar nicht mal so falsch. Im Moment bin ich noch am überlegen, ob ich Edward hier schon zu einem Vampir werden lasse nachdenk
Mal sehen!!
Noch ein fettes Lob an meine liebe Beta Leserin Vampyre
Okay, los geht's!
Eure Steph
Power
Bella
Es dauerte lange, ehe ich wieder zu mir kommen, und meine Augen öffnen konnte. Und ich wusste nicht wie lange. Die Zeit zog sich endlos dahin und ich fragte mich, ob ich vielleicht nicht längst schon tot war. Meine Anspannung wollte einfach nicht abklingen und wie gebannt hörte ich auf das, was um mich herum passierte. Es hörte sich so an, als würde die Welt anfangen zu atmen. Ich hörte, wie sie tiefe und kurze Luftzüge nahm. Ansonsten war alles still. Nicht einmal ein Herzschlag war zu hören. Doch – da war etwas. Es war ein leichtes Hämmern in meiner Brust, das langsam nachließ.
… Poch …… Poch ……… Poch ………… Poch
Doch ich fühlte mich nicht schwächer, im Gegenteil: Je langsamer mein Herz schlug, desto stärker wurde mein Körper. Ganz schemenhaft schlich sich ein Gedanke in mein Hirn. Etwas, was das alles hier erklären würde. Doch es war für mich im Moment einfach zu unglaubhaft, um dies akzeptieren zu können.
„Fünfunddreißig Sekunden, Carlisle.", wisperte Alice' Stimme. Sie klang angespannt, wenn nicht sogar ein kleines bisschen wütend. In Gedanken zählte ich die Sekunden, dann öffneten sich meine Augen. Ich blickte in die Gesichter der Cullens – doch eins fehlte.
„Bella, wie geht es dir?", fragte Esme mich besorgt. Ich erwiderte nichts, denn ich war zu sehr beschäftigt, Edward zu finden. Ich wirbelte herum und entdeckte ihn schließlich; zuerst hatte ich ihn gar nicht bemerkt. Er lag neben mir auf dem gigantischen Bett, das in seinem Zimmer stand. Sein Anblick verschlug mir den Atem; er war nicht mehr der derselbe. Benommen schaute ich auf. Sie alle sahen die Fragen in meinem Blick. Statt zu antworten, zog Rosalie mich hoch, und stellte mich vor einem riesigen Spiegel. Ich hielt die Luft an. Das war nicht ich.
Meine Haut war noch viel blasser geworden, und es sah ein wenig danach aus, als würde sie leuchten. Mein Gesicht war wohlgeformt, die Wangen hatten einen leichten rosa Stich, ich hatte eine gerade Nase und einen schönen, roten Mund, der sehr sinnlich aussah. Auch meinen Körper erkannte ich kaum wieder. Meine Taille war schlank und hatte richtige weibliche Rundungen, die in eine zart geformte Hüfte überging. Lange Modelbeine vollendeten meine Gestalt. Die Augen hob ich mit zuletzt auf, und ich erschrak. Sie waren aus tiefstem Rubinrot.
„Kein Grund zur Sorge, Bella. Diese Augenfarbe wird mit der Zeit verschwinden.", beschwichtigte Carlisle mich. Ich atmete erleichtert wieder aus. Erstaunlich, wie lange ich die Luft angehalten hatte. Dennoch war ich so verwirrt, dass ich fast umzukippen drohte. Damit dies nicht geschah, drückte Alice mich wieder sanft aufs Bett. Ich brauchte nicht in ihr Gesicht zu schauen, um zu wissen, dass ihr wütender Blick auf mir ruhte. Ich konnte ihre Verärgerung schon fast spüren – sie war nur allzu deutlich. Doch ihr Klang ihrer Stimme war überraschend – sie war samtweich, aber auch besorgt.
„Bella, warum hast du das getan? Wieso hast du uns denn nicht gewarnt?", flüsterte sie. Beschämt blickte ich nach unten.
„Ihr hättet mich doch nicht gehen lassen.", erwiderte ich leise. Ich hörte sie empört aufstöhnen.
„Natürlich nicht! Du hast doch gesehen, wie gefährlich diese ganze Sache war! Du kannst von Glück reden, dass wir dich noch rechtzeitig eingeholt haben, um sie von dir wegzureißen!"
„Ganz ruhig, Alice. Sie hat es ja nicht ihretwegen getan.", besänftigte sie Esme. „Aber ich muss wirklich zugeben, Bella, dass das ziemlich leichtsinnig von dir war."
„Du hättest uns wenigstens eine Nachricht hinterlassen können.", fügte Rosalie noch hinzu.
„Warum hast du nicht bescheid gesagt? Ich wollte sie doch verfolgen!", erwiderte Emmett gespielt enttäuscht. Jasper sagte nichts, aber auch er sah ein wenig besorgt, wenn nicht sogar geschockt aus. Bestimmt spürte er meine Gefühle, denn sein Blick wurde weicher. Carlisle schwieg. Er beobachtete das Geschehen mit wachsamem Blick.
„Warum hast du mir denn nicht vertraut, Bella? Wir alle hätten dir geholfen, aber du haust einfach ab!"
Mir war das äußerst unangenehm, dass alle so auf mich einstürmten, und auf einmal fühlte ich mich richtig elend. Ich wusste, dass es ein Fehler von mir war, einfach so zu verschwinden, und den anderen nicht bescheid zu sagen. Aber er war mir im Moment einfach zu wichtig, und hätte ich länger gewartet, wäre es vielleicht schon zu spät gewesen! Aber davon wollte sicherlich niemand etwas wissen. Am liebsten würde ich jetzt im Boden versinken. Und plötzlich verstummten sie alle.
„Bella?", rief Alice verwirrt. „Bella, wo bist du? Hey, komm wieder zurück, so haben wir das doch nicht gemeint! Es ist nur …"
Nanu? Wieso konnten sie mich denn nicht sehen? Ich saß doch hier! Hier im selben Raum, wie sie es taten! Hallo? Wieso sah mich denn niemand? Ich wedelte sogar mit der Hand in der Luft herum, doch keiner von ihnen schien mich zu bemerken.
„Alice? Alice ich bin doch hier!" Verwirrt drehte sie sich zu mir um.
„Bella? Ich sehe dich nicht!" Hä?
„Ich sitze genau da, wo ich schon immer gesessen habe seit ich aufgewacht bin!", antwortete ich verärgert. Ich hatte keine Lust auf solche Spielchen.
„Nein wirklich! Ich – kann – dich – nicht – sehen! Wir alle können es nicht!" Die Cullens nickten zustimmend. Das konnte doch nicht sein! Nach einer Weile beruhigte ich mich wieder, und alle blinzelten verblüfft.
„Hey! Du bist ja wieder da!", rief Emmett fröhlich. Jetzt verstand ich nur Bahnhof. Warum konnten sie mich dann vorher nicht sehen? Wollen die mich etwa auf dem Arm nehmen?
Doch das änderte nichts daran, dass ich mich immer noch unbehaglich wegen dieser ganzen Sache fühlte. Wieder verstummten sie alle und blickten sich suchend um. Was war denn nur los? Unsicher kam Alice zu mir rüber. In ihrem Gesicht war ein unergründlicher Ausdruck zu sehen, und ich wusste nicht, warum sie mich so anstarrte! Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sie fast meinen Arm berührte – und sie griff hindurch. Ich stieß einen leisen Schrei aus. Ihre Hand schnellte hervor, und nun griff sie nach meinem Torso – auch dieses Mal griff sie hindurch. Verwundert hob sie ihren Blick, dann setzte sie sich neben mich. Es sah so aus, als wollte sie ihren Arm um mich legen, aber wieder ein Mal griff sie ins Leere, so dass sie einfach regungslos neben mir verharrte.
„Bella", sie sprach leise und deutlich, „es sieht so aus, als hätten wir deine Fähigkeit entdeckt. Du kannst dich unsichtbar machen. Jasper glaubt, dass wenn du dich unwohl fühlst oder so, dass du dann unsichtbar wirst. Ich kann das nicht wirklich erklären. Vielleicht kannst du dies auch mit deinem eigenen Willen schaffen. Sicher bin ich mir nicht. Aber du bist dann unauffindbar! Wir können dich noch nicht einmal riechen! Wir sollten uns mal deine Fähigkeit genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht steckt da ja noch mehr dahinter." Sie schmunzelte. „Aber irgendetwas verunsichert mich trotzdem … Ich glaube fast sogar, dass das nicht die einzige Fähigkeit ist, die du besitzt!" Mein Mund klappte nach unten. War das möglich? Konnte ich wirklich mehrere Fähigkeiten besitzen? Bevor ich noch einen weiteren Gedanken fassen konnte, regte sich neben mir jemand.
„Was seid ihr denn so laut?", murmelte Edward erschöpft. „Da platzt einem doch glatt der Schädel!" Er richtete sich auf, und schaute mich aus seinen roten Augen verschlafen an. Bei dem Anblick musste ich kichern, auch Alice lachte. Edwards Haare standen in allen Himmelsrichtungen ab.
„Edward, wie fühlst du dich?", fragte Carlisle ihn.
„Total erledigt", seufzte er. „Was ist passiert?" Genau wie bei mir hob Rosalie ihn wortlos hoch und stellte ihn vor dem Spiegel. Er konnte sein neues Äußeres nur noch angaffen – so erstaunt war er darüber. Ich lachte leise. Mit weit aufgerissenen Augen setzte er sich neben mich und nahm meine Hand. „Ich glaub, ich muss das alles erst einmal verdauen", sagte er atemlos und nickte Carlisle zu.
„Also, ich denke, wir sollten euch darüber informieren, was vor fünf Tagen vorgefallen war.", erklärte dieser sanft, und sein ernsthafter Blick traf meinen. „Nachdem Alice und Emmett Lucia weggeschleudert hatten, mussten wir feststellen, dass sie dich gebissen hatte. Da du so aufgeregt und nervös warst, hat dein Herz dein Blut schneller in deinen Körper gepumpt, und ihr Gift konnte sich so schneller verteilen. Und ob du es glaubst, oder nicht – Edward wurde kurz vor deiner Ankunft gebissen.", fuhr er bitter fort. Ich erstarrte.
„Aber … das kann doch gar nicht sein …!", stammelte ich. Carlisle hob die Hand, um weiter zu reden.
„Bitte lass mich ausreden, Bella. Ich bin mir vollkommen über dein … Vorhaben bewusst. Schließlich hast du das nur getan, um sie abzulenken. Aber sie war durchaus clever. Glaub mir, sie wusste, dass du irgendein Mittel finden würdest, um sie daran hindern zu wollen, Edward zu beißen. Deshalb wollte sie dich ein wenig provozieren, damit du dir selber Schaden zufügst. Ihre Reaktion war bloß gespielt." Ich bekam keinen Laut aus mir heraus. Deshalb war Alice so wütend gewesen. Ich hatte überhaupt nicht nachgedacht. Ich hatte mein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt.
„Aber ich dachte, dass Edward noch nicht gebissen wurde!"
„Er war relativ schwach. Das Gift konnte sich so nicht schell genug verteilen." Carlisle klang sachlich, doch in seinen Augen spiegelte sich der Schmerz. Er konnte seinen Sohn nicht rechtzeitig retten. „Als wir kamen, war es schon zu spät – für euch beide. Lucia hatte ihr Werk vollendet. Sie hatte eigentlich nur beabsichtigt, ihn zu beißen, nicht dich. Aber dann haben wir dich noch rechtzeitig gefunden, so dass sie ihr Vorhaben, dich zu töten, abbrechen musste."
„I-Ist … ist sie denn tot?" Alice trat nun hervor.
„Nein", antwortete sie düster. „Als ich sie noch zu fassen bekommen wollte ist sie…" Nein! Bitte sag jetzt nicht, dass sie … „entkommen." Ich hörte, wie ich nach Luft schnappte. Edward ließ seinen Daumen beruhigend auf meiner Hand kreisen, doch ich war immer noch nicht im Stande, mich abzuregen. Das war doch alles nicht wahr! Sie war noch auf freiem Fuß?!
„Keine Sorge Bella. So schnell wird sie nicht mehr wieder kommen. Und falls doch" Sie stockte. „dann kann sie dir oder ihm, nichts mehr anhaben."
Ich schluckte kräftig. „Meinst du?" Sie zuckte die Schultern.
„Klar. Ich sehe es schließlich vor mir. Es ist sicher.", sagte sie und ein ernstes Funken trat in ihre schwarzen Mitternachtsaugen. Sie hatte Durst. Ich konnte es in ihrer Kehle rumoren hören. „Bella", sagte sie betreten. „Ähm, ich muss mal kurz austreten, wenn du verstehst. Möchtet du und Edward nicht vielleicht mitkommen? Dann kann ich euch das Jagen beibringen." Edward und ich sahen aneinander an, dann nickten wir stumm. „Gut. Kommt mit."
Alice ging mit uns im Schlepptau zur Tür raus, die anderen gingen hinter uns her. „Ab hier müssen wir rennen.", wies sie uns zurecht. Langsam drehte sie sich um und rannte fort. Edward nahm meine Hand und folgte ihr. Ich merkte, wie ich flog. Die Geschwindigkeit war wirklich berauschend. Die kühle Luft Alaskas blies mir ins Gesicht, und das hier war noch besser als Motorradfahren. Edward lachte schallend. Es schien ihm Spaß zu machen.
Nach kurzer Zeit verlangsamten wir allmählich unser Tempo, als wir Alice an einer Weggabelung stehen sahen. Als sie uns hörte, drehte sie um und schaute uns mit einem Lächeln im Gesicht an.
„So, macht es wie folgt. Verlasst euch einfach auf eure Sinne. Wir sind weit weg genug von der Stadt entfernt, ihr braucht euch also um nichts zu sorgen." Aus dem Wald traten die anderen Cullens hervor. Wahrscheinlich waren sie unsere ‚Aufpasser'. „Geht dem Geruch des Tieres nach. Ihr werdet sehen, es ist ganz einfach." Noch bevor sie auch nur weiter sprechen konnte, nahm ich einen unglaublich tollen Geruch wahr. Er weckte mein Interesse. Ich sah noch, wie Alice' Lächeln breiter wurde, und schon war ich weg. Das unschuldige Tier rannte bereits vor mit weg, doch zu meinem Bedauern hatte es leider keine Chance. Ich stürzte mich auf es und machte es unfähig – mit einem Schlag war es tot. So musste es nicht noch weitere Qualen erleiden. Als ich meinen Durst gestillt hatte, nahm ich das Tier und vergrub es in die Erde. Die Cullens, die mir gefolgt waren, sahen mir erstaunt zu.
„Warum tust du das, Bella?" Langsam wandte ich mich zu ihnen.
„Das arme Tier musste wegen unserer Existenz sterben. Es opfert sich praktisch für uns auf, damit wir weiterleben können. Es hat wenigstens ein Recht darauf richtig bestattet zu werden." Esme, Rose und Alice lächelten gerührt. Edward, der ebenfalls das Geschehen mitverfolgt hatte, verzog einen Mundwinkel zu seinem schiefen Lächeln, das ich so liebte. Ich hatte nicht mitgekriegt, wie Edward beim Jagen war, doch das würde ich bestimmt irgendwann noch nachholen. Ich ging wieder zu ihnen herüber und nahm erneut Edwards Hand.
„Zeit nach Hause zu gehen.", wisperte er mit schiefem Lächeln. Ich lachte.
„Alles klar. Dann mal los!" Und schon rannten wir Hand in Hand zurück zum Haus der Cullens. Im Moment war ich mir im Unklaren, dass schon weitere Probleme auf mich warteten.
Als wir ankamen, fiel der Groschen. Ich sah zu meinem Haus herüber und erstarrte zu einem Eisblock. Vor meinem Haus stand das Auto meines Vaters; ich roch ihn von hier aus. Das war echt der falsche Moment! Panik überkam mich und ich fuchtelte verzweifelt mit den Armen herum. Edward riss nur geschockt die Augen auf.
„Bella" Langsam richtete er seinen Zeigefinger auf mich. „Hinter dir!", murmelte er.
„Nicht jetzt!", rief ich. „Ich muss nachdenken!" Mein Arm schoss in die Höhe und ich hörte irgendetwas an die Decke krachen. Erschrocken blickte ich nach oben; eine kleine Delle war zu sehen. Doch das legte meine Angst vor dem, was mir bevorstand, nicht. Als ich das Auto immer noch sah, wurde meine Furcht noch größer. Wie sollte ich Charlie das beibringen? Nicht jetzt! Ich war doch noch gar nicht bereit! Was war wenn ich ihn um… Nein! Nervös verschränkte ich meine Finger, löste sie nach einer Weile wieder und wühlte durch meine mittlerweile zerzausten Haare. Edwards Augen blieben weiterhin auf mir geheftet – oder auf Etwas hinter mir. Er streckte seinen Finger erneut nach mir aus.
„Was ist denn?", fragte ich gereizt und schwang meine Arme zur Seite. Ein erneutes Klirren war zu hören. Verunsichert drehte ich mich um; auf dem Boden lagen mehrere Splitter einer Keramikvase.
„Du hast die Gegenstände da zum Schweben gebracht", flüsterte er. Ungläubig starrte ich zu Boden, die Tür flog auf und an der Schwelle stand eine aufregend aussehende Alice.
„Bella!", rief sie. „Du … ich … wir haben eine weitere Fähigkeit entdeckt!", beendete sie begeistert. Ich blinzelte nur verwirrt.
„Wie?"
„Ich habe es in einer Vision gesehen, kurz nachdem wir wieder angekommen sind! Ich weiß nicht, wie deine Gabe wirklich funktioniert, dass müssen wir – nein, dass musst du ganz alleine raus finden! Auf jeden Fall", Langsam beruhigte sie sich wieder, und ihr Redetempo verlangsamte sich, so dass ich sie besser verstehen konnte, „kannst du mit deiner neuen Gabe Gegenstände, so wie auch Menschen oder Vampire schweben lassen, und sie so wie eine Marionette hin- und her schleudern. Aber ich bitte dich" Sofort sah sie mich mit ihrem Hundeblick an. „Probier das nicht an mir aus, ja? Nimm Emmett als Versuchskaninchen!"
Ich und Edward fingen an, laut schallend zu lachen. „Ich hoffe, der hat's gerade nicht gehört", murmelte sie.
„Wow", stieß ich hervor. „Aber … was ist Edwards Fähigkeit?" Sie winkte lässig mit ihrer Hand.
„Ach", sagte sie, „das war so was von einfach herauszufinden. Ich habe das schon in einer Vision vorausgesehen. Und ich wette, er hat es schon selber herausgefunden, nicht wahr Ed?" Er nickte zustimmend und sah dabei auch ein kleines bisschen gereizt aus. „Diese Fähigkeit ist schwer zu verfehlen."
„Was ist es denn nun?", fragte ich neugierig.
„Er kann Gedanken lesen." Ich machte große Augen, dann drehte ich mich zu ihm um.
„Kannst du auch … meine Gedanken lesen?", fragte ich zögernd. Er schmunzelte. Dann trat in seinen Augen ein grüblerischer Ausdruck.
„Nein", antwortete er gedehnt. „Leider nicht. Und ich weiß nicht, woran das liegt. Aber die Gedanken der anderen reichen mir vollkommen aus. Obwohl ich zu gerne wissen würde, was du denkst."
„Das ist mir nicht neu", erwiderte ich. „Aber zurück zu meinem eigentlichen Problem." Ich richtete meinen Zeigefinger zum Fenster und zeigte auf das Auto von Charlie. Eigentlich müsste Alice davon wissen. Und jetzt erinnerte sie sich auch daran; sie schlug sie mit der flachen Hand auf die Stirn.
„Natürlich", rief sie. Aber sie klang gelassener als ich. Hatte sie überhaupt eine Ahnung, was das bedeuten würde? „Es ist alles weniger schlimm, als du denkst, Bella."
„Was?!", erwiderte ich erschrocken. „Alice! Ich kann doch jetzt nicht mit ihm reden! Er würde doch sofort merken, dass etwas nicht mit mir stimmt! Außerdem habe ich Angst ihn zu…" Ich ließ den Satz unvollendet und starrte zu Boden.
„Keine Sorge, Bella", antwortete sie mild. „Das wird nicht passieren. Du bist nämlich resistent gegenüber menschlichem Blut. Und weißt du auch, warum?" Ich schüttelte nichts ahnend den Kopf, und versuchte, aus ihren Worten schlau zu werden. „Du konntest als Mensch den Geruch von Blut nicht ausstehen. Ich erinnere mich noch daran, wie dir damals übel wurde, als ich vom Jagen zurückkam." Sie hüstelte verlegen über ihre eigene Ungeschicklichkeit. Ich allerdings verbot mir die Erinnerung daran. Mir wurde jetzt schon wieder schlecht.
„Aber was ist mit Charlie? Er würde doch sehen, wie ich mich verändert habe!" Mit einer Handbewegung präsentierte ich meinen neuen Körper.
Sie nickte wissend. „So geht es uns allen.", antwortete sie. „Ich musste mich anfangs auch vor meinen Verwandten verstecken. Aber ich habe mich letztens doch noch bei ihnen gezeigt, ehe ich mich endgültig von ihnen verabschiedet habe." Ihr Blick wurde traurig, und ich legte ihr ein Arm um die Schulter. „Aber das erzähle ich dir vielleicht ein andermal. Zuerst müssen wir uns um deinen Vater kümmern. Komm mit" Alice stürmte aus dem Zimmer, ich ging direkt hinter ihr her, doch Edward hielt mich am Handgelenk fest.
„Bella", flüsterte er in mein Ohr, „du kannst dir nicht vorstellen, was du alles riskiert hast, nur um mich zu retten." Er nahm mich in die Arme. „Danke", murmelte er sanft. „Auch, wenn ich es nicht verdient habe. Alice hat mir erzählt, was vor meiner Entführung vorgefallen war. Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht verletzen. Ich" Doch ich legte ihm den Finger auf dem Mund, um ihn zu stoppen.
„Ich weiß, Edward. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, es war ja nicht deine Schuld. Vergessen wir die Sache einfach und konzentrieren wir uns auf das hier uns jetzt, ja?" Edward lächelte, beugte sich zu mir hinunter und küsste mich auf den Mund.
„In Ordnung", erwiderte er schließlich. Dann nahm er meine Hand und führte mich ins Wohnzimmer, wo mich alle bereits erwarteten.
„Ihr seid aber langsam", grummelte Emmett enttäuscht. Ich wollte lieber nicht wissen, was er da mit langsam meinte. Rosalie knuffte ihm verspielt in den Arm.
„Bella", sagte Alice. „Dein Vater ist hier, um sich von dir zu verabschieden. Er wird heute nach Forks zurückkehren, um deine neue Stiefmutter heiraten zu können." Sie schenkte mir einen bemitleidenden Blick. „Aber ich sag dir eins: er wird dich sehr, sehr vermissen. Vielleicht solltest du jetzt zu ihm gehen, er wartet schon."
„Soll ich mitgehen?", fragte Edward mich, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Es ist besser, wenn ich das selbst erledige." Er nickte, und drehte sich wieder um. „Viel Glück", flüsterte er noch im Weggehen.
„Umarm ihn, Bella", sagte Esme. Ich verstand nicht.
„Wie bitte?" Sie trat auf mich zu, ihr Blick war ernst.
„Umarm ihn. Vergiss dabei, dass du ein Vampir bist. Es wird ihm in dem Moment egal sein, dass du anders bist, denn er wird spüren, dass er dich nicht mehr so schnell wieder sehen wird. Wir wissen nicht, wann dies wieder möglich ist, aber verabschiede dich bitte richtig von ihm. Ich weiß, wovon ich rede", flüsterte sie. Carlisle kam auf sie zu und nahm sie in den Arm. Sie fing an zu schluchzen. Ich wollte schon zu ihr gehen, und sie ebenfalls trösten, doch Jasper fuhr dazwischen. „Nun geh schon, Bella." Jasper lächelte verständnisvoll, dann wandte ich ihm den Rücken zu, holte tief Luft und schritt zur Tür raus.
Meine Beine zitterten, als ich auf ihn zuging. Ich spürte, wie mein Atem hin und wieder stockte. Charlie sah mich noch nicht. Mit verträumtem Blick betrachtete er den See, in dem sich die vielen Berge spiegelten. Mein Atem ging unregelmäßig. Je näher ich kam, desto heftiger wurden die Schmerzen. Doch es war kein körperlicher Schmerz. Es war nicht physisch, sondern psychisch. Allein die Vorstellung, ihn vielleicht nie wieder sehen zu können, stach wie ein Messer in meine Brust. Ich konnte das Schluchzen nicht mehr zurückhalten, aber ich musste mich zusammenreißen. Weinen konnte ich auch, wenn Charlie weg war – wenn ich dazu überhaupt im Stande war. Ich schluckte den Schmerz mühevoll hinunter und rief nach ihm.
„Dad!" Charlie drehte sich lächelnd zu mir um. Dass er lächelte, machte es nur noch schwerer für mich.
„Bella!", rief er zurück. Ich war schneller als gedacht bei ihm. Er musterte mich zuerst von oben nach unten, doch ihm schien zuerst nichts aufzufallen – noch nicht. „Lange nicht mehr gesehen." Ich nickte zustimmend, und kämpfte gegen den Schluchzer an, der sich immer wieder in meiner Brust aufbaute. „Wie geht es dir?"
„Gut", brachte ich mühsam hervor und zwang mich zu lächeln. Doch er merkte, dass was nicht stimmte.
„Alles okay?"
„Ja, ja! Alles in Ordnung."
„Du hast dich verändert.", erwiderte er verblüfft. „Du bist noch hübscher geworden."
Musste er ausgerechnet heute seinen aufmerksamen Tag haben?, fluchte ich innerlich. Er machte es nur noch schwerer für mich! Doch zu meiner Überraschung machten diese Worte ihn nicht verlegen. Er klang aufrichtig. Ich spürte, wie meine Wangen allmählich heißer wurden.
„Danke, Dad", murmelte ich. „Du ... willst jetzt also gehen?" Ich verfluchte mich erneut. Ich durfte eigentlich doch gar nichts wissen, was er nun vorhatte. Doch zu meinem Glück wurde er nicht misstrauisch.
„Ja. Sylvia wartet schon.", antwortete er mit einem Lächeln. Für kurze Zeit wurde mir übel, und ich versuchte, nicht jetzt vor ihm zu würgen. „Aber ich wollte mich noch von meiner lieben Tochter verabschieden.", sagte er, und plötzlich wurde sein Blick traurig. „Bella, ich weiß nicht, ob ich dich so bald wieder besuchen kann."
Ich weiß es doch auch nicht, Dad.
„Aber ich verspreche dir, dass ich dich sobald ich kann, besuchen werde."
Ich wünschte nur, ich wäre imstande, dir alles zu erzählen.
„Du wirst mir so fehlen, Bella." Charlie nahm mich in die Arme, und zuckte vor meinem eisigen Körper zurück, doch er hielt mich so fest er konnte. Ich erwiderte die Umarmung. Jetzt konnte ich es nicht mehr kontrollieren. Ich schluchzte was das Zeug hielt. Eisige Tränen sickerten in seinen Hemdkragen.
„Du wirst mir auch fehlen, Dad", wisperte ich leise.
„Hey", machte mein Dad und schaute mich an. „Wir werden uns doch bestimmt schon bald wieder sehen."
Wenn du wüsstest …
„Ja, du hast Recht."
„Ich muss nun wirklich gehen." Er umarmte mich noch einmal, doch diese Umarmung war nun anders. Er musterte meinen Blick, als er mir wieder ins Gesicht sah, und sein Ausdruck in den Augen wurde unergründlich. „Bitte Bella", murmelte er, „pass auf dich auf, ja?" Ich nickte stumm. Dann ging er zu seinem Auto, ohne mich aus den Augen zu lassen. Auf einmal sah er unsicher aus. Als er drinnen saß, ließ er das Fenster hinunter surren.
„Mach's gut!" Ich winkte ihm nach, während er davon brauste. Ich war mir sicher, dass er es gespürt hatte – dass ich nicht mehr die Bella war, die einst noch gelebt hatte. Er hatte gespürt, dass ich mich verändert hatte, ich hatte es in seinen Augen gesehen. Stumm betrachtete ich den See, den Charlie vorhin noch angeblickt hatte. Ich trat näher, und sah darin mein Spiegelbild aufblitzen.
Du bist nicht mehr dieselbe, wiederholte ich in Gedanken. Langsam bückte ich mich nach unten, nahm einen Stein und warf ihn mit ganzer Kraft auf die Wasseroberfläche. Eine Fontäne schoss hoch und mein Spiegelbild verschwand.
