Eifersüchtig?
Bella
Bei
Tagesanbruch verschwand Edward, nachdem er mir einen zärtlichen Kuss
gegeben, und mir gesagt hatte, dass er mich bei Gelegenheit
wiederkommen würde. Dann ließ er mich allein. Ein weiteres
Mal.
Seufzend erhob ich mich vom Bett und zog mich um. Noch
zwei Wochen,
dachte ich, dann würde ich im Flieger nach Forks sitzen. Zwei Wochen
…
Die Zeit zog sich so lang dahin. Wie es wohl Charlie ging?
Und … Laurens Mutter? Waren sie … glücklich miteinander? Ich
schluckte bei dem Gedanken. Er war einfach unerträglich! Dass mein
Vater vielleicht mit seiner neuen Freundin glücklich war, und nicht
damals mit meiner Mutter, wie es hätte sein sollen. Ich würde auch
sie in den folgenden Tagen besuchen, um zu sehen, ob Phil ihr auch
wirklich gut tat. Aber ich wollte meinen Eltern gegenüberstehen,
ohne, dass ich mich vor ihnen unsichtbar machen musste. Warum konnten
sie denn nicht wieder zusammenkommen?
Weil
es nicht funktioniert, Bella. Sie passen einfach nicht zusammen.
Charlie
wurde von Renée in Forks zurückgelassen. Sie hatte zu ihm Lebewohl
gesagt und ist dann durch die Tür nach draußen getreten, und
seitdem hatten sich die Zwei nicht mehr wieder gesehen. Manchmal
ertappte ich Charlie dabei, wie er mit einem traurigen Blick das
Hochzeitsbild von ihm und meiner Mutter betrachtete. Man sah ihm
wirklich an, dass er noch nicht über die Trennung hinweg war. Er tat
mir so furchtbar leid. Und ich würde ihn nicht länger trösten
können. Er würde mich nie wieder sehen. Ich war die Einzige, die
ihm noch geblieben war. Und ich war nun nicht mehr bei ihm.
Aber
jetzt würde sich alles ändern. Er hatte eine Neue, sie würde nun
meinen Platz übernehmen. Mit ihm zu reden, ihn zu trösten, ihn
aufzumuntern … Das war nun alles ihre Aufgabe, und ich würde ihr
dabei nicht helfen können. Es war besser, wenn ich für immer vor
seinen Augen verschwunden blieb. Meine Gabe aber, ermöglichte es
mir, ihn zu sehen, wann immer ich wollte. Ich konnte mich
vergewissern, ob es ihm gut ging. Mein Herz seufzte erleichtert.
Ich
fuhr aus meinen Gedanken hoch, als Rosalie meinen Namen rief. Mein
Blick schnellte auf die Uhr; in fünf Minuten begann meine Vorlesung
in der Uni. Schnell nahm ich meine Tasche und meine Bücher, und
schlenderte im gemütlichen Tempo (da Rose ja mit
Höchstgeschwindigkeit fuhr, und wir uns deswegen mehr Zeit zur
Verfügung hatten) die Treppen hinunter. Rose fragte mich gar nicht
nach Edwards gestrigen Besuch, sondern starrte einfach nur stur
geradeaus. Eigenartigerweise zuckten ihre Mundwinkel, als müsste sie
sich ein Grinsen verkneifen. Weshalb auch immer. Aber ich hatte da so
meine Bedenken …
Schweigend setzte sich mich an der Uni ab, und
brauste davon, um das Auto auf dem Parkplatz zu bringen.
Die
Vorlesungen waren nicht gerade anders, als die anderen. Mike rückte
immer näher an mich heran, und ich von ihm weg. Mann, kapierte
dieser Junge denn nicht, dass ich nichts von ihm will?! Mike grinste
verschlagen und nahm meine Hand – und zuckte sofort wieder zurück.
Die eisige Kälte meiner Haut schreckte ihn zu meinen Gunsten ab. Mit
zornigem Blick schaute ich ihn an.
„Wenn du nicht bald damit
aufhörst, wird Edward dir dafür die Hände abhacken!" Ich sagte
es so hasserfüllt wie ich konnte und als er sah wie meine Augen nur
so vor Wut funkelten, zog er verängstigt den Kopf ein, und setzte
sich von mir weg. Und zwar so weit weg, wie es der Raum hier zuließ.
Von da an ließ er mich endlich in Ruhe. Aber ich hatte ein
schlechtes Gewissen. Vielleicht hatte ich ihm wirklich Angst
eingejagt. Vorsichtig hob ich meinen Blick und schaute zu ihm
herüber, und als er meinen Blick erwiderte, guckte er schnell wieder
weg. Nun ging er mir immer aus dem Weg, wenn ich mich in seiner Nähe
aufhielt. Ich hatte es mit meinen Worten wirklich übertrieben, aber
etwas anderes blieb mir nicht übrig. Ich konnte nur noch darauf
hoffen, dass Mike sich irgendwann wieder einkriegt.
Jede einzelne
Sekunde verging mit Langsamkeit. Mit jeder Sekunde rückte der Tag
meiner Abreise näher.
Nur ein Tag, dann würde ich nach
Forks zu Charlie fliegen. Nur noch ein ganzer Tag …
Im Haus der
Cullens setzte ich mich auf Edwards Bett, und als ich gerade in der
Welt meiner Gedanken eingetaucht war, klopfte es auch schon an der
Tür. Ich musste nicht aufblicken, um zu wissen wer es war.
„Bella,
kommst du mit mir und Esme in die Stadt?", fragte Rose mich. Um
ehrlich zu sein, hatte ich keine Lust, nun draußen rumzuspazieren.
Aber ich wollte Rose auch nicht kränken. Jetzt half es nur noch zu
lügen – auch wenn man mich sowieso durchschauen würde. Ich war
keine besonders gute Lügnerin.
„Nein, tut mir leid, ich muss
noch an meinem Aufsatz schreiben." Da, gesehen? Diese Ausrede klang
wirklich erbärmlich … Rose aber ging nicht weiter darauf ein,
sondern zuckte nur die Schultern und ging. Daraufhin kam Esme herein,
die mich besorgt musterte.
„Alles in Ordnung?", fragte sie und
legte mir einen Arm um die Schultern.
„Ja sicher", antwortete
ich und zwang mich zu lächeln, obwohl mir danach nicht gerade zumute
war. Wer wusste schon, warum.
„Warum kommst du dann nicht mit?",
wollte sie wissen.
„Ich muss noch an einem Aufsatz schreiben."
Meine Mimik passte überhaupt nicht zu meinen Worten. Esme schien das
auch zu bemerken; amüsiert schaute sie mich an.
„Ach, Bella.
Wenn du nicht mitkommen möchtest, dann brauchst du es uns doch
einfach zu sagen." Sie schwieg kurz. „Aber es wäre schön, wenn
du mir und Rosalie Gesellschaft leisten würdest." Lächelnd
tätschelte sie meinen Arm, dann drehte sie sich um und ging. Wenig
später hörte ich das Brummen eines Autos, das sich immer weiter vom
Haus entfernte. Ich saß nur da, und starrte nur so vor mich hin,
während der Abend näher rückte, und die zwei immer noch nicht
zurück waren.
Nachdem ich frisch geduscht hatte, ging ich zurück
in Edwards Schlafzimmer. Schnell machte ich das Licht aus, fuhr
herum, und beinahe wäre ich vor Schreck einfach umgekippt. Vor mir
auf dem Bett lag ein breit grinsender Edward Cullen. Seine Beine
waren ausgestreckt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Ein Bild
der Behaglichkeit.
„Oh", schnaufte ich. „Wie bist du denn so
schnell hierher gekommen? Ich hab dich gar nicht kommen hören." Er
unterdrückte sich ein Kichern.
„Bella, was kann ich denn dafür,
dass du so ein unaufmerksamer Vampir bist, und dich auch noch ständig
deinen Tagträumen hergibst?", fragte er mich belustigt. Ich stand
immer noch da und versuchte, die Situation zu erfassen. „Komm her."
Lächelnd streckte er seine Arme nach mir aus und nahm mich hoch aufs
Bett. „Du siehst beunruhigt aus", flüsterte er nach einer Weile.
„Bereitet dir irgendetwas Sorgen?" Edward strich über die
dunklen Schatten unter meinen Augen.
„Nein", antwortete ich.
„Mir geht's gut."
„Sicher?", fragte er schmunzelnd. Er
durchschaute mich sofort. „Du kannst mit mir über alles reden,
Bella." Behutsam, als hätte er Angst mich zu verletzen, strich er
mir über meine Wangen. Bald würde er mich mit seinen Berührungen
in den Wahnsinn treiben …
„Na ja", krächzte ich. „Ich
habe da so meine Bedenken, dass es meinen Eltern auch wirklich gut
geht. Charlies Blick zum Beispiel. Er hat mich an unserem Abschied so
eigenartig angeschaut, als wüsste er, dass ich nicht mehr dieselbe
bin." Edward lächelte zärtlich.
„Und wenn schon – ich bin
mir sicher, dass man nur glücklich sein kann, dich als Tochter zu
haben. Das wird auch dein neues Wesen nicht verändern können. Du
bleibst immer du selbst. Vertrau mir."
„Okay", sagte ich
erleichtert. „Nun ein anderes Thema. Wie läuft es denn so bei
dir?"
„Bei meinem Training meinst du?" Ich nickte. Er
grinste auf einmal zerknirscht.
„Was soll man sagen? Wir sind
uns gegenseitig irgendwie auf die Nerven gegangen … Und Jasper wäre
beinahe explodiert. Du musst verstehen – zu viele Gefühle. Und
Schuld da dran war wahrscheinlich nur ich."
„Warum?", fragte
ich verwirrt.
„Warum? Das fragst du dich auch noch?" Es klang
fast so, als hätte ich ihn beleidigt. „Wegen dir, natürlich!
Statt mich auf mein Training zu konzentrieren, sitze ich nur rum und
denke dabei immer nur an dich! Oh Mann, eine Freundin zu haben ist
echt nicht leicht … Vor allem für Jasper. Seitdem ich solche
Gefühle für dich hege – und ich will nicht sagen, dass sie gerade
schwach sind – himmelt er Alice umso mehr an. Du kannst dir gar
nicht vorstellen,
wie das beim Jagen aussieht!" Er lachte. Das
musste sich einer erst mal ins Gedächtnis rufen …
Aber in
diesem Moment dachte ich an etwas anderes.
„Freundin?", fragte
ich. Empört sah ich Edward an. „Ich bin also deine Freundin, ja?"
Er grinste.
„Ja, natürlich. Wie würdest du denn das
bezeichnen?" Er deutete auf unsere vielsagende Umarmung als er das
sagte. Ich wurde rot. Plötzlich – zu schnell für meine Augen –
wirbelte er mich herum, sodass er über mir war. Das Mondlicht, das
durch das Fenster ins Zimmer schien, ließ sein blasses Gesicht
leuchten. Er lachte leise, als er mein erschrockenes Gesicht
sah.
„Sind wir jetzt offiziell ein Paar, oder nicht?",
murmelte er.
„Offiziell? Ein Paar?", stammelte ich, sein
Gesicht kam näher.
„Ja." Sein süßer Atem schlug mir ins
Gesicht, und ich war wie benebelt. Meine Gedanken schwirrten wild
umher, und ich musste sie erst einmal wieder ordnen. Das brauchte
Zeit, doch Edward wartete geduldig auf meine Antwort. Ich sah immer
noch die Frage in seinen Augen.
„Ich hab dir doch gesagt, dass
ich mich auf eine Beziehung mit dir einlasse", flüsterte ich.
„Ich
weiß." Vermutlich gingen ihm dieselben Erinnerungen gerade durch
den Kopf.
Flashback
Doch kurz nachdem
wir aus dem Auto stiegen, sank Edward auf seine Knie, und nahm meine
Hand. Ich war völlig überrascht, verdutzt schaute ich ihn an. Und
auch etwas verwirrt. Seine Augen glühten.
„Isabella Swan",
sagte er. Ich schaute mich auf dem Parkplatz um – niemand war da.
Er schien es zu wissen, und tat auf ernst. War es nicht etwas zu
früh, um mir einen Heiratsantrag zu machen?
„Du bist etwas ganz
Besonderes. Deswegen frag ich dich hier und jetzt – willst du mit
mir zusammen sein?" Mein Hirn brauchte erst mal ein wenig, um zu
kapieren, was er da meinte. Dann warf ich mich wie von allein in
seine Arme.
„Das heißt dann wohl Ja", murmelte er in mein
Ohr. Edward half mir hoch und Hand in Hand gingen wir über dem
Parkplatz zur Klasse.
Flashback Ende
„Ich
aber, meine mit ‚offiziell', dass unsere Klasse zum Beispiel auch
von unserer Beziehung weiß. Das würde Mike sicher etwas daran
hindern, dich weiterhin so anzustarren", fügte er noch mit
grimmigem Gesicht hinzu. Ich musste kichern.
„Eifersüchtig?"
Seine Mundwinkel zuckten ein wenig, seine Augen blieben ernst.
„Ja.
Ja, ich bin eifersüchtig."
„Aber warum?", fragte ich
verwundert. „Ich gehöre dir. Nur dir." Er lachte
verunsichert.
„Na ja, das kommt mir manchmal aber nicht so
vor."
„Willst du etwa sagen, dass ich dich betrüge?",
fragte ich zornig. Er besänftigte mich mit einem kurzen Kuss auf dem
Mund.
„Nein. Das meinte ich nicht. Bella, hast du überhaupt
eine Ahnung, wie viele Verehrer du auf der Uni hast?"
„Kann
ich mir nicht vorstellen." Ungläubig runzelte ich die Stirn.
„Das
solltest du aber. Vielleicht sollte ich eine Unterschriftsaktion
machen, damit du siehst, wie viele es sind. Einige unter ihnen kennst
du schon, andere würden dich hingegen überraschen."
„Woher
willst du das wissen?"
„Alice hat's vorausgesehen",
antwortete er schlicht. „Weißt du, es kommt mir vor, als würden
sie alle hinter mir Schlangestehen, und mich von dir wegzerren. Du
kannst dir ja gar nicht vorstellen, wie sich das für mich anfühlt.
Wenn ich sehe, wie sie dich alle anstarren …" Er verstummte, und
ich legte ihm eine Hand auf seine Wange.
„Keine Sorge. Du bist
der einzige Mann, den ich begehre, und je begehrt habe." Edward
lächelte. Plötzlich summte sein Handy, das in seiner Jackentasche
war. Er nahm es heraus und klappte es auf, nachdem er aufs Display
geschaut hatte.
„Alice, was gibt es?" Mein feines Gehör
machte es mir möglich, alles zu verstehen, was Alice da
sagte.
„Edward",
sagte sie ruhig. „Komm
wieder zurück. Wir fahren mit dem Training fort. Keine Sorge",
fügte sie noch hinzu, als Edward das Gesicht verzog. „Bella
wird schon bald von ihrer kleinen Reise zurück sein, und du wirst
deine Selbstbeherrschung bald auch unter Kontrolle haben. Dafür
musst du aber mehr üben, also komm endlich." Dann
legte sie auf. Mit einem tiefen Seufzer erhob Edward sich, und
schritt langsam zur Tür.
„Hey", rief ich. „Willst du dich
nicht von mir verabschieden?" Grinsend drehte er sich zu mir
um.
„Wie dumm von mir", murmelte er, als er auf mich
zuschritt. Dann nahm er mein Gesicht in seine großen Hände und gab
mir einen leidenschaftlichen Kuss. „Wir werden uns schon bald
wieder sehen, so wie Alice es gesagt hat", flüsterte er, dann war
er auch schon fort.
