Alice, Alice
Edward
„Hmm",
machte Alice und setzte ein ernstes Gesicht auf. „Edward, was
meinst du? Soll ich den roten Minirock, oder den schwarzen Minirock
anziehen?" Oh Mann.
„Das, was dir gefällt", sagte ich und
verdrehte die Augen.
„Ja, was gefällt mir denn?", murmelte
sie und hob fragend die zwei Kleiderstücke hoch. Bella stand nur da,
und musste sich ein Grinsen verkneifen. Alice drehte sich zu ihr um,
und schaute sie verärgert an. „Du bist auch gleich dran, Bella.
Freu dich nicht zu früh." Bella schluckte, ihre Augen weiteten
sich. Sie hatte auch einen guten Grund, Angst zu haben. Ab und zu
musste sie Alice' Barbiepuppe spielen, in dem man sie neu
einkleidete und schminkte. Mein Gott, was hatte Bella nur ihr
hübsches Gesicht verzogen, und mich mit ihren Augen angebettelt, ich
solle ihr helfen. Doch dann hatten Rosalie und Alice mich angezischt,
und mich anschließend mit einem Tritt in den Hintern aus dem Zimmer
befördert. Natürlich wurde ich von Jasper und Emmett mal wieder zum
Buhmann gemacht …
„Edward? Welches Top soll ich nehmen?",
fragte Alice nun. Genervt wandte ich mich zu ihr um.
„Mann,
Alice. Nimm einfach das da, das mit diesen komischen Punkten!",
rief ich, nahm Bella an der Hand und ging mit ihr zur Tür.
„Das
ist ein Leopardentop, du Dummkopf."
„Ja, dann halt ein
Leopardentop. Mir doch egal!"
„Edward, sei nicht so hart zu
ihr", beschwichtigte Bella mich. „Sie meint es doch nicht
böse."
„Ok, ok. Sorry, Alice."
„Passt schon. Nun raus
mit dir, ich will mich umziehen."
„Frechheit", zischte ich
leise, und erntete mir somit einen Schlag an den Kopf. Es war einer
von Alice' Schuhen. Schnell huschte ich mit Bella aus dem Zimmer,
bevor noch der zweite Schuh kam.
Bella
„Alice?"
Es war Jaspers Stimme. „Ist sie schon fertig?", fragte er uns,
als er die Treppe hochkam.
„Nee, die muss sich noch entscheiden,
welche Schuhe sie tragen soll", meckerte Edward und rieb sich den
Hinterkopf. Jasper schnitt eine Grimasse und ging nach unten zu Esme
in die Küche. Edward und ich hüpften ins Wohnzimmer; dutzende
Koffer standen dort, die meisten gehörten Rose und Alice. Carlisle
erzählte mir als ich aus Forks zurückkam, dass wir auf die
Südseeinseln, irgendwo in der Karibik fliegen würden, wo er und
seine Familie ein Privatgrundstück außerhalb der Stadt hatten.
Alice war ganz hibbelig drauf, als ich sie danach fragte. Danach
hatte sie mich nur noch ganz verschlagen angegrinst.
Das verhieß
nichts Gutes …
Ich hörte, wie Alice aus ihrem Zimmer kam.
Jasper stürmte aus der Küche, ging auf Alice zu, drehte sich aber
wieder auf seinen Hacken um; seine Augen waren weit aufgerissen.
„Ich
muss mal kurz austreten", sagte er atemlos und verließ das Haus.
Überrascht richtete ich meinen Blick zu Alice, und sah, warum Jasper
so betreten geflüchtet war. Sie hatte einen schwarzen, sehr knappen
Minirock an, dazu das besagte Leopardentop, das einen großen Teil
ihres Dekolletees entblößte. Jasper konnte ihrem Anblick einfach
nicht standhalten …
Auch Rose sah einfach nur atemberaubend aus
in ihrem eng anliegendem Kleid, das ihre gute Figur betonte. Emmett
konnte sie nur mit offenem Mund anstarren.
Dann saß ich im
Flugzeug (es war ein Privatjet). Himmel, wie weich die Sitze waren!
So viel Luxus … Daran musste man sich erst mal gewöhnen. Der Pilot
war Emmett persönlich. Da er früher nicht gerade gut mit dem Steuer
umgehen konnte (und das sollte man ernst nehmen), musste Edward ihn
wieder umschulen, sodass Emmett nicht andauernd Spiralen flog. Jasper
war sein Copilot. Wie beim Autofahren ging der Flug sehr rasant zu
Ende, und wir landeten auf dem besagten Privatgrundstück. Dieser
hatte auch noch einen extra Landeplatz. Wie konnte man nur so viel
Geld besitzen?!
Edward hatte auf meine Frage gelacht und gesagt,
dass Alice mit ihrer unglaublich nützlichen Fähigkeit das Vorhaben
auf den Börsenmärkten voraussieht. Wäre sie ein Mensch, wären die
Cullens vielleicht schon längst pleite. So wie sie auch das Geld zum
Fenster rauswerfen ist es ja auch kein Wunder …
Das Haus, in dem
wir nun für eine Weile wohnen sollten, war auch nicht gerade klein.
Es war gigantisch.
Und die Gegend erst, in der wir uns aufhielten. Ein Traum. Das
Grundstück war umgeben von Palmen und von den verschiedensten
tropischen Blumen, die man sich nur vorstellen konnte, dahinter lag
noch ein riesiger Swimmingpool; ein kleiner Wasserfall mündete dort.
Das Haus, das auf einer hohen Klippe stand, die hinunter zum Meer
führte, war weiß gestrichen und hatte große Fenster. Als ich
meinen Hals noch ein wenig reckte, sah ich, dass das Wasser des
Meeres in den Pool hinein floss. Wirklich purer Luxus. Edward
lächelte. „Gefällt es dir?" Ich nickte benommen; die
Fassungslosigkeit und Erstaunen waren mir breit auf die Stirn
geschrieben. Meine Beine zitterten sogar ein wenig, als ich näher an
das Haus herantrat. Von innen war es sogar noch
riesiger,
als es allein schon von außen aussah. Ich stand in der großen
Empfangshalle. Der Boden war aus Marmor, die Treppe ebenso. Ich zog
ängstlich die Finger ein, aus Furcht, irgendetwas zu beschädigen.
Edward aber, führte mich lässig durch die vielen Räume. Allein die
Anzahl der Badezimmer war schwindelerregend.
Als wir alle unsere
Sachen fertig ausgepackt hatten, zerrte Alice mich zum Strand. Zum
Glück hatte ich nur eine leichte Bluse und einen knielangen Rock an,
denn draußen war es so richtig heiß. Selbst meine kalte Haut machte
diese Hitze nicht gerade wett. Edward folgte mir und Alice prompt;
hinter ihm waren da noch Rose, Jasper und Emmett. Ich konnte
schwören, dass alle außer Edward grinsten wie totale Vollidioten.
Alice ließ sich in den weichen Sand fallen und schloss die
Augen, und sie grinste. So langsam bekam ich ein mulmiges Gefühl im
Magen. Da kamen auch schon die anderen. Edward war genauso ratlos wie
ich.
„So", sagte Alice. „Bella, spielen wir doch ein kleines
Spiel, was meinst du?"
„Ja, ok." Zu früh geplappert; in
ihren Augen trat ein verschwörerisches Funkeln, und Alice grinste
verschlagen.
„Gut, du hast also eingewilligt. Spielen wir also
ein Spiel. Ich sag's dir, es wird dir gefallen."
„So wie du
mich anguckst, glaub ich, dass das bestimmt nicht gerade lustig
wird", murmelte ich.
„Ach was", sagte sie ausweichend. „Es
wird dir garantiert gefallen."
„Na ja … gut", meinte
Edward und rückte näher an mich heran. „Und wie heißt das
Spiel?"
„Es heißt Truth
Or Dare (A.N.:
Wahrheit oder Pflicht)." Edward erstarrte.
„Oh, oh", stieß
er hervor. „Nimm dich in Acht, Bella", sagte er nun, an mich
gewandt. „Wenn bei uns dieses Spiel gespielt wird, dann schlagen
sie alle meistens über die Strenge." Jetzt war es zu spät um es
zu bereuen.
„Also Bella. Wahrheit oder Pflicht?" Sie alle
schauten mich erwartungsvoll an.
Vielleicht
sollte ich Wahrheit nehmen,
dachte ich. Alice' Blick gefror plötzlich, was mich so
verunsicherte, dass ich meine Meinung änderte.
„Ich nehme
Pflicht", sagte ich entschlossen. Irgendwie bekam ich das
merkwürdige Kribbeln in meinem Bauch nicht mehr los. Alice'
Mundwinkel zuckten, dann grinste sie verschlagen. Selbst Edward
konnte ihre Gedanken nicht entziffern, was mich nur noch mehr
verunsicherte.
„Gute Wahl", sagte sie. „Bella, deine Aufgabe
ist …"
