Kapitel 6 Der Preis der Freiheit

Als die ersten Sonnenstrahlen Harry weckten, fühlte er sich frisch und erholt. Er zog seine neuen Sachen an, es waren zwar keine Markenartikel, aber dies störte Harry nicht im Geringsten, weil er keine Ahnung von Mode hatte. Da es noch früh am Morgen war, wollte er noch etwas lesen und lies zwei Bücher aus dem Regal zu sich herüberschweben.

Er lernte auch Fremdsprachen, obwohl nur schriftlich, weil er nicht wusste wie die Worte ausgesprochen werden.

Er wartete darauf, dass ihn seine Tante Frühstück brachte, er konnte es fast schon nicht mehr erwarten seine neue Umgebung zu erforschen. Wie auf Befehl erschien kurz darauf seine Tante mit dem Frühstück. Merkwürdiger Weise fiel das Frühstück üppiger aus, er hatte nun die doppelte Menge. Er wunderte sich über den Wandel der Dursleys, zuerst das neue Zimmer, dann neue Anziehsachen und zum aller Überfluss auch noch ein vernünftiges Frühstück. Nicht das er sich beschweren wollte, aber er fragte sich was wohl vorgefallen sei, um diese Veränderung hervorzurufen. Er machte sich keine weiteren Gedanken darüber, weil es ihm im Prinzip egal war. Er aß hastig sein Frühstück und verlies zum ersten Mal das Haus der Dursleys.

Nun stand er da, vor dem Grundstück der Dursleys und hatte keine Ahnung in welche Richtung er als erstes gehen sollte. Er schaute sich um ob irgendwo etwas Interessantes zu sehen ist. Dank seiner Fernsicht entdeckte er zu seiner Rechten, etwa fünfhundert Meter entfernt einen Spielplatz. Er war auf der anderen Straßenseite und Harry konnte ihn nur deshalb sehen, weil auf dem Grundstück davor eine große Wiese befand.

Nach ein paar Minuten Fußweg näherte er sich den Spielplatz. Er fühlte sich etwas unsicher, dies war das erste mal, dass er mit anderen Kindern in Kontakt kam. Er war zwar ziemlich intelligent und hatte ein großes Wissen, aber was seine soziale Intelligenz betraf, dort war er sehr unerfahren. Er wusste absolut nicht wie er sich verhalten sollte oder was die anderen von ihm erwarteten.

Als er den Spielplatz betrat, rief ein junge fast genauso Alt wie er"Mama, guck mal, der trägt aber eine lustige Brille"

Augenblicklich stand er im Mittelpunkt des Interesses, zum einen war er 'Der Neue', zum anderen trug er diese lächerlich große Spiegelbrille.

Einige lachten über ihn und die Anderen beachteten ihn nicht weiter. Er schaute sich um und beobachte die anderen beim Spielen. Insgesamt fand er es hier recht langweilig und so beschloss er, weiter zu gehen. Ein paar Minuten später, stand er vor einem großen Gebäude, er glaubte den Himmel aus Erden gefunden zu haben, denn es war eine Bibliothek. Er staunte, als er die Einganshalle sah, Rechts und Links standen Regale voll mit Büchern, in der Mitte standen Tische mit Stühlen und am Ende der Halle, auf einem Podest stand ein Schreibtisch hinter dem eine Frau saß, sie war wahrscheinlich die Bibliothekarin.

Sie schaute ihn an, als ob er fehl am Platze sei. Er kümmerte sich nicht weiter darum und ging zielstrebig auf ein Regal zu. Alle Regale waren nach Themen geordnet, zum Beispiel Geschichte, Wirtschaft, Romane und Wissenschaft. Heute wollte Harry es sich einmal Gut ergehen lassen und einfach nur Spaß haben, so suchte er sich zwei Romane, setzte sich und begann zu lesen.

Die Bibliothekarin starrte ihn ungläubig an, seit wann liest ein fünfjähriges Kind Bücher und dazu noch anscheinend zwei gleichzeitig. Da Harry der einzige Besucher war, fiel es ihr nicht schwer, ihn im Auge zu behalten. Zuerst dachte sie, dass er nur so tat, als könnte er lesen, weil er die Seiten schneller umblätterte, als man sie normaler Weise lesen konnte. Aber nach eine halben Stunde bemerkte sie, dass er die Seiten im einen festen Rhythmus umblätterte, aber nicht beide Bücher gleichzeitig, sondern jedes Buch hatte einen anderen Rhythmus und zwischendurch kicherte er ein paar Mal. Nun wurde sie neugierig und zum aller ersten Mal, in ihrer Tätigkeit als Bibliothekarin, stand sie auf und ging zu diesen merkwürdigen Besucher.

"Endschuldigung", sprach sie ihn höflich an"Dürfte ich dich einmal kurz stören"

Harry hob seinen Kopf, aber nur soweit, dass er mit einem Auge noch Weiterlesen konnte.

"Ja", antwortete er unsicher, als ob er etwas Falsch gemacht hätte.

Sie sah seinen unsicheren Gesichtausdruck und beruhigte schnell"Hab keine Angst! Ich wollte nur wissen, ob du Beide Bücher Gleichzeitig liest"

"Ja.", antwortete er und fing an zu lachen.

"Warum lachst du? Hab ich etwas Lustiges gesagt"

"Nein! Ich lach nicht über sie. Ich lach über das was hier in der Geschichte passiert."

"Wie? Du liest weiter, während wir uns unterhalten", fragte sie völlig erstaunt.

"Ja! Warum", wollte er wissen und blätterte eine Seite weiter.

Sie sah ihn völlig ungläubig an und konnte ihre Reflexion in der Spiegelbrille sehen.

"Warum trägst du diese Brille", fragte sie ruhig und nun hörte Harry wirklich auf zu lesen. Er überlegte kurz, was er antworten sollte, weil aus irgendeinem Grund, empfand er, dass man dieser Frau vertrauen konnte, aber er wusste nicht warum.

"Meine Tante und mein Onkel haben mir verboten, die Brille auszuziehen, wenn ich nicht in meinem Zimmer bin. Sie haben fürchten sich anscheinend vor meinen Augen, ich weis aber nicht warum."

"Würdest du die Brille, mir zur Liebe, einmal abnehmen? Vielleicht kann ich dir weiterhelfen."

Er nahm zögerlich die Brille ab und sah sie, wie er es immer tat, mit einem Auge an, während das Andere die Bibliothek erforschte. Sie zuckte kurz zurück, fing sich aber wieder.

"In gewisser Weise kann ich deine Verwandten verstehen, aber dies rechtfertigt nicht, dich mit dieser Brille rumlaufen zu lassen."

"Wieso? Was ist denn mit meinen Augen", wollte er begierig wissen.

"Deine Augenfarbe ist sehr ungewöhnlich, aber dass ist nicht dass schlimmste, wie kannst du deine Augen unabhängig voneinander bewegen"

Harry hatte absolut nicht die leiseste Idee worüber diese Frau sprach. Er hatte sich schon oft im Spiegel betrachtet, aber dass ungewöhnlichste war seine Narbe, die wie eine Schlange aussah. Für ihn was es völlig natürlich, so zu gucken, er hatte ja auch keine Vergleichmöglichkeiten, wenn er die ganze Zeit nur alleine war und so hatte er nie die Fähigkeiten seine Augen in Frage gestellt.

"Was meinen sie damit"

Sie seufzte"Hast du dich nie in einem Spiegel betrachtet"

"Ja, schon, aber worauf wollen sie hinaus"

"Und hast du dich nie gefragt, warum du deine Augen anders bewegen kannst, als andere Leute"

"Nein, weil ich kenne nicht so viele.", er sah verunsichert zum Boden.

Sie schaute ihn gesorgt an, sie ahnte, das etwas mit seinen Familienverhältnissen nicht stimmte, aber sie lies es erstmal auf sich beruhen.

"Dann beobachte einmal wie ich meine Augen bewege und dann sag mir wo der Unterschied liegt." Sie sah nach oben, unten, rechts und links.

Harry beobachtete sie genau, und dann bemerkte er den Unterschied.

"Warum schauen sie mit beiden Augen in die gleiche Richtung"

"Weil dies normal ist, alle Menschen sehen so, deshalb bestehen deine Verwandten wahrscheinlich darauf diese Brille zu tragen. Nicht das ich dich beleidigen will, aber ehrlich gesagt sieh es wirklich etwas unheimlich aus, vor allem in Verbindung mit deiner Augenfarbe.", erklärte sie ihn.

Nun verstand er warum seine Verwandten so ein Aufsehen wegen seiner Augen machten.

Er erwägte seine Optionen und die Brille schien die Beste zu sein, obwohl eine passende Brille besser wäre, aber im Moment hatte er keine andere Wahl.

"Hmm… dann werd ich wohl besser, die Brille weiterhin tragen.", seufzte er.

"Was hast du denn bisher so gelesen", fragte sie um das Thema zu wechseln.

Überrascht vom plötzlichen Themenwechsel, entspannte sich Harry und erzählte ihr was er alles so gelesen hatte und dass er auch schon Fremdsprachen, sowie Französisch und Deutsch, lernte, allerdings nur schriftlich, weil er keinen kannte er ihn weiterhelfen konnte.

"Ich kann dir Französisch beibringen", bot sie sich an.

"Wirklich", strahlte er hoffnungsvoll.

"Ja, weil Vormittags ist es immer sehr ruhig und so lange keine Besucher anwesend sind kann ich dich unterrichten.", bestätigte sie ihn"Wir können Morgen Früh beginnen. Zwischen neun und zwölf Uhr ist es meistens immer leer."

Dies war der Anfang einer ungewöhnlichen Freundschaft. Am nächsten Morgen, kam Harry pünktlich zur Bibliothek und begrüßte Mrs. Higgins, so hieß die Bibliothekarin.

Sie erklärte ihn wie die einzelnen Worte ausgesprochen werden und welche Auswirkung die Striche und Wellen über den Buchstaben auf die Aussprache hatte.

Er las laut aus einem Buch vor und Mrs. Higgins korrigierte ihn hier und da. Sie staunte wie schnell Harry lernte, gegen Mittag konnte er schon fast fehlerfrei lesen.

"Wenn du so schnell weiterlernst, kann ich dir am Ende der Woche schon nichts mehr Neues beibringen", verkündete sie stolz"Du bist ein Naturtalent! Hättest du Interesse noch andere Sprachen zu lernen, ich könnte dir noch Russisch beibringen."

Harry war Feuer und Flamme, da er so wissbegierig war, stimmte er, ohne zu zögern, zu.

Und so verging die Zeit wie im Fluge. Harry lernte schnell, obwohl er anfänglich ein paar Probleme, mit der russischen Aussprache und der Grammatik, hatte, da sie völlig anders gegliedert war als die Sprachen lateinischen Ursprungs.

Mrs. Higgins musste sich an Harrys ungewöhnliche Lernmethode gewöhnen, während sie sich mit ihm unterhielt, las er ein Vokabelbuch und vergrößerte sein Wortschatz

Eines Abends, es war schon dunkel, Harry war gerade auf dem Nachhauseweg, als er den Spielplatz überquerte, wie jeden Abend. Aber Heute war etwas anders. In einer Nische saßen vier Jungen, so um die zehn Jahre alt, auf einer Bank und rauchten. Harry beobachtete sie, während er versuchte unauffällig weiterzugehen.

Er hörte einen der Jungen schreien"Ey! Du Schwachkopf! Das war meine letzte Zigarette."

Nun fingen alle Vier an zu streiten, Harry ging einfach weiter, bis er einen anderen jungen schreien hörte"Schaut! Vielleicht ist der da, die Lösung unseres Problems."

Die Vier spurteten auf Harry zu, er dachte, das es nun an der Zeit wäre Fersengeld zu geben.

Leider bemerkte er nicht, dass Zwei der Vier, ihn den Weg durch ein Gebüsch abschnitten.

"Hy! Hy! Du Knirps, wohin so schnell", grinste ihn einer der Beiden an, die gerade vor ihm aus dem Gebüsch gesprungen waren und ihn den Weg versperrten.

"Deine Mami hat dir doch sicher etwas Taschengeld gegeben. Gib es uns und du darfst sicher zurück zu deiner Mami. Ist doch ein fairer Vorschlag, oder nicht", höhnte ein anderer.

"Ich hab kein Geld.", erwiderte Harry unsicher.

"Tja, dann tut's etwas weh, damit du beim nächsten Mal dein Geld nicht vergisst."

Harry hatte nicht direkt angst, er wusste, dass er sich im Notfall mit Magie verteidigen konnte, aber er wollte es nicht so offensichtlich aussehen lassen. Er überlegte rasend schnell und kam zu einem Kompromiss. Er wollte die beiden die ihn den Weg versperrten wegschupsen, indem er ein bisschen Magie in den Schups legte, aber wie bei so vielen Plänen, irgendetwas geht immer schief. Den Jungen zu seiner Rechten, konnte er überraschen, während der andere auswich, ihn am Arm packte und mit seinem eigenen Schwung zu Boden schleuderte.

"Hältst dich wohl für besonders cool mit deiner Brille", spottete er. Harry stand langsam wieder auf, während der andere Junge weiter redete" Ich hab euch schon immer gesagt, ein bisschen Kampfsport kann nicht schaden. Hätt ich nicht so schnell reagiert wär diese kleine Kröte abgehauen. Jetzt kann ich euch mal 'nen guten Drehkick vorführen."

Ohne weitere Vorwarnung drehte sich der Junge vor ihm um 360 Grad und Hob dabei ein Bein. Harry wich im letzten Augenblick aus, ansonsten hätte der Fuß ihn voll am Kopf getroffen.

Leider traf der Fuß gerade noch so, die Brille, die nun im hohen Bogen davonflog.

Inzwischen war es noch dunkeler geworden, der Spielplatz hatte keine Beleuchtung und man konnte fast nur noch die Umrisse der einzelnen Personen sehen, nur der Mond und die entfernte Straßenbeleuchtung bot ein karges Licht.

Der Junge, der ihn angegriffen hatte, sah ihn entsetzt an, denn was er dort sah konnte nicht natürlich sein. Mangels Helligkeit, leuchteten Harrys Augen, oder besser gesagt, seine Iris inklusive der Pupille, wie zwei kleine Schwarzlichtbirnchen im Dunkeln. Was die Sache noch schlimmer machte, war, dass Harry mit einen Auge den vermeintlichen Anführer fixierte, während das andere über seine Kumpanen huschte. Dies war zuviel für die Vier, sie fingen an zu winseln, faselten etwas von 'Die Invasion der Außerirdischen' und flüchteten schlagartig. Anscheinend hatten sie sich zu viele schlechte Horrorfilme über Außerirdische reingezogen.

Harry hob seine Brille auf, die zum Glück noch heile war und rannte nach Hause. Er schaffte es noch rechtzeitig bevor einer der Dursleys an Harrys Tür klopfte, um, wie üblich, zu fragen, ob er zu Hause sei.

Reviews

Danke für diese positiven Reviews :)

Hallo Auxia ! Harry ist nun 5 Jahre alt.

Hi AlexBlack ! Ich weis dass jeder Mensch 3D sehen kann, aber nicht mit einem Auge! Weil Harry seine Augen unabhängig voneinander bewegen kann, kann er nicht wie jeder Andere 3D sehen, weil er ja im Prinzip ja nur mit einem Auge guckt, deshalb kann er mit jeden einzelnen Auge 3D sehen. Ich hoffe ich hab mich verständlich ausgedrückt, wenn nicht, las es mich mit einen Review wissen.

Wenn du oder Ihr noch andere Fragen habt frag ruhig, solange es keine Fragen sind, was weiter passiert oder so.