Nach einer unruhigen Nacht kriechst du aus deinem Bett. Der gestrige Abend ist dir die ganze Zeit durch den Kopf gespukt. Noch immer hast du das Gefühl, Charlies Lippen auf deinen zu spüren. Du ziehst dich an, spritzt dir das Gesicht mit kaltem Wasser ab und gehst runter in die Küche. Ginny, Hermine und Harry sitzen bereits am Tisch und die Zwillinge braten sich ein paar Spiegeleier. Du nimmst dir zwei Scheiben Knäckebrot und schmierst Margarine drauf. Schweigend isst du dein Frühstück und hörst Fred und George zu, wie sie über ihre Scherzartikel reden.
„Auf jeden Fall versuchen wir jetzt, ganz viele davon her zu stellen, damit wir sie verkaufen können. Vielleicht auf der Weltmeisterschaft."
Die Weasleys, Harry, Hermine und du gehen am Ende der Sommerferien zu der Quidditch-Weltmeisterschaft. Total froh über den Gedanken, mit Charlie auf noch engerem Raum zu sein, lässt dir ein Kribbeln über den Rücken laufen.
Und wenn man vom Teufel spricht … kommt er in Form eines rothaarigen, noch leicht zerzausten Charlie in die Küche geschlürft.
Nervös fährst du dir durch die Haare und hoffst, dass sie halbwegs ordentlich stehen. Der Rothaarige nickt allen zu, schenkt dir ein strahlendes Lächeln und setzt sich neben dich. Dein Herz beschleunigt sich hörbar und deine Hände fangen an zu zittern. Keinen Plan davon, wie du dich verhalten sollst, isst du einen Bissen und würgst ihn runter. Charlie bleibt einfach sitzen und macht nichts. Gedanken schießen dir durch den Kopf; Wie geht es jetzt weiter? Wie steht er zu dir? War es für ihn nur ein Kuss? Seid ihr jetzt zusammen?
Da du nichts mehr essen kannst und auch nicht willst, gehst du nach draußen und genießt die Ruhe und die Sonnenstrahlen. Du liebst den Sommer. Leider ist er in England nicht der Wärmste. Mit einem glücklichen Blick überschaust du die Berge, die den Fuchsbau vor der Muggelwelt umgeben und schützen.
„Was ist los?"
Erschrocken drehst du dich um. Hinter dir steht Ginny. Sie sieht dich mit einem Röntgenblick an, als wollte sie deine Gedanken lesen.
„Nichts."
„Na komm schon, ich merk doch, dass etwas nicht passt. Ist es wegen Charls?"
„Scht! Nicht so laut!", zischst du panisch und schaust dich um. Ihr seid allein.
„Tut mir Leid. Aber irgendetwas ist doch los, oder?" Ihr treuer Blick ist echt schwer zu ignorieren.
„Wir haben uns gestern geküsst", murmelst du in deinen nicht vorhandenen Bart.
„Was?"
„Wir … haben uns gestern Abend geküsst."
Das ist ja toll!", quiekt sie begeistert „Und jetzt?"
„Ich weiß nicht. Vielleicht meinte er es auch gar nicht so...?!"
„Quatsch. Charls hatte bis jetzt noch nie eine Freundin. Wieso sollte er dich nur so zum Spaß küssen?"
„Echt? Noch nie?"
„Ne. Er meinte, die Mädchen in Hogwarts würden ihn nicht interessieren und in Rumänien gibt es nicht so viele. Immerhin arbeitet er mit Drachen."
Ein riesiges Grinsen breitet sich über dein Gesicht aus. Vielleicht mag er dich ja doch!
„Rede mal mit ihm. Dann klärt sich das bestimmt."
Du nickst überglücklich und gehst hüpfend ins Haus. Charlie saß nicht mehr am Tisch, also verschwindest du nach oben. Du willst noch schnell in dein Zimmer – wer weiß, wie du momentan aussiehst – als sich jemand hinter dir räuspert. Du drehst dich um. Charlie steht direkt hinter dir.
„Können wir reden?"
