„Caro, wach auf. Hey, aufwachen!"
„Lass misch.. isch schlafe...", nuschelst du und drehst dich um. Doch statt in einem Kissenhaufen landest du auf dem Boden. Dein Hinterkopf brummt unangenehmen und ein Ziehen breitet sich nach vorne bis zu deinen Schläfen aus. Mit schmerzverzerrtem Gesicht tastest du um dich herum. Als du die Augen aufschlägst grinst dich Anastasia an. Wie kam sie hier rein?
„Deine Mutter hat mich rein gelassen, du Schlafmütze. Du bist auf dem Sofa eingeschlafen. Typisch, sag ich nur!" Kichernd hilft sie dir hoch und legt dein ebenfalls heruntergefallenes Buch zurück ins Regal.
„Was machst du hier?", fragst du schläfrig. So ein Sturz weckt dich nicht auf.
„Was ich hier mache? Was ich hier MACHE?! Also echt, das fasse ich jetzt nicht. Du hast unseren Freundinnentag vergessen." Deine Freundin schüttelt entsetzt und enttäuscht den Kopf, ob gespielt oder nicht kannst du nicht sagen. Du reißt deine Augen auf und bist hellwach. Der Freundinnentag!
„Verdammt! Tut mir Leid, ich bin total verpennt. Ich bin in fünf, nein drei Minuten fertig."
Panisch hechtest du ins Bad und duscht dich kurz ab. Mit einem Handtuch umschlungen rennst du in deinen Kleiderschrank (hört sich irgendwie komisch an: IN den Kleiderschrank rennen xD Als würde man hinten gegen ne Wand rennen) und ziehst dich an. Ein gelbes Sommerkleid, braune Sandalen und eine passende Handtasche.
Der Freundinnentag gibt es schon, seit ihr klein seit. Früher seit ihr mit euren Puppen spielen gegangen und habt für eure Eltern Blumen gepflückt. Er ist immer am ersten gemeinsamen Freitag in den Sommerferien. Inzwischen geht ihr zwei erst shoppen und dann in deinem Lieblingscafé, dem Roberts, zu Mittag essen. Am Nachmittag schaut ihr euch noch einen Film im Kino an. Über Nacht übernachtet ihr dann bei einem von euch beiden, dieses Jahr bei Anastasia. Es ist immer total lustig.
Erwartungsvoll betretet ihr das erste Geschäft. Und schon findest du dich kichernd neben deiner Freundin und wie ihr über die Farbwahl redet. Du würdest gerne ein rotes Kleid ausprobieren, sie findet, dir würde das grüne besser passen.
„Ach komm, das passt viel besser zu deinen Augen."
„Ja, und das passt zu meiner Laune. Wild und Antigrün."
„Antigrün? Wieso versuchst du nicht beide an? Nur so als Vorschlag", grinst sie dich an.
„Schön." Du nimmst das Grüne auch mit in die Umkleide und versuchst es aus. Als du aus der Umkleide tritt hüpft deine Freundin vor Begeisterung auf und ab.
„Perfekt! Nimm das, los!"
„Erst das Rote", setzt du dich durch und schlüpfst aus dem Grünen. Doch du musst selbst zugeben, dass deine Wahl nicht passt. Verärgert darüber, dass du das Duell schon verloren hast trittst du raus und wirst gleich übertrieben entsetzt von Anastasia empfangen. Sie sitzt in einem Stuhl, als würde sie Quidditch schauen und buht dich aus, kaum dass du draußen stehst.
„Ist ja gut, ich nehme es ja nicht", lachst du und läufst der Kasse entgegen. „Und für dich was dabei?"
„Nö. Aber ich hab letzte Woche einen blauen Pulli drüben im Mango gesehen."
„Einen Pulli? Du willst dir im Hochsommer einen Pulli kaufen?", fragst du während du der Kassiererin einen Zwanzigpfundschein gibst.
„Man, der sieht echt toll aus. Und was nicht ist wird ja werden. Oder fällt dieses Jahr der Herbst und der Winter aus?"
„Ja", erwiderst du total überzeugt. Ihr beide prustet los und schlendert Arm in Arm der nächsten Geldfalle entgegen, wo sie sich nach einer viertel Stunde tatsächlich den, zugegebenermaßen süßen Pulli mit V-Ausschnitt und Lochmuster, kauft.
Erst, als eure beiden Mägen knurren, setzt ihr euch in die bequeme Sitzecke eines Cafés und bestellt jeweils einen Cappuccino und Pfannkuchen mit Nutella. An der Theke liegt ein Stapel von Kinoprogrammen. Ihr schaut nach, welche Filme in der nächsten Stunde laufen, um euch dann zu entscheiden.
Damit du nicht total blank dastehst, hast du dir im Internet flüchtig die Inhalte der Filme durchgelesen, die diese Woche laufen. In Hogwarts kriegst du fast ein Jahr gar nichts davon mit; Anastasia würde das auffallen, und du willst kein Risiko eingehen. Sie denkt, dass du durch eine Begabtenförderung – die Ironie ist, dass der Sprechende Hut Rawenclaw nicht mal ernsthaft in Erwägung gezogen hat – ein ein Stipendium für ein Internat in Schottland bekommen hast. Schottland liegt nicht am Arsch der Welt, also wieso weißt du nicht, wovon die aktuellen Filme handeln? Du müsstest ihr noch mehr Lügen auftischen, um das zu erklären. Vielleicht ein allgemeiner Stromausfall? Kein Interesse wegen zu viel Lernstoff?
Immerhin musst du eine ganze Welt – deine Welt – verschweigen und zurecht biegen. Wie zum Beispiel, warum Eulen bei euch vorbei fliegen, mitten am Tag. Ihr fällt so etwas auf, Eulen sind ihre Lieblingstiere. Oder warum du ihr nicht deine Schulsachen zeigen kannst. Bücher über Zaubertränke im Bücherregal? Unmöglich. Und warum du nie etwas genaues über deine Freunde und das Leben im Internat erzählst. Wie erzählst du jemandem, dass du deinen Arm gebrochen hast, weil du vom Besen gefallen bist? Oder dass dein bester Freund eine Berühmtheit bei euch ist, er hier aber keinem auch nur auffallen würde?
Als der Kellner euch eure Bestellung bringt habt ihr euch für eine Komödie entschieden. Da der Streifen allerdings schon in einer halben Stunde anfängt, seit ihr schnell fertig und lauft dann los.
In der Eingangshalle müsst ihr euch zuerst in eine endlos lange Schlange anstellen, bevor ihr euch zwei Karten kauft und euch am Popcornstand anstellt. Als ihr euch hinsetzt, habt ihr bereits die Werbung verpasst, seit aber noch rechtzeitig zum eigentlichen Film da. Der Vorspannt ertönt und du lehnst dich entspannt im Sitz zurück.
Kichernd und Lachend verlasst ihr das Kinogebäude. Da es in der Zaubererwelt keine Kinos gibt ist das immer wieder eine Prämiere für dich. Während ihr durch die Straßen zurück nach Hause schlendert, lästert ihr über den Typen neben euch ab; er hatte vor Lachen einmal so arg lachen müssen, dass ihm die Cola zur Nase raus in sein Popcorn gelaufen ist. Gerade, als Anastasia sein Gesicht nachzumachen versucht, seit ihr auch schon bei ihr angekommen.
„OK, Ana, ich bring schnell meine Sachen weg und hole mein Übernachtungszeug und bin dann gleich wieder da."
„Ich hol schon mal alles."
Du drehst dich um und läufst hüpfend nach Hause. Als du die Tür aufmachst rennst du fast deine Mutter um.
„Und, gute Beute?"
„Du glaubst nicht, wie gut. Aber ich zeig dir morgen alles. Ich muss jetzt nämlich schnell alles holen."
Du rennst mit den Tüten bepackt nach oben und verstaust alles in deinem Schrank. Bevor du deinen Schlafsack und deine Sachen mit zu Ana nimmst schreibst du noch einen Brief an Charlie.
Hey Charlie!
Wie geht es dir? Haben die Zwillinge etwas angestellt, was ich wissen müsste?
Wir waren bereits am See und haben da mit ein paar anderen gegrillt und sind rum geschwommen. Man, für England ist es echt verdammt heiß.Leider kann ich nicht viel schreiben, heute haben Anastasia und ich unseren Freundinnentag. Ich hab dir doch von Ana erzählt, oder? Meiner besten Muggelfreundin? Wir waren – typisch Mädels – shoppen und im Kino. Ich muss gleich los, ich übernachte heute noch bei ihr.
Drück alle von mir!
Ich vermisse dich.
Kuss, Caro
Du steckst das Pergament in einen Briefumschlag und bindest ihn ans Bein deines Steinkauzes Keks. Der fiept kurz und fliegt dann auch schon weg. Du ziehst dir ein bequemes Tanktop und eine Jogginghose an, nimmst deine Tasche, die Isomatte und den Schlafsack und läufst los. Unten begegnest du deinen Eltern und drückst sie, bevor du wieder zu deiner Freundin läufst. Dort stößt du die Tür auf und bringst deine Sachen in Anas Zimmer. Die war bereits tüchtig; Kissen, Süßigkeiten, Filme, Spiele und Zeitschriften liegen auf dem Boden verteilt. Ihr kuschelt euch in eure Schlafsäcke und lest den neuesten Klatsch und Tratsch über die Muggelpromis in Jugendzeitschriften. Den Rest des Abends verbringt ihr damit, euch Filme anzusehen (das Beste kommt zum Schluss, ziemlich beste Freunde, die Nacht der lebenden Toten), dabei alles rein zu stopfen was geht und euch über die Personen aufzuregen und lustig zu machen. Bevor ihr einschlaft, redet ihr noch über die Lieblingsstellen in all den heute gesehenen Filmen. Allerdings seit ihr zu müde, um noch groß zu philosophieren.
