Mitten in der Nacht wachst du auf. Alles ist stockfinster und dein Schlafsack windet sich um deinen Körper. Leise um nicht deine Freundin aufzuwecken schälst dich dich raus und streckst dich. Obwohl du hundemüde bist, bist du dir sicher, dass du kein Auge zumachen wirst. Du siehst dich in dem Zimmer deiner Freundin um; Die eigentlich lila Wände sind im Moment schwarz und bieten kaum Kontrast zu den Möbeln. Rechts neben der Tür steht ihr Kleiderschrank, dessen Inhalt teilweise über das gesamte Haus verteilt ist. Erst heute Abend bist du auf einer Hose ausgerutscht, als du aufs Klo wolltest. Gleich daneben steht eine kleine Kommode mit Zugschubladen. Daneben sind die Tür zum Balkon und ein kleines Fenster. In der hinteren rechten Ecke steht ein grüner Sessel, der wunderbar zu der Wandfarbe passt. Dann steht mitten im Raum ein Regal mit lauter Quadraten, in die man Kisten stellen kann. Deine Freundin hingegen hat sie mit Mickmauscomics voll gestopft. Schmunzelnd siehst du einen kleinen Raben oben auf dem Regal, den du ihr zum 11. Geburtstag geschenkt hast, als klar war, dass du nach Hogwarts gehst. In einer Nische in der linken Wand steht das Kopfstück ihres Bettes, dass wunderbar breit ist und in dem locker drei kleine Kinder schlafen können.
Verschlafen öffnest du die Tür und schleichst nach unten, in die Küche. Dort machst du dir einen Kakao und setzt dich damit auf einen Barhocken an die Kücheninsel. Still denkst du darüber nach, dass in knapp zwei Wochen die Meisterschaft beginnt. Zu gerne würdest du einen der Spieler persönlich treffen. Obwohl du Quidditch liebst, kennst du dich nicht mit den Spielern und der Tabelle aus. Generell interessierst du dich nur für Welt- und Europameisterschaften. Ron schüttelt darüber immer wieder den Kopf. Er liebt es, die Ergebnisse zu erfahren und über die Chancen der Mannschaften zu reden. Meistens muss man nur ab und zu nicken wenn er einen Redefluss hat und er ist für Stunden beschäftigt. Ein leises Lachen entschlüpft dir, als du einen großen Schluck deines Kakaos nimmst.
Dann schweifen deine Gedanken zu Sirius. Er tut dir Leid. Er ist wegen mehrfachen Mordes ins Gefängnis gekommen, obwohl Peter – diese Ratte – schuld war. Und der hat auch noch eine Auszeichnung bekommen, oder besser gesagt seine Mutter. Ob sie wohl weiß, was ihr Sohn getan hat? Dass er noch lebt? Dass er ein Todesser ist? Lebt sie überhaupt noch? Du willst gar nicht wissen, wie man sich fühlen muss, wenn der Sohn so etwas macht. Besser, sie ist tot und wird es nie erfahren.

Du schüttelst deinen Kopf um diese Gedanken zu vertreiben. Du trinkst dein Getränk aus und gehst wieder nach oben. Da legst du dich in deinen Schlafsack und versuchst, ein zu schlafen.

Der nächst Morgen beginnt mit dem Geruch von frischen Brötchen und Kaffee. Du lächelst, noch bevor du die Augen aufschlägst. Das liebst du an Anas Mutter. Sie hat ein tolles Timing und macht das beste Frühstück, das du kennst. Ana ist bereits weg, wahrscheinlich unten. Du hüpfst die Treppe nach unten und siehst, dass deine Freundin tatsächlich schon am Tisch sitzt und einen Apfel verschlingt. Sie grinst dich kurz an und winkt mit dem Apfel. Du setzt dich zu ihr und blickst dich erstmal um. Müsli, Obst, Marmelade und Gebäck stehen verteilt da und warten darauf, dass du sie isst. Du schnappst dir ein Brötchen, beschmierst es mit Hagebuttermarmelade und beißt herzhaft rein. Genüsslich schließt du die Augen und füllst deinen leeren Magen.

„Was machen wir heute?"
Du zuckst kurz mit den Schultern und nuschelst ein kurzes „Kein Plan". Dann fällt dir ein, dass du ja an Charlie geschrieben blinzelst und überlegst.
„Also eigentlich wollte ich heute was mit meinen Eltern machen...", meinst du langsam. Du willst sie nicht anlügen oder kränken, aber du brauchst mal einen Tag für dich. Und mit deinen Eltern willst du auch Zeit verbringen. Du hast es halt nur nicht geplant gehabt.
„Oh.. Echt? Das ist schade." Leicht enttäuscht schaut sie sich an. Du nickst und zuckst gleichzeitig mit den Schultern. Sie wird es schon überstehen.
„Aber dann habe ich wenigstens Zeit für Sina."
Sina ist ein Mädchen aus Anas Klasse, mit der sie befreundet ist. Du hast sie noch nie getroffen, aber sie scheint nett zu sein. Zumindest nach dem, was Ana die erzählt. Ihr esst zu Ende und geht dann hoch, um deine Sachen zusammen zu suchen. An der Tür umarmt ihr euch nochmal und winkt euch noch zu. Du gehst auf direktem Weg zu deinem Haus und betrittst dein Zimmer. Deine Eule siehst du nirgends, deshalb gehst du runter in die Küche. Deine Eltern sitzen am Tisch, essen und reden über Gott und die Welt. Als du die Tür öffnest blicken sie erstaunt auf. Normalerweise kommst du erst am Abend wieder.
„Oh, hallo Schätzchen. Schon da?"
„Mh."
„Wilst du was essen?"
„Ne, hab ich schon bei Ana. Sie macht heute was mit Sina und ich wollte fragen, ob wir nicht was machen können?!"
Deine Mama nickt und überlegt.
„Wir könnten ja ist Freibad."
„Was? Nein! Nichts für ungut, aber mit seinen Eltern ins Freibad gehen ist irgendwie … peinlich."
Dein Vater lacht und schlägt vor, gemeinsam den Flur zu streichen.
„Eigentlich wollten wir das heute machen, aber da du schon hier bist kannst du uns ja gleich helfen."
Du nickst und die nächsten drei Stunden verbringt ihr damit, in alten Klamotten die weiße Farbe der Wand zu erneuern. Klingt zwar langweilig, ihr habt aber viel Spaß dabei. Du redest über die Schule und was du in den Ferien bei den Weasleys schon alles gemacht hast. Deine Eltern erzählen dir, was in der Muggelwelt alles passiert ist.

Am Nachmittag legst du dich nochmal ins Bett. Der Schlafmangel gestern und die Arbeit am Vormittag haben dich ausgelaugt und lassen deine Augenlider schwer werden. Du wachst erst auf, als etwas gegen dein Fenster klopft. Zuerst denkst du, irgendwelche Kleinkinder aus der Gegend werfen Steine gegen dein Fenster, doch dann siehst du einen Brief. Von Charlie!

Hastig machst du dein Fenster auf und lässt deine Eule rein. Der Steinkauz schuhut leise und legt den Kopf schief. Du schmunzelst, es sieht einfach zu putzig aus, und machst den Knoten auf. Dann gibst du Keks einen Eulenkeks und setzt dich im Schneidesitz auf dein Bett.

Hey Liebes!

Die Zwillinge machen das Übliche, Percy ein bisschen ärgern und ständig explodiert bei den beiden etwas.
Wir vermissen dich alle. Aber vor allem ich. Ich vermisse den Duft deines Haares und dein leises, offenes Lachen. Ich freu mich schon, dich wieder im Arm halten zu dürfen. Vorerst geh ich nach Rumänien und komme dann direkt zum Zeltplatz bei der Quidditch-WM. Ich bin der mit den roten Haaren. :)
Fühl dich gedrückt mein Schatz!

Charlie

Lächelnd drückst du den Brief an deine Brust und seufzt leise auf. Du vermisst ihn auch, willst aber nicht die ganzen Ferien an ihm kleben. Du starrst abwesend aus dem Fenster. Was er wohl gerade macht? Ob er etwas mit seinen Kumpels in Rumänien unternimmt? Ob er ihnen gerade von dir erzählt?
In letzter Zeit fragst du dich immer wieder Dinge, auf die du keine Antwort hast. Resigniert faltest du den Brief wieder zusammen und steckst ihn zurück in den Umschlag. Du wirst ihm morgen antworten.