„Wo ist er? WO? Mama, bitte hilf mir mal!"

Während du jammerst, lehnt deine Mutter im Türrahmen und lacht.

„Das. Ist. Nicht. Lustig!" blaffst du in den Raum rein und krabbelst unter dein Bett. Schon wieder.

„Ich war mir so sicher, dass er hier irgendwo ist."

„Hast du schon mal in der Garage nachgeschaut? Nur so als Idee."

Verdutzt starrst du sie aus großen Augen an. Dann klatscht du dir deine Hand gegen die Stirn.

„Ich wusste es! Mensch!"

Du hetzt runter und durch den Windfang in die Garage. Und dort liegt er. Erleichtert nimmst du ihn und läufst wieder hoch. Du legst ihn neben deinen Koffer und gehst ein paar Schritte zurück. Zufrieden überblickst du dein aufgeräumtes Zimmer, deinen Hogwartskoffer und den grellgelben Fußball, den du schon eine geschlagenen Stunde gesucht hast. Eigentlich sollte dich Mr. Weasley schon vor zehn Minuten abholen und dich in den Fuchsbau bringen. Morgen Abend beginnt die Quidditch-WM und damit ihr morgen keinen Stress habt wirst du schon heute zu deinen Freunden kommen. Harry hat dir erst vor drei Tagen geschrieben, dass er auch schon bei den Weasleys ist und sich auf dich freut. Von Hermine hast du auch einen Brief bekommen, in dem sie von ihren Ferien erzählt und dich ermahnt, ja nichts zu vergessen. Als du daran denkst musst du schon wieder ein Lachen unterdrücken. Also wenn Hermine keine Lehrerin oder Anwältin wird weißt du auch nicht weiter.

„Hast du jetzt alles? Deine Schulbücher? Dein Besen?"

„Ja Mama. Können wir jetzt runter?"

Sie nickt und ihr geht runter ins Wohnzimmer. Dort steht dein Vater und telefoniert mit einem seiner Kollegen. Das wirst du vermissen. Die Möglichkeit, mal eben zum Hörer zu greifen und jemanden anzurufen. Ganz spontan. In dem Punkt haben die Zauberer einen entschiedenen Nachteil. Will man da eine Freundschaft auf Distanz aufrecht erhalten, muss man sich mit Briefen zufrieden stellen. Sich im Notfall schnell bei jemanden ausheulen, der gerade nicht da ist? Unmöglich wenn man nicht apparieren kann. Er sieht euch und lächelt euch entschuldigend entgegen. Er gibt noch ein paar Anweisungen durch und legt auf.
„Meine zwei Frauen. Schade, dass du schon wieder weg musst. Willst du nicht eine Stufe überspringen und in Jahr früher mit Hogwarts aufhören? Und dann wider hier wohnen?" Dein Vater lacht kehlig auf und umarmt dich. Du kicherst und drückst ihn an dich. Gerade, als du zu einer frechen Antwort ansetzt, klingelt es an der Tür. Du machst dich los und gehst den Flur runter. Als du die Tür öffnest, steht Arthur Weasley auf eurer Türmatte und grinst dich breit an. Er hat eine Latzhose an, die vom Schnitt her aus den Achtzigern zu seien scheint, darunter ein gestreiftes T-Shirt und Turnschuhe. Du verdrehst innerlich die Augen. Dass die Zauberer anscheinend wirklich denken, dass Muggel so rumlaufen, ist zugleich komisch und beleidigend. Und für sie peinlich. Du bittest ihn rein, aber er winkt ab.
„Molly will,dass wir gleich wieder los gehen. Aber nächstes Mal. Ah, Mrs. Bilston! Schön, Sie wieder zu sehen."
Mr. Weasley schüttelt ihr Hand und schaut ins Haus. Dein Vater kommt nun auch und reicht Rons Vater mit einem Lächeln die Hand.
„Mr. Weasley. Schön, dass sie Caro mit nehmen. So eine WM ist bestimmt spannend."
„Nicht nur das. Ich habe vom Büro sogar Karten für die oberste Reihe bekommen. Wunderbare Aussicht. Es wird bestimmt fantastisch."
Mr. Weasley schien vor Stolz zu platzen. Du entschuldigst dich und gehst nach oben, um deine Sachen zu holen. Als alles unten steht, siehst du eine bekannte Person auf eure Haustür zurennen. Anastasia bleibt keuchend vor dir stehen und stützt ihre Hände auf ihre Knie.
„Ich .. wollte … mich … nochmal … verabschieden", bringt sie mit Müh und Not hervor. Du lächelst und drückst sie an dich.
„Wir sehen uns ja nächstes Jahr." flüsterst du leise.
„Worauf dich dich verlassen kannst", wispert sie und seufzt auf. Dann löst sie sich vor dir und bringt ein gequältes Lächeln zu Stande.
„Man mir keine Schande, OK?" Du lachst und nickst.
„Ich gebe mein Bestes, weißt du doch."
Sie schmunzelt noch einmal traurig und dreht sich dann wieder um. Als sie um die Ecke der Straße biegt winkt ihr euch nochmal zu. Dann hebst du deinen Koffer und deinen Besen hoch und nickst Mr. Weasley zu und bekommst ein Nicken zurück.
„OK. Macht's gut. Ich schreib euch." Deine Eltern umarmen sich, was wegen dem Koffer sehr schwer ist, und geben dir je einen Kuss auf die Wange. Du trottest hinter Mr. Weasley die Straße entlang und ein paar Meter in einen Wald hinein. Da das hier ein Muggelgebiet ist, müsst ihr von einem unauffälligen, versteckten Ort aus apparieren. Da du noch nie appariert bist, bist zu ziemlich nervös als er dich bittet, seinen Arm zu fassen. Du klammerst dich mit der linken Hand an deinen Koffer, deinen Besen und den Ball fest und mit der anderen am Arm von Rons Vater. Gerade, als du nochmal tief Luft holst, wird alles um dich herum in einen Strudel gezogen. Alles verschwimmt und eine seltsame Enge nimmt dich gefangen. Panisch drückst du deine Sachen an dich und versuchst, nicht zu ersticken.
Und dann ist es wieder anstatt von bunten Häusern, die hinter ein paar Nadelbäumen hervor blitzen, siehst du den Fuchsbau und den klaren Himmel, der hinter den Bergen zu verschwinden scheint.
Erschrocken blickst du dich um.
„Oh."
„Seltsames Gefühl, oder? Schnell, Molly fragt sich bestimmt schon, wo wir bleiben." Mr. Weasley klopft dir auf die Schulter und geht dann auf das Haus zu. Du schüttelst nur den Kopf.
Als du hinter ihm durch dir Tür trittst, kommt Mrs. Weasley auf dich zu, umarmt dich und tätschelt deine Wange.
„Ich habe das Gefühl, dass du jedes Mal dünner wirst. Na komm, ich habe Pfannkuchen gemacht." Ihr mütterliches Lächeln erwiderst du und setzt dich an den Tisch. Die anderen sitzen bereits da und greifen tüchtig zu.
„Hey Caro! Schön, dich wieder hier zu haben." Ron grinst dir zu und stopft sich die nächste Portion rein. Neben ihm sitzt ein relativ blasser Harry. Auch er begrüßt dich freundlich. Du grinst ihn an, während Mrs. Weasley dir einen Teller vorlegt. Nach dem Essen geht ihr alle hoch und redet über eure Ferien.
Ron geht es eigentlich ganz gut, allerdings sind die Zwillinge noch aktiver als auch sonst schon. Anscheinend hat ihre Mutter einen Schreikrampf bekommen, als die beiden einmal fast das Haus mit einer Rakete abgefackelt haben. Harry und du lacht über sein Gesicht, als er ihren nachzumachen versucht.
Harry zuckt nur mit den Schultern und meint, dass es „nicht besonderes gewesen wäre. Ein ganz normaler Sommer im Hause Dursley.". Ihr wisst, was das hießt. Er wurde ignoriert oder angeschrien, während sein fetter Cousin sich mit Kuchen voll gefressen hat. Du findest das einfach widerlich. Selbst, wenn sie ihn nicht mögen, müssen sie ihm doch nicht so zusetzen.
Du erzählst nur kurz von Ana, mit der du nach dem 'Familientag' fast nur noch abgehangen hast. Dann seit ihr erstmal leise. Auf einmal grinst dich Harry süffisant an.
„Ich hab gehört, du hast einen Freund."
Du ziehst ein langes Gesicht. Hier bleibt ja auch gar nichts für sich!
„Jub. Ich wüsste nur gerne, wer hier so ne Labbertasche ist." Mit einem zugleich wütenden und belustigten Blick starrst du Ron an, der sogleich rote Ohren bekommt.
Der fängt an, von Quidditch und vom morgigen Tag zu reden, und sofort ist Harry Feuer und Flamme. Du musst nur noch ab und an deine Meinung einwerfen, den Rest übernehmen die beiden schon.

Am nächsten Morgen wirst du durch ein lautes Klopfen geweckt. Eine dir sehr bekannte Stimmt ruft deinen Namen. Du runzelst die Stirn und willst dich gerade umdrehen und weiter schlafen,als dir einfällt, was für ein Tag heute ist. Quidditch! Das Finale! Erschrocken schreckst du hoch und siehst dich um. Als du aus dem Fenster schaust fällt dir auf, dass die Sonne gerade erst auf geht. Die Stimme ist bereits weg und schien den Leuten, Harry und Ron, weiter oben die Hölle heiß zu machen. Du ziehst dir ein grünes T-Shirt und eine Jeans an. Unten stolperst du in die Person rein, die dich aufgeweckt hast.
„Hermine!", rufst du und umarmst sie stürmig.
„Caro! Schön, dich zu sehen!"
„Seit wann bist du den hier?"
„Gerade erst angekommen. Und du?"
„Gestern." Grinsend setzt du dich neben sie und schüttest dir Haferflocken und Milch in eine Schüssel. Während du isst redet sie über ihre Ferien und dass sie – mal wieder – vorgelernt hat. Sie schwärmt vom neuen Stoff und dass sie es unmöglich findet, wie wenig ihr – mal wieder – lernen werdet. Erst, als sie von ihrem Kater anfängt, fällt dir auf, dass auch Ron und Harry schon da sind. Die hängen über ihrem Essen wie zwei Tote. Du unterdrückst ein Lachen und versuchst, diesen Anblick für immer im Gedächtnis zu behalten.

Nach dem Zähneputzen scheucht euch Mrs. Weasley aufgeregt herum. Anscheinend habt ihr einen Zeitplan. Harry und Ron, die eh schon schlecht gelaunt sind, grummeln nur und trödeln herum. George und Fred bekommen eine Standpauke; anscheinend wollten sie einige ihrer Erfindungen zum Verkauf mitnehmen. Etwa eine halbe Stunde später als geplant seit ihr endlich fertig und folgt Mr. Weasley, der auf zielstrebig auf einen der Berge zu läuft. Hinter diesem befindet sich, wie sich heraus stellt, eine Ebene mit einem kleinen Wald, hinter dem sich wieder Berge erstrecken. Etwa einen Kilometer und gefühlte zwei Stunden hinter den ersten Bäumen werdet ihr langsamer. Das Stöhnen deiner Freunde am Anfang hat sich in ein allgemeines Genörgel entwickelt. Sogar die Chaoszwillinge geben nichts als Schmerzenslaute von sich. Ginny läuft zwischen dir und Hermine, Fred und George vor und Harry und Ron hinter euch.
„Nicht bummeln!" Mr. Weasleys Standartspruch geht dir inzwischen auf den Keks. Du schnaufst und siehst dich um. Bäumeund nichts als Bäume. Als du dich gerade nach vorne umdrehst, tritt ein Mann hinter einem großen Baum hervor.
„Ah! Amos. Kinder, das ist Amos Diggory, ein Arbeitskollege. Und wo ist..."
In dem Moment sprang ein Junge vom Baum. Erschrocken über so viel Hektik am Morgen (xD) zuckst du zusammen. Der Junge war ganz hübsch, du kennst ihn vom Sehen-Hören. Er war in Huffelpuff, kommt dieses Jahr in die letzte Klasse und spielt Quidditch. Und ein Großteil der Mädchen schwärmte für ihn. Dir war das unerklärlich; er kommt dir etwas zu glatt rüber. Zu perfekt.
„Ah, da ist er ja. Leute, dass ist Amos' Sohn, Cedric. Ihr kennt ihn bestimmt...?"
Cedric grinst euch nett zu und grüßt in die Runde. Ihr grüßt zurück. Als Mr. Diggory Harry sah, weiteten sich seine Augen. So reagierten die Leute meistens, wenn sie ihn das erste Mal sahen. Da du eine Muggelgeborene bist, hast du ihn nie besonders behandelt. Erst nach etwa einer Woche hast du die Geschichte seiner Narbe erfahren und zu dem Zeitpunkt wart ihr bereits Freunde.
Gemeinsam mit den Diggorys lauft ihr weiter, bis ihr zu einem Berg kommt. Dort steht nicht als ein alter Schuh, einer von der Sorte, den man aus einem See fischen kann, alt und verfault.
„OK, jeder sucht sich einen Platz. Schnell, schnell, sonst ist es zu spät."
Verwirrt schaust du Mr. Weasley an. Einen Platz? Wofür?
Deine Freunde setzen sich in einem Kreis um den Schuh herum und fassten ihn irgendwo an. Du zwängst dich dazu und tippst auf die Spitze des braunen Lederschuhs. Auf einmal fängt er an, blau zu leuchten. Mr. Diggory zählt von fünf runter, bei zwei ruft Mr. Weasley Harrys Namen. Der greift noch schnell nach dem Schaft, als ihr euch auch schon anfangt euch im Kreis zu drehen.