An diesem Abend sitzt ihr im Gryffindorgemeindschaftsraum und brühtet über euren Hausaufgaben. In ungefähr einer dreiviertel Stunde beginnt die Championauswahl, weshalb deine Gedanken öfters abschweifen. Du weißt von fünf Gryffindor, die sich beworben haben, außerdem noch von vier Slytherin, zwei Hufflepuff und vier Rawenclaw. Ein paar andere werden sich auch beworben haben, aber du hast besseres zu tun als ständig neben dem Feuerkelch zu sitzen und Strichliste zu führen. Du schlägst gerade Bubotubel für Kräuterkunde nach, als Fred und George herein kommen. Alle heben den Kopf und fangen an zu klatschen. Madame Pompfrey hat es doch tatsächlich geschafft, die Bärte verschwinden zu lassen. Ihre Haare hatten zwar noch immer einen leichten Graustich, aber ansonsten sahen sie aus wie immer. Die zwei kommen mit einem Grinsen rein, als wären sie gezogen worden, und nicht, als hätten sie sich bis auf die Knochen blamiert.
„Yeah!"
„Wir sind wieder da, back in the house."
Sie klatschten bei den anderen aus ihrem Jahrgang ein und ließen sich dann auf die Sessel plumpsen. Du schüttelst den Kopf über so viel Albernheit. Diese unbeschwerte und lustige Art hätte ein Großteil der Schule nötig. Was dich wieder auf deine Idee bringt. Du beschließt, Harry am Freitag zu einem geheimen Rundgang zu den Gastschülern einzuspannen. Doch bevor du dir eine schlaue Möglichkeit einfallen lassen kannst, wie ihr unauffällig auf das Schiff kommen sollt, schaut Hermine auf ihre Uhr und springt auf.
„Los schnell, sonst haben wir keinen guten Platz mehr."
Du packst deine Sachen zusammen und folgst ihr durch die Porträttür die Treppen hinunter zur Großen Halle. Angekommen quetscht ihr euch zu Dean und Seamus dazu. Der Raum ist bereits brechend voll, alle wollen einen guten Blick auf den Feuerkelch haben. Besonders diejenigen, die sind beworben haben, hüpfen nervös auf ihren Sitzen herum. Einige sitzen sogar auf den Bänken, machen noch ein paar Witze, McGonagall und Snape drängeln sich durch den Mittelgang nach vorne durch. Die Schüler aus Durmstrang und die Mädchen aus Beauxbatons sitzen in eingenen Gruppen quasi direkt neben den Feuerkelch. Erst, als wirklich alle Schülerinnen und Schüler da sind, schließt Filch die Tür und Dumbledore tritt vor.
„Setzt euch bitte. Das ist der Moment, auf den ihr alle gewartet habt: die Auswahl der Champions fängt an."
Du hast eine lange Rede erwartet, doch wie immer hält Dumbledore sich kurz. In einer dramatischen Bewegung lässt er langsam die Lichter rund um die Halle schwächer scheinen. Inzwischen sitzen alle leise und gespannt auf ihren Sitzen. Mit immer noch erhobener Hand geht Dumbledore langsam, fast andächtig auf den Feuerkelch zu. Selbst von deinem Platz aus kannst du seine Hände zittern sehen. Als er ihn mit beiden Händen berührt, fällt dir das Atmen schwer. Dann geht er ein paar Schritte zurück. Du starrst auf den Kelch, wartest auf eine Veränderung, ein Zeichen, dass der erste Champion gewählt wurde. Dann wird es kurz sehr heiß in der Halle, eine Hitzewelle geht vom Kelch aus als sich die Flamme leuchtend rot färbt. Das Feuer zieht sich zusammen, wie eine lebende Pflanze, und spuckt dann einen Zettel aus.
Ein verkohlter, noch leicht rauchender Fetzen Pergament segelt nach unten, langsam, wie eine Feder. Dumbledore fängt ihn auf und sieht ihn sich an.

„Der Champion für Durmstrang ist: Viktor Krum!"
Hinter ihm fangen die Schüler aus Durmstrang an zu applaudieren, sie grölen und klopfen Viktor auf die Schulter und auf die Brust. Der tritt nach vorne, nimmt das Stück Pergament von Dumbledore entgegen, schüttelt ihm die Hand und geht nach hinten. Auch die Schüler aus Hogwarts klatschen begeistert in die Hände, vor allem die Quidditchfans und die Mädchen. Du schüttelst darüber nur schmunzelnd den Kopf. Hysterie wurde hier gerade neu definiert.
Und noch während alle klatschen und die erste Auswahl mit ihrem Banknachbarn besprächen können, zieht sich die rote Flamme des Kelches wieder zusammen. Du stößt Harry mit deinem Ellenbogen in die Seite. Wieder wird ein Blatt Pergament ausgespuckt, diesmal blau und irgendwie rund. Dumbledore dreht es kurz und verkündet dann „Der Champion für Beauxbatons ist: Fleur Delacour."
Das blonde Mädchen, dass sich immer über das Essen hier beschwert, erhebt sich und geht graziös und mit einem gewinnenden Lächeln nach vorne, um ihren Zettel abzuholen und genauso wie Krum hinten durch eine Tür in das Pokalzimmer zu verschwinden.
Der nächste Zettel fliegt nach unten. Diesmal lehnst du dich nach vorne, um auch ja alles zu verstehen. Was interessieren dich all die anderen Champions? Wichtig ist, wer für Hogwarts ins Rennen geht. Dumbledore sieht ihn sich an, dreht ihn kurz und lässt sich Zeit. Anscheinend will er Spannung erzeugen, was auch klappt. Alle Hogwartsschüler sind leise, gespannt, wer dieses großartige Schloss vertritt.
„Der Hogwartschampion ist: Cedric Diggory!"
Alles explodiert, vor allem der Hufflepufftisch. Sie klatschen, stampfen mit den Füßen, stehen auf und jubeln ihm zu. Auch du klatscht laut mit, auch wenn du lieber einen Gryffindor vorne hättest stehen sehen wollen. Aber du bist dir sicher, dass es einen Grund gibt, warum der Kelch ihn gewählt hat. Vielleicht hat er besondere Fähigkeiten? Welche, die keiner kennt? Die den Sieg nach Hogwarts bringen werden. Als er in der Tür verschwindet, pfeifen ihm die Schüler immer noch hinterher. Dumbledore dreht sich in einer ausladenden Geste zu euch herum und ruf laut „Ausgezeichnet! Nun haben wir unsere drei Champions. Doch am Ende wird nur einer von ihnen in die Geschichte eingehen. Nur einer wird diesen Kelch der Kühnheit hochheben. Dieses Gefäß der Gewinner. Den Trimagischen Pokal!"
Er dreht sich um, zeigt mit dem Finger nach vorne und Mr. Crouch zieht einen alten Lumpen von etwas, das er anscheinend herein geschmuggelt hat. Ein Pokal größtenteils aus Glas, mit Henkeln wie schlanke Drachen, der in einem stechenden Blau strahlt. Du holst schnappend nach Luft; so etwas wunderbares hast du noch nie gesehen.
Doch dann schiebt sich etwas in dein Blickfeld. Snape tritt nach vorne, legt den Kopf schief und runzelt die Stirn. Du wirst wütend – kann er ausnahmsweise mal wo anders stören? - als auch die anderen Lehrer unruhig werden. Der Grund ist einfach: Der Feuerkelch, der immer noch im Raum steht, zischt, wird wieder rot und zieht sich zusammen. Dumbledore scheint nicht zu wissen, was los ist; er tritt zögernd näher und schützt seine Augen vor dem Feuer. Der Kelch spuckt noch einen Namen aus und der Zettel segeln langsam nach unten. Dumbledore fängt ihn auf und ließt, was drauf steht. Leise murmelt er einen Namen, doch das kann nicht sein. Unruhig rutscht du auf deinem Sitz herum. Diejenigen, die ganz nahe an Dumbledore dran sitzen, fangen an zu wispern und sich umzuschauen. Auch Dumbledore sieht sich um, überschaut alle Sitzreihen.
„Harry Potter?" Alle drehen sich zu euch um. Harry, der bis gerade eben noch gestanden ist, setzt sich langsam hin. Du siehst ihn verwirrt an und dann siehst du wieder nach vorne. Unmöglich!
„HARRY POTTER!" Dumbledore schreit durch die Halle, und selbst du zuckst unmerklich zusammen. Dieser Mann, so lustig und seltsam er auch seien mag, hatt eine Macht in der Stimme, die kaum zu übertreffen ist.
„Geh schon Harry. Hergott nochmal, Harry." Hermine packt Harry an der Schulter und schubst ihn nach vorne. Harry geht andächtig, langsam in der Stille nach vorne. Als er vor Dumbledore steht zeigt der ihm den qualmenden Zettel. Harry sieht kurz drauf, dann geht sein Kopf ruckartig nach oben. Er steht mit dem Rucken zu euch, aber du weißt, was auf seinem Gesicht zu sehen ist; Verwirrung, Schreck, Unglaube und auf jeden Fall Angst. Angst vor dem Zettel, vor dem Turnier, vor den Folgen dieses... Streichs? Missverständnisses? Du weißt es nicht. Als er sich umdreht und nach vorne zum Lehrerpult und zur Tür geht, hinter der auch schon die anderen verschwunden sind, erhebt sich Gemurmel. Proteste, Verwünschungen, Ärger, alle scheinen gegen ihn zu sein. Auch du bist verwirrt und hast Zweifel, aber vor allem tut er dir Leid. Harry ist ein Held, aber keiner, der es gerne ist. Kaum ist er weg, werden die Proteste lauter. Dumbledore dreht sich um beratschlagt kurz, nur ein paar Sekunden lang, mit Mr. Crouch. Dann hastet er zusammen mit Madame Maxime, Karkaroff, Moody, Mr. Crouch, Snape und Professor McGonagall hinter Harry her.
Ohrenbetäubend laut brüllen sich die Schüler an. Die restlichen Lehrer versuchen, sie zu beruhigen, doch diese Wendung im Turnier schlägt ein wie eine Bombe. Erst, als Professor Flitwick ein grelles Licht in die Luft schießt, dass euch alle für einen Moment blendet, herrscht wieder einigermaßen Ruhe in der Großen Halle.

„Schülerinnen und Schüler, bitte geht auf eure Zimmer. Sofort. Vertrauensschüler, sorgt dafür, dass alles geregelt abläuft." Grummelnd bewegen sich alle Richtung Tor, noch immer schimpfen sie auf Harry und den Feuerkelch. Du bist still und bekommst nur am Rande mit, wie du von der Flut der Personen hoch in den Gryffindorturm gedrängt wirst. Als du im Gemeinschaftsraum bist, setzt du dich an den Kamin, Hermine und Ron setzen sich dazu. Zuerst starrt ihr alle ins Feuer und hängt euren Gedanken nach, dann kommen die Zwillinge zu euch.
„Wie glaubt ihr hat er das geschafft?"
„Keine Ahnung", meinst du.
„Ich glaube nicht, dass er was gemacht hat", sagt Hermine. Du nickst, um zu zeigen, dass du dir da auch unsicher bist. Ron schnauft nur. Irritiert musterst du sein Gesicht. Er hat die Zähne zusammen gebissen, seine Kiefermuskeln sind angespannt und sein eiskalter Blick ruht auf dem Kamin.
„Ron? Alles OK?"
Er schaut dir in die Augen. „Ja, alles bestens." Seine Stimme trieft vor Sarkasmus.
Du kneifst deine Augen zusammen und willst gerade zu einer bissigen Antwort ansetzen, als die zwei Vertrauensschüler euch auf eure Zimmer schicken. Du funkelst Ron nochmal böse an und verschwindest dann mit Hermine die Treppe nach oben zu euer Zimmer. Dort verschwindest du als erstes ins Bad. Da du in einem Mädchen-Fünferzimmer wohnst, bist du gerne als Erste im Bad. Bei solchen Personen wie Lavender Brown kann es nämlich lange dauern bis sie fertig sind. Deshalb schälst du dich schnell aus deiner Schuluniform und hüpfst unter die Dusche. Als das warme Wasser deinen Körper runterfließt entspannst du dich merklich. Du denkst darüber nach, was heute passiert ist. Eigentlich bist du zuversichtlich, dass Harry nicht als Champion starten muss. Immerhin gibt es nur drei Schulen und er ist noch viel zu jung. Außerdem würde Dumbledore das nie zulassen. Als du fertig bis und dir die Zähne putzt kommt Hermine rein. Sie schnappt sich ihre Zahnbürste und lehnt sich beim Putzen ans Waschbecken. Ihr sagt nicht. Du hast nicht das Gefühl, krampfhaft etwas sagen zu müssen. Das macht deiner Meinung nach eine tolle Freundschaft aus: dass man auch mal schweigen kann.
Erst, als auch Hermine geduscht hat, redet ihr über Harry. Hermine ist sich sicher, dass er ausgetrickst wurde. Auch du bist dir relativ sicher, trotzdem möchtest du nochmal mit Harry darüber reden. Ihr sitzt beide auf ihrem Bett, während der Regen laut gegen die Fensterscheibe klatscht. Gedämpft erzählt sie dir, was sie über die Trimagischen Turniere der Vergangenheit weiß.
„Sie wurden abgesetzt, da die Todesrate zu hoch wurde."
„Todesrate?!", fragst du panisch. Hermine nickt nur düster.
„Ja. Bei jeden Turnier gibt es Unfälle. Die Aufgaben sollen das Geschick und die geistigen Fähigkeiten der Teilnehmer testen. Manchmal ist es vorgekommen, dass ein Champion eine schwere Verletzung hatte, an der er gestorben ist. Deshalb haben sie dieses Mal die Altersgrenze eingeführt; damit alle ein bestimmtes Niveau erreicht haben."
„Eigentlich."
„Eigentlich."