Als Harry am nächsten Morgen die Große Halle betritt, sitzt du bereits am Tisch. Ron sitzt zwar bei dir und Hermine, isst aber still vor sich hin. Anscheinend ist er tatsächlich sauer, weil Harry gezogen wurde. Du kannst nur den Kopf schütteln über so viel Blödsinn. Nach dem, was dir Hermine gestern erzählt hat, ist es extrem dähmlich sich als Viertklässler zu bewerben. Und vor allem ist es fast unmöglich, dank Dumbledore. Harry setzt sich zu euch und nimmt sich ein Sandwich. Keiner sagt was, jeder isst und versucht, die Blicke der anderen Schüler zu ignorieren. Soweit du es beurteilen kannst, sind die meisten total sauer. Alle tuscheln leise mit einander und ein paar Kleine zeigen sogar mit dem Finger auf euch – na gut, auf Harry.
Bis zur zweiten Stunde redet ihr nicht mit einander. Dann, in Wahrsagen, musst du wohl oder übel mit Harry und Ron reden. Wobei Ron eher vor sich hin knurrt als ein ernsthaftes Gespräch über seine Teeblätter zu führen.
„Caro, ich glaube, du wirst bald krank werden und daran sterben", sagt Harry als würde er das jeden Tag machen.
Du zuckst nur mit den Schultern. „OK."
Ihr beiden grinst euch an. Solange jemand stirbt, ist Trelawney zufrieden. Ron zischt nur vor sich hin.
„Was ist eigentlich dein Problem?", fauchst du ihn genervt an.
„Gar nichts. Schön, dass ihr euch so gut versteht."
„Er ist mein bester Freund, neben dir. Eigentlich. Wenn du nicht so mies drauf wärst."
Als er wieder nur schnauft, verdrehst du die Augen und wendest dich wieder Harry zu.
„Ich würde dir ja sagen, dass du auch stirbst, aber das weißt du wahrscheinlich schon."
„Zumindest ist es bei mir wahrscheinlicher als bei dir."
„Wer weiß. Ich hatte schon ewig Angst vor diesem trockenen Brot in Hogwarts, das einem immer im Hals stecken bleibt", witzelst du rum. Harry lacht so laut, dass Trelawney zu euch rüber kommt.
„Meine Lieben, erweitert euren Horizont. Seht mit dem Auge! Was seht ihr, meine Lieben?"
Du räusperst dich und murmelst mit rauchiger Stimme: „ich sehe eine dunkle Wolke. Harry, du bist in großer Gefahr!"
Harry macht große Augen und versucht, sein Lächeln zu unterdrücken. Trelawney nickt begeistert. „Ja ja, Gefahren! Und du, was siehst du?"
Ron nimmt seine Teeblätter und runzelt konzentriert die Stirn. „ich sehe, ich sehe, ich seeeehe... ein großes Feuer. Ein schwarzes, großes Feuer kommt auf dich zu." Trelawney nickt wieder, wobei ihre große Brille fast von ihrer Nase rutscht. „Ich sehe, ihr habt euren Geist geöffnet. Sehr schön, meine Lieben. Und was bedeutet das?"
Ron denkt kurz nach. „Dass er von einem Problem wie von einem Feuer verzehrt wird?"
Trelawney legt sich eine Hand auf die Stirn. „Oh ja, ich sehe es auch. Es ist schrecklich, du Armer. Aber keine Angst, du wirst noch früh genug herausfinden, was zu tun ist." Dann verschwindet sie. Du verdrehst nur wieder die Augen.
In der letzten Stunde, Verteidigung gegen die Dunklen Künste, sitzt ihr auf euren Plätzen und folgt dem Unterricht. Moody redet über den Imperio und in wie fern er als Ausrede missbraucht wird.
„Der Imperio ist tückisch. Nur, wer einen starken Willen hat, kann ihn abschütteln. Ein paar der ältesten und mächtigsten Zauberer der Welt können das nicht. Man kann seinen Geist aber trainieren. Und genau das werden wir jetzt üben. Ich werde jeden von euch mit dem Imperio belegen. Und dann schauen wir mal, wer ihm widerstehen kann."
Hermine neben dir schreibt fleißig mit und auch du versuchst, bei dem Tempo mit zu kommen, als Moody dich nach vorne ruft. Erschrocken stehst du auf und stellst dich vorne so hin, dass dich alle sehen können. Moody richtet seinen Zauberstab auf dich. „Bei drei. Eins. Zwei. Drei. Imperio!"
Sofort fühlst du eine Leichtigkeit in dir. Keine Sorgen, keine Ängst. Nur das Gefühl, dass alles gut wird. Verschwommen kriegst du mit, dass deine Mitschüler dir zusehen, als Moody dir den Befehl gibt, einen Flickflack zu machen. Du merkst, wie du in die Knie gehst. Als du dich abdrückst, siehst du ein Glas auf dem Tisch. Eigentlich ist es nicht besonders auffällig, aber innen drin sind etwa fünf kleine, haarige Spinnen. Alles in dir zieht sich vor Panik zusammen. Für den Bruchteil einer Sekunde erwachst du aus deiner Trance. Und genau das bringt dich aus dem Konzept. Als du rückwärts nach hinten fliegst und auf den Armen landest, knickt dein Ellenbogen ein bisschen ein. Und anstatt aus dem kurzzeitigen Handstand wieder sicher auf den Füßen zu landen, kommst du ein bisschen schief auf und musst mit den Armen rudern, um stehen zu bleiben. Inzwischen bist du wieder geistig vernebelt, aber selbst durch den weißen Schleier hörst du Moodys tiefes, böses Lachen.
„Seht ihr, seht ihr, das meinte ich. Sie ist nicht völlig durch gedrungen, aber ganz kurz war sie wieder bei klarem Verstand. Und genau das erwarte ich; ihr müsst kämpfen! Es ist eine Metapher: wer schon hier nicht kämpft, kämpft auch nicht im wahren Leben." Dann entlässt er dich. Der Nebel verschwindet augenblicklich. Schnell und mit gesenktem Kopf gehst du zurück auf deinen Platz. Hermine lächelt dich aufmunternd an, als du dich mit einem Seufzer auf deinen Stuhl setzt.
„Das war echt gut. Glückwunsch."
„Ich habe nicht richtig gekämpft. Ich habe nur die eine Spinne gesehen und mich hätte ich das nie geschafft. Und ich werde bestimmt nicht auf ewig Spinnen mit mir herumtragen für den Fall, dass jemand einen Imperio auf mich legt."
„Mh. Du meinst, deine Phobie hat dich so sehr erschreckt, dass du den Zauber durchdrungen hast?"
Du nickst und brummst zustimmend. Vorne lässt Moody Crabbe Pirouette um Pirouette drehen.
„Das ist … interessant."
Du beugst dich über deine Wahrsagehausaufgaben. Draußen scheint noch immer die Sonne und am liebsten würdest du die letzten Sommersonnenstrahlen einfangen, aber du willst nicht mit den Hausaufgaben hinterher hinken. Zumindest nicht schon am Anfang des Jahres. Doch obwohl du dir fest vorgenommen hast, dich zu konzentrieren, schweifen deine Gedanken immer wieder ab. Als Harry sich neben dich fallen lässt, seufzt du und gibst auf.
„Komm Harry, wir genießen die letzten schönen Tage."
„Aber ich bin doch gerade erst..."
„Wir gehen jetzt raus, Punkt."
Harry nickt nur und lächelt leicht. Du nimmst seine eine Hand und ziehst, bis er auf den Beinen steht. Dann geht ihr zusammen durch das Potraitloch und lauft die Treppe hinunter. Unten durchquert ihr die Eingangshalle durch das Eingangstor und lauft über den Rasen. Erst, als ihr beim See angekommen seit, bleibt ihr schlussendlich stehen. Dort setzt ihr euch an das Ufer, zieht eure Schuhe aus und taucht euren Füße in das Wasser. Zuerst macht ihr gar nichts. Dann lässt du dich nach hinten fallen. Harry macht es dir nach und legt sich neben dich. Ihr schaut euch die Blätter der Bäume über euch an, die durch die Sonnenstrahlen jadegrün strahlen.
„Harry?"
„Ich habe meinen Namen wirklich nicht rein geworfen." Ihm war anscheinend klar, warum du ihn von den Anderen weg gelockt hast.
„Aber wie ist er dann da rein gekommen?"
„Ich weiß es wirklich nicht. Keine Ahnung. Moody meinte, es müsste ein starker Verwechslungszauber gewesen sein. Ich wäre gar nicht fähig, sowas zu schaffen."
„Was war den gestern Abend noch los?"
„Naja, Dumbledore hat mich gefragt, wie das passieren konnte. Aber ich weiß es doch nicht! Ich will keinen nie endenden Ruhm, ich will einfach nur mal ein Jahr Ruhe haben."
„Nichts für Ungut, aber du bist Harry Potter. Du hast kein ruhiges Jahr, und wir auch nicht."
Harry wendet dir seinen Kopf zu. Er macht ein gespielt verzweifeltes Gesicht, bei dem du sofort lachen musst. Dann seufzt du auf.
„Und was ist das mit Ron? Hat er was genaues gesagt?"
Harry presst die Lippen zusammen und grummelt. „Er ist sauer, weil ich gezogen wurde. Er denkt, ich hab das wirklich gemacht und ihm nichts erzählt."
„Er ist.. eifersüchtig?!" Sowas hast du dir schon gedacht, aber das es wirklich so ist... Dann fällt dir noch etwas ein.
„Dann musst du also mitmachen." Es ist weniger eine Frage als eine Feststellung.
Harry nickt und sieht stumm noch oben.
