„Die gute Nachricht ist: Du bist eine geborene Treiberin."
„Die schlechte ist: Du hast fast deinen besten Freund umgenietet."
„Jungs, das gibt höchstens einen blauen Fleck." Harry verdreht die Augen. Du gibst ihn Recht; du hast ihn nicht mal getroffen, er hatte sich noch rechtzeitig fallen gelassen. OK, mit der Stirn ist er auf dem Boden aufgekommen, aber der ist mit Gras bedeckt und nicht allzu hart. Es gibt also nicht zwingend Folgeschäden. Er ist sofort danach aufgesprungen und hat herumgeflucht, wer den so dämlich sei und mir einen Klatscher gegeben hat.
Fred und George dagegen tun so, als wäre es eine Attentat auf die gesamte magische Elite gewesen.
„Willst du spielen?"
„Na klar." Mit einem fetten Grinsen nimmt Harry seien Besen und holt den Schnatz aus der Box.
Nach eurem Spiel zu Vier trennst du dich erst mal von den anderen. Anstatt mit ihnen in den Gemeinderaum zu gehen, schlenderst du Richtung Eulenturm um den Brief an Charlie anzugeben. Also du dort ankommst, schaust du dich nach der schwarzen Eule von vorhin um – Charlies Eule. Du entdeckst sie auf einer Stange relativ weit oben. Erst nach etwa fünf Minuten Betteln und Flehen erbarmt sie sich deiner und kommt hinunter. Du bindest ihr den Brief ans Bein und streichelst ihr über das Federkleid.
Auf dem Rückweg begegnest du beim Steinkreis einer Person, der man lieber nicht begegnen will. Und dein Versuch, ihn zu ignorieren, scheitert kläglich.
„Na, wen haben wir den da? Ein Schlammblut auf Abwegen."
„Malfoy", knurrst du ihn an. Vorsichtig tastest du nach deinem Zauberstab, der in deinem Umhang steckt. Malfoy schnaubt spöttisch.
„Man sollte dir ein bisschen Respekt beibringen."
„Ich habe Respekt vor Leuten, die ihn auch verdienen", erwiderst du mit eiskalter Stimme.
Malfoys Augen verengen sich zu Schlitzen.
„Na los Goyle, mach sie fertig."
„Impedimenta!" Goyle, Dracos Schoßhündchen, versucht, dich zu lähmen, doch du kannst dich unter dem Lichtstrahl wegducken. Du ziehst endgültig deinen Zauberstab und richtest ihn auf Draco. „Stupor!"
Der rote Lichtstrahl zischt knapp an seinem Ohr vorbei und verliert sich irgendwo hinter ihm. Draco tritt mit seinem Zauberstab in der Hand einen Schritt nach vorne und schleudert dich mit einem leise gemurmelten Fluch nach hinten. Dabei knallst du gegen einen der Steine, die hier stehen. Da er etwa vier Meter hinter dir war, hast du nicht allzu viel Schwung. Trotzdem spürst du ein Pochen am Hinterkopf und dein Rücken tut dir weh. Kurz atmest du durch, dann stehst du auf. Zuerst siehst du nur Sterne und ein Rauschen in deinen Ohren, das aber sofort in ein Lachen umschlägt. Du blinzelst kurz und siehst, wie Draco dich auslacht. Wütend packst du deinen Zauberstab noch fester und schreist das Erste, das dir einfällt: „Aguamenti!"
Aus der Spitze deines Zauberstabes schießt ein Wasserstrahl und trifft Draco und Goyle frontal. Die beiden werden nach hinten geworfen. Crabbe steht etwas abseits, sodass er nur ein bisschen Wasser abkriegt. Als es wieder nachlässt, versuchen die beiden aufzustehen. Doch wegen des Wassers ist der Boden ganz matschig und schlammig geworden. Crabbe erwacht aus seiner Starre und eilt zu Malfoy, doch der schlägt wütend seine Hand weg und robbt zum Rand des Matschloches. Als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hat, ist es an dir zu lachen. Malfoy ist überall mit Schlamm bespritzt, seine Haare sind wirr und bräunlich verklebt und Goyle sieht aus wie ein riesiges braunes Quarkbällchen.
„Na warte! Das wirst du mir noch büßen! Du dreckiges kleines Schlammblut!"
Mit diesen Worten dreht er sich um und hastet zurück ins Schloss, wahrscheinlich, um sich umzuziehen.
„Eine Schlammkur ist gut für die Haut, Malfoy! Und du brauchst noch etwas Farbe!", schreist du ih schadenfroh hinterher. Aber als auch du in deinen Gemeinderaum gehen möchtest, wird dir schwindelig. Du hältst dir deinen Kopf und zwingst dich, weiter zu gehen. Wegen einem leichten Schlag wirst du nicht gleich zu Madam Pomfrey gehen. Dazu bist du zu stolz. Auf dem Weg bleibst du trotzdem lieber in Reichweite der Wände und du läufst nicht zu schnell.
In Gemeinderaum sitzen bereits Harry und Hermine zusammen am Kamin. Als sie dich sehen, winkst du kurz und zeigst auf dich. Sie nicken und warten auf dich, bis du dich umgezogen hast. Dann lässt du dich neben Harry aufs Sofa fallen und umschlingst das nächste Gryffindorkissen.
„Ich habe Malfoy getroffen. Beim Steinkreis."
„Was ist passiert?", will Hermine sofort wissen.
„Wir haben ein bisschen gekämpft. Drei gegen eine, ziemlich unfair."
„Typisch Slytherin", spottet Harry. Hermine sieht dich besorgt an.
„Ist bei dir alles OK?"
Du zuckst mit den Schultern. „Die ersten beiden gingen daneben. Dann hat er mich gegen einen Stein geschleudert. Ich hab ihn fast ertränkt", bei der Wortwahl musst du sofort grinsen „und dann ist er unter wüstesten Beschimpfungen abgehauen. Er sah aber auch zum Schießen aus, voll mit Matsch bedeckt. Wie so ein Seeungeheuer in drittklassigen Filmen." Du kicherst leise in dein Kissen und auch Harry grinst verträumt ins Feuer. Zwischen Hermines Augenbrauen bildet sich eine Sorgenfalte. „Also ist alles in Ordnung?"
„Ja ja, hab mir nur den Kopf gestoßen. Aber das ist nicht schlimm", winkst du ab, als Hermine den Mund aufmacht.
„Du solltest zu Madam Pomfrey gehen. Vielleicht hast du ne Gehirnerschütterung."
„Ich will aber nicht. Es ist alles OK. Wenn mir morgen schwindelig oder schlecht seien sollte, gehe ich, versprochen. Aber Harry, erzähl mal über dein tolles Interview."
Harry scheint nicht wirklich glücklich über den Themenwechsel zu sein, dir kommt er aber genau recht. Dein bester Freund seufzt und rutscht hin und her.
„Naja, die Frau heißt Rita Kimmkorn und sie ist sehr...eigen. Sie hat so seltsame grüne Klamotten getragen und ihre Haare sehen aus wie die eines Pudels nach einem Waschgang in der Waschmaschine. Die hat sie nicht mehr alle!" Du kicherst wieder in dein Kissen und stellst sie dir total verrückt vor. „Sie hat mich als Ersten in ein Besenkammer gezerrt und mich interviewt. So ne seltsame flotte Schreibfeder ist herum geschwebt und hat alles aufgeschrieben. Sie hat irgendwas gesagt von wegen, dass ich zwölf bin und in meinen Augen der Geist der Vergangenheit glänzt und so ein Scheiß." Du lachst und hältst dir den Bauch fest.
„Der Geist deiner Vergangenheit? Bei Merlins Unterhosen, die ist ja echt verrückt. Ich freu mich schon auf den Artikel."
„Wo wir schon vom Turnier reden, Harry; hast du ne Ahnung, was die Erste Aufgabe seien könnte?"
Harry schüttelt den Kopf. „Ich versuche, nicht zu viel daran zu denken."
„Na komm Hermine, ich seh doch, dass du was loswerden willst. Ich wette, du hast dich schon in der Bücherei schlau gemacht", stichelst du sie an. Hermine nickt sachlich und lehnt sich im Sessel zurück.
„Das geschichtliche lasse ich einfach mal weg, ihr würdet mit sowieso nicht zu hören. Die drei Aufgaben bauen auf Wissen, Kraft und Einfallsvermögen auf. Es kann also sein, dass du kreativ werden musst. Es kam auch bereits öfters mal vor, dass die Champions gegen Tiere oder Pflanzen kämpfen mussten. Also Trolle oder ähnliches."
„Damit hat Harry ja schon Erfahrungen", wirfst du ein. Harry nickt und atmet geräuschvoll aus.
„Es können alle möglichen Aufgaben sein. Überall. Also auch in der Luft oder im Wasser. Einmal mussten die Teilnehmer gegen eine Riesenkrake kämpfen, dabei durften sie aber nicht auftauchen. Oder gegen Riesenadler."
Du stellst dir vor, wie Harry in den Klauen eines vier Meter großen Adlers hängt und wie ein Mädchen kreischt. Keine schöne Vorstellung. Auch Harry scheint ähnliche Gedanken zu haben, denn plötzlich wird er ganz blass.
„Ach, na komm Harry, das schaffst du. Du hast schon alles geschafft! OK, die anderen sind älter als du und darauf vorbereitet und machen freiwillig mit und ich höre jetzt besser auf zu reden..." Deine Stimme wird immer leiser, als er dir eine vernichtenden Blick zu wirft. „Sorry."
„Du hast ja Recht."
„Hey, aber du musst es so sehen. Keiner rechnet damit, dass du es gegen die drei schaffst. Und wenn du es dann schaffst, und das wirst du, wird das der absolute Hammer." Du nickst, um dir selbst zuzustimmen, und bist zufrieden, als Harry selbstsicher lächelt.
