Es ist drei Uhr morgens und es ist dunkel. Doch anstatt – wie jeder vernünftige Mensch – zu schlafen, liegst du in deinem Bett und starrst an die Decke. Und schreist dich in Gedanken an, bloß nicht die Augen zu zu machen.
Es ist drei Uhr morgens und es ist dunkel und es ist der 19. September. Du siehst auf deine Uhr und beobachtest den Sekundenzeiger, wie er die Zwölf überschreitet. Und den Minutenzeiger, der sich auf die Fünf schiebt. Fünf Minuten nach drei. Langsam, um bloß kein Geräusch zu machen, hebst du deine Decke an und drehst dich zur Seit, schwingst die Beine aus dem Bett und stehst auf. In Zeitlupe schiebst du deine Füße in deine Chucks und ziehst dir einen Pulli über dein Pyjama. Dann nimmst du deinen Zauberstab und verschwindest zur Tür hinaus.
Kaum bist du im Gemeinderaum, atmest du befreit auf. Geschafft! Du gehst in Richtung Portrait und machst es auf. Die Fette Dame wacht auf und motzt herum.
„Was machst du um diese Uhrzeit noch draußen! Das ist ja unerhört! Denke bloß nicht, dass ich dich rein lasse, wenn du hier wieder angekrochen kommst!"
„Scht!", zischt du ihr zu und siehst dich um. Du weißt, dass Lehrer als Wachen herumlaufen. Du hoffst, dass du weder Snape noch McGonagall über den Weg läufst. Das würde nicht schön werden. Deshalb traust du dich auch nicht, den Zauberstab zu benutzen. Stattdessen schleichst du im Dunklen herum. Vorsichtig tastest du dich voran, Stufe um Stufe, Korridor und Korridor. Bis du zu einem Wandvorhang kommst, den du zur Seite schiebst. Dahinter liegt ein Geheimgang, der dich fast bis zur Küche bringt. Im Geheimgang machst du auch deinen Zauberstab an, damit du schneller voran kommst. Am Ende machst du ihn wieder aus und lauscht erst mal, ob draußen auch ja keiner steht. Als du nichts hörst, lugst du vorsichtig raus. Da alles leer ist, läufst du zu einem Gemälde mit einem Obstkorb. Sanft streichelst du die Birne, dich leise kichert und sich in einen Türknauf verwandelt. Du ziehst daran und läufst durch dein kurzen Gang, der dahinter liegt. Am anderen Ende, etwa drei Meter von dem Gemälde entfernt, befindet sich die Küche von Hogwarts.
Kaum stehst du in der Küche, kommt eine kleine, verschlafene Elfe auf dich zu. Sie trägt nur ein Handtuch um die Hüften und ihre großen Augen blinzeln verschafen.
„Verzeihung, Miss, Blinky wusste nicht, dass sie kommen wollten. Was kann Blinky für Miss tun?"
Die Kleine erinnert dich sehr stark an Dobby. Du musst lächeln und beugst dich zu der Hauselfe hinunter.
„Ich muss etwas erledigen. Aber du könntest mir dabei helfen. Willst du das?"
Blinky nickt wie wild und läuft los, um alles zu besorgen.
Es ist fast sechs Uhr, als du fertig bist. Du wischt dir den Schweiß von der Stirn und hältst Blinky die Hand hin. Die nimmt sie zögerlich.
„Viele, vielen lieben Danke, Blinky. Ohne dich hätte ich das nicht geschafft."
Blinky bekommt noch größere Augen als sie normalerweise schon hat und piepst ein „Gerne geschehen, Miss." Dann verbeugt sie sich und macht sich an die Arbeit, alles wegzuräumen und sauber zu machen. Du nimmst den Riesenteller und verschwindest.
Am besten erzähl ich Hermine nicht, wer mir geholfen hat.
Leider hast du Harrys Tarnumhang nicht dabei, den so bist du langsam und ziemlich auffällig. Du benutzt jeden Geheimgang, den du kennst und überprüfst alles dreimal, bevor du dich weiter traust. Als du dann endlich am Portrait der Fetten Dame angekommen bist, tun dir deine Arme vom tragen weh. Doch das letzte Hindernis verschränkt trotzig die Arme und ignoriert deine Bemühungen, rein zu kommen.
„Ach bitte!", jammerst du genervt herum, „Das ist wirklich wichtig!"
„Das ist mein Schönheitsschlaf auf."
„Du bist doch schon schön genug", versuchst du es auf die schleimige Weise. Obwohl die Fette Dame noch immer auf trotzig macht, siehst du einen Hauch von Rosa auf ihren Wangen. Dir kommt eine Idee.
„Wie wäre es, wenn du mir etwas vorsingst. Die anderen wissen das doch gar nicht zu würdigen. Und dann lässt du mich rein."
Die Fette Dame dreht sich zu dir um und macht ein bekümmertes Gesicht.
„Du hast ja so Recht, Schätzchen, so Recht. Das sind doch alles Kunstbanausen! Warte, ich habe da in den Sommerferien etwas Neues gelernt. Eine Arie."
Ohne Vorwarnung trällert sie los. Eigentlich hast du mit einer Pause gerechnet, in er du dich mental darauf vorbereiten kannst, stattdessen presst du deine Kiefer zusammen und lässt es über dich ergehen. Nach etwa fünf Minuten Gekrächze verbeugt sie sich. Du jubelst überschwänglich und bist heilfroh, als sie den Weg freigibt. Du läufst nach oben in dein Zimmer und machst mit deinem Ellenbogen die Tür auf. Alle schlafen noch. Schnell stellst du den Untersatz in die Mitte des Raumes, sodass man es gar nicht übersehen kann, und schleichst zu deinem Schrank. Dort holst du noch etwas raus, dass du dazu legst. Alle möglichen Leute haben dir etwas gegeben, sodass jetzt in der Mitte des Raumes ein großer Haufen liegt. Als du zufrieden bist, legst du dich wieder ins Bett, um vielleicht noch etwas Schlaf zu bekommen.
„AAH!" Hermines Schrei reißt dich aus dem Halbschlaf. Deine Freundin steht in Pyjama am Ende ihres Bettes und starrt mit riesigen Augen in die Mitte des Raumes. Du grinst, springst auf und umarmst sie schwungvoll.
„Alles, alles gute zum Fünfzehnten!"
Dann schleifst du sie zu der Geburtstagstorte in ihrer Lieblingsfarbe – blau – und den Geschenken. Die von Ron und Harry liegen genau in der Mitte. Hermine kniet sich hin und reißt sorgfältig das Geschenkpapier runter. Bei Ron's kommt ein Buch über die Historie des Quidditch zum Vorschein. Harry schenkt ihr Tinte, die die Farbe wechselt, je nachdem, in welcher Stimmung sie ist. Deines überreichst du ihr selbst in die Hand. Es ist ein T-shirt. Vorne drauf sind Bilder gedruckt, von euch dreien, von Hagrid, den Zwillingen, der gesamten Weasleyfamilie, Hermines Eltern, Neville, Seamus, Dean und sogar den Patilzwillingen. In den letzten Wochen hast du fleißig Fotos gesammelt und sie von deinen Eltern in einem Copyshop auf ein T-Shirt drucken lassen.
In Hermines Augen sammeln sich Tränen. Sie fällt dir um den Hals und murmelt ein „Danke." Du drückst sie an dich und freust dich mit ihr, als sie die restlichen Geschenke auspackt.
Unten warten bereits Ron und Harry, mit genügend Abstand zueinander. Hermine umarmt erst den einen und dann den anderen. Zusammen geht ihr runter in die Große Halle, du neben Harry und Hermine etwa drei Meter vor euch mit Ron.
„Hat sie sich gefreut? Über das T-Shirt?"
„Und wie", meinst du glücklich. „Aber über eure hat sie sich auch sehr gefreut."
„Kau zu glauben, dass sie schon Fünfzehn ist. Ich meine, sie ist fast ein Jahr älter als ich!"
„Also ich finde das leicht zu glauben."
„He!" Harry schnauft gespielt empört auf und setzt sich auf die Bank am Gryffindortisch. Du setzt dich daneben und kicherst, während du dir schon ein Brötchen schmierst. Harry und du esst schweigsam, während Hermine etwas weiter weg fröhlich vor sich hin schnattert. Es ist fast schon ein Wunder, dass Harry und Ron so nah neben sich sitzen, aber anscheinend reisen sie sich Hermine zu Liebe zusammen.
Ansonsten macht ihr an diesem Samstag nichts mehr außer Torte futtern, Lachen und Hagrid besuchen, der Hermine zusätzlich einen Ratgeber gibt für „Europäische Tiere und warum sie zu Unrecht verurteilt werden". Ihr knabbert an ein paar Steinkeksen herum und verabschiedet euch nach einer Stunde, um euch nach dem Mittagessen in die Bücherei zu verziehen und in ein paar Bücher zu versinken. Dabei hast du einen Plan ausgetüftelt: Harry ist Vormittags dabei und Ron Nachmittags. So können beide etwas mit dem Geburtstagskind unternehmen, bekommen sich aber nicht in die Haare.
Und so geht auch dieser Wochenendtag vorüber.
