Der September neigt sich bereits dem Ende zu, als dir wieder dein Plan einfällt, die anderen Schulen auszukundschaften. An einem Donnerstagnachmittag setzt du dich unauffällig neben Harry, der konzentriert über seinem Zaubertränkeaufsatz sitzt. Snape hat euch mal wieder haufenweise Hausaufgaben gegeben und da er Harry auch so schon im Nacken sitzt, macht er sie lieber gleich.
„Duuu? Harry?"
„Mh?" Harry runzelt die Stirn und sieht nochmal etwas im Schulbuch nach.
„Du weißt doch noch, dass wir uns mal die anderen Schulen anschauen wollten, oder?"
„Mhm."
„Wie wärs, wenn wir das heute machen, oder morgen?"
Harry setzt demonstrativ einen Punkt am Ende seines Aufsatzes und sieht dir in die Augen. „Was?"
„Die anderen Schulen? Tarnumhang? Heute?"
„Oh, ja. Ähm, klar! Ich hol ihn schnell mal."
Du nickst und wartest, während Harry nach oben rennt und den Tarnumhang seines Vaters holt. Als er wieder nach unten kommt, stehst du auf und verschwindest mit ihm durch das Portraitloch. Hermine ist in der Bücherei und Ron ist immer noch im Ignoriermodus. Als ihr draußen vor dem Eingangstor steht, bleibt ihr stehen und seht euch um.
„Und wo gehen wir zuerst hin?", fragst du deinen besten Freund.
„Ich würd sagen, zuerst mal nach Beauxbatons. Das ist einfacher."
Du nickst und läufst neben ihm her Richtung Verbotener Wald. Die Französinnen leben in ihrer Kutsche gleich in der Nähe von Hagrids Hütte. Du bist dir absolut sicher, dass die Kutsche so verzaubert ist wie die Zelte bei der Weltmeisterschaft. Als ihr sie sehen könnt, schaut ihr euch um. Da keiner in der Nähe ist, wirft Harry den Umhang über euch beide. So lauft ihr weiter, bis ihr vor der Tür steht.
„Und jetzt?", wisperst du stimmlos.
„Öhm... warten?"
„Das hätten wir bedenken müssen", seufzt du und ziehst Harry etwas abseits zu einem Baumstumpf, auf den ihr euch drauf setzt. Als auch nach einer Viertelstunde nicht passiert, fängst du leise ein Gespräch an.
„Hast du Angst?"
Harry sagt erst mal gar nichts, dann nickt er und flüstert ein „Ja."
„Kann ich verstehen. Auf eine Teilnahme in der Zukunft zu spekulieren und es wirklich zu machen - machen zu müssen – sind zwei verschiedene Paar Schuhe."
Eigentlich redet ihr kaum über das Turnier, aber langsam und unausweichlich rückt die erste Aufgabe näher.
„Kopf hoch, du bist Harry Potter. Du schaffst das, Junge der überlebt hat." Du grinst ihn aufmunternd an und lehnst dich an ihn. „Ich würde auf dich wetten."
„Danke." Als Harry dich anlächelt, kommen zwei blonden Mädchen vom Schloss machst Harry mit einem Ellenbogenstoß darauf aufmerksam, der dich sofort auf die Beine zieht. Ihr schleicht euch ganz nahe an die Kutschentür dran und wartet, bis die beiden sie aufmachen. Sie reden auf Französische, sodass ihr keine Ahnung habt, was das Gesprächsthema ist. Eigentlich ist euch das auch egal, ihr wollt nur unbemerkt in die Kutsche reinkommen. Bevor die Tür zuschlagen kann, schlüpft ihr hinein und bleibt stehen.
Du hast recht gehabt, die Kutsche ist magisch vergrößert worden. Aber nicht einfach nur auf Zeltgröße, sondern auf Hausgröße. Ihr steht in einer Art Eingangshalle, mit Türen links und rechts und einer Treppe, die in den zweiten Stock führt. Es ist alles sehr edel und wertvoll eingerichtet, sodass du ständig Angst hast, etwas umzustoßen und kaputt zu machen. Die Farben sind, wie auch schon von außen, in den Schulfarben gehalten; blau, gold, silber und etwas weiß. Zu zupfst an Harrys Ärmel und ziehst ihn nach links zur ersten Tür. Sie steht offen, sodass ihr unbemerkt hinein könnt.
Der Raum ist relativ groß, mit Bänken und Stühlen und einer Tafel vorne; ein Klassenzimmer. Im Gegensatz zu den Zimmern in Hogwarts ist es hier sehr hell und offen und die Wände sind in einem strahlenden Weiß gestrichen. Vorne in einem kleinen Wasserbecken schwimmt ein kleiner Goldfisch seine Kreise. Keiner ist da und nur euer Atmen ist in der Stille zu hören. Auch die nächsten vier Türen führen zu Klassenzimmern. Da nur ein Jahrgang hier ist, brauchen sie nicht allzu viele. Trotzdem hat jedes Klassenzimmer seine eigene Note.
Im ersten der Goldfisch. Im zweiten gibt es haufenweise Bücher, alte und neue, alle an der Wand gestapelt. Im dritten stehen unzählige Kristallvasen mit blutroten Rosen, die einen betörenden Duft verströmen. Im vierten gibt es allen möglichen Kleinkram, der mit dem Theater zu tun hat; Bilder, Plakate, sogar Ballettschuhe hängen an einem Hacken. Und hier, im fünften, zwitschert ein kleiner Kanarienvogel in einem weißen, wunderschön alten Käfig in der Form eines Hauses. Er zwitschert eine Melodie, die dir bekannt vorkommt. Etwas Französisches.
Harry reißt dich aus deinen Gedanken, indem er dich weiterzieht. Der nächste Raum ist auf der rechten Seite der Eingangshalle und verschlossen. Wahrscheinlich ein wichtiger Raum, ein Büro vielleicht. Hinter der nächsten Tür ist ein Badezimmer. Eigentlich uninteressant, aber auch da hier unterscheidet sich sehr vom Standard auf Hogwarts. Alles ist sehr viel eleganter und schicker. Oben an der Decke – oder in der Decke – ist das Schulwappen eingearbeitet. Es strahlt ein warmes Licht aus, das bis in die entlegenste Ecke des Raumes vordringt. Außerdem riecht es nach Flieder.
Hinter der letzten Tür auf dieser Seite der Eingangshalle hört ihr Gekicher und das Geräuscht von Gesprächen. Ihr seit euch einig, dass ihr nicht einfach die Tür öffnen könnt. Also ziehst du Harry die Treppe nach oben.

Im zweiten Stock sieht es grundsätzlich genauso aus wie unten. Nur ist da hier ein langer Gang und keine Halle und es gibt wesentlich mehr Türen. Alle sind verschlossen, allerdings ist es auch sehr leise, es scheinen also alle unten zu sein. Als du dein Ohr gegen die erste Tür legst, ist alles still. Du schüttelst den Kopf damit Harry das auch weiß. Du willst gerade etwas sagen, als eine Tür aufgeht. Etwas drei Meter entfernt tritt eine kleine, rothaarige Französin aus einer Tür und will anscheinend nach unten gehen, als sie bemerkt, dass sie etwas vergessen hat. Sie dreht sich nochmal um, um es zu holen. In der Zeit huscht ihr zu der Tür hin und seht hinein.
Es ist das Schlafzimmer. Sehr geräumig, mit Fenstern von der Decke bis zum Boden. Von draußen kann man die Fenster nicht sehen, aber das macht die Magie. Die Wände sind blassgelb gestrichen. Eine Wand besteht aus einem einzigen riesigen Spiegel, direkt gegenüber ist ein ebenso langer Kleiderschrank. Drei Himmelbetten, wie sie in deinen Kleinkinderträumen vorgekommen sind, stehen mitten im Zimmer. Dir klappt die Kinnlade runter. Das ist einfach unglaublich! Dass es sowas überhaupt gibt! Schöner als in einem Märchen.
Bevor du weiter staunen kannst, kommt das Mädchen wieder zurück. Sie hat jetzt eine Tasche in der Hand. Du trittst leise mit Harry einen Schritt zur Seite, damit sie ungestört an euch vorbei kann. Du siehst Harry in die Augen. Auch er hat genug gesehen, also verschwindet ihr ganz leise wieder.

Unten in der Eingangshalle wollt ihr gerade die Tür nach draußen aufmachen, als die bislang verschlossene Tür aufgeht. Madame Maxime dreht sich um und steckt den Schlüssel ins Schlüsselloch, mit dem sie die Tür dann wieder zu macht. Harry und du steht wie erfroren da; wenn sie euch jetzt bemerkt, wars das. Madame Maxime dreht sich um und läuft auf euch zu. Ihr solltet zur Seite gehen, aber ihr habt zu sehr Angst, dass sie das hört. Im Weg zu stehen ist eigentlich auch nicht besser, aber soweit denkt ihr gar nicht. Du siehst dich um, deine Augen huschen blitzschnell durch den gesamten Raum, doch da ist nichts!
Etwa einen Meter, bevor sie in euch gestoßen wäre, kommt eine blonde Franzosin durch die Tür, die in den Gemeinderaum führt.
„Madame Maxime! Wir 'aben ein Problem. Clara geht es schlescht. Das Essen 'ier ist schrecklisch!" Madame Maxime bleibt stehen. Di wird schon ganz schwindelig, als du plötzlich bemerkst, dass du die Luft angehalten hast. Langsam und leise lässt du sie entweichen und atmest wieder ein. Madame Maxime dreht sich zu dem Mädchen um und seufzt.
„Isch weiß. Isch werde mit Professor Dumbledore spreschen." Dann läuft sie dem Mädchen hinterher.
Einen Moment bleibt ihr noch stehen, dann erwacht ihr aus eurer Starre und reißt die Tür auf so leise es geht. Draußen hechtet ihr unter dem Tarnumhang Richtung Hogwarts, was wirklich schwierig ist. Erst, als ihr hinter der Ecke verschwunden seit und ihr außer Sehweite der Kutsche seit, bleibt ihr stehen. Harry reißt den Tarnumhang runter und versteckt ihn in seinem Umhang. Du stemmst dir die Hände in die Seiten und holst keuchend Luft. Deine Seiten stechen und du bist heil froh, endlich wieder frei herumlaufen zu können.
„Das war knapp", ist alles, was du dazu sagst. Harry nickt und atmet tief durch.
„Wir sollten wieder in den Turm gehen. Sonst macht Hermine noch Stress." Also lauft ihr zusammen nach oben. Dabei versucht ihr, so unauffällig wie nur möglich zu wirken. Und genau dieses übertrieben unschuldige Verhalten ruft Mrs. Norris herbei. Du kannst ihre gelben Augen hinter einer Statue entdecken. Du lehnst dich leicht zu Harry und murmelst, ohne dabei die Lippen zu bewegen „Wir werden beobachtet."
Harry sieht sich um und entdeckt die Katze ebenfalls. Automatisch beschleunigt ihr eure Schritte, sodass ihr relativ schnell vor dem Portrait den fetten Dame steht. Nach einem „Schokofrosch" könnt ihr auch schon hinein.

„Ihr habt bitte WAS gemacht?", faucht euch Hermine an und wedelt aufgeregt mit den Armen. Du sinkst in dich zusammen, während sie Harry und dich mit blitzenden Augen taxiert. Du fühlst dich wie damals als kleines Kind, als du die uralte Keksdose, die schon seit Generationen in deiner Familie war, kaputt gemacht hast. Damals hatte deine Mutter genauso einen vor Wut knallroten Kopf.
„Ihr könnt doch nicht... das ist doch... wenn Dumbledore davon erfährt... ihr seit einfach UNMÖGLICH!"
Eigentlich wolltet ihr nicht, dass sie es jemals erfährt, aber kaum, dass ihr in den Gemeinderaum zurück gekommen seit, hat sie euch abgefangen und verhört. Und ein Verhör von Hermine zu überstehen ist schwerer als aus Askaban auszubrechen. Sofort musst du an Sirius denken; was er wohl dazu sagt, dass Harry ein Champion ist?
„Ich sollte es sofort Professor McGonagall berichten und..."
„Nein! Hermine, das kannst du doch nicht machen!" Geschockt siehst du sie mit weit aufgerissenen Augen an. Verpfeifen! An McGonagall!
„Ich mache es nur nicht, weil ich heute gut gelaunt bin und weil Harry jetzt keine Strafarbeit gebrauchen kann. So kurz vor dem Turnier."
Gut gelaunt? Du schluckst und nickst stumm. Lieber nichts falsches sagen. Hermine atmet noch einmal tief durch und setzt sich dann. Langsam entspannst du dich wieder und auch Harry neben dir wird wieder etwas lockerer. Nach einem Moment des Schweigens fragt Hermine schließlich „Und wie war es?"
Du zuckst zuerst nur mit den Schultern, doch dann schleicht sich ein Grinsen auf dein gesicht und du beginnst begeistert zu schwärmen. „Einfach toll, ganz anders als Hogwarts. Alles war total edel und in Blau und Gold. Und das eine Zimmer, man, das hättest du sehen sollen!"
„Und Madame Maxime ist fast in uns rein gelaufen", ergänzt Harry, während du Atem holst.
„Und da waren tausende Rosen in dem einen Zimmer!"
Erst, als das Feuer im Kamin erlischt, seit ihr fertig mit eurer Erzählung.