Anfang Oktober sitzt du in der Bücherei, als Harry plötzlich neben dir auftaucht.
„Wusste gar nicht, dass du den Weg hierher kennst", murmelst du und schreibst den letzten Absatz deines Zaubertränkeaufsatzes. Harry bedankt sich mit einem finsteren Blick.
„Ich hab nichts zu tun."
„Hausaufgaben?"
Harry verdreht die Augen und sinkt in seinem Sitz zusammen. „Du klingst wie Hermine."
„Wieso gehst du nicht Hagrid besuchen?"
„Da war ich schon, er ist nicht zu Hause."
„Üben für das Turnier?"
„Was den bitte? Ich hab keine Ahnung, was die Erste Aufgabe ist."
Du nickst; ja, das ist ein Argument. Dann fällt dir etwas ein.
„Wieso gehen wir nicht zum See? Ich hab da letztens ein besonders abgelegenes Plätzchen gefunden. Richtig schön mit Bäumen und flachem Wasser und so."
Harry grinst und zieht dich auf die Beine. Du packst schnell deine Sachen zusammen und stopfst sie in deine Tasche. Dann gehst du mit deinem besten Freund durch die Korridore, bis ihr schließlich beim Eingangstor ankommt. Dort begegnet ihr Neville mit seiner Schultasche über der Schulter.
„Hey Neville!", begrüßt du ihn. Ihr seit befreundet, aber nicht so dick wie du es mit Harry bist.
„Hey", grüßt er zurück.
„Wir gehen zum See. Willst du mit?", lädt ihn Harry ein. Neville nickt und zusammen lauft ihr übers Gelände. Über dem Verbotenen Wald fliegt eine Schar Krähen oder Raben, auf die Entfernung kannst du es nicht genau bestimmen. Als ihr am See angekommen seit, führst du sie nach links. Dort steht ein Baum direkt am Ufer, sodass man sich anlehnen und gleichzeitig seine Füße ins Wasser tauchen kann. Du steuerst direkt darauf zu und ziehst dir die Schuhe aus. Neville macht es dir gleich und krempelt seine Hosenbeine hoch. Harry setzt sich neben dich, Neville dagegen watet etwas ins Wasser hinein und dreht sich zu euch beiden um.
„Bist du schon nervös Harry?"
„Ein bisschen, aber das wird schon", meint er wage und zupft etwas am Moos, das am Baum wächst, herum. Du lehnst dich zurück und linst vorsichtig durch einen schmalen Spalt deines Augenlids. Das kalte Wasser ist entspannend. Neville und Harry fangen schleppend an, über den Unterricht zu reden, deshalb schaltest du ab. Du willst dich ausruhen und nicht über Schule labbern. Doch auch das Thema ist bald durchgekaut. Neville sieht immer wieder konzentriert ins Wasser und zieht sogar etwas raus, das aussieht wie eine übergroße Alge. Er wirft immer wieder ein „Das ist ja verrückt!" ein, ansonsten hört ihr nur das Rauschen des Windes. Harry hat sich inzwischen das Buch geschnappt, das Neville anscheinend in seiner Tasche dabei hatte.
„Neville, du tust es schon wieder."
„Oh, Entschuldigung."
„Magische Wasserpflanzen der schottischen Hochlandsee?", fragt Harry verwirrt, als er den Buchtitel ließt.
„Das hab ich von Moody. Ich war doch bei ihm Tee trinken."
Du setzt gerade dazu an ihn zu fragen, wie er den so ist, als er winkt. Verwirrt kriegst du keinen Ton heraus, als du bemerkst, dass auch Harry jemanden oder etwas gesehen haben muss. Er steht auf und so tust es ihm gleich.
Hermine, Ginny und Ron stehen da, Hermine kommt gerade auf euch zu. Ron ignoriert euch noch immer, also lächelst du Ginny an. Wenn du normal mit Ron zusammen bist ist er ganz normal, aber kaum ist Harry in der Nähe, behandelt er auch ich wie Luft.
„Ronald schickt mich weil ich dir sagen soll, dass ihm von Seamus gesagt wurde, dass Dean vor Parvati weiß, dass Hagrid dich sehen will." Hermine sagt das alles in einem Atemzug und streicht sich dann eine Strähne aus der Stirn.
„Wenn... was?"
Völlig verwirrt dreht sich Hermine nochmal um und geht zu Ron zurück. Die beiden flüstern kurz miteinander, während du dich inzwischen mit Ginny in der Mitte, quasi im Niemandsland, getroffen hast.
„Was ist den los?"; wisperst du ihr leise zu.
„Hagrid sucht Harry, ich weiß aber nicht warum. Und Ron will es ihm nicht persönlich sagen."
„Er benutzt Hermine als Bote? Für die drei Meter?"
Ginny nickt und du schüttelst den Kopf. „Männer."
Hermine und Ron sind mit ihrer Lagerbesprechung fertig und Hermine kommt als offizielle Botin zurück.
„Parvati hat Dean gesagt, dass... muss ich nochmal alles erzählen. Hagrid sucht dich." Dann geht sie wieder zurück zu Ron.
„Du kannst Ronald sagen, dass.."
„Ich bin keine Eule!" Hermine dreht sich nochmal zu Harry um, diesmal mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen. Dir ist klar, dass sie es langsam echt satt hat, genauso wie du. Schon etwa drei Wochen geht das so. Ginny lächelt dich leicht an und folgt den beiden, während du wieder neben Harry trittst. Der starrt gedankenverloren in den Wald hinein. Als er nichts sagt, fragst du ihn „Und? Was machst du jetzt?"
„Ich geh Hagrid suchen. Kommst du mit?"
Du ziehst eine Augenbraue hoch. „Er sucht dich."
„Du wirst sowieso mitkommen, und das wissen wir beide."
„Stimmt." Auf deinem Gesicht breitet sich ein breites Grinsen aus. Schnell läufst du zurück, ziehst dir deine Schuhe an und gehst dann mit Harry zusammen Richtung Hogwarts, um so zu Hagrids Hütte zu kommen. Du drehst dich zu Neville um und winkst kurz. „Bis später."
Neville winkt zurück und starrt wieder seine Alge an.

Du stehst zusammen mit Harry neben Hagrids Hütte. Ihr seit sofort her gekommen. Drinnen rumpelt und einen Momnt später steht der Halbriese vor euch.
„Hagrid!", rufst du und grinst ihn an. Unter seinem Bart fängt auch er an zu lächeln.
„Ah, hallo. Harry, ich hab dich schon gesucht. Ich muss dir was zeigen."
„Ja, hat Hermine schon gemeint. Was ist den?"
„Ist ein Geheimnis. Hol den Umhang deines Vaters und dann zeig ich es euch."
Harry nickt, dreht sih um und läuft Richtung Schloss. Du kommst nochmal mit rein in die Hütte. Vor dem Kamin liegt Fang, ein schwarzer Saurüde. Du gehst zu ihm, gehst in die Hocke und kraulst ihn hinter den Ohren. Leise gibt er ein Brummen von sich. Als du dich umdrehst sieht du Hagrid, wie er vor dem Spiegel steht und seine Haare kämmt und zwar mit der größten Haarbürste, die du je gesehen hast. Außerdem schiert er sich etwas Glitschiges in die Haare. Verwirrt runzelst du die Stirn, sagst aber nichts dazu. Stattdessen setzt du dich an den Tisch und ignorierst gekonnt die riesigen Kekse, von denen du weißt, dass sie wie Steine schmecken. Als Erstklässlerin hast du dir daran einen Zahn ausgebissen.
Nachdem Hagrid anscheinend mit seiner Frisur zufrieden ist, geht er nochmal nach hinten in den Garten und holt eine orangene Blume, die er in seine Jacke steckt. Jetzt musst du einfach fragen.
„Ähm, Hagrid? Sollte ich da etwas wissen?"
Er grummelt etwas unverständliches in seinen Bart und trottet auf seinen Lieblingssessel zu.
„Hagrid?", fragst du mit einem amüsierten Unterton, als er sich unsicher umsieht.
„Das wirst du schon sehen", murmelt er. Doch bevor du ihn ausquetschen kannst, klopft es an der Tür. Hagrid und du geht nach draußen, wo Harry steht, der etwas aus der Puste ist. Zusammen betretet ihr den Verbotenen Wald. Wie immer verschlucken die Baumkronen das meiste Tageslicht und ein leichter Nebel hängt in der Luft. Man muss aufpassen, sonst stolpert man ganz schnell über eine Wurzel. Du musst daran denken, wie ihr Aragog in der zweiten Klasse gefunden habt. Noch immer bist du auf Hagrid sauer wenn du an damals denken musst. Folgt den Spinnen, ja klar.
Außerdem hattet ihr oder eher Harry letztes Jahr auch dort zu tun. Sirius ist dorthin geflohen, nachdem ihn Lupin in der Gestalt eines Werwolfes verletzt hatte.
So in Gedanken versunken erschrickst du richtig, als Hagrid stehen bleibt und euch bedeutet, unter dem Tarnumhang zu schlüpfen. Du trittst dicht neben Harry und lässt dir von ihm den Unhang überziehen. Gerade noch rechtzeitig, denn schon taucht eine weitere Person auf; Madame Maxime. Dir bleibt der Mund offen stehen, als du sie siehst. Und da wird dir auch klar, warum Hagrid sich so rausgeputzt hat; er hat ein Date! Auch Harry ist erschrocken.
„Bonsoir Olympe."
„Bonsoir 'Agrid. Isch daschte, vielleicht kommen sie garnischt. Isch dachte, vielleicht, 'aben Sie misch vergessen."
„Ich könnt Sie doch nicht vergessen, Olympe."
Harry macht leise Kotzgeräusche und zwar mit einem Gesichtsausdruck, als würde er Berties Bohnen mit Ohrenschmalzgeschmack essen. Du stößt ihn scherzhaft in die Seite, obwohl du selbst versuchen musst, ein Kichern zu unterdrücken.
„Was wollten Sie mir zeigen? Bei unserem Gespräch vorhin, da klangen Sie so... so hingerissen."
„Hat sich gelohnt zu kommen, glauben Sie mir."
Du bist etwas verwirrt. Du dachtest, Hagrid wollte euch etwas zeigen. Vielleicht ein neues, gefährliches Tier, dass er irgendwo erworben hat. Aber was macht dann Madame Maxime hier? Harry und du schleicht den beiden hinterher, immer mit genügend Sicherheitsabstand. Plötzlich tauchen Sträucher auf. Hagrid zieht einen zur Seite und gibt den Blick auf etwas frei, das du noch nie gesehen hast. Vier riesige Käfige stehen da, versteckt mitten im Wald. Lauter Personen, auf den ersten Blick nur muskelbepackte Männer, rennen herum, helfen sich gegenseitig und schreien sich dabei ständig Befehle zu. Die ganze Zeit kommen Flammensäulen raus geschossen. Du bist überwältigt. Mit so etwas hättest du nie gerechnet. Madame Maxime verschwindet aus deinem Blickfeld.
Du hältst es nicht länger aus und reißt dir den Tarnumhang runter. Auch Harry nimmt ihn weg und tritt näher.
„Drachen! Das ist die Erste Aufgabe. Ist nicht wahr."
„Ach komm Harry. Das sind zutiefst missverstandene Geschöpfe."
Du hörst nicht auf ihn und starrst dir die Käfige stattdessen mit vor Angst weit aufgerissenen Augen an. Was Hagrid nicht schon alles als „Ungefährlich" eingestuft hat! Die meisten von diesen Tieren wollten euch töten. Einer der Käfige ruckelt besonders stark, sodass die Holzplatten an den Seiten mitsamt den Arbeitern abfallen. Das gibt den Blick frei auf ein gewaltiges Geschöpf, das bestimmt sechs Meter lang ist, wenn nicht sogar noch größer. Der gesamte Rücken ist mit Stacheln bedeckt und du bist dir relativ sicher, dass die Schwanzspitze genauso gefährlich ist. Er dreht den Kopf in eure Richtung und macht sein Maul auf. Dann speit er Feuer, eine mächtige Flammenwand, die direkt auf euch zu kommt. Zwar kommen die Flammen nicht bis zu euch heran, dafür überrollt euch eine Hitzewelle, die dir die Härchen von den Armen sengt. Die zuckst erschrocken zurück und lässt den Ast los, den du runter gedrückt hast. Hagrid und Harry richten sich wieder auf, auch sie sind zurück gezuckt.
„Ich muss allerdings zugeben, dass dieser Hornschwanz ein ganz übler Rabauke ist."
Sie sieht panisch von Hagrid zum Drachen, der sich wieder schüttelt und nochmal Feuer herum speit.
„Der arme Ron wurde schon bei Anblick fast ohnmächtig."
„Ron war hier?"
„Na klar, sein Bruder Charlie hat geholfen sie aus Rumänien her zu bringen. Hat dir Ron dasnicht erzählt?"
Harry will gerade antworten, als du ihn unterbrichst.
„Charlie?" Du glotzt Hagid an wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der nickt verwirrt angesichts deiner Reaktion. Du fiebst auf und machst einen kleinen Hüpfer, als dir einfällt, dass fünfzehn Meter weiter vier aggressive Drachen stehen und ihr eigentlich gar nicht hier seien dürftet. Sofort bist du wieder leise. Deine Augen aber huschen zwischen den Bäumen hindurch und suchen deinen Rotschopf. Du hörst Harry flüstern, der Hagrid deine Reaktion erklärt. Der brummt verständlich.
„Eigentlich müsste er irgendwo hier sein."
„Ich geh ihn suchen. Bis später, Harry!" Flüchtig umarmst du ihn, schenkst Hagrid ein Lächeln und machst dich leise und geduckt auf die Suche nach deinem Freund. Hagrid meint noch, du sollst vorsichtig sein, doch du hörst gar nicht mehr so genau hin. Ab und zu musst du dich hinter einem Baum verstecken, um von keinem Arbeiter entdeckt zu werden. Du schleichst einmal um das ganze Territorium herum,doch nirgendwo siehst du ihn. Es ist zwar dunkel, aber eigentlich hättest du ihn sehen sollen. Traurig lässt du den Kopf hängen und willst dich auf den Rückweg machen. Doch als du dich umdrehst steht jemand vor dir.