„Hey." Schüchtern begrüßt du Charlie. Es ist relativ früh morgens und du kommst gerade runter in die Eingangshalle gelaufen, wo du mit Charlie verabredet bist. Charlie zieht dich in einen Kuss.
„Hey."
Du nimmst seine Hand und er führt dich nach draußen Richtung See. Dort hat er schon eine karierte Decke ausgelegt. Ihr legt euch zusammen drauf, kuschelt euch an einander und genießt einfach nur den Augenblick.
„Wie geht es dir?", durchbricht er die Stille. Du zuckst mit den Schultern.
„Mir geht es prinzipiell gut. Aber..." du stockst kurz, „ich mach mir Sorgen. Um Harry und und so. Das ist wirklich eine verdammte Situation, in der er da ist. Und gerade jetzt haben er und Ron diesen Megastreit. Und beide sind zu stur, um sich zuerst zu entschuldigen. Wobei ich wirklich finde, dass Ron sich am kindischsten benimmt. Man muss sich Harry nur mal ansehen um zu merken, dass er da wirklich nicht mitmachen will." Du atmest befreit auf und bist wieder leise.
„Hat gut getan, sich mal auszureden, oder?"
„Ja. Ich kann ja sonst mit keinem reden. Hermine ist ja auch in der Zwickmühle und so."
Charlie nickt und denkt ernsthaft darüber nach. „Also ich finde, du solltest mal mit Ron reden. Was genau ihn daran stört und ob er wirklich denkt, dass Harry da freiwillig mit macht."
„Hey, das ist dein Bruder! Wieso machst du das nicht?"
„Mein Bruder, aber dein bester Freund. Außerdem: wer hört schon auf seine Geschwister?"
Du verdrehst die Augen angesichts seiner Logik. „Also wenn ich Geschwister hätte, würde ich auf sie hören."
„Das sagst du nur, weil du eben keine hast."
Du siehst ihn finster an. Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Und dann lacht ihr beide los.

„Schade eigentlich, dass es schon so kalt ist. Ich würde gerne schwimmen gehen", murmelst du, mehr zu dir selbst als an Charlie gerichtet. Der gibt dir einen Kuss auf die Wange und hält dir ein Stück Aprikose vor den Mund, das du dir sofort schnappst.
„Ich kann ja mal die Drachen fragen, ob sie es etwas aufheizen würden."
„Sicher. Und Aragog passt auf unsere Klamotten auf, während wir drin sind", meinst du mit vor Sarkasmus triefender Stimme.
„Aragog?",, fragt Charlie verwirrt.
„Hagrids riesige, sprechende und leider Gottes auch fortpflanzungsfähige Megaspinne aus Teenagerzeiten. Nicht der Rede wert", erklärst du locker und stehst auf. „Wie wär's, wenn du mir deinen Arbeitsplatz zeigst?"
Charlie nickt, steht ebenfalls auf und räumt mit einem Zauberstabschlenker die Decke zusammen. Er nimmt deine Hand und lotst dich zuerst am Rand des Verbotenen Waldes vorbei und dann hinein. Drinnen siehst du dich immer mal wieder um, ob euch auch ja nichts verfolgt. Nicht zwingend ein Mensch, in diesem Wald gibt es genügend andere Wesen.
„Da sind wir auch schon", erklärt er und zeigt vor sich zwischen ein paar Bäume, was eigentlich unnötig gewesen wäre. Wie auch schon gestern ist es hier ziemlich warm vom Feuer, dass die Drachen spucken, und die Käfige sind auch nicht zu übersehen.
Darf ich eigentlich hier sein?"
„Natürlich nicht", erwidert er und zieht dich näher. „Der da, der blau-silberne, ist ein Schwedischer Kurzschnäuzler. Seine ausgeatmeten blauen Flammen können alles zerstören, sogar Haut und Knochen."
Du nickst, um zu zeigen, dass du verstanden hast, und siehst ihn dir genau an. Du stellst dir vor, wie Harry gegen ihn kämpft und wie er in einen blauen Flammenschwall gerät. Sofort ziehen sich deine Mundwinkel nach unten und du zeigst auf den nächsten. „Und der da?"
„Das ist ein Walisischer Grünling. Sehr friedfertig, außer, wenn man ihn reizt. Und der daneben ist ein Ungarischer Hornschwanz. Die gefährlichste Drachenart der Welt. Die machen sogar Jagd auf Menschen. Ich hoffe wirklich, dass Harry den nicht erwischt."
„Du sprichst mir aus der Seele."
„Der Letzte ist ein Chinesischer Feuerball. Ebenfalls sehr gefährlich. Ebenfalls ein Säugetierfresser. Aber er sieht wirklich prächtig aus, nicht?"
Du nickst. Ja, stimmt. Mit seinem scharlachrot glänzenden, glatten Schuppenpanzer und dem löwenähnlichen, von einem Kranz goldener Stacheln umgebenen Gesicht sieht der Drache wirklich prächtig aus. Obwohl – oder gerade weil – er sehr gefährlich und gleichzeitig wunderschön ist, findest du ihn bisher am eindrucksvollsten.
„Ich kann dich aber nicht näher dran lassen. Das wäre zu gefährlich."
„Ach bitte. Ich pass' doch auch auf." Du machst dein bestes Schmollgesicht, doch Charlie schüttelt unnachgiebig den Kopf und zieht dich weiter zu seinem Zelt. „Vergiss es."
Du verdrehst die Augen und lässt dich mitziehen. Im Zelt lässt Charlie deine Hand los und holt dir stattdessen einen zweiten Klappstuhl zusätzlich zu dem, der mitten im Zelt steht.
„Wir schlafen jeweils zu vier in einem Zelt. Da hinten ist mein Bett." Er nickt in eine Ecke des Raumes und drückt dich an den Schultern auf den Stuhl. Dann verschwindet er wieder, sodass du die Möglichkeit hast, dich umzusehen.
Prinzipiell ist es nichts besonderes. Ein völlig normales Zaubererzelt. Du stehst auf und gehst zu Charlies Bett. Man kann es eigentlich nicht von den anderen unerscheiden. Keine Klamotten, keine Schuhe, nicht mal Fotos.
„Wir essen in dem großen Zelt. Hier haben wir nur Kleinigkeiten zu Trinken."
Charlie kommt mit zwei gelben Tassen zurück. Du gehst wieder zu ihm, setzt dich und nimmst eine an dich. Sie ist bis zum Rand gefüllt mit heißer Schokolade. Nachdem du fast die Hälfte ausgetrunken hast, fragst du ihn wegen seinem Bett.
„Wie bleiben ja nicht lang. Da hab ich nichts mitgenommen. Außer", bei den Worten zog er ein Bild aus seiner hinteren Hosentasche und zeigt es dir, „das hier."
Auf dem Foto bist du zu sehen, wie du auf seinem Schoß sitzt. Es ist in den Sommerferien aufgenommen worden, kurz nachdem ihr zusammen gekommen seit. Du musst lächeln als du es siehst. Auch er lächeln und schiebt es wieder ein.

„Du schreibst zuerst, verstanden?", neckst du Charlie. Er nickt und küsst dich – schon wieder. Ihr steht jetzt schon seit zehn Minuten am Waldrand und verabschiedet euch. Doch alles, was ihr in dieser Zeit gemacht habt, war, euch zu küssen. Nicht, dass es dich stört.
„Und du schreibst sofort zurück."
„Mal sehen." Du grinst ihn an und küsst ihn kurz. Dann lehnst du dich an ihn und er drückt dir einen Kuss auf den Scheitel.
„Wir machen eine Abmachung: Keine Tränen und keine wehleidigen Abschiedsszenen. Einverstanden?" Du siehst ihn in die Augen. Grün gegen Braun. Wiese gegen Schokolade. Er nickt und drückt dir noch einen Kuss auf die Lippen.
„Einverstanden."
Du nickst und drückst dich kurz an ihn. Dann machst du dich mit einem Seufzer los.
„Tschau."
„Tschau."
Es klingt, als ob ihr euch bald wieder seht, aber das ist eine Lüge. Doch damit kannst du leben. Du drehst dich um und gehst zum Eingangstor. Nicht ein mal drehst du dich um. Du würdest nur sentimental werden, heulend zu ihm rennen und im Liebes- oder besser gesagt Abschiedskummer zerfließen. Und das willst du wirklich nicht.

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„Du hast bitte was getan?" Völlig schockiert starrst du Harry an. Der scheint vor dir zu schrumpfen. „Harry! Wie kann man nur so... ich meine wieso hast du... weißt du den nicht, dass... warum?"
„Ich wollte, dass wir alle gleich Chancen haben."
„Die drei sind drei Jahre älter als du! Du hast nicht die gleichen Chancen wie sie! Mensch, Harry."
Genervt stöhnst du auf und lässt dich auf sein Bett fallen.
„Aber Fleur..."
„Mir doch egal, was mit Fleur ist! Wie kannst du Cedric nur sagen, was die erste Aufgabe ist?"
Du begreifst es nicht. Nur wegen seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat er sich den Vorteil verbaut, den er hatte. Jetzt weiß auch noch Cedric, dass Drachen die erste Aufgabe bilden.
„Ich bin mir sicher, dass er das gleiche getan hätte."
„Ich sag dir, was ich getan hätte: Mir ins Fäustchen gelacht und alles daran gesetzt, etwas über Drachen herauszufinden. Und du suchst deinen Turnierfeind auf und erzählst ihm lang und breit, was dran kommt! Hast du schon diese Anti-Potter-Anstecker gesehen? Glaubst du, einen von den interessiert, was du getan hast?" Du versuchst es anders. Deine Stimme schlägt um ins sanfte, wie wenn man einem Kleinkind erklären muss, dass man Sandkuchen nicht essen kann. „Harry. Du bist jünger als sie. Und unerfahrener. Du solltest jeden Grashalm nutzten, der sich dir bietet. Hast du den schon darüber nachgedacht, wie du an die Aufgabe herangehen willst?"
„Moody hat mich zu sich zitiert, nachdem er Malfoy verwandelt hat. Hat mich über meine Fähigkeiten ausgefragt. Ich dachte mir, ich könnte es vielleicht mit Fliegen versuchen."
„Fliegen?" Du bist total verwirrt.
„Wir haben doch letztens den Aufrufzauber gelernt. Ich könnte meinen Feuerblitz rufen und es dann so probieren."
Du nickst. Krum wird wohl das selbe probieren, aber was solls. Hauptsache, Harry schafft es. Dann stutzt du.
„Moment. Was meinst du damit, er hat Malfoy verwandelt?"
„Malfoy hat rumgepöpelt. Und da hat Moody ihn … in ein Frettchen verwandelt. Und ihn in Goyles Hose gesteckt."
„Oh mein Gott! Jetzt nicht ernsthaft, oder? Das ist ja absolut göttlich." Du lachst laut los und Harry stimmt mit ein. Vergessen ist euer Streit. Vergessen sind alle Strategien.