Harry und du sitzt am Tisch. Samstag. Normalerweise ein Tag der Entspannung, der Freude und der Langenweile. Normalerweise stehst du so spät wie nur möglich auf und denkst erst gegen Abend an die Schule und die Hausaufgaben. Normalerweise ist das ganze Schloss leer und alle sind entweder draußen oder in ihren Gemeinderäumen.
Aber dies ist kein normaler Samstag. Zusammen mit Harry sitzt du am Tisch. Keiner von euch beiden isst etwas. Alle um euch herum schnattern. Doch ihr seit still.
Heute ist der Tag der Ersten Aufgabe.
Irgendwann brichst du die Stille.
„Harry, du solltest etwas essen."
Harry schüttelt den Kopf und starrt in die Ferne.
„Harry... wie willst du gegen einen", du blickst dich nach Lauschern um und senkst die Stimme „gegen einen Drachen kämpfen, wenn du nicht mal ein gescheites Mittagessen hattest?"
Harry sieht dir in die Augen und greift zögerlich nach einer Hähnchenkeule. Als er anfängt zu essen, scheint der Hunger hoch zu kommen, denn er nimmt sich noch etwas und noch etwas. Auch du fängst das Essen an.
Als ihr fertig seit, fragst du ihn wieder so leise, dass es niemand hört: „Und was jetzt?"
„Dumbledore meinte, dass ich in ein Zelt muss, zusammen mit den anderen drei."
„OK, ich komme so weit mit wie nur möglich."
Dann steht ihr auf und geht durch den Mittelgang zur Tür hinaus. Unterwegs werden die Gespräche leiser und die Schüler starren Harry an. Ein paar lachen und fuchteln mit den Anti-Potter-Ansteckern herum und vor allem die Slytherins gröllen übertrieben herum. Doch du beachtest sie gar nicht.
Auf dem Weg Richtung Arena kickst du Steine herum.
„Weißt du noch, bei deinem ersten Quidditchspiel? Du warst unglaublich nervös. Und am Ende hast du den Schnatz verschluckt. Oder zumindest fast."
Auf Harrys Gesicht schleicht sich ein breites Lächeln. „Oh ja. Das war echt unglaublich. Und Hermine hat Snapes Umhang in Brand gesetzt."
Du prustest los, als du daran denkst. „Ja, stimmt. Ausgerechnet Hermine, die ewig Korrekte. Und in der nächsten Zaubertränkestunde hat sie sich gar nicht getraut, ihm in die Augen zu sehen."
Lachend kommt ihr an der Weggabelung an, an der du dich von ihm trennen musst. Einige Schüler sind bereits da. Vorne siehst du ein paar Bulgaren, die sich in ihrer kleinen Runde unterhalten. Du drehst dich zu Harry um und nimmst ihn in den Arm. Er erwidert die Umarmung und seufzt.
„Du packst das schon"; murmelst du und lächelst ihn an, als die Zwillinge neben dir auftauchen.
„Harry!"
„Schön, dich nochmal zu sehen."
„Hoffen, du packst es."
„Wenn nicht, kriegen wir doch sicher deine Sachen, oder?"
Du verdrehst die Augen und schubst Harry Richtung Zelt.
„Na los. Das wird schon, hör nur nicht auf die beiden." Als er außer Hörweite ist, drehst du dich zu den beiden um. „Findet ihr das ernsthaft lustig?"
„Irgendwie schon, oder Fred?"
„Irgendwie schon."
Du verdrehst die Augen und siehst sie dir genauer an. „Was genau macht ihr eigentlich da?", fragst du misstrauisch.
„Wir wetten."
„Oder besser gesagt, wir nehmen Wetten an."
„Ihr... schließt Wetten auf die vier ab? Wer gewinnt?"
„Jub. Und es läuft wirklich gut."
„Wie stehen den die Wetten so?"
„Dürfen wir nicht verraten."
„Geschäftsgeheimnis."
„Ach kommt schon, Jungs", schmollst du, „mir könnt ihr es doch verraten. Ich sag auch nichts."
Die beiden sehen sich an und überlegen extra lange, ob sie das wagen können. Ungeduldig schnaufst du, als sie dir auch schon antworten. „Die meisten sind für Diggory."
„Zusammenhalt der Schulen eben."
„Und wie steht es mit Harry?", willst du noch wissen.
„Nicht so gut."
„Die sind alle echt sauer auf ihn."
Du schüttelst den Kopf und kramst eine Galleone aus deiner Jackentasche. „Drei zu eins auf Harry."
Fred nimmt die Galleone entgegen und schaut sie übertrieben prüfend an. Als er sich sicher ist, dass sie echt ist, legt er sie zufrieden in seine Kasse. „Weasley und Weasley danken, Geschäfte gemacht zu haben und freuen sich auf das nächste Mal."
Sie lächeln dich schief an und nerven die nächsten mit ihren „Wetten! Wetten!"-Rufen.
Du stehst auf der Tribüne relativ weit oben. Das allgegenwärtige Geschnatter nervt dich etwas, lenkt dich aber von deiner Nervosität ab. Die Arena ist so aufgebaut, dass man alles sehen kann. Das Gelände besteht aus großen Felsbrocken und auf dem gewaltigsten, genau in der Mitte, ist ein großes Nest aufgebaut, in dem bereits ein goldenes Ei liegt. Gerade holen sie den ersten herein, einen silber-blauen. Dank Charlies Privatunterricht weißt du, dass es der Schwedische Kurzschnäuzler ist. Hermine kommt zu dir, etwas weiter hinten siehst du einen Rotschopf, wahrscheinlich Ron. Sie sieht ziemlich verärgert aus.
„Ich war gerade bei Harry."
Überrascht siehst du sie an. „Und?"
„Er ist ziemlich nervös. Naja, ist ja auch verständlich. Dass er sowas machen muss ist wirklich unfassbar. Und diese Reporterin war da, in so einem affigen, grünen Kostüm." Du willst nachfragen, was den passiert ist, als ein Kanonenschlag ertönt. Das Gerede geht in Jubel über und genau in diesem Moment kommt auch Ron zu euch. Obwohl er und Harry noch immer nicht miteinander reden, . Es dauert vielleicht fünfzehn Sekunden, als auch schon Cedric Diggory aus einem Loch in Fels kommt. Die Menge fängt an seinen Namen zu rufen, zu schreien und mit den Füßen zu stampfen. Auch du klatscht höflich, wenn auch nicht wirklich enthusiastisch.
Cedric versucht, den Drachen abzulenken. Dazu verwandelt er einen der Felsbrocken in einen Hund. Bei dem Trick fängst du das Lachen an, doch zuerst scheint es zu klappen. Immerhin legt er unbeschadet den Halben Weg bis zum Ei zurück. Doch da scheint der Drache den Trick zu durchschauen, denn er dreht seinen Kopf und fixiert Cedric. Einen Moment später schießt eine Flamme auf ihn zu. Cedric duckt sich, doch anscheinend ist er getroffen worden, denn er bleibt kurz am Boden liegen und hält sich sein Gesicht. Dann steht er wanken auf und rettet sich hinter einen Felsen, als auch schon die zweite Flamme kommt. Zum Glück ist er bereits so weit gekommen, den nach einen kurzen Sprint ist er hinter den nächsten Felsen verborgen und nur noch drei Meter von seinem Ziel entfernt. Doch bevor er weiter kann, muss er noch ein paar Flammen aus dem Weg gehen. Seine Haare sind auch leicht verbrannt, zumindest auf der einen Seite, die er sich noch immer hält. Als sich seine Finger endlich um das Goldene Ei schließen, kommen auch schon die Drachenarbeiter und Madam Pomfrey, die ihn mit sich zum Ausgang schleift.
Während die Arbeiter das Goldene Ei ersetzten, den Drachen rausbringen und stattdessen einen Neuen reinbringen, beraten sich die Jurymitglieder. Bis zum nächsten Champion haben sich sich anscheinend geeinigt, den sofort kann Fleur weitermachen.
Fleur schlägt sich ebenfalls sehr gut. Der Walisische Grünling scheint nicht allzu aggressiv zu sein, aber als sie ihm immer näher kommt, wird er unruhig. Er dreht seinen Kopf zu ihr hin und scheint sie zu scannen, wie wenn er herausfinden will, was sie so nahe an seinem Nest zu suchen hat. Fleur versteckt sich hinter einem Fels und kommt wieder hervor, um noch näher zu kommen. Doch genau das scheint den Drachen zu stören, denn er bäumt sich auf und versucht, sie mit einer Flamme zu erwischen, was auch klappt. Er schafft es, ihre Kleidung zu erwischen, Sie scheint etwas in Panik zu geraten, kriegt es aber schnell mit einem Wasserzauber unter Kontrolle. Dann schnappt sie sich das Ei und rennt auf den Ausgang zu, während die Drachenarbeiter schon da sind.
Krum versucht es, im Gegensatz zu Harrys Annahme, nicht auf seinem Besen. Sattdessen zielt er mit seinem Zauberstab auf die Augen des Drachen. Ein lilaner Blitz trifft ihn perfekt ins linke Auge. Der Drache brüllt auf und trampelt herum. Die Luft anhaltend beobachtest du das Goldene Ei, dass er fast zerstört. Auch Krum scheint zu merken, was passiert, denn er sprintet los. Der Drache scheint gut getroffen zu sein, denn Krum schafft es ungehindert bis zu seinem Nest. Dort allerdings muss er zuerst dem Schwanz des Drachen ausweichen, mit dem er wild um sich schlägt. Dann muss er sich unter einer im Schmerz ausgestoßenen Flamme wegducken. Letztendliches schafft Krum es, auch wenn es etwas länger gedauert hat.
„Drei unserer vier Champion sind bereits ihrem Drachen gegenüber getreten. Sie werden somit zur nächsten Aufgabe voranschreiten. Und nun, unser vierter und letzter Teilnehmer!"
Alle fangen an zu applaudieren. Gespannt schaust du zu dem Loch. Harry tritt heraus und schaut sich um. Er scheint den Drachen nicht zu sehen, der sich schräg hinter ihm in den Felsen festkrallt. Inzwischen sind alle leise und achten darauf, was er tun wird. Also macht er ein paar Schritte auf das Goldene Ei zu. In dem Moment schlägt der mit Zacken gespickte Schwanz des Drachen nur Zentimeter neben ihm ein. Die Menge keucht erschrocken auf und duckt sich reflexartig. Ängstlich kneifst du die Augen zusammen und sagst dir immer wieder in Gedanken, dass es ihm gut geht. Noch einmal schlägt der Drache zu und Harry fliegt zur Seite. Auch er scheint geschockt zu sein. Gerade noch so kann er einer Flammensäule entgehen. Anscheinend versucht er, auf einen der größeren Felsen zu klettern um so schnell wie möglich das Ei zu erwischen. Doch er rutscht ab und kratzt über den Stein. Als du siehst, wie der Drache sich wieder umdreht, schreist du Harry zu „Pass auf!". Gerade noch rechtzeitig merkt Harry, dass der Schwanz wieder auf ihn runterkommt, sodass er sich noch zur Seite wegducken kann. Trotzdem, nachdem er runter gerutscht ist, wird er von dem Schwanz nach vorne geschleudert. Und er bleibt liegen.
Als er auf dem Boden liegen bleibt, kommen dir die schlimmsten Gedanken. Vielleicht hat er sich am Kopf verletzt - oder Schlimmeres. Hysterisch atmest du ein und aus. Am liebsten würdest du die Lehrer und vor allem Dumbledore anschreien, wie sie so was nur zulassen können, als Harry wieder aufsteht. Anscheinend war er nur kurz benommen.
Ein erneuter Feuerangriff schießt auf ihn zu, doch er verfehlt ihn um ein paar Meter.
„Dein Zauberstab, Harry! Los, benutz' ihn!" Hermine brüllt ihn an, versucht, über den Lärm etwas zu sagen. Du wedelst neben ihr mit den Armen, damit er auf euch aufmerksam wird. Und anscheinend klappt es auch, den schon nimmt Harry seinen Zauberstab und ruft seinen Besen auf.
Der Drache fliegt währenddessen, durch seine Kette um den Hals gehindert, herum. Er versucht, Harry besser ins Auge zu fassen. Fasziniert beobachtest du die Kraft in seinen Flügeln, die hauchzart zu seien scheinen. Du kannst Charlie durchaus verstehen, warum er gerne mit diesen Wesen arbeitet.
Doch bevor du dir weiter solche in dieser Situation völlig absurden Gedanken machen kannst, flambiert der Drache einen kleinen Felsen, hinter dem Harry sitzt und sich versteckt. Aus dem Augenwinkel siehst du seinen Feuerblitz kommen und bist erst einmal erleichtert, denn Fliegen ist Harrys größte Stärke. Mit einem waghalsigen Sprung kommt er aus seinem Versteck und schwingt sich auf seinen Besen, was sofort eine Begeisterungswelle auslöst.
„Jaa! Ja, Harry! Du schaffst das!", schreist du ihm zu, auch wenn du weißt, dass er dich nicht hören kann. „Wuhu!"
Schon fast hat er das Goldene Ei in seiner Hand, doch eine erneute Flamme zwingt ihn, noch einen Schlenker zu fliegen. Der Drache versucht natürlich, hinterher zu kommen und ihn zu erwischen – anscheinend provoziert es ihn, wie Harry ihm ausweicht und dabei auch noch fliegt. Als würde Harry ihn auf seinem eigenen Gebiet, in seinem Element schlagen können. Und diese provozierte Wut setzt in dem Drachen eine gefährliche Kraft frei.
