Der Drache reißt sich von seiner Kette los. Dir stockt der Atem und mit riesigen Augen beobachtest du das Spektakel. Tatsächlich, die Kette, die den Drachen in Schach halten sollte, ist kaputt, zerstört durch die Kraft des Drachen. Und anstatt einigermaßen sicher angekettet zu sein, folgt er Harry nun völlig frei. Der versucht, ihn los zu werden, und fliegt weg, weg von der Arena und den Menschen. Der Schwanz des Drachen zerstört die Lehrertribüne. Die Lehrer können sich mit lauten Geschrei gerade noch zur Seite hin retten. Die Überdachung und das Holzgelände fliegen herum, die Trümmer verteilen sich überall rings herum. Und dann verschwinden die beiden Richtung Hogwarts.
Du bist völlig geschockt. Sowas darf doch nicht passieren! Doch anstatt besorgt zu sein, jubeln die anderen noch immer. Hinter dir brüllt Fred „Ja! Weiter so, Drache!" Für ihn ist das alles anscheinend lustig, doch dir kommen sofort Bedanken. Von Charlie weißt du, wie gefährlich so ein Ungarischer Hornschwanz werden kann, besonders, wenn er frei und wütend ist.
„Was... was passiert den jetzt?", fragst du Hermine. Ein bisschen konfus suchst du den Himmel ab und krallst dich an der Tribüne fest.
„Und wenn was passiert ist?"
„Was ist das?"
„Vielleicht hat er sich verletzt!"
„Vielleicht ist er in die Tiefe gestürzt?"
Das Gemurmel wird immer lauter und die Theorien immer extravaganter. Ein ungutes Gefühl macht sich in deiner Magengegend breit, mit jeder Minute, in der nichts passiert. Du bildest dir ein, das Brüllen des Drachens in der Ferne gehört zu haben, doch du bist dir nicht sicher. Dein Blick huscht jetzt immer öfters zu Dumbledore, der genauso unruhig aussieht, wie du wahrscheinlich auch. Und das macht dich nur noch nervöser, denn wenn bereits Dumbledore nervös ist, scheint es wirklich schlimm zu sein.
„Vielleicht sollte jemand nachsehen", schlägst du an Hermine gewandt vor. Hermine nickt, bewegt sich aber nicht. Und du auch nicht, denn so schön der Vorschlag ist, du willst nicht weg. Noch immer suchst du den Himmel ab, woanders kannst du auch nicht hin schauen, und stellst dich dabei auf die Zehnspitzen. Wenn er kommt – falls er kommt, schießt es dir durch den Kopf – sollte man ihn doch sehen können!
„Ich dachte wirklich nicht, dass das so schlimm wird", meint Ron schuldbewusst und lässt den Kopf hängen.
Du lässt von deiner Suche ab, legst ihm deine Hand auf den Oberarm und willst zu einer Aufmunterung ansetzten, als Harry angeflogen kommt. Er sieht aus wie eine Rakete, hinter ihm eine Spur aus schwarzem Rauch. Alles ist vergessen, die Menge klatscht und jubelt, während Harry das Goldene Ei im Flug in die Hände nimmt. Sein Besen brennt hinten ein bisschen und auch er scheint angeschlagen zu sein, von der Entfernung kannst du jedoch nur eine Narbe auf seiner Backe klar erkennen. Er hält das Ei in die Höhe, während er verschwindet. Madam Pomfrey winkt ihn bereits herbei und starrt besorgt auf seine Verletzung an der Backe.

„Liebe Schülerinnen und Schüler! Wir haben uns auf ein Punkteergebnis geeinigt. Da alle vier Teilnehmer das Goldene Ei erfolgreich geholt haben, werden sie alle zur Zweiten Aufgabe zugelassen!"
Lauter Applaus ertönt. Du klatscht laut mit, beruhigt, da es Harry gut zu gehen scheint. Die ganze Zeit pragt ein breites Grinsen auf deinem Gesicht.
„Durch seine wunderbare, tapfere Leistung, besteigt den ersten Platz Harry Potter..." du jaulst laut auf, als Dumbledore das verkündet. Hermine neben dir hüpft auf und ab und hinter dir singen George und Fred „Ha-rry. Ha-rry. Ha-rry!" Erst, als es wieder einigermaßen ruhig ist, kann Dumbledore weiter reden. „...der trotz dieser Grenzsituation die Nerven bewahrt hat und kontinuierlich weiter gemacht hat. Auf den zweiten Platz folgt Viktor Krum, auf den dritten Cedric Diggory und Fleur Delacour auf dem viertel."

Nach der Platzvergabe sind alle gelöst und fröhlich. Zusammen mit Hermine, Ron und den anderen Schülern drängst du dich zum Ausgang. Du versuchst, über die Köpfe der Schüler Harry zu entdecken, doch er ist anscheinend noch im Zelt. Als versuchst du, dort hin zu gelangen, was wirklich schwer ist; immer wieder kommst du vom Kurs ab durch das Gedrängel der anderen. Wie ein reisender Strom schleppen sie dich mit Richtung Hogwarts. Am Ende gibst du es auf und lässt dich treiben. Inzwischen kannst du auch Hermine und Ron nicht mehr sehen.
Vor den Toren Hogwarts' bleibst du schließlich stehen und siehst dich nochmal um. Als du Neville siehst, gehst du zu ihm und zusammen schiebt ihr euch hoch zum Gryffindorturm.
„Das war wirklich der Wahnsinn!", meint er begeistert.
„Ja, einfach unglaublich. Und wie es dann total locker wieder aufgetaucht ist."
„Harry hat das gut hingekriegt. Ich hab auf ihn gewettet, weißt du?"
„Stimmt, ich auch. Wir müssen Fred und George schnell finden."
Wie auf ein Stichwort schieben sich die beiden in dein Sehfeld. Du rufst sie und winkst, bis sie endlich bei euch sind. Sie haben immer noch die Wettkisten dabei, auf die du sofort zeigst.
„ich glaube, ihr habt da etwas, was uns gehört."
„Stimmt, eure Wetten. Drei zu eins für Caro und zwei zu ein für Neville." Die beiden suchen das Geld zusammen und geben es euch direkt auf die Hand. Mit einem gewinnenden Lächeln lässt du es klimpern. Dann sind die beiden wieder weg, anderen ihren Gewinn auszahlen. Jemand tippt dir von hinten auf die Schulter. Du drehst dich um und siehst eine lächelnde Hermine vor dir.
„Da bist du ja!", meinst du. „Weißt du, wo Harry jetzt eigentlich ist?"
Sie schüttelt den Kopf. „Ron hab ich auch nicht gesehen. Wir haben uns in der Masse verloren."
„Ich hab ihn vorhin kurz draußen gesehen", mischt sich Neville ein.
„Warum hast du das nicht gesagt?", fragst du ihn.
„Das war, bevor ich dich gefunden habe. Und er war sofort weg. E-eigentlich hab ich nur seine roten Haare gesehen", erklärt er hastig. Du hast ihn ziemlich angefaucht und das tut dir jetzt sofort wieder Leid. Also lächelst du ihn versöhnlich an und nickst.
„Schon OK. Tut mir Leid, dass ich dich angezickt habe. Ich weiß auch nicht, ich bin noch total angespannt."

„WOHO!"
Fred und George stürmen an dir vorbei in Richtung Tür und jaulen herum. Harry kommt breit grinsend zur Tür rein. Sofort fangen alle an zu klatschen und zu jubeln. Fred und George nehmen ihn auf ihre Schultern und tragen ihn so in die Mitte des Raumes. Auch du applaudierst ihm und streckst den Daumen hoch, als er zu euch rüber sieht. Er grinst dich an und zwinkert euch allen zu. In den Händen hält er noch immer das Goldene Ei.

„Wir wussten, dass du nicht dein Leben verlieren."
„Ein Bein vielleicht."
„Aber den Mut aufgeben?"
„Niemals!"
Du lachst lauthals und überschwänglich. Du hast das Gefühl, pures Glück durchströmt dich, stärker als jeder Rausch. Dein Gesicht tut schon fast weh vom Grinsen und Lachen, doch du kannst nicht aufhören. Du hast einen ständigen Druck auf den Ohren. Es hört sich laut und gleichzeitig seltsam entfernt an. Die Farben um dich herum scheinen zu leuchten und viel intensiver zu sein.
So muss es sich anfühlen, wenn man bekifft ist.

Seamus drängelt sich nach vorne und holt sich das Ei.
„Leute, seit mal leise!"
Kurz drückt er seine Lippen drauf.
„Dann lass mal hören, Harry. Was ist da Rätsel?"
„Ihr wollt, dass ichs aufmache?"
„Ja!"
„Soll ich es wirklich öffnen?"
„JA!"
Harry dreht den Verschluss oben am Goldenen Ei, doch anstatt eines Rätsels kommt ein lautes Kreischen heraus. Ohrenbetäubend und schrecklich. Dir läuft es kalt den Rücken runter, obwohl du dir die Hände auf die Ohren presst. George und Fred haben Harry fallen lassen, um sich selbst die Ohren zu zu halten. Als es endlich wieder ruhig ist, nehmen alle wieder die Hände runter.
„Ach du liebe Güte, was war denn das?"
Ron steht da, ein rotes „H" auf der Backe und mit schuldbewusstem Gesichtsausdruck. Gespannt siehst du zwischen ihm und Harry hin und her.
„So Feierabend Leute, ihr könnt jetzt spielen gehen. Na los, verschwindet. Das wird peinlich genug, auch ohne euch neugierige Säcke als Zuhörer."
George und Fred scheuchen die Gryffidor auseinander, die absolut unauffällig weg gehen, doch immer noch in Hörweite sind.
Ron kommt auf Harry zu und flüstert ihm etwas zu. Du versuchst, etwas zu verstehen, doch ständig sind da irgendwelche Nebengeräusche. Du kannst nur so viel heraushören, dass Ron sich entschuldigt und meint, dass auch ein paar andere dachten, dass Harry seinen Zettel in den Kelch geworfen hätte.
„Wer um Gottes Willen würde das raus finden? Das ist absolut bescheuert!"
„Ja, stimmt. Ich war da wohl ein bisschen von der Rolle."

„Jungs", seufzt Hermine, die näher an den beiden dran sitzt.
„Na endlich", murmelst du, als Harry und Ron zusammen auf euch zu kommen. Allem Anschein nach haben sie sich endlich ausgesöhnt. Erleichtert und entspannt lehnst du dich an einen Sessel.
„Und, wieder vertragen?", hackst du nochmal nach.
„Jub."
„Wurde auch Zeit, nicht wahr, Hermine?"
Hermine nickt leicht, fixiert dabei aber konzentriert das Goldene Ei in Harrys Händen.
„Wenn ich bloß wüsste, was das ist."
„Was auch immer es ist, ich möchte ihm auf keinen Fall begegnen."
„Aber was soll das sein? Das ist doch ein Rätsel. Müsste da nicht irgendeine... Frage oder so kommen?"
„Ist doch völlig egal! Harry hat das Ding gewonnen, jetzt ist Party angesagt", mischt sich Fred ein, wobei er sich halb um deine Schultern legt. Du schubst ihn spaßeshalber weg und nimmst das Ei.
„Ich bring es hoch. Ich sag es zwar nicht gerne, aber Fred hat Recht. Die zweite Aufgabe ist erst im Februar oder so, bis dahin ist noch genug Zeit, nachzudenken."
Du schlängelst dich durch die Schülermasse bis zu den Treppen. Oben versteckst du das Goldene Ei unter deinem Bett. Da Jungs nicht in den Mädchenschlafsaal können, müssen Harry und Ron zwangsläufig die Füße still halten, allerdings sind ja auch nicht sie das Problem. Hermine ist mit in deinen Zimmer, und wie du sie kennst, wird sie keine Ruhe geben, bis sie das Rätsel gelöst hat.
Du schüttelst den Kopf, starrst dich selber im Spiegel an und richtest dir deine Frisur. Dann gehst du wieder nach unten, wo bereits ein paar Schüler tanzen.