McGonagall steht vor euch auf den Treppen im Innenhof und erklärt die Regeln nochmal. Genauso wie letztes Jahr. Du wartest bereits ungeduldig und hüpfst von einem Fuß auf den anderen.
Heute ist wieder Hogsmeade-Wochenende und gleichzeitig das Wochenende vor Halloween. Und da das das erste Mal für die Drittklässler ist, geht McGonagall nochmal alles wichtige durch, einschließlich der Liste der Dorfgänger. Ein paar Wenige, die nicht mit dürfen, stehen betrübt da und beobachten die ganze Prozedur. Dir tun sie aufrichtig Leid, deshalb versuchst du, nicht all zu oft zu ihnen rüber zu sehen.
„Ich wünsche gutes Benehmen. Immerhin repräsentiert ihr nicht nur euch, sondern auch diese Schule. Und auch den Gastschülern wünsche ich einen guten Tag."
Die Französinnen und Bulgaren stehen in ihren eigenen Gruppen etwas abseits. Die meisten scheinen wirklich gespannt auf das Dorf zu sein. Als ihr endlich gehen dürft, schlenderst du zusammen mit Harry, Hermine und Ron den Weg entlang. Du hast einen relativ dünnen, rot-goldenen Gryffindorschal um den Hals geschlungen, in den du dich versteckst, wenn der Oktoberwind zu stark bläst.
„Ich freu mich schon so auf Freitag. Das wird so toll, ich könnte schreien vor Spannung." Die Worte purzeln nur so aus deinem Mund, dass du dich fast selbst nicht verstehst. „Ich meine, eine kleine interne Party!"
„Wissen wir, Caro, wissen wir", versucht Harry, dich zu beruhigen.
„Also, ich würde vorschlagen, wir gehen erst ein paar Schulsachen einkaufen und dann in die Drei Besen", meint Hermine.
„Was?" Entsetzt schüttelt Ron seinen Kopf. „Und was ist mit dem Honigtopf? Das ist ja wohl das wichtigste!"
„Du gehst jedes Mal in den Honigtopf, Ron", tadelt Hermine ihn „so viele Süßigkeiten sind nicht gut für deine Zähne. Leuten wie dir müssen meine Eltern immer wieder die Löcher in den Zähnen stopfen."
Ron greift sich automatisch an den Mund. Hermines Eltern sind Zahnärzte, deshalb ist sie bei dem Thema immer etwas empfindlich.
„Na komm, Hermine, lass sie ihren Spaß haben. Also zuerst in den Honigtopf und dann einkaufen."
Die Klingel läutet, als ihr die Tür zum Honigtopf aufmacht. Drinnen sind bereits etwa ein Dutzend andere Schüler da und es werden sicherlich noch mehr werden. Ron und Harry verschwinden sofort im Getümmel. Hermine steht am Eingang und sieht sich um, scheint aber nichts zu finden. Und du schlägst dich zu den hinteren Regalen durch, wo dich eine große Palette an magischen Gummibärchen erwartet. Kleine Drachen, die nach Erdbeeren riechende Wolken auspusten, quietschbunte Teddys, die herum hüpfen und im Mund ein kleines geschmackliches Feuerwerk auslösen, und Meerestiere wie Krabben, Enten und Fische, die im Wasser immer größer werden. Du reißt eine Plastiktüte ab, die zum greifen bereit an der Wand festgenagelt ist, und füllst sie mit allem auf, was dir entgegen springt, teilweise sogar wortwörtlich. Auf einem Tisch werden die Gummibärchen ausgestellt, die extra für das bevorstehende Halloweenfest gemacht wurden. Vampirgummibärchen verschiedener Größe verwandeln sich in Fledermäuse aus Lakritze und versuchen, davon zu fliegen, bevor sie sich wieder zurückverwandeln. Zombies, entstellt und zäh, laufen langsam auf den Rand des Tisches zu, werden ihn jedoch bei diesem Tempo nie erreichen. Mumien, die über ihre eigenen Bandagen aus Schaumzucker stolpern. Du bist begeistert und füllst eine weitere Tüte auf.
Vor der Tür zeigt ihr euch gegenseitig eure Ausbeute. Du hast zusätzlich zu den zwei Gummibärchentüten noch Lollis mit Blutgeschmack, eine Halloweensonderausgabe von Berties Bohnen Allerlei und eine Riesenfledermaus aus Lakritze gekauft. Harry und Ron haben es bei ihren üblichen Einkäufen belassen und sich mit Kesselkuchen, Zischende Frisbees, Druhbels Besten Blaskaugummis und Kürbispasteten eingedeckt. Hermine hat schlussendlich doch noch etwas gefunden, und zwar Gummischnecken und einen Zuckerfederhalter in blau-grün.
Nach einem kurzen Besuch im örtlichen Buchladen hockt ihr an einem Tisch in den Drei Besen, jeden von euch mit einem Butterbier vor sich. Du hast die Hände um den Krug geschlungen um dich daran zu wärmen. Neben dir liegen deine Süßigkeitentüten und eine Tasche mit Büchern über die Hexenverbrennung im Mittelalter und über Halloween in Broßbritannien. Ron und Harry haben die Shoppingtour ohne Schäden überstanden und scheinen auch wieder gut gelaunt zu sein. Du nimmst noch einen Schluck und kratzt mit den Nägeln über die Tischplatte. Gelangweilt siehst du aus dem Fenster und seufzt mal wieder.
„Was ist den los, Caro?" Hermine scheint dein ewiges Geseufze nicht mehr auszuhalten.
„Ich bin unglaublich müde. Können wir nicht langsam zum Schloss zurück?"
„Aber Caro!", will Ron einwenden, doch Hermine nickt und steht auf.
„Gerne, ich wollte sowieso nochmal in die Bücherei. Ich muss noch etwas für die Kräuterkundehausaufgaben nachschlagen."
Du stehst ebenfalls auf und legst ein paar Münzen neben deinen Butterbierkrug. Dann ziehst du dir deine Jacke an und nimmst deine Taschen in die Hand. Harry und Ron machen sich auch fertig, selbst wenn sie gerne noch länger geblieben wären, das siehst du ihren Gesichtern an.
„Ihr könnt gerne hier bleiben", meinst du, doch Harry winkt ab.
„Wir sind auch so fertig."
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Am Halloweenabend stehst du nochmal vorm Spiegel. Du trägst ein schlichtes, schwarzes Kleid und Ballerinas. Zusammen mit deinen Freunden gehst du nach unten in die Große Halle.
Dort ist bereits alles geschmückt, mit schwebenden Kürbissen, Kerzen und tausend echten Fledermäusen, die über die Schülermenge hinwegflogen. Peeves fliegt kichernd durch die Tische und erschreckt so manchen Erstklässler. Der bis zum Bersten beladene Tisch füllt sich immer wieder neu auf, sodass immer alles da ist. Du nimmst dir noch eine Portion Pellkartoffeln und schaust feixend zu den französischen Gastschülern, die wie immer kaum was essen. Ron scheint dagegen für sie mitzuessen.
Nach dem Festessen ist es bereits dunkel draußen. Du verschwindest mit den anderen Gryffindor nach oben in den Gemeinderaum. Doch anstatt sofort schlafen zu gehen, haben die Zwillinge etwas vorbereitet. Der gesamte Gryffindorgemeinderaum sieht aus, als wäre eine Halloweenbombe explodiert. Anstatt des typischen Rot und Gold, ist alles in Orange, Schwarz und Giftgrün gehalten. Wie schon unten gibt es Kürbisse, Fledermäuse, Kerzen, aber auch Spinnweben und Schüsseln mit Süßem und gekühlten Butterbier.
Du schnappst dir sofort eine Flasche und trinkst erst einmal etwas. Da Butterbier alkoholfrei ist, geht das in Ordnung. Dann fängt die Musik an, aus dem magisch verstärkten Radio zu dröhnen. Du weißt nicht, welche Gruppe oder welcher Titel, nur, dass es eine Hexenband ist. Aber prinzipiell ist es dir egal. Hauptsache, man kann dazu tanzen und hüpfen und Spaß haben.
Typisch Gryffindor kommt etwa das halbe Haus mutig auf die improvisierte Tanzfläche, die eigentlich nur ein von Möbeln leerer Bereich in der Mitte des Gemeinderaumes ist. Harry und Ron drücken sich am Rand in der Nähe der Snacks rum, Hermine und du hingegen schlängelt euch durch eine Gruppe von Siebtklässlern, sodass ihr unauffällig zwischen haufenweise anderen Gryffindors tanzen kö tanzen soviel heißt wie hüpfen und die Hände in die Luft strecken.
Die Zwillinge führen am Rand ein paar neue Scherzartikel vor, Feuerwerk für drinnen und Fledermaus to go. Immer wieder zischen Feuerwerksraketen über euren Köpfen hinweg. Hermine will schon einschreiten, doch du packst sie am Arm und schüttelst den Kopf.
„Das lohnt sich doch nicht!", brüllst du ihr über den Lärm hinweg zu. Zuerst schaut sie dich verwirrt an, dann scheint sie zu wissen, was du gesagt hast und schnauft. Doch sie lässt sie wirklich in Ruhe.
Du hüpfst vom Tisch. Nach einem wunderbar peinlichen Auftritt beim Karaoke schlägst du dich zu deinen Freunden durch.
„Hey, das war echt gut, Caro!"
„Danke", meinst du grinsend und spürst, wie du rot wirst. Du fühlst dich großartig, als könntest du auf Wolken schweben. So muss es sich anfühlen, betrunken zu sein.
„Hermine, du musst auch was singen!"
„Was? Nein! Vergiss es! Ich kann nicht singen. Ich will nicht singen."
„Ach komm, du Spaßbremse. Ich kann auch nicht singen. Ganz ehrlich, das ist denen völlig egal. Keiner wird etwas sagen, weder jetzt noch morgen noch sonst wann."
Hermine schüttelt den Kopf, als gerade wieder Applaus aufbrandet. Seamus steht auf einem dem Karaoketische und gröllt völlig schief in ein magisches Mikrofon. Karaoke ist zwar extrem peinlich, aber auch echt lustig. Kaum jemand kann schön singen, aber das ist völlig egal.
Dann schwingt das Portraitloch auf. Eine stinkwütende McGonagall schlägt sich durch die Menge und nimmt Seamus das Mikro ab. Doch anstatt, dass es leise wird, jubeln alle los.
„Na los, singen!"
„Gonni! Gonni! Gonni!"
McGonagall blinzelt völlig geschockt und verwirrt. Dann stellt sie das Radio mit ihrem Zauberstab aus.
„Sie gehen jetzt alle ins Bett. Nur, weil morgen Samstag ist, heißt das nicht, dass sie hier Party bis in die frühen Morgenstunden machen können!"
Enttäuscht grummeln alle, doch gegen eine müde und wütende McGonagall will sich keiner wehren. Auch du gehst enttäuscht nach oben, doch du musst auch zugeben, dass du langsam müde wirst. Da helfen weder Glücksgefühle noch Adrenalin.
Du schmeißt dich in voller Garnitur auf's Bett und schläfst völlig erschöpft ein.
