Es ist der Montag nach Halloween. Du hast dein Zaubertränkebuch an eine Schüssel voll Haferbrei gelehnt und versuchst, neben dem lesen auch noch zu essen. Snape hat euch gedroht, alles zum Schrumpftrank wissen zu wollen, und du bist dir sicher, dass du zu wenig gelernt hast.
„Unfassbar! Sie kann es einfach nicht lassen!"
Du zuckst zusammen als Hermine sich über etwas im Tagespropheten aufregt.
„Miss Granger, ebenso unscheinbar wie ehrgeizig, findet offenbar Gefallen an berühmten Zauberern. Ihr neuester Fang ist laut unserer Quelle niemand anderes als das bulgarische Bonbon Viktor Krum. Noch unklar ist, wie Harry Potter diesen erneuten seelischen Schlag verkraftet."
„Bei Merlins schlabbrigen Plüschunterhosen, was hat die Frau für ein Problem?", regst du dich auf. „Dass manche sowas auch noch glauben ist einfach die Höhe. Will nicht wissen, wie viele Leben die schon zerstört hat."
Harry sagt einfach nichts dazu.

In dem Moment kommen noch vier weitere Posteulen, die ein großes, schlampig eingewickeltes Paket tragen. Du siehst gerade noch rechtzeitig, dass sie auf euch zu kommen, und nimmst deinen Kürbissaft vom Tisch. Die Eulen lassen das Paket vor Ron auf den Tisch fallen und bedienen sich wie selbstverständlich am Essen.

„Uh, Mum schickt mir etwas", erklärt Ron und reißt das Paket auf. Innen drin ist eine Schachtel, von der er den Decken runter macht. Heraus kommt etwas, das aussieht wie ein Theaterkostüm aus dem letzten Jahrhundert. Ron steht auf und hält es so, dass man es genau sehen kann. Du verschluckst dich an deinem Kürbissaft und hustest und lachst gleichzeitig los.
„Mum schenkt mir ein Kleid...!"
„Es passt doch zu deinen Augen. Gibt es auch ein Häubchen?"
Harry sieht nochmal nach und tatsächlich kommt ein Rüschenkragen raus. Du beißt dir auf die Handknöchel um dein Lachen zu ersticken, denn langsam wird dir klar, wofür das wohl gedacht ist. Anscheinend haben die Jungs keine Ahnung, was das Trimagische Turnier für eine Tradition mit sich bringt.
„Ginny, der muss für dich sein", versucht Ron das Teil los zu werden.
„Glaubst du den zieh ich an? Der ist grässlich!"
Dir kommen bereits Tränen vor Lachen und du legst deinen Kopf auf die Tischplatte, um nicht umzukippen. Auch Hermine fängt schon das Lachen an, Harry hat den Anstand nur still zu grinsen.
„Der ist nicht für Ginny, der ist für dich, Ron. Dein Festumhang." Du hörst noch viel mehr Leute lachen, anscheinend habt ihr die Aufmerksamkeit des gesamten Gryffindortisches auf euch gezogen.
„Was? Wofür?"
„Ach Ron, wenn du mal etwas mehr zuhören würdest, wenn ich euch was erzähle. Es gibt da so eine Tradition beim Turnier."
Bei seinem verdatterten Gesicht kannst du dich nicht mehr zurückhalten und fängst schallend das Lachen an.
„Weih... weihna... Weihnachtsball...", jabbst du.
„Was für ein Weihnachtsball."
Du lachst immer noch und hältst dir deinen Bauch.
„Aua, Bauchschmerzen. Es gibt... immer... einen."
Hermine neben dir nickt und kichert nochmal.
„Hast du das nicht am Schwarzen Brett gelesen? Heute gibt es Tanzstunden."
Bei dieser Ankündigung ist auch Harry das Lachen vergangen. Dass er tanzen muss hat er wohl bei dem ganzen Rummel vergessen.

Die letzte Stunde des Tages ist Zaubertränke. Während Snape Neville über den Schrumpftrank kritzelst du auf einem Stück Pergament herum. Dann nimmst du deinen Zauberstab und tippst die Zeichnung an, sodass sie sich bewegt.
Vorsichtig reichst du es Harry unter dem Tisch. Der sieht es und funkelt dich böse an. Du hast eine Zeichnung von ihm gemacht wie er mit Mrs. Norris tanzt. Du kicherst vor dich hin und bekommst nur am Rande mit, dass Snape Neville zehn Punkte abzieht; anscheinend hat er ziemlich versagt.

Nervös wippst du mit deinen Füßen. McGonagall steht in der Mitte des Raumes und erklärt euch, was der Weihnachstball überhaupt ist.
Gerade erzählt sie vom wahren Wesen der Mädchen und Jungs, die sie mit Schwänen und Löwen vergleicht. Du musterst die Jungs auf der anderen Seite des Raumes und das riesige Megafon, an dem Filch rumspielt. Auf einmal soll Ron aufstehen und zu McGonagall kommen.
„So. Bitte legen sie die rechte Hand auf meine Hüfte."
„Wohin?"
„Meine Hüfte."
Du starrst die beiden sprachlos an, während Ron rot anläuft wie eine überreife Tomate. Aus der Reihe der Jungs pfeift jemand.
„Und nun strecken sie ihren Arm. Mr. Filch, bitte."
Filch lässt die Schallplatte laufen und McGonagall und Ron wiegen sich im Takt. Du verkneifst dir ein Lachen, was beim Anblick von Fred und George nicht so einfach ist.
„Kommt bitte alle zusammen. Ihr Jungen, auf die Beine!"
Ihr Mädchen steht sofort alle auf, wofür du echt dankbar bist. Die Jungs dagegen rutschen nur noch tiefer auf ihren Stühlen und beobachten die wirklich faszinierende Decke etwas genauer. Der einzige, der nach ein paar Sekunden als Erster aufsteht, ist Neville.

Als Neville aufsteht, wenden sich sofort alle Mädchen ihm zu und blicken ihm hoffnungsvoll entgegen. Neville läuft rot an und schaut Mcgonagall schüchtern an, die nickt ihm aufmunternd zu und lässt Ron los, der einfach stehen bleibt und mindestens genauso rot ist wie Neville.
„Na los, Jungs. Nicht so schüchtern. Sie sind schließlich alle in Gryffindor gelandet, weil sie so mutig sind."
Neville starrt auf seine Füße und geht dann auf euch zu. Alle Blicke Gryffindors sind auf ihn gerichtet, als er auf Ginny zugeht. Die lächelt ihn freundlich und aufmunternd an, nimmt seine Hand, die er ihr entgegen gestreckt hat, und geht mit ihm in die Mitte des Raumes. Dann gehen sie in Tanzhaltung und fangen an, sich zur Musik zu bewegen. Es sieht etwas tollpatschig aus, aber es ist ja schließlich ihr erster Tanz.
Als die beiden das tanzen anfangen, trauen sich auch die restlichen Jungs, langsam aufzustehen. Die meisten sehen nicht sehr begeistert aus, machen aber mit. Dean Thomas kommt auf dich zu und hält dir seine Hand hin, die du strahlend nimmst. Er ist fast einen halben Kopf größer als du, worüber du mehr als froh bist. Du legst deine rechte Hand in seine linke und deine linke auf seine Schulter. Seine andere Hand legt Dean irgendwo zwischen dein Schulterblatt und deine Taille. Zusammen versucht ihr, im Takt der Musik die Schritte nach zu machen, die McGonagall gezeigt hat. Zuerst nur sehr einfach, später wird es immer komplizierter. Andauernd müsst ihr die Hände umtauschen, euch nach rechts und nach links drehen und gleichzeitig darauf achten, niemandem auf die Füße zu treten oder anzurempeln.
Nach etwas einer Stunden entlässt sich euch mit einem müden Lächeln.

„Puh, na endlich", seufzt Ron und drängt euch, schneller zu verschwinden.
„Na komm, war doch eigentlich ganz cool."
„Cool? Das ist die Folter des Jahrhunderts! Dagegen sind Filchs Drohungen von wegen an den Füßen baumeln lassen gar nichts."
„Was ist den los, Ron?"
„Hat dir McGonagall die Sprache verschlagen?"
Fred und George laufen lachend an euch vorbei. Rons Ohren werden schon wieder rot und er blickt ihnen grimmig hinterher.
„Mach dir nichts draus, Ron. Du weißt doch, wie sie sind."