Während die Ferien langsam dahingleiten, machst du dir immer mehr Gedanken um deine Beziehung. Es macht dir ehrlich gesagt ziemlich zu schaffen, dass Charlie so weit weg ist und ihr euch kaum seht. Am Silvesterabend bist du so weit, einfach nicht aufstehen zu wollen, so niedergeschlagen fühlst du dich.
„Na komm schon Caro, du kannst doch nicht einfach nur daliegen und … dein Kissen vollsabbern!" Hermine berührt dich sacht an deiner Schulter, doch du schüttelst nur den Kopf.
„Ich will nicht aufstehen, Hermine. Es ist kalt draußen und sonst nichts."
„Aber du musst doch etwas essen!"
„Nein", meinst du stur und schiebst deine Unterlippe vor, auch wenn du weißt, dass die da nicht gerade Unrecht hat. Du merkst jetzt schon, dass du etwas essen musst. Schließlich seufzt du. „Na schön, wenn es sein muss."
Du stehst auf und ziehst dir deine Jeans und einen unförmigen Pulli an; es sind inzwischen sowieso so wenige Schüler da, dass es nicht wichtig ist,perfekt auszusehen. Anscheinend waren die meisten wirklich nur wegen dem Ball länger hier. In der Großen Halle nimmst du dir nur einen Toast und bestreichst es halbherzig mit Butter. Unter Hermines wachsamen Blicken beißt du hinein und machst übertrieben laute Wohlfühlgeräusche, so als hättest du gerade den leckersten Toast aller Zeiten gegessen. Doch Hermine gibt sich damit zufrieden. Trotzdem, als du anschließend wieder in den Bett flüchtest kann selbst sie nichts mehr ausrichten.
„Lass mich in Ruhe, ich will hier liegen und in Selbstmitleid zerfließen bevor das Schuljahr weiter geht. Vielleicht entgehe ich so sogar Snape!"
„Das ist doch kindisch, Caro. Charlie hat dir keinen Grund gegeben sowas zu machen."
„Er meldet sich nicht, er ist Kilometer weit weg, er war nicht mit mir auf dem Weihnachtsball, ich vermisse ihn und ich fasse es nicht, dass du das nicht als Gründe ansieht!" Verzweifelt wirfst du die Arme in die Luft und ziehst dir dann die Decke über den Kopf.
„Caro... na komm, das bildest du dir doch nur ein."
„Mpfh", dringt es durch die Decke. Hermine seufzt und zuckt mit den Schultern.
„Ich komme später nochmal, ok? Ich muss jetzt erstmal runter. So wie es aussieht willst du... allein sein. Also... bis später." Langsam geht Hermine zur Tür, doch als du keine Anstalt machst sie aufzuhalten verschwindet sie mit einem Seufzer. Wahrscheinlich in die Bibliothek. Du bleibst weiter so liegen, doch da du auch nur ein Mensch bist und ab und an Sauerstoff brauchst richtest du dich wieder auf und schnappst nach Luft. Langsam läuft eine Träne dein Gesicht runter und landet auf deiner Hand, die sich in deine Bettdecke vergraben hat.
Natürlich weißt du, dass du überreagierst. Wahrscheinlich denkt Charlie gerade an dich während er sich um einen Drachen kümmert. Trotzdem, manchmal kommt es dir vor, als würdet ihr euch gar nicht kennen.
Du kennst ihn ja auch kaum, du dumme Pute. Ihr habt ein paar Wochen im Sommer und ein paar Tage im Herbst miteinander verbracht und das ist alles, schießt es dir durch den Kopf. Immer mehr Tränen landen auf der Decke und deiner Hand. Du lässt dich wieder nach hinten fallen und weinst still weiter, bis du schließlich weg dämmerst.
Als du wieder richtig wach bist, ist es bereits Nachmittag. Du dehnst dich und stehst auf. Im Bad guckt dir dein verheultes Gesicht entgegen, in das du sofort kaltes Wasser spritzt. Gleichzeitig hörst du, wie die Tür zum Schlafsaal aufgeht.
„Caro?", hörst du Hermines Stimme.
„Bad", rufst du zurück und stellst das Wasser ab. Zum Glück sind deine Augen wieder normal, sodass du Hermine ohne schlechtes Gewissen anlächeln kannst und sie nichts merkt.
„Also, ich wollte dich nur fragen ob du runter kommen willst."
„Ja ok, ich komme."
Überrascht nickt Hermine und zusammen lauft ihr runter. Ron und Harry sitzen in ihren Lieblingssesseln und spielen Zauberschnippschnapp. Plötzlich explodieren die Karten und lassen ein einziges großes Chaos zurück. Du sagst nichts und setzt dich zu ihnen. Gelangweilt siehst du ihnen zu, wie sie die Karten zusammentragen und wieder von vorne anfangen zu spielen. Keiner von beiden spricht dich auf deinen kleinen Durchhänger an und du bist ihnen dafür sehr dankbar. Gerade, als du fragen willst, ob du auch mal ne Runde spielen kannst, kommen die Zwillinge rein. Eigentlich hast du gerade nicht den Nerv um dir ihre Scherzideen anzuhören, aber anscheinend geht es diesmal um was anderes, den anstatt Hermine auszuschließen oder anzustacheln – je nachdem, was für eine Laune sie hat – grinsen die beiden einfach nur in die Runde.
„Also Leute, wir haben euch doch erzählt, dass wir da wasplanen ." Ihr Grinsen wird wenn möglich noch breiter. „Und heute Nacht wird es stattfinden. Das ultimative, faszinierende, unglaubliche, atemberaubende..." Fred lässt den Satz in der Luft hängen, während ihr ihn alle gespannt anseht.
„Feuerwerk!", lässt George schließlich die Bombe platzen und macht eine ausladende Bewegung wie ein Magier auf einem Kindergeburtstag.
„Feuerwerk?" Überrascht ziehst du die Augenbrauen hoch. Ein Weasleyfeuerwerk. Du weißt nicht, ob du dich freuen oder fürchten sollst.
„Ganz genau. Wir haben eine Mischung aus Muggel- und Zauberfeuerwerkskörpern gelagert."
„Mehr verraten wir aber noch nicht."
„Ihr kommt doch alle um Mitternacht."
„Runter zum See, oder?"
Du siehst zu deinen Freunden rüber. Hermine sieht skeptisch aus und Harry und Ron strahlen wie zwei Honigkuchenpferde und stimmen natürlich sofort zu. Du zuckst nur unbestimmt mit deinem Kopf.
Mit einer synchronen Verbeugung verschwinden die beiden wieder.
Es ist kurz vor Mitternacht als ihr vier unten am See ankommt. Ein paar andere sind auch da, offensichtlich haben sie allen ihren Freunden Bescheid gegeben. Du schlingst deinen Schal enger um deinen Hals und vergräbst dein Kinn darin. Es ist eiskalt und du zitterst leicht.
„Hallo Leute!" Dean und Seamus kommen auf euch zu. Die beiden grinsen und winken mit ihren in Handschuhen verpackten Händen. „Ist das nicht absolut toll? Ein richtiges Feuerwerk!"
Dann stellen sie sich neben euch. Du siehst auf deine Uhr. Nur noch eine Minute. Neugierig siehst du dich um, doch die Zwillinge und die Raketen sind nirgendwo zu sehen. Als es nurnoch einen halbe Minute ist, fangen ein paar Hufflepuffs an runter zu zählen und alle machen mit.
„10... 9... 8... 7... 6... 5... 4... 3... 2... 1... Happy new year!"
Genau auf die Sekunde, als hinter euch im Glockenturm die Glocken zu schallen anfangen, hört ihr ein Zischen, als die Raketen nach oben sausen. Und dann fängt das schönste Feuerwerk an, dass du je gesehen hast.
Die ganz normalen Muggelraketen, die nur völlig langweilige Kreise und Lilien formen, mischen sich mit den magischen, die ihre Farbe ändern, viel länger glühen und manchmal sogar ihre Form verändern. Du kannst einen riesigen rot-goldenen Löwen ausmachen, der laut brüllt und noch mehr Feuerfunken ausspuckt. Knapp über der gefrorenen Wasseroberfläche tollt ein gelber Dachs und ein bronzefarbener Adler fliegt über den Wipfeln des Verbotenen Waldes herum.
Obwohl du nur widerwillig hier bist, musst du bei diesem Anblick lächeln. Es ist wunderschön und du bist froh, hier zu sein. Du fällst in den Applaus der anderen Schüler ein, als die Zwillinge aus dem Wald auf euch zukommen. Sie verbeugen sich immer wieder und winken allen zu, als wären sie weltberühmte Persönlichkeiten.
„Wow man, das ist echt unglaublich!", ruft Ron ihnen entgegen und Hermine neben ihm nickt eifrig.
„Du klingst so überrascht, Bruderherz", meint Fred und legt seinen Arm um Rons Schulter.
„Du weißt doch, dass wir Genies sind", sagt George und zwinkert ihm zu.
„Ist dir kalt?", kommt es auf einmal leise von rechts. Du drehst deinen Kopf uns siehst, dass Dean dich vorsichtig mustert. Erst jetzt merkst du, wie stark du zitterst. Sogar deine Zähne sind schon zu hören, wie sie aufeinander schlagen. Du nickst. Dean nimmt seine Mütze ab und reicht sie dir. Mit einem schüchternen „Danke" nimmst du sie entgegen und stülpst sie dir über deine Ohrenschützer.
„Vielleicht solltest du wieder rein gehen, sonst erkältest du dich noch."
Du siehst zu deinen Freunden rüber, die lachen und immer wieder nach oben schauen, wo immer noch das Feuerwerk zu sehen ist. Du überlegst, doch schließlich nickst du.
„Leute, ich geh wieder rein, mir ist ziemlich kalt."
„Oh nö, bleib doch noch. Es ist doch so schön gerade", meint Ron enttäuscht. Du schüttelst den Kopf und winkst, während du schon losläufst. Als du dich umdrehst hörst du Dean hinter dir.
„Ich geh mit."
Du drehst deinen Kopf nochmal, als Dean auch schon neben dir ist. Er lächelt dich an und schweigend lauft ihr zusammen aufs Schloss zu.
Oben Im Gemeinderaum gibst du ihm seine Mütze zurück. „Danke schön."
„Kein Ursache."
Kurz bleibt ihr stumm stehen, dann macht Dean seine Jacke auf. „Zum Glück ist es hier drin viel wärmer, oder? Wie wärs mit einer heißen Schokolade?"
„Weißt du Dean, ich bin eigentlich ziemlich müde", weichst du ihm aus. Er nickt und zieht einen Mundwinkel nach oben.
„Dann morgen vielleicht. Gute Nacht Caro."
„Gute Nacht Dean." Du gehst hoch und ziehst dich schnell um. Als du endlich im Bett liegst starrst du an die Decke. Du kannst einfach nicht einschlafen. Als du hörst, wie unten Stimmen lauter werden, schließt du deine Augen. Hermine kommt rein und ziehst sich leise an. Deine Vorhänge sind zugezogen, sie denkt wahrscheinlich du schläfst schon. Dann legt sich sich hin. Irgendwann schläfst du schließlich doch ein.
