Müde schleifst du dich zu deinem Tisch. Erste Stunde Snape, und das direkt nach den Ferien. Du könntest kotzen. Stattdessen holst du den Buch heraus und schielst nochmal auf deine Notizen von vor der Riesenpause. Wie lange das her zu seien scheint.
Ich hätte es mir nochmal ansehen sollen, schießt es dir durch den Kopf. Jedes Mal nimmst du dir vor zu lernen, vor jedem Wochenende und vor allem vor jeden Ferien. Natürlich wird nie was draus.
Mit einem lauten Knall, der von den Kerkerwänden aufgenommen und wiedergegeben wird, schwingt die Tür auf und Snape kommt mit wehendem Umhang in den Raum. Vorne dreht er sich langsam und wachsam um und lässt seinen Blick über die missmutigen Gesichter aller fliegen.
„Sollte auch nur einer von euch Nichtsnutzen die Güte gehabt haben in den Ferien seine Nase in sein Zaubertränkebuch zu stecken, wird derjenige gesehen haben, dass es mit der Zubereitung eines Abschwelltranks weitergeht. Die Anweisungen hierzu finden Sie an der Tafel", mit einem Zauberstabschlenker erscheint Snapes Schrift an der Tafel, „die Zutaten wie üblich im Schrank. Sie haben zwei Stunden."
Von dieser plötzlichen Einleitung überrumpelt bleiben alle erstmal kurz sitzen, bevor ein geschäftlichen Treiben einsetzt. Du stehst auf und läufst zum Schrank, im Kopf drei der Zutaten. Die nimmst du mit und wiederholst das ganze, bis du alles vor dir liegen hast. Langsam erhitzt du das Wasser in deinem Kessel und fängst an, deine Zutaten klein zu schnipseln.

Nach zwei Stunden rührst du zufrieden in deinem Kessel. Die zähflüssige Masse ist blau und blubbert leise vor sich hin. Du weißt zwar, dass es der falsche Blauton ist und das Snape auch so nicht zufrieden sein wird, aber du hast beschlossen, einfach keine Miene bei seinen hochmütigen und herablassenden Bemerkungen zu verziehen. Immerhin explodiert bei mir nichts, denkst du nach einem Blick auf Seamus, der immer wieder hektisch zur Tafel schaut. So wie du, oder eigentlich jeder hier, ihm kennst weißt du, dass er ein Talent für explodierende Sachen ist.
Als Snape schließlich bei dir ankommt, verschränkst du deine Finger hinter deinem Rücken in einander und wartest.
„Miss Bilston, hätten Sie die Güte mir zu erklären, was das darstellen soll?", meint er mit einer schmierig-schleimigen Stimme, bei der du am liebsten kotzen würdest.
„Das ist ein Abschwelltrank. Sir", fügst du hin.
„Ist Ihnen bewusst, dass der Abschwelltrank dunkelblau sein soll?"
„Ja."
„Und warum haben Sie es dann offensichtlich nicht gemacht?"
„Weil... ich es nicht geschafft habe." Du schluckst. Eine Standpauke ist eine Sache, wenn man aber gezwungen wird sein Versagen selbst festzustellen und dann auch noch wie ein Kleinkind behandelt wird ist eine ganz andere Sache.
„Dann würde ich sagen, Sie müssen die Anweisungen befolgen. Ein Zaubertrank ist entweder richtig oder falsch, und dieser hier ist falsch."
Snape dreht sich um und wandert weiter. Du atmest langsam aus und nimmst ein Reagenzglas. Du verstöpselst ein bisschen was von deinem Zaubertrank, beschriftest es und fängst an deinen Platz zu säubern. Gerade, als die Stunde vorbei ist, bist du mit allem fertig.

„Merlin, wie ich diesen Typen nicht ausstehen kann", knurrst du durch zusammengebissene Zähne. Harry neben dir ist anscheinend so wütend, dass er ihn noch nicht mal mehr verfluchen kann.
„Was haben wir jetzt?", versuchst du auf andere Gedanken zu kommen.
„Wahrsagen", murrt Ron. Du stöhnst theatralisch und verschließt deine Augen mit deiner Hand.
„Will nicht."
Hermine legt dir beruhigen die Hand auf deine Schulter bevor sie zu Arithmatik geht.
„Ich sag euch, diese Frau regt mich auf. Und seit Harry im Wettbewerb ist stirbt er mehr als nur einen Tod wenns nach ihr geht." Mit dem Daumen zeigst du auf Harry, der hinter euch eine enge Wendeltreppe hoch läuft. „Wenigstens hat sie ihren Spaß dabei."

Es dämmert bereits, als du deinen Namen unter den Brief schreibst. Du hast dich entschlossen, Charlie zu schreiben wie deine Ferien waren. Deinen letzten Satz, Ich vermisse dich, starrst du an. Er wirkt fast schon verloren.
Du machst dir immer mehr Sorgen. Du hast das Gefühl, wenn du nicht sein Foto bei dir hättest, dass du dich an sein Gesicht nicht mehr erinnern könntest. Immer, wenn du an ihn denkst, kommt keine Erinnerung, sondern das Bild. Du versuchst, dich an seine Stimme zu erinnern. Du schließt deine Augen und legst den Brief weg. Doch da ist nichts. Du kannst dich noch an Sätze erinnern, aber wenn du dich auf die Stimme konzentrieren willst verzerrt sie sich, wie wenn man unter Wasser zu reden versucht. Andere Stimmen mischen sich dazu. Du spürst, wie eine Träne deine Wange runterfließt.
Mit einer hektischen Bewegung machst du sie weg und faltest den Brief, um ihn dann in einen Umschlag zu stecken. Du ziehst dir deinen blauen Mantel und eine Mütze an und gehst zum Eulenturm.

Du starrst auf den Boden. Dank des strahlend weißen Schnees siehst du noch, wo du hintrittst, trotzdem ist es schon fast dunkel. Beim Eulenturm klammerst du dich ans Steingelände, als du langsam die Treppen hoch läufst. Unter deinen Füßen spürst du die Eisschicht, die sich hier jedes Jahr bildet. Dein Atem kommt in kleinen weißen Wölkchen aus deinem Mund gestoßen. Als du oben bist, siehst du ein Licht über dir. Du gehst noch eine Etage hoch. Oben steht eine Person, die einen Brief im Licht seines Zauberstabes liest. Als du die letzte Treppe besteigst, fangen die Eulen neben dir an zu kreischen und wegzufliegen. Die Person dreht sich um und hält den Zauberstab so, dass du auch im Lichtkreis stehst.
„Dean", sagst du überrascht.
„Caro." Er scheint mindestens genauso überrascht zu sein.
„ich, ähm... wollte nur einen Brief angeben", erklärst du lahm und hälst den Umschlag hoch. Hinter Dean bemerkst du plötzlich deine Eule und gehst auf sie zu. Als sie dich sieht hüpft sie auf dich zu und hält dir ihr Bein entgegen. Du bindest den Brief dran und drehst dich wieder um. Dean hat inzwischen seinen Brief weggesteckt und mustert dich, wie du dein Gesicht in deinem Kragen vergräbst.
„Ich geh dann mal", meinst du.
„Ja, ich auch."
Zusammen lauft ihr die Treppen wieder runter, immer darauf bedacht nicht auszurutschen. Du lässt eine kleine Flamme vor euch schweben damit ihr den Weg seht. Deine Fäuste hast du in deine Manteltaschen vergraben. „Verdammt ist das kalt", fluchst du als ein Windstoß euch ins Gesicht peitscht.
„Du hast es nicht so mit Winter, oder?", meint er schmunzelnd und spielt auf Silverster an.
„Nee... zu kalt. Ich liebe Wintersport, ich mag sogar Schnee irgendwie, aber ich hasse diese Kälte. Wir sollten warmen Schnee erfinden", meinst du.
„Klar, du fängst an."
„Wenn du dich als Testperson zur Verfügung stellst, gerne."
„Dann können wir die Leute im Sommer damit bewerfen."
„Oder einen Schneemann bauen und ihm ein Eis am Stiel anbieten."
Ihr lacht und zählt weitere Sachen auf, die man mit warmen Schnee anstellen könnte, bis ihr schließlich am Gemeinderaum angekommen seit. Drinnen hockt ein Großteil der Gryffindors vor dem Kamin oder zumindest weit weg von den Fenstern. Zusammen geht ihr zu euren Freunden, dich sich auf ein paar Sessel verkrochen hat. Ron schmollt, weil er so weit weg vom Kamin sitzt und Hermine macht ihre Hausaufgaben. Snape hat euch natürlich sofort einen Riesenaufsatz aufgegeben über die Verwendung des Abschwelltrankes und warum es so gefährlich seien kann, wenn man etwas falsch gemacht hat. Den Blick, den er dabei drauf hatte, wäre fast schon lustig gewesen wenn er nicht jeden außer Hermine betroffen hätte. Die, obwohl sie wie üblich alles richtig gemacht hat, keinen einzigen Punkt bekommen hat. Ich hasse Montage.