Ungeduldig wackelst du mit den Füßen. Du sitzt auf der Holzbrücke und wartest auf Harry. Er war bei Hagrid, wollte dir aber noch helfen. Da du letztens krank warst – du wusstest doch, dass der Winter nur schlechtes bringt! - muss er dir in Wahrsagen etwas zeigen. Hermine war ja leider in Arithmatik und Ron hatte sofort abgelehnt. Als du ihn schließlich kommen siehst springst du mit Schwung vom Gerüst und verschränkst deine Arme vor deiner Brust.
„Tut mir Leid", murmelt Harry.
„Ach, schon ok", winkst du großzügig ab und zusammen geht ihr zur Bücherei. Ein paar Schüler sitzen herum und lernen. Gerade mal eine Woche habt ihr wieder Schule und schon wächst manchen die Arbeit über den Kopf. Ihr setzt euch hin und holt eure Bücher.
„Alsooo... was habt ihr gemacht?"
„Aus Teetassen gelesen. Total unnötig, aber anscheinend soll das ein großes Thema in der Abschlussprüfung werden. Warte, ich zeig dir die Seite." Harry nimmt dein Buch und blättert etwas lustlos herum, bis er die Seite gefunden hat. Er tippt auf die Zeichnung einer Tasse, in der Kaffeesatz am Boden klebt. „Du musst reinschauen und erraten, was das Zeug darstellen soll. Und je nachdem, was es ist, gibt es hier die Erklärungen." Harry tippt weiter unten auf lauter kurze Absätze.
„Na super. Wie viele Möglichkeiten gibt es denn so, dreitausend?!" Genervt legst du das Buch auf den Tisch und lehnst dich zurück. „Man, wie ich dieses Fach hasse."
„Nächstes Jahr kannst du es abwählen."
„Das sind noch eineinhalb Jahre!"
„Du musst mich nicht so anfahren, ich kann da nichts für, ganz im Gegenteil." Beschwichtigend hebt Harry die Hände. Du seufzt und kneifst deinen Nasenansatz zwischen deinen Daumen und deinen Zeigefinger der rechten Hand. Eine Geste der Resignation.
„Ich weiß, tut mir Leid. Es ist nur..." Du zögerst. Harry ist dein Freund, aber ihn mit Beziehungsproblemen zulabbern? Er war immer noch ein Junge. Und er hatte genug Probleme mit dem Eierrätsel.
„Was?"
„Charlie", seufzt du und vergräbst dein Gesicht in deinen Händen.
„Oh." Sein Tonfall zeigt, dass er dich zumindest irgendwo verstehen kann. Du nickst gquält und lässt deine Hände weiter bis in den Haar wandern.
„Ich will dich wirklich nicht zulabbern. Es sind meine Probleme. Es ist nur... Fernbeziehungen sind zum kotzen. Sie machen dich fertig und dabei liegt es noch nicht mal an den Personen. Schließlich sieht man sich kaum."
„Ja. Tut mir Leid." Harry legt dir den Arm auf die Schulter und drückt sie. Du siehst auf und lächelst. „Ist ja nicht deine Schuld. Ich hab mir das selbst eingebrockt. Trotzdem danke." Du seufzt und ziehst dein Buch wieder zu dir. „Na dann lass uns lernen."
„Sag mal, wie geht es eigentlich mit dem Eierrätsel voran?", fragst du Harry auf dem Weg zur Großen Halle. Es ist so spät geworden, dass ihr direkt aus der Bücherei zum Essen geht.
„Frag nicht. Hermine nervt schon ständig, dass ich mich ranhalten muss. Aber ich meine, was soll ich denn bitte schön machen? Alles, was passiert, ist dieses grausame Geschrei. Es ist kaum zum Aushalten! Ich möchte es ja lösen, aber es geht einfach nicht. Und andauernd liegen mir alle möglichen Leute damit in den Ohren. Und diese Rita Kimmkorn bringt auch ständig irgendetwas neues raus. Ich frag mich, wo sie die Informationen her hat. Es wäre ja auch völlig egal wenn die Leute das ganze nicht auch noch glauben würden. Wie kann man nur auf so einen dummen Schwachsinn reinfallen bitte schön?"
„Schon gut, war ja nur eine Frage!" Harry hat sich so in Rage geredet, dass du das Thema lieber fallen lässt. Ihr betreten die Halle und setzt euch an den Gryffindortisch. Noch ist es relativ leer, was aber auch bedeutet, dass ihr Platz und die komplette Auswahl habt. Du nimmst dir ein bisschen Lammfleisch mit Minzsoße und etwas Kürbissaft. Zum Glück ist Ron noch nicht da, sonst wäre das schon längst weg.
Wenn man vom Teufel denkt.
Ron und Hermine setzten sich neben dich und nehmen sich auch sofort was zu essen.
„Wo wart ihr zwei denn?"
„Ob du es glaubst oder nicht, in der Bücherei. Wahrsagen büffeln, ich war doch kurz krank."
„Und wie habt ihr den Weg zu diesem seltsamen Ort gefunden?" Fred und George setzten sich einfach zu Harry mit dazu und schauen äußerst konfus aus.
„Wir haben uns bisher immer verirrt, musst du wissen."
„Sind immer an so komischen Orten gelandet."
„Wo dann zufällig etwas passiert ist."
Fred und George reden wie schon oft im Wechsel.
„Um Himmels Willen hört auf damit. Da kriegt man ja Kopfschmerzen!", beschwerst du dich und nimmst dir ein Herz aus Lebkuchen. Da immer noch Winter ist, gibt es beim Essen auch immer Plätzchen und Lebkuchen. Insgeheim verfluchst du Dumbledore manchmal für seine guten Ideen.
„Hast du das gehört, Fred?"
„Ich glaube ja, George."
„Wir bereiten ihr Kopfschmerzen."
„Was machen wir jetzt nur?"
„Ja, was nur?"
Du verdrehst stumm die Augen und isst einfach noch einen Lebkuchen, während die Zwillinge das Lachen anfangen.
„Hoffentlich erstickt ihr an eurem Lachen."
