An diesem Abend will wirklich niemand schlafen gehen. Nachdem du Hermine und Ron über das Ende deiner Beziehung mit Charlie erzählt hast, sitzt ihr auf Rons Bett und wartet auf Harry.
„Wisst ihr, das ist schon seltsam. Ich dachte wirklich, dass es doch noch gut ausgehen würde. Und dass dann ausgerechnet Cedric." Deine Stimme versagt und du schüttelst deinen Kopf. Du bist dir sicher, sie verstehen dich auch so.
„Ich schätze, das war eher ein Unfall. Wieso sollte jemand Cedric... wollen." Hermine stolpert über die letzten Worte. Du nickst. Euch ist klar, dass Cedric wahrscheinlich nur im Weg war, dass Harry das eigentlich Ziel war. Jetzt war Cedric, der gutmütige Cedric, tot.
„Warten wir auf Harry, er wird alles aufklären. Spekulationen helfen uns nicht weiter."
Ron nickt und kramt in seiner Nachttischschublade, um eine Tafel Schokolade heraus zu holen, die ihr schweigend unter euch aufteilt.
Als es unten erst totenstill wird, lauft zur Tür. Harry versucht, sich einen Weg zu seinem Zimmer zu bahnen als er euch sieht, während alle anderen ihn anstarren. Harry ist das offensichtlich unheimlich unangenehm. Auf halbem Weg fangen die anderen Gryffindors an, ihm Platz zu machen. Er läuft die Treppe hoch und läuft an euch vorbei in sein Zimmer. Ihr schließt die Tür und sofort kann man die anderen Schüler reden hören, auch wenn man nichts genaues versteht. Harry setzt sich auf sein Bett.
„Harry, was ist los. Du siehst nicht gut aus. Wo warst du?"
„Bei Madame Pomfrey."
„Was, warum? Wurdest du verletzt."
„Ja, aber nicht im Labyrinth. Zumindest nicht viel." Harry nimmt sich frische Klamotten und geht ins Badezimmer. Ihr bleibt stehen bis er zurück kommt. Als er euch sieht, wie ihr an der selben Stelle steht wie vor ein paar Minuten, seufzt er auf und fährt sich fahrig durch seine wuscheligen Haare.
„Moody war es. Also, er war nicht wirklich Moody, sondern der Sohn von Crouch. Ein Todesser, der Moodys Form angenommen hat."
„Was?" Du schnappst erschrocken nach Luft. „Es war die ganze Zeit ein Todesser? Oh verdammt!"
„Aber wie kann Dumbledore das nicht bemerkt haben, ich meine... es muss doch aufgefallen sein!"
Harry schüttelt den Kopf, entweder weil er es nicht weiß oder nichts dazu sagen will. „Er hat meinen Namen in den Feuerkelch geworfen, er hat mir immer wieder unter der Hand Tipps zukommen lassen. Damit ich am Ende den Pokal erreiche. Der Pokal ist ein... ein Portschlüssel."
„Wohin hat er dich gebracht?" Du beugst dich unbewusst vor, dein Gesicht spiegelt deine Neugier wieder.
„Ein Friedhof. Ich habe ihn bereits in meinen Albträumen gesehen. Und da waren Wurmschwanz und Voldemort", keiner von euch zuckt bei dem Namen zusammen, so sehr konzentriert ihr euch auf seine Geschichte, „und Wurmschwanz hat ihn zurückgebracht. Ich weiß nicht wie, ich kann es nicht beschreiben. Aber er ist zurück. Er hat Wurmschanz Cedric", Harry schluckt und ballt seine Hände zu Fäusten, sein Gesicht zeigt nichts als Trauer und Wut, auf sich und auf Voldemort, „er hat ihn getötet. Und dann kam er zurück und etwa acht andere Todesser kamen dazu. Wir haben uns duelliert. Und dann haben unsere Zauberstäbe eine Verbindung hergestellt. Und ich habe meine Eltern gesehen." Ihr seit alle ein paar Sekunden lang still, dann redet Harry weiter, seine Stimme immer noch belegt. „Und als sie ihn und die anderen abgelenkt haben konnte ich wegrennen, zurück zum Pokal und zu Cedrics Körper, und dann sind wir verschwunden."
Harry schluckt hart und spielt mit seinen Fingern. „Und dann hat Moody mich zur Seite genommen und in sein Büro gebracht. Er hat angegeben was er alles gemacht hat um Voldemort zu gefallen, wie er seine Befehle ausgeführt hat und dass er mich zu ihm bringen würde und wie die anderen ihn als Helden willkommen heißen würden." Vorsichtig streicht Harry über die Innenseite seines Armes, als würde er sich an etwas erinnern. Sein Blick ist verschleiert und unfixiert, er schaut einfach in die Leere des Raumes. „Und dann kamen Dumbledore, Snape und Fudge. Sie haben ihn überwältigt und da hat er angefangen, sich zurück zu verwandeln. Der echte Moody war in einer Box gefangen, das ganze Jahr über. Sie haben ihn gezwungen die Wahrheit zu sagen. Und dann wurde ich zu Madame Pomfrey gebracht."
Keiner von euch bewegt sich, bis du eine Hand auf Harrys Handgelenk legst. „Es tut mir Leid, Harry, wirklich. Das ist einfach schrecklich. Wir sind so froh, dass du heil da raus gekommen bist und..."
„Cedric ist es nicht und das ist meine Schuld." Harry hat Tränen in seinen Augen, doch sein Gesicht zeigt pure Wut. „Er ist gestorben weil er im Weg war. Versteht ihr, Voldemort wollte mich und deswegen ist er jetzt tot." Harry wird immer lauter bis er am Ende seine ganzen Sorgen raus schreit. Du packst sein Handgelenk nur noch fester.
„Es ist nicht deine Schuld, Mann", meint Ron, doch er bekommt nur einen feurigen Blick.
„Er wollte mich vorlassen, doch ich habe ihn überredet, den Pokal gemeinsam zu greifen. Es ist meine Schuld, und sonst nichts." Er steht auf und läuft wie wild hin und her.
„Hör mal Harry, wir verstehen, dass du..."
„Nein, ihr versteht das nicht, ihr versteht überhaupt nichts. Ihr wart nicht da. Ihr wart nicht dabei. Lasst mich einfach in Ruhe!" Mit langen, schnellen Schritten läuft Harry ins Bad und knallt die Tür hinter sich zu. Kurze Zeit später ist die Dusche zu hören. Du seufzt und massierst deine Schläfen.
„Komm, Hermine, wir gehen rüber. Das wäre das beste, glaube ich." Hermine nickt und nach einer Verabschiedung von Ron verlasst ihr den Jungsschlafsaal.
Ihr liegt da, jeder in seinem Bett. Von unten hört man immer noch das Summen von wild durcheinander sprechenden Schülern. Du seufzt und drehst dich auf die Seite.
„Caro?", hörst du Hermine flüstern.
„Ja?"
„Wegen dir und Charlie. Wie geht es dir?"
Du runzelst deine Stirn bei dieser Frage. Der ganze Trubel wegen Harry und Cedric hat dich total davon abgelenkt, dass du heute deine Beziehung beendet hast. Verrückt.
„Ich weiß nicht. Es ist seltsam, weißt du? Wir haben uns so lange nicht gesehen oder gesprochen. Ich... hatte schon fast vergessen wie er klingt und wie er... Naja, und dass er heute hier war hat mich einfach total überrumpelt. Und als dann dieser ganze Mist passiert ist. Ich weiß auch nicht, ich habe bis jetzt noch nicht wirklich darüber nachgedacht und es verarbeitet, weißt du. Und ich weiß, ich sollte mich jetzt absolut schlecht fühlen und tagelang heulen und alles, aber das fühle ich einfach nicht." Du schluckst und reibst dir über deine geschlossenen Augen. „Es ist eher so, als wäre endlich eine Last weg, auch wenn das wirklich dumm klingt, oder?"
„Finde ich nicht. Ich verstehe dich glaube ich sogar."
„Es ist eher so, als würde ich mit einem guten Freund Schluss machen." Du seufzt nochmal und drehst dich zurück auf den Rücken. „Ich bin furchtbar."
„Nein, bist du nicht." Von Hermines Bett hörst du ein Rascheln, wahrscheinlich hat sie sich gerade aufgesetzt. „Schau mal, es ist schon lange her, ihr habt euch kaum gesehen und wahrscheinlich kaum gekannt. Es ist nur natürlich dass so etwas passiert."
„Danke, Hermine." Du lächelst die Decke an und ziehst deine Decke weiter hoch. „Schlaf gut."
„Du auch, Caro."
Am nächsten Morgen findet eine Trauerfeier statt. Die Banner in der Großen Halle sind schwarz und auch sonst scheint alles dunkler zu sein. Für die Anzahl an Anwesenden ist die Totenstille umso gruseliger. Zuerst sagt keiner etwas, die Lehrer sitzen vorne auf ihren Stühlen und schweigen wie der Rest. Nach ein paar Schweigeminuten fängt Dumbledore an zu reden.
„Heute beklagen wir einen fürchterlichen Verlust. Cedric Diggory war, wie ihr wisst, ein überaus engagierten Schüler, ein unendlich aufrichtiger Mensch und was am wichtigsten ist, ein wahrer, wahrer Freund. Ich finde deshalb habt ihr das Recht genau zu erfahren, wie er gestorben ist." Dumbledore macht ein kleine Pause um aufzustehen.
„Cedric Diggory wurde ermordet, von Lord Voldemort."
Wildes Geflüster erhebt sich, die meisten sind geschockt über diese direkten Worte, manche drehen sich zu Harry um.
„Der Zauberminister wünscht nicht, dass ich euch dies sage. Vielleicht werden manche eurer Eltern entsetzt darüber sein – weil sie nicht glauben wollen, dass er wieder zurück ist, oder weil sie euch für zu jung halten. Es ist jedoch meine Überzeugung, dass die Wahrheit immer der Lüge vorzuziehen ist und dass die Behauptung, Cedric Diggory wäre durch einen Unfall gestorben, sein Andenken beschmutzen würde."
Wieder eine Welle von Getuschel. Du siehst, dass du nicht die einzige mit Tränen in den Augen bist. Harrys Augen sind rot, Hermine schnifft leise und vorne siehst du, wie Cho Chang in ihr Taschntuch weint, zusammen mit ein paar anderen Mädchen, größtenteils aus Hufflepuff.
„Dieser Schmerz erinnert mich daran, dass, obgleich wir von verschiedenen Orten kommen und verschiedene Sprachen sprechen, unsere Herzen gemeinsam schlagen. Im Licht der jüngsten Ereignisse sind die Bande der Freundschaft, die wir hier geknüpft haben, wichtiger den je. Beherzigt das und Cedric Diggory wird nicht vergeblich gestorben sein. Beherzigt das und wir feiern einen Jungen, der viele der Tugenden, die einen Hufflepuff ausmachen, in sich vereinigte, einen Jungen, der ehrlich war, und freundlich, und tapfer und treu bis zum Ende."
Nach diesen Worten legt sich wieder Stille über alle. Du spürst Tränen deine Wange runter rollen, doch du wischt sie nicht weg. Es hätte keinen Sinn.
Nach ein paar weiteren Schweigeminuten stehen die Lehrer auf und verlassen durch eine Hintertür den Raum. Langsam erheben sich auch die Schüler und verschwinden in kleinen Gruppen, keiner, der nicht zumindest gerötete Augen hat. Du wischt dir über die Augen, lächelst Hermine wackelig an und nimmst ihre Hand.
„Das wird schon", flüsterst du, während ihr zusammen mit Harry und Ron sitzen bleibt, bis alle weg sind, die aufgestanden waren. Ihr bleibt sitzen, zusammen mit ein paar wenigen anderen Schülern, Freunden von Cedric. Du schließt deine Augen und denkst an ihn, wie er in das Labyrinth reinging, voller Zuversicht. „Zumindest ist er in dem Moment gestorben, als er gewonnen hat. Er war glücklich, glaube ich", flüsterst du heißer.
Harry nickt stumm neben dir. Dann steht ihr auf und macht euch zusammen auf den Weg nach draußen, in Richtung See.
...
Ja, jetzt ist es soweit. Das Ende. Ein letztes Mal das Glas heben, für Cedric und für diese Geschichte.
Ich hoffe, es hat euch gefallen!
Vielen Dank, dass ihr mit Caro bis zum Ende mitgehalten habt, auch, wenn es ehrlich gesagt keine Weltmeister-FF war, wirklich nicht ;)
Aber, aller Anfang ist schwer und holprig. Ich stehe zu meiner Anfängerzeit und wie ich damals geschrieben habe. Es ist immer noch nicht so schön wie manche anderen, aber zumindest ist es besser geworden...
Es ist immerhin eine Geschichte, die ich vor über zwei Jahren geschrieben hatte. Inzwischen schreibe ich meistens in Englisch und dann meistens One Shots, ich könnt gerne mal rein schauen :)
Nochmal, danke an alle und jeden! Ich hab euch Lieb!
