Chapter 44

Gil war es nicht entgangen, dass sie ihn Grissom genannt hatte. Sie hatte ihn nicht mehr Grissom genannt, seit eineinhalb Jahren, seit sie ein Paar und verheiratet waren. Er verstand nicht, warum sie sich so aufregte, er wollte schließlich nur ihr bestes.

Die nächsten Tage wurden für Sara und Grissom zum Albtraum, beide vertieften sich so in ihren Fall, Sara machte eine Schicht nach der anderen, um endlich den Fall lösen zu können. Inzwischen hatten sie rausgefunden, dass die Frau auf dem Bild, die Freundin von Mark Carter war. Aber es fehlte jede Spur von dem Mörder der jungen Frau und auch dem von Mark Carter.

„Sara, du musst mal nach Hause gehen und dich ausschlafen.", sagte Calleigh zu ihr 2 Tage später, als sie inzwischen die 4. Schicht hintereinander machte.

„Calleigh ich habe geschlafen, hier im Büro.", sie sagte es in einem eisigen Ton, der selbst Calleigh aufschrecken lies. Sie beschloss heute Abend zu Nick und Greg zu gehen um mit ihnen zu reden. Denn wenn Sara so weitermachte, brach sie noch zusammen.

Sara saß im Labor und untersuchte nochmals die Beweise der Freundin von Mark Carter. Sie hatte sich die Kleidung und die Utensilien aus der Handtasche nochmals vorgenommen. Inzwischen hatten sie schon wieder 23Uhr. Sei war müde und erschöpft. Es war der 3. Tag in Folge, an dem sie kaum schlief und nur arbeitete. Sie hatte Grissom seit ihrem Streit nicht mehr gesehen und sie wollte ihn im Moment auch nicht sehen. Sie vergrub sich in die Beweise.

Grissom wanderte in seinem Büro ziellos umher. Er sollte zu ihr gehen und sagen, dass ihm alles Leid tat. Er hatte einen Fehler gemacht, ihr den Fall wegzunehmen. Jetzt war alles noch viel schlimmer. Hätte er ihr doch nur das Angebot gemacht, dass sie gemeinsam an dem Fall arbeiteten, aber er musste ihr ja gleich den Fall wegnehmen lassen.

Grissom sah übernächtigt aus, er war unrasiert und hatte tiefe Ringe unter den Augen. Seit 3 Tagen schon, hatte er kaum geschlafen. Nicht nur dass der Fall ihn beschäftigte, auch dass Sara sich so übernahm, besorgte ihn. Er konnte nicht ohne sie einschlafen, er vermisste sie.

Unterdessen war Calleigh bei den Jungs in der Nachtschicht eingetroffen, auch die sahen nicht viel besser als sie selbst aus. Sie hatte zwar mit Nick über Sara und Gil gesprochen, aber er wusste sich auch keinen Rat was die Beiden anging. Auch Cath hatte nur eine Abfuhr von beiden bekommen, als sie versucht hatte mit ihnen zu reden. Sie bekam nur zu hören, sie solle sich nicht einmischen.

„Hey Grissom", Calleigh steckte den Kopf in sein Büro.

„Hey Calleigh, wie geht es dir? Du siehst müde aus."

„Wir haben viel zu tun, schon den 3. Tag in Folge mit Doppelschichten. Du weißt ja der Fall.", sagte sie ernst.

„Ja ich weiß, Sara hat ihn sich ja nicht nehmen lassen.", sagte Grissom.

„Ähm ich geh dann mal zu Nick, wir sehen uns Gil.", sagte Calleigh und verschwand wieder aus seinem Büro.

Calleigh musste sich zusammenreisen um nicht irgendein Kommentar über Sara fallen zu lassen, dass es ihr überhaupt nicht gut ging und dass Grissom unrecht hatte, ihr den Fall abzunehmen.

„Hey Greg, wo ist Nick?" Calleigh war nun im Labor bei Greg, der gerade einen DNA Abgleich machte.

„Ich glaube Nick ist noch mal ins Gefängnis gefahren, du weißt schon der Fall Carter.", sagte Greg.

„Gut, denn ich wollte mit dir reden.", sagte sie und lächelte ihn etwas an.

„Warum mit mir? Ich habe nichts verbrochen, ich wollte Sara nicht den Fall wegnehmen. Sorry Calleigh, das hätte ich jetzt nicht sagen sollen. Aber Grissom geht mir wahnsinnig auf die Nerven. Er ist zwar bei der Arbeit 100 anwesend. Aber er ist eine halbe Leiche, er hat seit Tagen kaum was geschlafen.", sprudelte aus Greg hervor.

„Ich weiß Greg, bei Sara ist es nicht anders, sie steigert sich wahnsinnig in den Fall rein."

„Aber sag mal konntet ihr eine Verbindung zu unserem Fall herstellen? Wir haben noch keinen Anhaltspunkt wer der Mörder sein könnte, der die Freundin von Carter umgebracht hat."

„Nein, tut mir leid, aber bei uns sieht es nicht anders aus. Wir sollten mal mit Grissom reden, das wir uns in diesem Fall zusammen tun, davon können wir doch alle nur profitieren. Zwei Teams an dem gleichen Fall wären sicher besser und wir würden wenigstens mal ein wenig Schlaf finden.", antwortete Greg.

Calleigh sah ihn nickend an, sie dachte das gleiche wie Greg und hatte auch schon mit Sara darüber gesprochen. Aber Sara wollte den Fall im Alleingang lösen, nachdem Gespräch oder vielmehr Streit mit Gil.

Als sie das Greg sagte, schmiss er seine Beweise auf den Labortisch und war wütend.

„Wenn die zwei sich nicht endlich einkriegen, werde ich zu Sara gehen, irgendjemand muss sie ja schließlich zur Vernunft bringen. Vor allem ist sie Ende des 5. Monats schwanger und auch wenn es ihr nicht passt, mit so wenig Schlaf kommt selbst sie nicht aus."

„Wer kommt mit so wenig Schlaf nicht aus.", fragte Cath, die gerade ins Labor gekommen war.

„Sara hat er gemeint Cath.", Calleigh schaute Cath an und nickte.

„Oh man die zwei haben aber auch wieder Mist gebaut. Er will ihr den Fall wegnehmen und sie ist jetzt stinksauer. Wobei ich sie schon verstehen kann. Aber es ist wieder typisch Sara und Gil, sich in die Arbeit zu verkriechen.", sagte Cath.

„Cath ich weiß du warst bei beiden genauso erfolglos wie ich.", sagte Calleigh.

„Aber gut dass ich dich hier treffe, Calleigh. Ich habe hier Unterlagen für Sara, sie hat sie bei mir angefordert, es geht um die Entführung von Gil und ihr. Sie wollte sie unbedingt haben, sie sagte es ist dringend. Würdest du sie ihr bitte mitbringen. Denn ich wollte mich mit ihr heute nicht noch mal anlegen, außerdem habe ich hier noch eine Menge zu tun.", sie sah Calleigh bittend an.

„Ja ich nehme sie ihr mit. Greg ich komme später noch mal wieder, ich denke Sara hat eine Spur, sonst hätte sie die Akte nicht angefordert. Ich halte euch auf den laufenden!"

„Danke Calleigh, bis später.", sagte Cath.

Greg nickte ihr zu, er stand immer noch wütend vor seinen Beweisen und schüttelte den Kopf über Sara und Grissom.

Calleigh ging wieder zurück in ihre Abteilung und brachte Sara die Akte. Sara erklärte, dass es noch eine Person geben musste, die mit in Zusammenhang stand. Sie war der Meinung, dass es kein Zufall war, dass Mark Carter und seine Freundin ermordet wurden.

Calleigh und Sara wälzten die Akten bis Sara vor Müdigkeit fast die Augenlieder zufielen. Sie konnte sich gegen die Müdigkeit nicht mehr währen.

„Sara, egal was du jetzt sagst, wir haben schon die 4. oder 5 Doppelschicht hinter uns, ich kann schon nicht mehr zählen, wie viel es waren. Du gehst jetzt nach Hause und legst dich schlafen und wir arbeiten morgen früh weiter.", Calleigh sah Sara streng an.

„Aber, ich …", versuchte Sara zu protestieren.

„Nein Sara, ich schaue mir das nicht länger mit an. Sieh dich an du bist völlig übermüdet. So lösen wir den Fall sicher nicht. Da Nick heute auf jeden Fall eine Doppelschicht schiebt, schläfst du bei mir. Aber du sagst Grissom bescheid, wo du bist."

Sara nickte, sie war einfach zu müde und Calleigh hatte ja recht, sie musste an ihr Kind und sich denken. Aber auch völlig übermüdet konnten sie heute keine Ergebnisse mehr finden. Sie nahm ihr Handy und schrieb Grissom eine kurze SMS, dass sie bei Calleigh übernachtete. Sie war noch immer enttäuscht und wütend auf ihn. Sie verstand einfach nicht, warum er ihr einfach den Fall wegnehmen wollte und warum er sie nicht über den Tod von Carter aufgeklärt hatte. Jahrelang hatten sie Seite an Seite gearbeitet, mal mehr, mal weniger im Streit über die Fakten. Aber dass er ihr den Fall wegnahm, so was hatte er noch nie gemacht.

Sara hatte wieder dieses Ziehen im Bauch und Rückenschmerzen, aber sie schob es einfach auf die Müdigkeit und die 3 Tage fast ohne Schlaf.

Als sie bei Calleigh und Nick zu Hause waren, wollte Sara noch schnell unter die Dusche. Sie hoffte, dass dadurch ihre Schmerzen etwas erträglicher wurden. Sie spürte wieder diese Übelkeit und musste sich auch gleich danach übergeben. Anschließend versuchte sie sich unter der Dusche zu entspannen. Automatisch kamen bei ihr die Erinnerungen aus den Flitterwochen. Sie wünschte ihr Mann wäre hier, sie vermisste ihn.

Nach 3 Stunden Schlaf, wurden Calleigh und Sara jedoch schon wieder geweckt. Es war Greg, der bei Sara am Telefon war und Nick bei Calleigh. Es wurde eine neue Leiche gefunden, die erschossen wurde, sie wussten zwar noch nicht, weshalb sie im Zusammenhang mit dem Fall Carter stand, aber Nick und Greg sagten, dass es ein Zusammenhang gab. Sara war sofort hellwach und sagte Greg, dass sie gleich im Labor war. Auch Calleigh zog sich an und sie fuhren ins Labor.

Im Labor angekommen, gingen sie sofort in den Autopsieraum, wo Grissom und Cath sie schon erwarteten. Sara nickte den Beiden nur leicht zu.

„Was ist los? Wisst ihr wer die Leiche ist?", fragte sie die Beiden, vermied es aber Grissom anzusehen.

„Entschuldigt, dass wir euch geholt haben, aber das hier ist Melanie Carter, die Tochter von David Carter.", sagte Cath und sah Sara ernst an.

Sara war, als hätte ihr irgendjemand gerade den Boden unter den Füßen weggezogen. Erst der Überfall vor eineinhalb Jahren, dann, ein paar Monate danach die Entführung, bei der sie und Grissom fast getötet wurden. Und das alles wegen einer Familie namens Carter. Sara fühlte wie es ihr übel wurde. Sie konnte sich beherrschen, dass sie sich nicht übergeben musste. Doch zog sich schmerzvoll das Gesicht zusammen und krümmte sich leicht. Grissom war sofort bei ihr.

„Was hast du Sara?", fragte er besorgt.

„Lass mich, es geht schon wieder.", sagte sie in einem eisigen Ton, den Cath und Calleigh ebenfalls wie Grissom zusammenfuhren lies.

Er lies sofort von ihr ab, aber lies sie nicht aus den Augen. Er hätte sie jetzt gerne in den Arm genommen, Grissom spürte, dass etwas mit ihr nicht stimmte.

Sara ging zur Leiche und schaute sich diese genau an.

„Wer hat sie gefunden?", sie sah nicht von der Leiche auf.

„Ein paar junge Leute, die von einer Party kamen, haben sie im Park gefunden.", antwortete ihr Cath, die sich ebenfalls jetzt über die Leiche gebeugt hatte.

Beide Frauen begutachteten die tote Frau. Sie dokumentierten ihre Beweise mit Fotos und Sara entnahm der Toten Melanie Carter die Hautfetzen unter den Fingernägeln.

„Ich gehe dann mal und untersuche die Beweise, sobald ich was rausgefunden habe, melde ich mich bei dir Cath.", sagte sie und ging, ohne auch nur einen Blick auf Grissom zu wenden, in ihr Büro. Als sie die Tür geschlossen hatte, kamen ihr die Tränen. Sie hatte wahnsinnige Schmerzen im Bauch und im Rücken. Sie versuchte sich etwas auf ihre Couch im Büro zu legen und hoffte, die Schmerzen würden nachlassen.

Es half tatsächlich, eine halbe Stunde später, ging sie ins Labor um die Hautfetzen zu untersuchen. Vorher rief sie jedoch noch Greg an, damit einer aus dem anderen Team ihr helfen konnte, da sie ja jetzt den Fall gemeinsam behandelten.

„Hey Greggo, schön dass du kommen konntest, wie geht es dir?", fragte sie ihn.

„Hey Sar, danke dass du mich gerufen hast. Na ja ich bin genauso müde wie ihr alle auch. Aber ansonsten freue ich mich mit dir mal wieder zusammen zu arbeiten. Vermisse dich nämlich bei uns.", Greg sah sie lächelnd an.

„Danke Greg das tut gut. Aber bei uns ist es auch nicht anders. Ich hatte gerade mal 5 Stunden geschlafen, als dein Anruf kam.", sagte sie und gähnte leise.

„Oh sorry Honey, das wollte ich nicht, hätte ich gewusst, dass du erst so wenig geschlafen hast, hätte ich nur Calleigh gerufen.", er sah Sara besorgt an.

„Nein ist schon ok Greg, ich schaff das schon.", sagte sie ein wenig lächelnd.

Die Schmerzen hatten mittlerweile wieder eingesetzt. Sara setzte sich auf einen Stuhl im Labor und untersuchte die Hautfetzen.

„Sara ist alles in Ordnung mit dir?" fragte Greg, der es bemerkt hatte, wie sie ständig das Gesicht verzog.

„Es geht schon Greg, ein wenig Rückenschmerzen, nichts schlimmes.", sagte sie und lächelte Greg an.

Aber Greg ließ sich nicht täuschen und beschloss, wenn sie hier fertig waren, mit ihr zu reden.

Nach einer Weile, sah sie von ihrer Arbeit auf und suchte Gregs Blick.

„Sag mal, konntet ihr die Hautfetzen unter Mark Carters Fingernägel eigentlich schon einer DNA zuordnen?", sie sah in erwartungsvoll an.

„Nein, wir konnten sie noch nicht zuordnen, warum fragst du?"

„Mir kam nur eben so ein Gedanke. Damals bei der Entführung haben sich die Cousins zusammengetan. Warum also könnte es hier nicht genauso sein.", sagte sie und sah Greg fest an.

„Meinst du der Mörder von Carters Freundin, ihm selbst und Melanie Carter ist ein und der selbe?", fragte er erstaunt.

„Ich glaube schon.", sagte Sara.

„Aber Melanie Carter wurde erschossen und nicht erstochen, und die Waffe haben wir nicht gefunden."

„Hole mir mal bitte, die DNA der Hautfetzen, die ihr bei Mark Carter gefunden habt. Ich vergleiche derweil hier die DNA der Hautfetzen, welche wir bei der Freundin von Mark Carter entnommen haben."

Sara ging in ihr Büro und überprüfte die DNA der beiden Hautfetzen von den Opfern Melanie Carter und der Freundin von Mark Carter. Sie stimmten wirklich überein.

Grissom saß in seinem Büro, er war müde und ausgelaugt. Der Fall machte ihm mehr zu schaffen, als er dachte. Die Entführung lag schon mehr als ein Jahr zurück und noch immer, wenn er daran dachte, war es, als wäre die Entführung erst gestern gewesen. Er konnte die Gedanken nicht aus seinem Kopf streichen. Außerdem war da noch Sara, um die er sich sehr sorgte. Dieses Gedanken an seine Frau machten ihn völlig fertig. Es wusste nicht, wie es ihr ging. Vor ein paar Stunden im Autopsiesaal, dachte, er, sie würde jeden Moment zusammenbrechen. Sie sah so verletzlich und so mitgenommen aus. Er hatte Angst um sie. Er beschloss noch mal zu ihr zu gehen und mit ihr zu reden. So konnte es nicht weitergehen. Sie gingen aneinander vorbei ohne sich eines Blickes zu würdigen. Es war als wären sie wieder in die Vergangenheit zurückgeworfen worden. Damals, vor fünf Jahren gingen sie sich auch ständig aus dem Weg und sprachen kaum ein Wort miteinander.

Greg kam zu Grissom ins Büro.

„Grissom, kannst du mir bitte die Akte zum Fall Carter geben. Sara hat eine Idee und will die DNA der Hautfetzen vergleichen.", sagte er.

„Hat sie einen Verdacht wer Mark oder Melanie Carter umgebracht haben konnte?"

„Sie hat den Verdacht, dass es ein und der gleiche Mörder ist, der die 3 umgebracht hat."

„Aber Melanie Carter wurde erschossen und nicht wie die anderen 2 erstochen.", sagte Grissom.

„Ja das habe ich ihr auch gesagt, aber dann hat Sara mal wieder so geheimnisvoll gelächelt, wie sie es immer tut, wenn sie eine heiße Spur hat.", grinste Greg.

„Hier ist die Akte, bring sie ihr, ich komme gleich nach.", sagte er zu ihm.

„Na endlich, es wurde ja auch Zeit, dass ihr wieder miteinander redet. Aber tut mir ein Gefallen und streitet euch nicht wieder.", sagte Greg und grinste seinen Boss an.

Grissom sah ihn in seiner typischen Art an und Greg verschwand schnell, damit Griss nichts mehr sagen konnte.

Als er bei Sara im Büro ankam, lief Sara mit der Akte in der Hand auf und ab und hielt sich ihren Rücken. Greg beobachtete Sara die ganze Zeit, während sie ihm erklärte, was sie rausgefunden hatte. Sie hielt sich wieder ihren Rücken, war aber ernsthaft bemüht, sich zusammenzureißen. Dann unterbrach sie ihren Redefluss und stützte sich auf ihrem Tisch ab während sie sich den Bauch hielt. Bevor Greg etwas sagen konnte, kam schon Grissom ins Zimmer, er hatte von draußen beobachtet wie Sara sich am Tisch vor Schmerzen abstützte.

Er lief auf Sara zu. Sanft legte er seinen Arm um ihre Taille und stützte sie mit dem anderen ab. Sie hatte Tränen in den Augen.

"He, was ist los, Sara?" Grissoms Stimme zitterte vor Angst.

"Es tut so weh.", war das Einzige was sie hervor brachte.

"Wo tut's dir weh, Darling?"

"Mein Bauch und der Rücken."

"Sara, alles in Ordnung mit Dir?", fragte Greg erneut dazwischen.

Grissom drehte sich um und antwortete ihm:

„Greg, wir benötigen dringend einen Krankenwagen."

„Verdammter Mist. Das darf doch jetzt nicht wahr sein!" entfuhr es Greg und er rief sofort einen Krankenwagen.

Grissom hatte Sara auf einen Stuhl gesetzt und versuchte beruhigend auf sie einzureden als Nicky hereingestürmt kam. Er sah die Angst im Gesicht von Gil und trat zu den drei Personen dazu.

"Wie geht es dir, Sara?", fragte Nick.

Die Tränen liefen ihr immer noch über die Wangen während sie sich mit der einen Hand den Bauch hielt und mit der anderen Grissoms Finger umklammerte.

"Nicht gut, Nick. Sie klagt über Schmerzen.", informierte Grissom seinen Kollegen.

Die Angst die er fühlte, war mittlerweile so groß, dass er eiskalte Finger hatte und in seinem Hals ein dicker Klumpen saß.

"Ich hätte da einen Vorschlag zu machen, Nick.", sagte Greg.

"Ich höre, Greg?"

"Wir sollten Sara auf die Couch legen bis der Krankenwagen hier ist. Vielleicht entspannt sie sich etwas."

"Gut. Habt ihr eine Decke hier?"

"Hier, Greg. Im Erste-Hilfe-Koffer im Schrank befindet sich eine."

"Komm, Sara. Ich helf dir.", sagte Nick.

"Sara halte dich an mir fest und Nick stützt dich auf der anderen Seite."

Nick nahm Saras rechten Arm während Grissom ihren linken umfasste und gemeinsam hoben die beiden Männer Sara aus dem Stuhl, die dabei laut aufstöhnte.

Entsetzt stellte Grissom fest, dass ihre Hose einen dunklen Fleck an der Stelle hatte, auf der sie gesessen hatte. Auch Nick bemerkte den Fleck und sah Gil mit einem Blick an, der besagte dass es wohl besser war Sara darüber nicht zu informieren.

In Grissoms Kopf herrschte vollkommenes Chaos. Sie wird doch hoffentlich nicht unser Baby verlieren? Bitte nicht, dachte er. Nachdem Sara endlich auf der Couch lag, setzte sich Grissom auf die Kante und strich ihr die Tränen von den Wangen. Er war vollkommen durcheinander und nicht fähig, irgendetwas zu sagen.

Sara konnte in seinen Augen lesen, dass irgendetwas nicht stimmte, aber sie hatte zu große Schmerzen, um darüber lange nachzudenken. Sie drückte stumm Grissoms Hand.

"Es wird alles gut, Darling. Hörst du? Mach dir keine Sorgen.", war das Einzige was er nach endloser Stille mit belegter Stimme hervor brachte.

"Wie weit ist sie denn, Nick?", fragte Greg leise, nachdem sich die beiden etwas von Grissom und Sara entfernt hatten.

"Zwischen dem fünften und dem sechsten Monat."

Die beiden Männer sahen sich mit einem wissenden Blick an.

"Das ist viel zu früh, Nick."

"Das ist es. Wenn nur der Krankenwagen endlich kommen würde. Wo bleiben die nur?"

Sara klammerte sich an Grissoms Hand während er ihr liebevoll die Haare aus der Stirn strich. Er versuchte sein Zittern, das ihn überfallen hatte, gewaltsam zu unterdrücken und sie anzulächeln.

"Es tut so verdammt weh, Gil. Das... ." Sara weinte nun hemmungslos. Sie hatte ebenfalls riesige Angst. Sie hatte das Baby doch schon mal leicht gespürt als es sich bewegt hatte.

"Schtschtscht. Alles wird gut. Wir schaffen das."

In ihren Augen las er die pure Panik während er erneut mit dem Daumen versuchte, die Tränen von ihren Wangen zu wischen. Aber es kamen immer wieder neue nach. Er beugte sich über sie und küsste sie zärtlich auf die Lippen.

"Ich wünsch mir so dass alles Gut geht. Hoffentlich hast du recht, Gil.", schluchzte sie hervor bevor sie erneut von einer heftigen Schmerzwelle geschüttelt wurde und aufstöhnte.

Grissom klammerte seine Finger nun noch fester in die ihren, während die Angst ihm die Kehle nun endgültig zu schnürte. Er war nicht mehr fähig, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen. Stumm und voller Sorge sah er sie an. Auch Nick war mit seinen Gedanken bei seinen beiden besten Freunden, während er zu ihnen hinüber sah. Vater im Himmel, bitte lass den beiden ihr Baby. So ungerecht kannst du nicht sein. Nicht jetzt, betete er stumm als Sirenengeheul an sein Ohr drang.

Keine zwei Minuten später wurden die Türen zum Büro aufgestoßen und ein Notarzt und zwei Sanitäter kamen mit einer Trage hereingefahren. Sie schoben Grissom sanft aber bestimmt mit einem: "Entschuldigen sie.", zur Seite um sich voll und ganz Sara zu widmen. Nick und Greg traten zu dem völlig geschockten Grissom und sahen ihn mehr als besorgt an.

"Es wird alles in Ordnung kommen, da bin ich mir sicher. Sie ist eine Kämpferin.", sagte Nick.

Aber Grissom sah wie geistesabwesend dem Arzt und den Sanitätern bei der Arbeit zu. Sie maßen ihren Blutdruck, horchten ihren Bauch ab und legten Infusionen bevor sie Sara umbetteten und sich der Arzt an Grissom wendete.

"Möchten sie mitfahren, Sir?"

Grissom nickte nur und folgte der Trage in den Krankenwagen. Mit Sirenengeheul fuhr der vom Parkplatz des Labors. Während der ganzen Fahrt hielt Grissom Saras Hand fest umklammert.

"Ich bin so froh, dass du da bist, Gil. Es tut mir so leid, unser Streit.", flüsterte sie kaum hörbar.

"Ich werd immer für dich da sein, Darling. Vergiss unseren dummen Streit, wir waren Beide mal wieder stur.", antwortete er zitterig.

Er fürchtete sich davor, laut zu sprechen da ihm sonst mit Sicherheit seine Stimme versagt hätte. Der Arzt machte ein ebenso sorgenvolles Gesicht wie Grissom fiel Sara auf, während sie erneut von Krämpfen heimgesucht wurde.

TBC