Chapter 56

„CSI Sara Grissom! Machen sie sofort die Augen wieder auf, das ist ein Befehl!", klang eine strenge, laute Stimme im besten Kommandoton durch das Labor. Es war Ecklie, der das ganze stumm verfolgt hatte.

„Nur nicht einschlafen, Sara. Das wäre der größte Fehler den sie jetzt machen können.", sagte er.

Daraufhin öffnete Sara ihre Augen wieder und sah erst Ecklie an, der inzwischen neben sie getreten war, dann Grissom an.

„Ja, Sir."

Ihre Stimme war müde und leise, man konnte sie kaum verstehen.

„Sara bleib wach, bitte. Nur bis der Krankenwagen da ist." Grissom schüttelte sie leicht. Die Panik hatte ihn nun im festen Griff. Er wusste nicht, was er sonst tun sollte. Dann fiel Ecklie auf, dass der Rest der Belegschaft wie gebannt auf Sara starrte und es wurde ihm zu bunt.

„Haben sie nichts zu tun?" Alles zuckte beim Klang von Ecklies Stimme augenblicklich zusammen und entfernte sich so schnell wie möglich.

Sara fiel es immer schwerer, die Augen offen zu halten. Sie war zur Seite gekippt und hatte den Kopf auf Grissoms Schulter gelegt. Sie blutete nach wie vor stark und sie hatte das Gefühl, dass die Schmerzen immer schlimmer wurden. Gil murmelte die ganze Zeit beruhigende, zärtliche Worte in ihr Ohr, aber sie bekam nicht mehr mit was er eigentlich genau sagte. Als die beiden Türen zum Labor aufgingen und die Sanitäter mit der Trage und Dr. Kennedy im Schlepp hereinkamen, fiel Grissom, Nick und Cath ein Stein vom Herzen.

Mit einem Blick hatte die Ärztin die Situation erfasst. Ihre Anweisungen kamen wie aus der Pistole geschossen. Es musste jetzt schnell gehen, verdammt schnell. Sara bekam Infusionen gelegt und schrie erneut auf, als sie auf die Trage gelegt wurde. Mit einer Schere schnitt ihr Dr. Kennedy die Jeans vom Leib während Sara, Grissom, an dessen Hand zu sich zog. Als sie in seine Augen blickte, wurde ihr ganz warm ums Herz.

„Gil, ich will dir nur sagen dass ich dich liebe. So sehr, wie ich noch keinen anderen Menschen jemals geliebt habe." Dann schloss sie ihre Augen und ihre Hand fiel kraftlos auf die Trage.

„Sara, nein! Sara, was ist mit dir? Wach auf!" Grissom brüllte es beinahe, als ihn Nick etwas zurück zog.

„Sie ist in guten Händen, Gil. Komm, ich nehme dich mit ins Krankenhaus." Grissom hatte das Gefühl, in Trance zu sein. Wie von selbst folgte er Nick und Cath auf den Parkplatz hinaus zum Auto.

„Sir, Entschuldigen sie, aber ich würde gerne mit Sara im Krankenwagen mitfahren."

„Das geht nicht, Dr. Grissom. Ich weiß nicht ob ich den Platz brauchen werde.", antwortete Dr. Kennedy die das Gespräch mitbekommen hatte.

„Fahren sie lieber mit ihrem Kollegen. Wir treffen uns dann im Krankenhaus."

Grissom nickte nur. Ich hab ihr aber doch versprochen, sie niemals alleine zu lassen. Und wenn ich jetzt mit Nick fahre, dann breche ich genau dieses Versprechen. Grissom stand unschlüssig auf dem Parkplatz herum. Er fühlte sich einfach hundeelend. Wenn ich heut noch ins Krankenhaus will, muss ich jetzt was tun.

„Gil, schwing jetzt endlich deinen Hintern ins Auto, oder willst du hier festwachsen?"

„Wie? Was? Ich komme, Nick." Grissom war kurz aus seiner Lethargie erwacht und beeilte sich jetzt mit dem Einsteigen ins Auto.

Dieser brauste hinter dem Krankenwagen her vom Hof des LVPD herunter, in Richtung Krankenhaus davon. Während der ganzen Fahrt sprachen die drei CSIs kein Wort miteinander. Ein jeder hing seinen Gedanken nach. Nick und Cath machten sich genau so viele Sorgen um Sara wie Gil. Was am schlimmsten war, war das viele Blut. Sie muss ziemlich viel davon verloren haben. Das war nicht nur die Fruchtblase, die geplatzt ist. Meine Sara. Warum nur ist sie ohnmächtig geworden? Hoffentlich ist sie wieder bei sich. Was soll ich jetzt bloß machen? Wie kann ich ihr helfen? Grissom spielte nervös mit seinen Fingern während Nick aufmerksam den Verkehr beobachtete.

Im Krankenwagen unterdessen wuchsen Dr. Kennedys Sorgenfalten. Saras Werte waren alles andere als gut. Ihr Puls wurde immer langsamer und unregelmäßiger und ihr Blutdruck fiel stetig während sie gleichzeitig immer mehr Blut verlor. Über Funk gab Dr. Kennedy durch, dass im Krankenhaus ein OP bereitgestellt werden sollte, da sie sofort nach Ankunft einen Notkaiserschnitt würde machen müssen um überhaupt eine Chance zu haben, Sara und das Baby zu retten. Dann kam Sara kurz wieder zu sich.

„Gil? Wo bist du? Ich brauch dich.", flüsterte sie.

„Ganz ruhig, Mrs. Grissom. Ihr Mann fährt hinter her."

Sara schloss kurz die Augen, um sie sofort wieder weit aufzureißen. Sie hatte Schmerzen und spürte, dass das alles andere als normal war. Sie fühlte sich so schwach.

„Vanessa. Ich will, dass Baby Grissom mit erstem Vornamen Vanessa heißt. Bitte. Vanessa Catherine Nicholas Grissom soll sie heißen."

„Ich werde dafür sorgen, Ma´am.", beruhigte sie die Ärztin.

Sara nickte. Sie schloss ihre Augen und fiel zurück in ihre Ohnmacht.

Der Krankenwagen bremste scharf ab und sofort wurden die Türen zur Notaufnahme weit aufgerissen. Gil war noch aus dem langsam fahrenden Auto von Nick gesprungen und rannte direkt auf den Krankenwagen zu. Er griff nach Saras Hand und verschlang seine Finger in die ihren, während er im Laufschritt neben der Trage her ging, die sofort in den OP geschoben wurde.

„Sie dürfen hier nicht rein, Mr. Grissom. Warten sie bitte hier."

„Aber ich muss doch... ."

„Tut mir leid."

Damit wurde ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen. In Gil stieg Wut auf. Warum lassen sie mich nicht zu Sara? Ich muss doch dabei sein! Sie braucht mich! Er trat kräftig gegen eine leere Getränkedose, die im Flur auf dem Boden lag. Nick und Cath waren mittlerweile auch eingetroffen und standen nun hinter ihm. Grissom raufte sich die Haare und begann auf dem Flur auf und ab zu tigern während er wartete.

Nick tat es ihm gleich, nur in die entgegengesetzte Richtung. Jeder der beiden Männer hing seinen Gedanken nach. Was machen die da drinnen nur? Wieso kommt denn keiner und sagt mir was los ist? Und warum durfte ich nicht mit hinein?

Wieso dauert dass denn so lange? Wenn das so weiter geht, haben wir hier noch den Fußboden durchgelaufen. Eine Schwester kam mit Blutkonserven auf dem Arm den langen Gang entlang gehetzt, so dass Grissom und Nick zur Seite springen mussten und verschwand mit dem Blut im OP.

Gil schwitzte. Ihm wurde immer mulmiger zumute. Als die Schwester wieder heraus kam, hielt er sie auf.

„Wie geht es meiner Frau?"

Seine Stimme zitterte vor Angst. Eigentlich wollte er die Antwort auch gar nicht wirklich wissen. Das was er gesehen hatte, reichte ihm als Antwort vollkommen aus. Die Schwester sah ihn an und meinte nur:

"Tut mir leid, Sir. Aber da müssen sie warten bis der Arzt kommt. Ich kann ihnen da nichts sagen."

Mit einem Lächeln verschwand sie.

Das waren fünf Blutkonserven die da hineingetragen wurden. Hat Sara soviel verloren? Dann sieht es nicht gut aus, stellte Nick mit Hilfe seiner langjährigen CSI-Erfahrung fest.

Plötzlich wurde die Tür erneut geöffnet, und eine Hebamme kam mit einem Baby auf dem Arm, das in eine warme Decke gewickelt war, heraus.

„Darf ich ihnen ihre Tochter vorstellen, Mr. Grissom? Vanessa Catherine Nicholas Grissom. Sie kam um 09.52 Uhr auf die Welt. Zwar etwas zu früh und noch etwas zu leicht mit 1900 g, aber dafür mit ihren 47 Zentimetern schon ziemlich groß. Und Schreien klappt auch schon ganz gut."

Sie legte Grissom das Baby kurz in die Arme damit er es anschauen konnte. Nick und Cath waren auf ihn zugegangen und besahen sich nun ebenfalls das kleine Menschlein in seinen Armen.

„Sie hat deine Augen, Gil.", sagte Cath.

Grissom fühlte sich in diesem Moment so stolz, wie noch nie in seinem ganzen Leben. Was sind schon meine ganzen Auszeichnungen gegen das hier? Meine Tochter. Mein kleine Prinzessin.

Nur schwer konnte er seinen Blick von dem Baby in seinem Arm lösen und die Hebamme ansehen.

„Ist sie gesund?"

„Wie schon gesagt, ja. Bis auf das Gewicht und die Tatsache dass sie etwas zu früh kam. Aber das ist kein Problem. Ich werde sie jetzt mitnehmen damit ich sie in den Brutkasten legen kann."

Grissom lächelte. Dann traf es ihn wie ein Schlag.

„Und meine Frau?"

Er schien die Hebamme mit seinen Augen förmlich zu durchbohren. Diese senkte ihren Blick zu Boden und wich ihm aus.

„Es geht ihr nicht so gut, Sir. Aber genaueres müssen sie die Ärzte fragen."

Damit nahm sie Grissom das Baby ab und lies die beiden Männer alleine stehen. Sara! Was ist mit dir? Bitte, warum sagt mir denn keiner was? Hilfesuchend blickte Gil zu Nick. Dieser zuckte nur hilflos mit den Schultern und begann daraufhin wieder auf und ab zu gehen.

Ich wusste es sieht nicht gut aus für Sara. Es muss doch irgendjemand Gil bescheid sagen was mit ihr ist! Das können die doch nicht mit ihm machen! Er wird hier ja noch verrückt vor Angst. Und ich auch, kommentierte Nick in Gedanken. In ihm stieg Wut auf. Wut auf die Ärzte, die hier alle im Unklaren ließen.

Beinahe zwanzig Minuten später öffneten sich die OP-Türen erneut und Dr. Kennedy und Dr. Pierce kamen in grüner Ärztekleidung heraus. Grissom sprang auf die beiden Gestalten zu und hielt die Luft an. Beide hatten die Köpfe gesenkt und vermieden es, ihm in die Augen zu blicken.

„Was ist passiert? Was ist mit Sara? Es geht ihr doch gut, oder?"

Grissom war nur noch panisch. Die beiden Ärzte tauschten einen Blick und Dr. Pierce war es, der schließlich das Wort ergriff.

„Mr. Grissom, es tut mir leid ihnen das sagen zu müssen, aber.... ."

Weiter kam er nicht da Grissom beide Hände an seine Schultern gelegt hatte und ihn leicht schüttelte.

„Was ist mit ihr? Sagen sie es mir endlich, Doktor!"

Sie ist doch nicht, nein, das darf nicht sein! Grissom malte sich in seinen Gedanken das schlimmste aus.

Dr. Pierce sah ihm direkt in die Augen.

„Sir, ich muss ihnen mitteilen, dass ihre Frau ins Koma gefallen ist." Gil lies den Arzt los, als ob dieser giftig wäre.

„Nein, dass darf nicht sein, das kann nicht sein. Sie müssen sich irren!"

Dr. Pierce hatte nun ebenfalls den Blick gesenkt.

„Es tut mir leid, Sir. Aber ihre Frau hat viel Blut verloren, sehr viel. Wir hatten Mühe, die Blutungen zu stoppen. Wir mussten ihr schon sieben Konserven geben und an der achten hängt sie momentan. Sie wird auf die Intensivstation verlegt. Es tut mir leid, Mr. Grissom. Aber ihrem Baby geht es gut. Das ist soweit über den Berg."

„Wenn sie möchten, Mr. Grissom, können sie ihre Frau in ca. 10 Minuten besuchen. Entschuldigen sie Dr. Pierce und mich bitte."

Die Ärzte gingen bedrückt von dannen.

Grissom stand da, inmitten des Krankenhausflures. Er fühlte sich so unglaublich leer. Das war alles ein Alptraum. Der furchtbarste Alptraum, den er je gehabt hatte. Wenn er die Augen wieder öffnen würde, würde bestimmt alles vorbei sein. Aber es war nicht vorbei.

„Neeeeeeeeeiiiiiiiiiiiin!!!!!"

Seine ganze Verzweiflung entlud sich in diesem einen, lautstarken Schrei. Cath ging auf ihn zu und zog ihn an sich. Kaum hatte sie ihn umfasst, als Gil am ganzen Körper zitternd in ihren Armen zusammensackte. Er weinte hemmungslos in die Schulter seiner Freundin. Er fühlte sich, als ob ihm jemand das Herz herausgerissen hätte.

„Was soll ich tun, was soll ich bloß tun?" Cath strich ihm über den Rücken und versuchte ihn zu beruhigen.

So hatte sie Gil noch niemals gesehen. Er war völlig aufgelöst und nicht fähig, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Er liebt sie wirklich abgöttisch, dachte Cath sich.

„Es wird alles gut werden, Gil. Sara ist eine Kämpferin. Sie wird das schaffen. Und deine Tochter auch."

Toll, Cath… Das war der absolute Schwachsinn. Etwas Besseres ist dir jetzt auch nicht eingefallen, schalt sie sich in Gedanken. Die Krankenhausangestellten schauten voller Mitleid auf das Bild das sich ihnen da bot. Es war ja nicht jeden Tag der Fall, dass ein CSI den andern tröstend im Arm hatte. Grissom fühlte sich, als wäre ihm der Erdboden unter den Füßen weggezogen worden.

Alles was ihm wichtig war, drohte er zu verlieren. Nur ganz langsam lies sein Schluchzen nach. Er hatte Angst. Angst und Panik waren die einzigen beiden Gefühle, die momentan in ihm herrschten. Angst um Sara und um seine Tochter. Andererseits war da auch ein ganz kleiner Funken Glück in ihm. Glück darüber, dass er gerade eben Vater geworden war. Auch wenn die Sorgen bei weitem überwiegten.

„Komm Gil. Gehen wir zu Sara."

Sanft schob Catherine ihn etwas von sich und reichte ihm ein Taschentuch. Grissom bebte noch immer am ganzen Körper. Dankbar sah er seine Kollegin an und wischte sich das Gesicht ab. Dann folgte er ihr auf die Intensivstation. Nachdem Cath und er sich einen grünen Kittel übergezogen hatten, betraten sie das Zimmer. Saras Anblick trieb Gil erneut die Tränen in die Augen. Auch Cath konnte ein Glitzern in ihren Augen nicht verhindern.

Sie lag da, mit Infusionen in den Armen durch welche das Blut aus der Blutkonserve und verschiedene andere Medikamente flossen, einem Sauerstoffschlauch in der Nase und die Kabel des EKGs aus dem Kragen des Krankenhausnachthemdes kommend. Ihr Gesicht war so weiß wie das Laken auf dem sie lag. Sie hatte die Augen geschlossen. Gil Grissom setzte sich neben sie auf den Besucherstuhl und griff nach der Hand seiner Frau um sie zu küssen.

„Ich bin da, Sara. Ich bin da. Baby Grissom geht es soweit gut."

Gil strich ihr mit seiner freien Hand über die Stirn und die Wange.

„Du kannst mich doch jetzt nicht alleine lassen. Das geht nicht."

Grissom brach erneut in Tränen aus. Sie liefen nur so über seine Wangen hinab ohne dass er sie stoppen konnte. Cath war hinter ihn getreten und legte ihm ihre Hand auf die Schulter.

„Das wird wieder, Gil." „Sara schafft das. Mit deiner Hilfe. Ich weiß, das tröstet dich jetzt auch nicht. Aber du sollst wissen, dass du mich erreichen kannst, wann immer du mich brauchst."

Die Worte von Cath, drangen nur gedämpft zu Grissom vor.

„Danke, Cath. Aber ich möchte jetzt erstmal mit ihr alleine sein."

„Keine Ursache. Ich muss sowieso zurück ins Labor."

Cath machte eine kleine Pause bevor sie weiter sprach.

„Was darf ich denn den anderen erzählen?" Forschend blickten die Augen der CSI auf Gil herab.

Als ob das jetzt das Wichtigste wäre. Verdammt nochmal, Sara liegt hier im Koma und sie fragt mich, was sie im Labor verkünden darf. Hat sie denn nichts Besseres zu tun? Grissom dachte es sich, sprach es aber nicht aus.

„Die Wahrheit. Es hat ja eh schon jeder mitbekommen.", kam die etwas patzige Antwort von Gil.

Unter normalen Umständen hätte Cath solch einen Ton nicht geduldet, aber das hier war ja alles andere als normal und Gils Wut auf diese Frage nur all zu verständlich.

„Gut. Dann werde ich jetzt gehen. Wenn du etwas brauchst, ruf mich an. Ich werde morgen früh noch mal vorbeikommen."

„Danke, Cath. Für alles was du für uns getan hast.", Grissom sah dabei seine Freundin nicht an.

Sein Blick ruhte einzig und alleine auf Sara.

„Das war doch selbstverständlich, Gil."

Jetzt drehte er doch den Kopf zu Cath. Die beiden nickten sich zu während sie einander einen kurzen Moment ansahen, bevor Cath den Raum verlies.

Sie fühlte sich ebenfalls hilflos und hatte Angst um Sara. Sogar sehr große Angst. Mit einem Toten beim CSI konnte sie einigermaßen umgehen, aber das mit Sara zehrte auch an ihr. Völlig in Gedanken versunken, traf sie Nick auf dem Flur, der sie nur wissend ansah. Sie stiegen ins Auto und machte sich auf den Rückweg zum CSI Labor.

„Greg?"

„Ja Reena?" Greg sah Reena an, die bei ihm im Labor saß und unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschte.

„Sara hat ziemlich viel Blut verloren."

„Das hat sie. Hoffentlich hat das nichts zu bedeuten."

Beide sahen sich einen Augenblick direkt in die Augen.

„Ich hab so ein dummes Gefühl. Die ganzen Probleme die sie während ihrer Schwangerschaft hatte.", brachte Reena kaum hörbar hervor.

Greg griff nach ihrer Hand und streichelte sanft darüber. Er war genauso verängstigt wie sie. Schließlich waren es seine beiden besten Freunde, um die es hier ging.

Während die beiden so da saßen, riss plötzlich Calleigh die Tür auf und steckte den Kopf in das Labor.

„Reena, Greg. Nick und Cath sind zurück!"

„Wir kommen.", riefen beide gleichzeitig.

Die beiden standen auf und traten mit Cal, die gesehen hatte wie die Cath und Nickl auf dem Parkplatz aus dem Wagen gestiegen waren, zusammen raus auf den Flur des Labors.

Gespannt warteten alle, bis Cath und Nick den Fahrstuhl verliesen. Cath und Nick hatten die ganze Fahrt über darüber nachgedacht, wie er es der Belegschaft am besten mitteilen konnten, waren aber noch nicht wirklich auf eine Ideallösung gestoßen. Mit hängendem Köpfen, und nur mühsam beherrscht straffte sich Nick und begann sich zu räuspern.

Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Du musst jetzt irgendetwas sagen, Nick... Jetzt kommst du aus der Sache nicht mehr raus, dachte er sich.

„Wie ihr alle wisst, haben bei Supervisorin Sara Grissom heute Vormittag die Wehen eingesetzt.", begann er mit leiser und nicht ganz so fester Stimme.

Cal sah zu Greg und Reena. Das war nicht der Nick, den sie alle kannten. Es ist etwas passiert. Eindeutig! Kam Cal zu dem Entschluss.

„Nun, Dr. Gil Grissom wurde heute, am 14. Februar 2008, um 09.52 Uhr Vater eines gesunden Mädchens. 47 Zentimeter groß und 1900 Gramm schwer. Runde sieben Wochen zu früh. aber ansonsten ist alles in Ordnung."

Wieder machte Nick eine kleine Pause. Leises Gemurmel begann, dass bald wieder verstummte.

„Und wie geht es Sara?"

Es war Sasha, der die Frage der Fragen, die allen auf der Seele brannte, zu stellen gewagt hatte. Nick sah ihn mit gequältem Blick an. Dem jungen CSI wurde dabei ganz unwohl zumute. Jeder der im Labor anwesend war, hielt den Atem an. Die Spannung die in der Luft lag, konnten alle spüren.

Nicks Hände begannen leicht zu zittern und er zögerte.

Cath beschloss, weiter zu reden. Aber sie wollte ihren Kollegen nicht die volle Wahrheit zu sagen.

„Ihr geht es nicht so gut. Ich bitte euch eindringlich im Namen von Gil Grissom, von Besuchen jeglicher Art vorerst Abstand zu nehmen.

Alle nickten nur. Sie wussten in diesem Moment, dass etwas passiert war, über das Cath und Nick nicht reden wollten beziehungsweise nicht reden konnten oder durften. Cath drehte sich um und wollte in ihr Büro gehen, als ihr noch etwas einfiel.

„Calleigh, Sasha, Reena und Greg, bitte folgt mir in mein Büro."

Die vier Angesprochenen sahen sich an und gingen Cath nach.

„Warrick, Nick, bitte kommt auch mit.", sagte Cath noch im vorbeilaufen.

Nach einem kurzen Blickwechsel traten auch die beiden in Caths Büro.

Cath sah Nick an, der wusste, dass er es den anderen sagen musste.

Nick lies sich in einen Sessel fallen, stützte sich mit den Ellenbogen auf dem Schreibtisch ab und rieb sich die Schläfen. Er konnte es gegenüber den anderen nicht zugeben, aber er war mit seinen Nerven beinahe am Ende.

„Setz euch bitte und Sasha, schließ die Tür!"

Nick wartete einen Moment, ehe er tief durchatmete. Reena hielt es nicht mehr aus.

„Wie geht es Sara wirklich?" Nick fuhr ruckartig zusammen, hob seinen Kopf etwas und blickte von einem zum anderen.

Die Unruhe, die Nick selber hatte, sprang nun auch auf seine Kollegen über.

Diese stellten sich alle die gleiche Frage. Was hatte ihn so aus der Fassung gebracht? Es war offensichtlich, dass Nick nicht so beherrscht wie sonst war. Die Sache ging ihm sehr an die Nieren, und er hatte es aufgegeben, seine Maske aufrecht zu erhalten. Das hatte jetzt eh keinen Sinn mehr.
Reiß dich zusammen, Nick. Du musst es ihnen sagen.

„Leider habe ich schlechte Nachrichten von ihr."

Oh man. Schlimmer kann es ja nicht mehr werden, schoss es Cal durch den Kopf.

„Sara ist während dem Kaiserschnitt ins Koma gefallen."

Er lies die Worte erstmal so im Raum stehen. Entsetzt sahen alle Nick an. Es herrschte einen Moment lang eisernes Schweigen, dass eine zitternde Stimme unterbrach.

„Nick, wie ist das passiert?" Der Blick von Nick hatte einen Anflug von Schmerz, als er Cal direkt in die Augen sah.

„Der Blutverlust war wohl zu hoch. Momentan bekommt Sara die achte Konserve. Die Ärzte hatten Mühe, die Blutung überhaupt zu stoppen."

„Und wie geht es Gil? Wie hat er es aufgenommen, Nick, Cath?"

Ich kann ihnen doch nicht sagen, dass er geweint hat wie ein Schlosshund, dachte sich Cath.

„Schlecht. Das könnt ihr euch ja denken, Gil…. er ist bei ihr."

Reena Procter drückte voller Verzweiflung die Hand von Greg. Sie hatte selber schon mal ein Kind nach der Geburt verloren, aber dass was hier mit ihren Freunden passierte, war ihrer Meinung nach noch viel schlimmer.

Auch Greg Sanders schossen die Tränen in die Augen, die er verstohlen mit einer Hand wegwischte während er mit der anderen Reenas Hand fest drückte und ihr liebevoll mit dem Daumen über das Handgelenk strich.

„Nick, soll ich Horatio und die anderen aus Miami informieren?"

Cal hatte Recht. An die hatte noch niemand gedacht, schoss es Nick durch den Kopf.

„Mach das bitte Cal, ich selber werde Luka Dacanti Bescheid sagen.", sagte Nick und seufzte leicht auf.

„Okay Nick."

Cal war aufgestanden als sich Nick und Cath noch mal an alle wandten.

„Und das eins klar ist! Dass, was ich euch eben mitgeteilt habe, darf diesen Raum hier unter keinen Umständen verlassen! Grissom würde nicht wollen dass es an die große Glocke kommt."

„Selbstverständlich, Nick."

„Ihr könnt selbstverständlich Sara besuchen, aber nicht alle auf einmal, das wäre zuviel für sie und Grissom. Am besten ihr wechselt euch ab und nicht zu lange bitte.", gab Nick noch mal zu verlauten.

„Gil wird wohl die nächsten Tage auch nicht zum Dienst erscheinen. Ich werde solange seine Vertretung übernehmen, sagte Cath.

„Das wäre dann alles. Ich werde Euch, sobald es etwas Neues gibt, natürlich auf dem Laufenden halten."

Alle standen schleunigst auf, verliesen das Büro um sich an die Arbeit zu machen. Erschöpft lies sich Catherine Willows-Brown in ihren Ledersessel fallen und schloss die Augen. Sie hatte Kopfschmerzen bekommen. Du wirst heute mal früher nach Hause gehen, Catherine und dich um Lindsay kümmern. Dann fing sie an, in ihrer Schublade nach einer Packung Aspirin zu suchen, die sich eigentlich dort befinden musste. Aber sie fand sie nicht. Hektisch riss sie alle Schubladen auf um die Aspirin durch Zufall auf dem Schreibtisch unter einem Papierberg liegen zu sehen.

... TBC