Jetzt wieder ein etwas kürzeres Kapitel und auch nicht sehr Ereignisreich, nur ein bisschen Ruhe vor dem Sturm^^

Danke an Dana und SveanJa für das Feedback, hat mich wirklich gefreut.

Jetzt aber nicht viel Gerede, viel Spaß beim Lesen und frohe Ostern!

Esme PoV

If it's gonna be a rainy day
There's nothing we can do to make it change
We can pray for sunny weather
But that won't stop the rain
Feeling like you got no place to run
I can be your shelter 'til it's done

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag ich alleine im Bett. Ich öffnete die Augen und wartete bis meine Sicht klar wurde, dann drehte ich mich um. Die Laken waren so ordentlich wie am Abend. Für einen Moment schloss ich noch einmal die Augen und schwang dann die Bettdecke zur Seite und meine Füße aus dem Bett. Ich band meine Haare in einem Zopf zusammen und zog mein Top zurecht, dann stand ich auf und ging Richtung Tür. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir erst halb Acht hatten und somit alle noch schlafen würden.

Ich stieg die Treppen nach unten und tatsächlich war alles noch still, die Zimmertüren waren alle noch geschlossen. Unten angekommen, bog ich in die Küche ein, alles sah noch genauso aus, wie am Abend zuvor. Die Weingläser standen noch zwischen den Buchstaben und einer der Hocker war umgekippt, sicher als Rose und Carlisle zu Boden gefallen waren. Ich schluckte und stellte den Hocker wieder vorsichtig auf. Dann lief ich hinüber ins Wohnzimmer. Die Sonne schien durch die großen Scheiben hinein und der Staub tanzte in ihren Strahlen. Eine wundervolle Wärme erfüllte mich, als ich Rose und Carlisle zusammen auf dem Sofa liegen sah, sie schliefen beide tief und fest.

Ich lies mich auf den Sessel fallen, der mir am nahsten war, ohne meinen Blick von ihnen zu lösen. Ich konnte nicht beschreiben wie glücklich ich war, Carlisle gefunden zu haben und mit ihm seine Kinder. Rose, Jazz und Edward waren wunderbar, ich hatte sie ins Herz geschlossen in dem Moment als ich sie das erste Mal getroffen hatte. Und ich war wirklich erleichtert, dass sie mich scheinbar genauso schnell akzeptiert hatten. Es hatte alles so viel einfacher gemacht.

Wir hatten uns vor fünf Jahren kennen gelernt, auf einem Elternabend, damals haben wir festgestellt, dass unsere Kinder miteinander gingen, wie sie es damals so formell ausgedrückt hatten. Wir hatten uns auf Anhieb wundervoll verstanden und es dauerte nicht lange, bis er mir gezeigt hatte, was es wirklich bedeutete, einen Menschen mit ganzem Herzen zu lieben. Meinen Ex-Mann, so wurde mir damals klar, hatte ich niemals wirklich geliebt, genauso wenig wie er mich geliebt hatte. Aber er hatte mir meine Kinder geschenkt und dass war genug um ihm dankbar zu sein, bis an mein Ende.

Und gerade als ich an meine Kinder dachte, höre ich schwere Schritte auf der Treppe und nicht wenig später trat Emmett in den Raum, er schaute von mir zu Rose und wieder zurück, er hob eine Augenbraue und schaute mich fragend an. Ich stand von meinem Sessel auf und lief vor ihm her in die Küche. Verwirrt schaute er sich das Durcheinader auf der Theke an, es war nicht die Regel, dass so etwas über Nacht liegen blieb.

„Was ist hier den passiert?" ich nahm schweigend die Weingläser und bedeutete ihm, leiser zu sprechen.

„Es war etwas... chaotisch letzte Nacht." Flüsterte ich und stellte die Gläser ins Waschbecken.

„Und was bedeutet chaotisch?" ich hatte das Gefühl, dass sein Flüstern fast lauter war, als seine normale Stimme. Ich überlegte, wie ich antworten sollte, entschloss mich dann für die ganze Wahrheit.

„Rosalie ist weinend zusammen gebrochen und Jasper ging es auch nicht wirklich gut... es ging um Edward." Ich schluckte schwer, als ich an gestern zurück dachte. Emmett schaute mich mit großen Augen an.

„Warum hat mich denn keiner geweckt?" fragte er.

„Es war ein wichtiger Moment für Jazz, Rose und Carlisle... es wäre nicht klug gewesen noch jemanden dazu zu holen,,, besonders für Jasper."

„Aber..."

„Nein Emmett." Ich beendete die Diskussion bevor sie überhaupt richtig anfangen konnte und stellte meinem Sohn ein Stück Kuchen vor die Nase.

„Soll ich dir einen Kaffee kochen?" er nickte nur und setzte sich schweigend auf einen Hocker an der Bar während ich anfing zu hantieren. Es war für eine lange Zeit still, Emmett pickte schweigend die Krümel von seinem Teller und schaute dabei verloren aus dem Zimmer, wahrscheinlich machte er sich Gedanken um Rose.

Ich sah ihm eine Weile dabei zu, bis ich den Kopf gedankenverloren schüttelte und den Kaffee in eine Tasse schüttelte und sie zu meinem Sohn stellte.

„Danke Mum." Murmelte er, nahm die Tasse und stand auf.

„Ich muss eben was nachgucken." Damit verlies er den Raum und ging wieder nach Oben. Ich schaute ihm für einen Moment hinterher und räumte dann seinen Teller in die Spülmaschinen. Ich überlegte mir dann ob ich vielleicht auch noch mal nach oben gehen sollte, vielleicht etwas lesen, oder ein wenig arbeiten. Doch dann sah ich hinüber zu dem Sessel auf dem ich gerade noch gesessen hatte und entschloss mich, diesen Platz wieder einzunehmen.

Ich schenkte mir ebenfalls eine Tasse Kaffee ein und lief wieder hinüber ins Wohnzimmer und lies mich auf dem Sessel nieder, der mittlerweile in der Sonne stand. Gedankenverloren rührte ich in meiner Tasse herum und mein Blick verharrte auf meinem schlafenden Ehemann von zwei Jahren. Ich lächelte kurz in mich hinein bei dem Gedanke, dass wir jetzt schon zwei Jahre verheiratet waren.

Dann wanderten meine Gedanken zurück zu eben diesem, sein Gesicht war so entspannt, es sah so viel jünger aus. Er sah mehr aus, wie der Mann, denn ich damals kennen gelernt hatte und in den ich mich verliebt habe. So viel Sorgenfreier als heute. Ich würde ihm so gerne etwas von der Last nehmen, die er trug, aber ich hatte das Gefühl, dass ich nicht zu ihm durchdringen konnte. Nicht komplett zu mindestens. Er versuchte alleine mit allem fertig zu werden.

So wie er schon einmal alleine fertig geworden ist; damals mit der Krankheit und dem darauf folgenden Tod seiner ersten Frau. Er war alleine und musste für seine Kinder da sein, immer stark sein und immer die Hoffnung vermitteln, dass das Leben weiter ging. Er hat mir erzählt, wie schwer es war für Rose, Jasper und vor allem für Edward. Aber wirklich von seinem Schmerz gesprochen hatte er nie. Er hat immer nur betont, dass die Kinder ihm Hoffnung gegeben hatten, den Willen weiter zu machen und dass er das ohne sie alles nicht geschafft hätte. Ich wollte mir nie Gedanken über den Inhalt dieses Satzes machen, es versetzte meinem Herz einen Stich.

Ich konnte mir ein Leben ohne Carlisle nicht mehr vorstellen, ein Leben ohne ihn und unsere Familie, es war undenkbar. Wenn wir Edward verlieren würden...

Ich nahm einen großen Schluck Kaffee und versuchte an etwas anderes zu denken. Ich versuchte an die nächsten Wochen zu denken, was wir noch alles erledigen mussten, bevor Weihnachten vor der Tür stand. Aber dieser Gedanke endete schließlich wieder bei Edward und seiner bevorstehenden Chemotherapie. Mir wurde schlecht bei dem Gedanke und ich musste die Kaffeetasse abstellen.

Die letzte Therapie hatte nicht angeschlagen. Es war der pure Horror. Es trieb mir die Tränen in die Augen, wenn ich nur daran dachte. Edward litt unglaublich in dieser Zeit, er ertrug so viel und kämpfte so sehr und am Ende war es ohne Erfolg. All der Schmerz war umsonst.

Und jetzt würde er das alles ein zweites Mal durchleben. Ein zweites Mal hoffen, dass der Tumor zerstört werden würde. Ein zweites Mal würde er durch die Hölle gehen. Wir würde alle für ihn da sein, aber wir konnten nur erahnen, was er durch machte.

„Guten Morgen, Esme." Wenn ich meine Kaffeetasse noch in der Hand hätte, dann wäre sie mir mit Sicherheit jetzt vor Schreck aus den Händen gefallen.

Ich drehte mich um und Edward stand grinsend in der Küche.

„Meine Güte Edward, hast du es dir zum Ziel gesetzt, mich zu Tode zu erschrecken?" er hob seinen Kopf schief und grinste noch breiter. Manchmal hatte ich das Gefühl, wirklich nur manchmal, dass er das gerne tat; Leute zu erschrecken, andere Male glaubte ich, so wie jetzt, dass er Gedanken lesen konnte und immer genau das Richtige tat um einen aufzumuntern.

Und als er nicht aufhörte zu grinsen, musste ich ebenfalls lachen Seine Fröhlichkeit war so ansteckend. Ich stand auf und ging zu ihm rüber in die Küche. Er setzte sich auf den Platz, auf dem Emmett heute Morgen schon gesessen hatte.

„Hast du gut geschlafen?" fragte ich ihn und setzte mich ihm gegenüber. Er schien zu überlegen.

„Ja." Meinte er dann ruhig und so gelassen, als würde er sich sicher sein, mit seiner Antwort den Nobelpreis zu gewinnen.

„Das ist schön." Meinte ich dann. wuschelte ihm durch die Haare und stand wieder auf. „Willst du was trinken?" ich wand mich zum Kühlschrank.

„Gibst du mir ein Glas Orangensaft." Ich hatte die Flasche schon in der Hand.

„Natürlich!" ich stellte ihm das Glas hin und setzte mich wieder.

„Wie lange wart ihr noch auf gestern?" Edward schaute sich das Scrabblespielbrett an, dass noch immer hier herum lag.

„Ich weiß nicht vielleicht eine Stunde. Rose und Carlisle haben noch einen Film angefangen, als ich und Jasper ins Bett sind." Ich hatte mir vorgenommen, nicht die Wahrheit zu sagen. Nicht die Volle zu mindestens.

Edward drehte sich um und reckte sich so, dass er um die Ecke zum Sofa sehen konnte. Er grinste und drehte sich zu mir um.

„Rose war schon immer Dads Baby." Ich nickte nur und lächelte.

Lieben Dank fürs Lesen!