Kapitel 2
„Ausgerechnet im tiefsten Alaska müssen die sich verbarrikadieren," grummelte Wheeler, während er die Drähte des Sicherheitszaunes durchbrannte.
„Ich dachte immer du wärst so ein heißer Typ?!" stellte Lenka nun lächelnd fest.
„Willst du wissen, wie heiß genau?!" fragte er anzüglich und legte ihr den Arm um die Hüfte.
„Ich komm drauf zurück, wenn ich frieren sollte," erwiderte sie lächelnd und Wheelers grinsen wurde noch breiter.
„Dann lasst uns mal sehen, was diese Schurken hier wieder treiben. Passt auf wo ihr hintretet. Wer weiß, ob sie nicht irgendwelche Fallen aufgestellt haben. Um so später sie uns bemerken, um so besser," sagte Kwame und ging voran.
Sie hatten das Gebäude fast erreicht, als ein Rudel bösartig keifender, riesiger Hunde auf sie zugeschossen kam. Mati setzte geistesgegenwärtig seinen Ring ein.„Ich kann nichts machen, sie werden irgendwie manipuliert. Lauft!" rief er dann und sie nahmen die Beine in die Hand.
Kwame wandte sich um und ließ eine Grube vor den Hunden aufklaffen. Zwei fielen hinein, doch die anderen 8 sprangen einfach darüber hinweg. Es hatte ihnen nur einige wenige Meter Vorsprung verschafft und die Hunde holten immer weiter auf. Ma-Ti sprang und hangelte sich zu einem Fenstersims hoch. In der riesigen Fensteröffnung verharrte er und half Kwame und Gi hinauf. Wheeler half Lenka hinauf und wollte grade selbst springen, als er von einer der Bestien zu Boden gerissen wurde. Schützend hielt er die Arme vor's Gesicht, in denen sich das Vieh sofort verbiss. Doch schnell war er frei von diesem und auch die anderen waren aus seinem Sichtfeld verschwunden. Sofort sprang er auf und folgte den anderen auf das Sims. Das Fenster war kaputt und er sprang den anderen in die Halle hinunter nach, hockte sich zu ihnen in den Schutz einiger großer Kisten.
„Was war denn bei dir schon wieder los?" fragte Kwame Wheeler nun.
„Ich bin nur fast von diesen Bestien zerfleischt worden, sonst ist alles in Ordnung."
„Warum hast du nicht dein Feuer eingesetzt?" fragte Mati ihn nun.
„Ich zünde doch keine Hunde an."
„Du hättest ihnen nur etwas Angst machen müssen," sagte Gi.
„Sie hätten dich umgebracht, wenn ich sie nicht fortgeblasen hätte," sagte Lenka.
„Was noch lange kein Grund ist, sie anzuzünden," erwiderte Wheeler sofort und stöhnte kurz auf, als Lenka sich seinen Arm ansah. Die Jacke hatte die Zähne gut abgehalten und so hatten sie ihn nicht verletzt. Die Beißkraft der Kiefer hatten allerdings Abdrücke hinterlassen, die sich bereits dunkel verfärbten.„Noch mehr Prellungen, prima." Wheeler zog sich den zerfetzten Ärmel zurecht.„Danke übrigens, Babe," sagte er dann und Lenka nickte kurz, ehe sie den anderen dreien hinterher krochen, die sich im Schutz der Kisten vorwärts bewegten.
Sie traten durch eine Tür in einen Raum, der voll gestopft war mit Käfigen aller Größen, voll mit jammernden Hunden und Katzen.
„Sie sind total verängstigt und haben Hunger. Mit denen haben sie noch keine Versuche gemacht," sagte Mati, während er seinen Ring benutzte, um die Tiere zu beruhigen.
„Die örtlichen Behörden wird das ziemlich interessieren," sagte Gi, während sie Fotos mit ihrem Kamerahandy machte.„Das reicht schon, um sie wegen Diebstahl und Tierquälerei ausheben zu können."
„Wenden wir uns also an die Behörden und überlassen es ihnen?" fragte Mati nun.
„Schon passiert. Ich hab ihnen die Fotos grade geschickt."
„Dann ist dieser Schnickschnack in den Telefonen wenigstens mal zu etwas gut," wandte Kwame ein.„Lasst uns nachsehen, ob wir Plünder und Plage finden und herausfinden können, was sie hier treiben."
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------Sie schafften es ungesehen bis in den hinteren Teil der alten Fabrik und schlüpften in einen Computerraum. Ein riesiger Computer zierte eine Wand und in der Mitte stand ein Edelstahltisch.
„Hier müssen sie ihre Experimente durchführen," sagte Gi.
„Ja, aber was machen sie hier mit den Tieren?" fragte Wheeler nun.
„Ich könnte den Computer überprüfen," schlug Lenka vor.
„Nein, das ist zu gefährlich. MAL könnte es mitbekommen und dann wüssten diese Schurken direkt bescheid, dass wir hier sind." Kwame hatte noch nicht fertig gesprochen, als hinter ihnen eine Schiebetür aufglitt und die drei Schurken persönlich den Raum betraten, während gleichzeitig der Computer ansprang und MAL auf dessen Bildschirm erschien.
„Oh, wir wissen schon längst bescheid, dass ihr hier seid." MAL's Stimme hallte durch den Raum und ließ die fünf Freunde zusammenzucken.
„So wie's aussieht haben wir fünf Planetenratten gefangen. Was fangen wir jetzt mit denen an, Boss?" fragte Blake grinsend. Wheeler richtete seine Ringhand auf ihn, doch er zückte sofort eine Pistole und richtete sie auf ihn.„Das würde ich schön bleiben lassen Feuerfreak."
„Und denkt nicht mal dran euren Captain zu rufen," sagte nun Plünder und er und Dr. Plage zückten ebenfalls eine Waffe.
„Wir lassen uns von euch nicht länger dazwischenfunken." Dr. Plage wandte sich dem Tisch zu und setzte eine rote Katze darauf. Sie sah sich verwirrt um, zu eingeschüchtert, um fortzulaufen.„Seht und staunt Planetenpest. Wir machen uns die Haustiere zunutze, um Chaos und Angst zu verbreiten. MAL, Schätzchen, würdest du bitte erläutern, was ich hier mache."
„Natürlich Doktor. Alle ihre Wünsche sind mir Befehl. Wie ihr sehen könnt ist dieser Kater total verängstigt. Undenkbar, dass er gefährlich sein könnte, oder?! Aber hier wird ihm eine Lösung injiziert, die einen Mikrochip enthält, der so klein ist, dass er nicht von medizinischen Geräten gefunden werden kann. Der Chip wird sich innerhalb von Sekunden im Gewebe festsetzen." MAL erklärte dies, während Dr. Plage der Katze die Spritze setzte.
„MAL kann jetzt auf mein Kommando hin einen bestimmten oder sogar alle bisher verpflanzten Chips aktivieren. Dabei sondert der Chip Impulse aus, die dem Tier Schmerzen zufügen und es dank seinem natürlichen Instinkt aggressiv wird." Dr. Plage nickte MAL zu, nachdem sie fertig war und sofort zuckte die Katze zusammen, ehe sie wild fauchend vom Tisch hastete und sich in einer Ecke verkroch.
„Warum tut ihr Bestien so was?" brauste Wheeler nun auf.
„Die Menschen werden schockiert sein, wenn ihre Tiere auf einmal durchdrehen. Sie werden in eine regelrechte Panik ausbrechen und die Tiere töten wollen. Irgendwann werden sie von dem Gedanken besessen sein, dass alle Tiere gefährlich sind und nach und nach alle ausrotten, was mir ausgesprochen gut gefällt," erläuterte Blake.
„Was wieder rum die Verkaufszahlen meiner Roboterhaustiere in die Höhe treiben wird, die natürlich nicht mit Solarenergie betrieben werden," sagte Dr. Plage arg lachend.
„Und wo keine Tiere mehr sind, müssen auch keine natürlichen Lebensräume erhalten werden. Die Wälder dieser Erde warten dann nur noch darauf von mir abgeholzt und zu barem Geld gemacht zu werden," wandte Plünder King grinsend ein.„So schreitet mit diesem kleinen Geniestreich die Zerstörung der Erde von ganz allein voran."
„Das ist das Widerlichste, was ihr je zustande gebracht habt," sagte Lenka fassungslos.
„Damit kommt ihr nicht durch."
„Und wer will uns daran hindern Erdfresse?" fragte Blake höhnisch, trat auf Kwame zu und hielt ihm die Waffe an die Schläfe, um klar zu stellen, wer hier die Trümpfe in der Hand hielt.
Wheeler, der in seiner Heimat mehr als einmal in einer solchen Situation war, konnte die Waffe an der Stirn seines Freundes neben sich nicht ruhig ertragen und packte Blakes ausgestreckten Arm, verpasste ihm einen Hieb und stieß ihn auf Plünder und Dr. Plage zu. Noch während Blake die beiden zu Boden riss, schlug Wheeler einen Stuhl auf das Kontrollpult, auf dem in großen Buchstaben ‚Chipkontrolle' stand. Es funkte und qualmte, während MAL jammerte, dass er die Kontrolle über die Chips verlor und sie unnütz seien.
Wheeler indessen hechtete los und schnappte sich noch im Laufen die Katze, die verwirrt aus ihrer Ecke gekommen war. Er hatte die Tür kaum erreicht, als die Umweltschurken hinter ihm wild drauf los schossen. Er ließ sich auf den Rücken fallen und rutschte den letzten Meter über den glatten Boden durch die Tür. Kwame drückte sofort den Knopf zur Sperrung der Brandschutztür und wirklich ging diese zu und verriegelte augenblicklich.
„Bist du total übergeschnappt Yankee? Sie hätten dich töten können," stellte Lenka nun fest, als sie ihm auf die Beine half und die Katze das Weite suchte.
„Hey Babe, ich war schon in weitaus übleren Situationen. Lasst uns verschwinden, die Tür wird sie nicht ewig aufhalten," erwiderte er nur und sie rannten los.
„Wie sollen wir hier raus kommen? Die Hunde sind noch da draußen," keuchte Mati.
„Die dürften keine Gefahr für uns sein. Ich hab das Kontrollpult zerstört," erwiderte Wheeler und erntete einen überraschten Blick seiner Freunde.
„Achtung, Achtung. Spione treiben sich in der Fabrik herum. Sie müssen mit allen Mitteln aufgehalten werden." Plünders Stimme tönte über die Lautsprecher.
Plötzlich riss es Wheeler von den Füßen und er landete am Rücken. Die zwei Handlanger Plünder King's hatten sie abgepasst und der größere von ihnen hatte ihm ein Holzbrett an den Kopf geschlagen.
„Wheeler!" rief Lenka und wandte sich ihm zu, während Gi und Kwame ihre Kräfte nutzten, um die beiden Widersacher ruhig zu stellen.
„Oww, warum ist das heut einfach nicht mein Tag?!" stellte Wheeler fest und fasste sich an den Kopf und spürte, dass er nicht nur weh tat, sondern dieser Kerl ihm eine beachtlich blutende Platzwunde verpasst hatte.
„Hier, drück das darauf. Ich sehe mir das an, sobald wir in Sicherheit sind." Lenka drückte ihm ein Tuch auf die Wunde, ehe er seine Hand darauf legte und sich von ihr und Ma-Ti auf die Beine helfen ließ. Ihm war einen Moment schwindelig, doch Lenka packte seine Hand und zog ihn mit sich, fest entschlossen ihn weder aus den Augen noch los zu lassen, bis sie draußen waren – er war heute eindeutig zu Verletzungsgefährdet.
„Wir müssen die Tiere raus lassen," keuchte er dann, als sie durch den Raum mit den eingesperrten Tieren kamen.
„Ich sehe keinen Hauptschalter," erwiderte Kwame und im selben Moment ertönten Schüsse. Die drei Umweltschurken hatten sie eingeholt und sofort suchten die fünf Freunde Deckung hinter den Kisten und Käfigen.
„Hey Kwame. Ich glaube es ist Zeit für Teamwork," rief Wheeler und die Antwort erfolgte prompt von der anderen Seite des Raumes.
„Dann lasst uns die Kräfte vereinen. Erde!"
„Feuer!"
„Wind!"
„Wasser!"
„Liebe!"
„Durch eure vereinten Kräfte, bin ich Captain Planet! Oh ich seh schon wer euch wieder das Leben schwer macht. Ich kümmere mich um diese Ganoven und anschließend die armen Tiere. Geht ihr derweilen frische Luft schnappen."
Das ließen sie sich nicht zweimal sagen und rannten nach draußen. Kaum vor der Fabrik angekommen, öffneten sie das große Tor für die Polizei, die grade hinter dem Hügel auftauchte. Sie blieben stehen und warteten bis sie angehalten hatten und die Polizisten ausstiegen, damit Kwame und Gi ihnen die Sachlage erklären konnten. Ma-Ti indessen holte bei einem der Polizisten einen Erste-Hilfe-Koffer.
„Mann, war das ein Tag," stöhnte Wheeler und lehnte sich an die Motorhaube eines Polizeiwagens, während Lenka Ma-Ti den Koffer dankbar abnahm.„Ich bin aber auch ein ziemlicher Glückspilz, was?!"
„Ich weiß nicht, wie du in deinem Zustand noch Scherze machen kannst Yankee. Du hast mal wieder nicht nachgedacht."
„Hey Babe, ich bin auf der Straße aufgewachsen. Bewaffnete zu überrumpeln ist meine leichteste Übung."
„Aber auch die dämlichste. Sie hätten dich töten können," sagte sie arg und war froh, dass Wheeler den Kopf so schief halten musste, während sie seine Kopfwunde verband, dass er ihr nicht in die Augen sehen konnte – sie kämpfte mit den Tränen, weil sie noch nie so nahe daran gewesen war, wie heute, ihn zu verlieren und dies erschreckte sie mehr, als alle Umweltsünden der Welt.
„Was bedeutet schon ein Leben, wenn man damit dass von vier Freunden und etlichen Tieren retten kann," erwiderte Wheeler brummelnd, auf ihre harschen Worte, während sie mit seinem Kopfverband fertig wurde.
„Verdammt Yankee, hör endlich auf so egoistisch zu sein. Ich brauche dich", brauste sie nun auf und realisierte erst was sie gesagt hatte, als er sie überrascht ansah.„Wir müssen dich ins Krankenhaus bringen, die Wunde muss genäht werden," stammelte sie verlegen und klebte ein letztes Pflaster auf seinen Verband.
„Babe..." sagte Wheeler, doch weiter kam er nicht. Ihm wurde auf einmal schwindelig und als er sich stöhnend an den Kopf fasste, hörte er noch, wie Lenka zu ihm sprach, konnte aber ihre Worte schon nicht mehr verstehen, ehe alles um ihn herum schwarz wurde.
