Kapitel 4

Als Wheeler am nächsten Morgen die Augen aufschlug fand er sich alleine in seinem Bett wieder. Er sah sich kurz in seinem Zimmer um, doch von Lenka war keine Spur zu sehen. Es war ja auch zu schön, um wahr zu sein, dachte er grummelnd und drehte sich zur Wand, grade als Lenka die Hütte fast lautlos betrat. Sie stellte das Tablett mit seinem Frühstück auf dem Tisch neben dem Bett ab und setzte sich zu ihm, woraufhin er sich zu ihr umdrehte.

„Hey," sagte sie sanft.

„Hi," erwiderte er und setzte sich auf.

„Ich hab dir Frühstück gemacht."

„Du versuchst wirklich alles, damit ich mich an meine Bettruhe halte, oder?", fragte er grinsend und sie stellte ihm das Tablett auf den Schoß.„Du bist fabelhaft Babe, danke," sagte er, als er die Schinken-Käse-Sandwiches sah.„Was machen wir heute?"

„Du wirst schön das Bett hüten, wie der Arzt es gesagt hat," erwiderte sie und er verzog unwillig das Gesicht.„Gi fragte, ob wir eine Runde schwimmen gehen, da ihr Trainingspartner ausgefallen ist," sagte sie dann lächelnd. Wheeler und Gi hatten schon seit Jahren ein Wettschwimmen als Morgenritual, bei dem meistens natürlich Gi gewann.

„Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich von euch abserviert werde."

„Es sind doch nur ein paar Tage. Ich will nicht, dass du die Heilung unnötig hinauszögerst oder alles sogar noch verschlimmerst."

„Ich kann doch nicht auf der faulen Haut liegen, nur wegen ein paar Kratzern," sagte er und erntete einen bösen Blick von Lenka.„Schon gut, schon gut. Ich bleibe hier. Aber du weißt hoffentlich, dass ihr mich nicht ans Bett fesseln könnt; außer natürlich du bist die Fessel", sagte er mit einem frechen Grinsen.

„Ich mache Überraschungsbesuche Yankee, und wehe du bist dann nicht im Bett."

„Was dann, willst du mich übers Knie legen?" fragte er lachend.

„Wenn du nicht brav bist."

„Ich bin ein ganz böser Junge, das weißt du doch Babe," sagte er zwinkernd und Lenka verließ lachend seine Hütte.

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Lenka war erst vor einer halben Stunde bei Wheeler gewesen, um etwas Zeit mit ihm zu verbringen, doch er hatte tief und fest geschlafen. So hatte sie es sich auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum bequem gemacht, während Mati und Kwame Computer spielten und Gi das Abendessen in der offenen Küchenzeile vorbereitete. Lenka wollte grade in einen Apfel beißen, als sie eine wohlbekannte Stimme vernahm.

„Hmm, die verbotene Frucht. Willst du mich in Versuchung führen, Babe?" fragte Wheeler sie grinsend, ehe er sich neben sie setzte und von ihrem Apfel abbiss.

„Scheint ihr gelungen zu sein, jetzt aber raus aus dem Paradies Adam!" wandte Ma-Ti grinsend ein.

„Hey Wheeler, wie geht's dir?" fragte Kwame ihn dann.

„Prima."

„Sagt mal ihr beiden, was läuft zwischen euch jetzt?" fragte Gi nun grinsend.

„Huh?"

„Ja, habt ihr eine heimliche Affäre?" fragte Kwame.

„Es kann ja keine Affäre sein, wenn sie schon verlobt sind," fügte Gi grinsend hinzu.

„Eine Affäre? Verloben? Was ist denn mit euch auf einmal los?" fragte Wheeler nun verwirrt, während ihre Freunde sie beide frech angrinsten und Lenka plötzlich errötete.

„Die Schwester im Krankenhaus hat uns nicht zu dir gelassen. Lenka hat ihr daraufhin erzählt ihr beide wärt verlobt, damit sie dich sehen konnte," erklärte Kwame Wheeler nun und der sah sie überrascht an.

„Aber wenn du dich recht erinnerst, hab ich ihr vorgemacht, dass mein Planetenring mein Verlobungsring sei, und außerdem wusste die Schwester, dass es nicht stimmt, weil sie eure Ringe auch gesehen hat."

„Babe, du bist ja so durchtrieben. Ich hätte nie gedacht den Tag zu erleben, an dem du lügst, und dann auch noch wegen mir, ich fühl mich richtig geschmeichelt," sagte Wheeler grinsend und legte den Arm um sie.

„Ich lüge nie! Ich hab nur die Tatsachen etwas verdreht."

„Was man da wo ich herkomme eine Lüge nennen würde," erwiderte Wheeler grinsend. Sie wollte grade etwas erwidern, als Gaya ihr zuvor kam.

„Ich freue mich, dass die letzte Mission so gut ausgegangen ist. Ich hatte wirklich mit dem Schlimmsten gerechnet, als ich sah, wie skrupellos unsere Gegner geworden sind. Ihr müsst mir versprechen in Zukunft besonders vorsichtig zu sein. Ruft lieber Captain Planet früher, als selbst gewagte Unternehmungen zu machen." Sie nickten alle ernst.„Ich habe aber auch gute Nachrichten. Plünder King, Dr. Plage und Blake sitzen im Gefängnis und werden es auch sehr lange nicht mehr verlassen, wie es scheint. Ihnen wird so viel vorgeworfen, dass sie mit etlichen Jahren rechnen müssen. Jetzt stehen wir allerdings vor dem nächsten Problem, denn Ratzfatz verteilt wieder seine Droge Blizz. Diesmal in Seattle. Zwei von euch müssen sich in die Gangs einschleusen und sie von der Bösartigkeit dieser Ratte und seiner Droge überzeugen."

„Ich denke Wheeler und Kwame wären am überzeugendsten in der Rolle," wandte Gi nun nachdenklich ein.

„Wollt ihr diese Aufgabe auf euch nehmen?", wandte Gaya sich an die beiden und sie nickten.

„Lass mich auch mitgehen, Gaya," sagte nun Lenka.

„Nein!" erwiderte Wheeler sofort.

„Du bist verletzt Wheeler. Es wäre ein leichtes für Ratzfatz dich zu überrumpeln und abhängig zu machen oder sogar zu töten. Außerdem will ich dabei sein, wenn er endlich zur Strecke gebracht wird."

„Lenka, ich weiß, dass du dich seit Boris' Tod an ihm rächen willst, aber ich halte es für keine gute Idee dich dorthin mitzunehmen. Es könnte zu emotional für dich werden und er könnte diese Schwäche ausnutzen. Wir werden diesen Mistkerl schnappen und seiner gerechten Strafe zuführen, Babe. Aber das können wir nur, wenn wir uns nicht auch noch um dich Gedanken machen müssen." Lenka sah Gaya nach seinen Worten hilfesuchend an.

„Es tut mir leid Lenka, aber ich denke er hat Recht. Außerdem brauchen sie erst morgen loszufliegen, also hoffentlich genügend Zeit für dich Wheeler, dich zu erholen?!" fragte Gaya ihn nun und er nickte. Lenka wandte sich wütend ab und verließ den Gemeinschaftsraum.

Alle sahen ihr verwirrt nach, bevor Wheeler ihr folgte. Lenka aber wollte ihm jetzt am wenigsten zuhören und verschwand aufgebracht in ihrer Hütte.

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Wheeler hatte in dieser Nacht kaum geschlafen und so hatte er vor einer halben Stunde aufgegeben und war aufgestanden, um zu duschen. Lenka hatte sich gestern nicht mehr blicken lassen und es belastete ihn gehen zu müssen und zu wissen, dass Lenka böse auf ihn war. Aber er hatte noch eine halbe Stunde, bis er und Kwame sich am Shuttle treffen wollten. Er warf schnell ein paar Sachen in seine Tasche, nahm sie und ging zu ihrer Hütte.

Er zögerte kurz, doch dann klopfte er. Es kam weder eine Antwort von drinnen noch öffnete sie die Tür. Also musste er es nachher wohl übers Handy versuchen, wenn sie wach war.

„Lenka," sagte er überrascht, als er sich umdrehte und sie auf einmal vom Weg her auf ihn zu kam.„Verdammt, hast du mich erschreckt."

„Schwache Nerven, Yankee?" fragte sie lächelnd und Wheeler jubelte innerlich, dass sie sich anscheinend wieder beruhigt hatte.„Das liegt bestimmt an der Uhrzeit. Für 5 Uhr siehst du aber recht wach aus."

„Ich konnte nicht schlafen. Ich hoffe aber dafür Kwame, damit er fliegen kann", erwiderte er lächelnd.„Was machst du so früh hier draußen?"

„Ich konnte auch nicht schlafen und bin etwas spazieren gegangen. Ich hatte gehofft, dich noch mal zu sehen, bevor ihr losfliegt. Ich wollte mich für meinen Ausbruch gestern entschuldigen."

„Du musst dich für nichts entschuldigen Babe. Ich kann dich verstehen, ich würde total ausflippen, wenn ich bei so was hier bleiben müsste."

„Das ist es gar nicht, nicht nur. Ich habe gemeint, was ich gesagt habe. Du bräuchtest dringend Ruhe und Gaya schickt dich auf eine neue Mission."

„Mir geht's wirklich gut Babe."

„Ja jetzt noch." Sie schlang die Arme um sich. Es war einfach frustrierend. Sie konnte immer und über alles mit ihm reden. Aber wenn sie sich Sorgen um ihn machte, fand sie einfach nicht die richtigen Worte.

„Es schmeichelt mir ja sehr, dass du dir Sorgen um mich machst, aber das brauchst du wirklich nicht. Ich werde auf mich aufpassen und Kwame wirft sicher auch ein Auge auf mich," erwiderte er grinsend.

„Oh das beruhigt mich ungemein, wo wir sonst zu viert ein Auge auf dich haben und sieh dich jetzt an", konterte sie arg.

„Ihr solltet alle mal zum Augenarzt gehen", sagte er mit einem grinsen.

„Bozh moy Yankee, kannst du nicht mal fünf Minuten ernst sein?!"

„Mir wird nichts passieren, Babe. Ich schwöre es dir bei allem was du willst."

„Du ziehst die Gefahr in der letzten Zeit magisch an. Wie könntest du da guten Gewissens schwören?"

„Ich könnte es. Du hast etwas zu mir gesagt, bevor ich vorgestern ohnmächtig wurde und das habe ich mir zu Herzen genommen."

„Was? Dass du nicht so egoistisch sein sollst?" stammelte sie verlegen.

„Das danach", erwiderte er und sie sah ihm endlich in die Augen, wusste aber nicht was sie sagen sollte.„Du hast gesagt, du brauchst mich. Nenn mich einen Optimisten, aber so was macht Hoffnung," erwiderte er lächelnd und strich ihr eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht.

Er stand so nah vor ihr, dass sie seine Wärme spüren konnte und seine Berührung ließ sie erschauern. Sie versank in seinen blauen Augen und die Zeit schien still zu stehen.

„Ich habe es auch ernst gemeint," flüsterte Lenka.

Keiner der beiden konnte sagen, wer den ersten Schritt gemacht hatte, aber plötzlich lagen ihre Lippen auf seinen. Sie schlang die Arme um seinen Hals, ließ ihre Hände in seine Haare gleiten und er legte seine Arme um ihre Taille und zog sie an sich, vertiefte den Kuss.

Als sie sich schließlich atemlos trennten legte Wheeler seine Stirn an ihre und sah ihr tief in die Augen. Er wollte sie nicht los lassen, nie mehr.

„Babe, ich..." Ein Räuspern hinter ihnen unterbrach ihn und erschrocken fuhren sie zu Kwame herum, der sichtlich verlegen am Weg stand.

„Tut mir leid, aber wir müssen los, Wheeler," sagte er.

„Ich komme sofort, noch eine Minute," erwiderte er und Kwame nickte, bevor er ging.

„Ich muss los", erwiderte er und Lenka nickte nur. Er nahm sie noch einmal in die Arme und küsste sie auf die Stirn.„Aber ich will es nicht. Ich habe Angst davor zurückzukommen und es ist alles wieder beim alten. Ich könnte das nicht ertragen. Versprich mir bitte, dass wir das hier nicht vergessen," sagte er und Lenka sah in seinen Augen, wie groß seine Angst davor war, das es so kommen könnte. Aber wieder einen Schritt zurückgehen war das letzte was sie wollte.

„Das wird nicht passieren Yankee, versprochen," erwiderte sie lächelnd und küsste ihn kurz.

Grinsend machte er sich auf den Weg und Lenka wandte sich ihrer Tür zu, als er noch einmal nach ihr rief. Sie drehte sich um und sah, wie er rückwärts den Weg hinunter ging.

„Ich liebe dich Babe", sagte er und stolperte im nächsten Moment über einen Ast, was sie aus ihrer Überraschung riss und zum lachen brachte. Fluchend rappelte er sich wieder auf und winkte ihr noch einmal, bevor er verschwand.

Lenka atmete einmal tief durch - als sie in ihrer Vorstellung und ihren Träumen zusammen gefunden hatten, war er immer bei ihr geblieben - aber besser so, wie gar nicht; und er würde bald wieder bei ihr sein. Lächelnd nahm sie ihr Handy und tippte eine kurze Nachricht ein, bevor sie zusah, wie das Shuttle abhob und schließlich am Horizont verschwand.

Als Wheelers Handy piepste kramte er hektisch danach und öffnete Lenkas Sms: Ich liebe dich auch Yankee, las er und sein Grinsen wurde noch breiter.