Kapitel 6

„Dieser miese Graf Atomar, jetzt zeigen wir es ihm ein für alle mal," sagte Gi, während sie das Shuttle neben dem stillgelegten Atomkraftwerk landete.

Kwame drückte ihnen ihre Schutzanzüge in die Hände und sie zogen sich um, ehe sie sich auf den Weg machten. Sie kamen dem Kraftwerk nicht sehr nahe, als Atomar bereits aus der Tür trat und sie angriff. Ihnen blieb keine Wahl als in Deckung zu gehen und Captain Planet die Arbeit zu überlassen, doch während Atomar versuchte ihn vom Himmel zu schießen, schaffte Bleimann es schließlich ihn mit einer Strahlenkanone vom Himmel zu holen. Sofort packte sich Atomar den geschwächten Captain und verpasste ihm noch eine ordentliche Ladung und warf ihn von sich gegen eine Mauer.

„Wir müssen dem Captain helfen," sagte Gi aufgebracht.

„Und wie? Die Atomkraft, die seinen Körper verseucht, ist zu stark," stellte Mati nun fest.

„Dann müssen wir soviel Kraft aus der Natur holen, wie wir nur können."

„Und wie Wheeler? Wir haben unsere Kräfte nicht," stellte Kwame nun klar.

„Aber wir haben Sonnenlicht und einen See dort hinten. Wenn wir beide Atomar ablenken, könnten die Mädels und Mati ihn dort rüber bringen."

„Gute Idee, meint ihr, ihr schafft das?" wandte Kwame sich an die drei und die nickten sofort.

„Also los," rief Wheeler und sprang auf. Er und Kwame liefen in verschiedene Richtungen davon, duckten und rollten sich unter Atomars Strahlen weg, ehe sie um die Ecken des Kraftwerks verschwanden.

„Bleihirn, du läufst rechts rum, ich kümmere mich um den Feuerbubi," sagte Atomar, ehe er Wheeler folgte. Sofort kümmerten sich die restlichen Drei um den Captain und zogen ihn zum See.

Währenddessen war es für Kwame ein leichtes Bleimann an der Nase herumzuführen. Wheeler hatte es jedoch schwerer. Er schlüpft durch eine Tür ins Kraftwerk und verriegelte die Tür. Einen Moment lehnte er sich an die Wand um zu verschnaufen, doch er rannte sofort los, als die Tür gesprengt wurde und Atomar wieder die Verfolgung aufnahm.

„Bleib stehen Jungchen, ich krieg dich doch!"

„Überschätz dich mal nicht Atomar. Wer hoch fliegt, fällt auch tief." Wheeler irrte durch die Gänge, während Atomar ein Loch nach dem anderen in die Wände hinter ihm sprengte, aber er erwischte nie Wheeler. Dazu konnte der es nicht lassen den Grafen zu reizen, damit er die Verfolgung nicht abblies und die drei genug Zeit hatten, den Captain zu retten.

Als er schon dachte sich vollkommen verirrt zu haben fand er den Ausgang, doch Atomar sprengte den Träger auf einer Seite des Tores weg und die Explosion erfasste Wheeler und schleuderte ihn einige Meter weit nach draußen.

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„Wheeler!" rief Lenka ängstlich, als sie die Explosion hörte und Wheeler durch die Luft fliegen sah. Sofort rannte sie los.

„Lenka, sei vorsichtig," rief Mati, der mit Gi beim Captain blieb. Er lag noch immer im See und tankte Kraft aus dem Wasser und der Sonne. Die Atomkraft war einfach zu stark gewesen und die Natur konnte es nur langsam heilen.

„Na, Feuerbubi, wo sind jetzt deine dummen Sprüche?" fragte Atomar lachend.„Wen haben wir denn da? Jetzt schalte ich euch ein für alle mal aus, einen nach dem anderen." Atomar hob die Hand, als Wheeler nach seinem Ziel suchte.

„Nein," schrie er erschrocken, als er Lenka nur wenige Meter hinter ihm stehen bleiben sah, sprang auf und warf den Graf zu Boden.„Lenka, lauf weg!" rief er ihr zu und wollte ihr grade folgen, als Atomar ihn packte und hoch hob.

„Du hast das Leben deiner Freundin nur etwas verlängert. Gaia sollte sich schon mal einen Ersatz für dich suchen." Er lachte laut auf, ehe er einen Atomstrahl auf ihn schoss. Er durchdrang zwar nicht seinen Anzug, aber er traf ihn mit solcher Kraft an der Brust, dass Wheeler laut aufschrie und durch die Luft geschleudert wurde. Alles was er noch registrierte war, dass er gegen eine Wand prallte, ehe er bewusstlos wurde.

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Lenka hatte sich hinter einer Ecke versteckt, als Kwame zu ihr stieß.

„Wo ist Wheeler?"

„Atomar hat ihn, es ist meine Schuld. Was sollen wir tun?"

„Hoffen, dass es dem Captain besser geht."

Sie sah um die Ecke und sah, wie Atomar die Hand hob. Sie wollte los laufen, um Wheeler irgendwie zu helfen, doch Kwame hielt sie fest. Sie schrie auf, als Wheeler getroffen zurück durch das Tor ins Kraftwerk geschleudert wurde.

„Lenka bleib hier, er wird dich ebenfalls angreifen. Er will uns alle töten," sagte Kwame nun.

„Wir müssen irgendwas tun Kwame. Er darf Wheeler nicht töten."

„Wenn er noch nicht tot ist, dann ist er es in wenigen Sekunden. Dank mir ist das Kraftwerk durchlöchert wie ein Schweizer Käse," sagte Atomar lachend, als sie sich von ihm und Bleimann eingekreist fanden, und jetzt erst fiel ihnen auf, dass das ganze Gebäude knackte und knarzte und sich Steine aus den Mauern lösten.„Und jetzt seid ihr dran." Doch der Graf kam nicht mehr dazu, denn Captain Planet schnappte ihm die beiden vor der Nase weg. Wütend brüllte er auf und fing auf einmal an so hell zu strahlen, dass sie die Augen abwenden mussten.

„Captain, Wheeler ist in dem Kraftwerk."

„Ich hab es gesehen Lenka. Ich flieg zurück, sobald ihr beide in Sicherheit seid," sagte er und setzte sie am See ab, als er auch schon zurückflog. Er war noch nicht am Kraftwerk angekommen, als ihn erneut eine Salve von Atomar traf und das Gebäude im selben Moment vollends zusammenbrach.

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Fassungslos schauten die vier Freunde auf die Wolke aus Steinstaub.

„Nein, das kann nicht sein, das darf nicht sein," wisperte Lenka und ihre Beine gaben unter ihr nach. Sie fühlte sich auf einmal unglaublich schwach und es war ihr, als hätte man ihr das Herz aus der Brust gerissen. Dass Gi sich neben sie hockte merkte sie gar nicht, ebenso wenig die Tränen, die ihre Wangen hinabliefen.

Kwame und Mati liefen hinauf und zogen den Captain aus den Trümmern am Rand, wo er gelandet war, ehe der sich auflöste, da er zu schwach geworden war, und sie fassungslos ihre Ringe betrachteten.

„Komm Lenka, lass uns sehen, ob Mati Wheeler finden kann," sagte Gi nun und eine neue Hoffnung machte sich in ihr breit, während sie Gi folgte.

„Mati, kannst du Wheeler erreichen?"

„Nein Lenka. Ich komm einfach nicht zu ihm durch. Es ist, als wäre eine Wand zwischen ihm und mir."

„Wohl eher viele Wände, zumindest dessen Trümmer. Erde!" rief Kwame und bagnn Trümmer wegzuräumen.

Sie räumten Stunde um Stunde mit ihren Händen und der Hilfe ihrer Ringe die Trümmer beiseite, zusammen mit einem Hilfstrupp der örtlichen Feuerwehr, doch von Wheeler war keine Spur zu finden. Sie arbeiteten bis zur völligen Erschöpfung und Mati setzte immer wieder seine Kraft ein.

„Planetenteam. Ihr müsst euch etwas ausruhen. Ein neuer Notfall wartet auf euch," erklang dann Gayas Stimme und sie wandten sich ihrem Hologramm zu.

„Aber Gaya, was ist mit Wheeler?" fragte Gi nun.

„Die Hilfskräfte hier werden ihn weiter suchen und Unterstützung ist auf dem Weg. Sie werden ihn bald gefunden haben."

„Kannst du uns wenigstens sagen, ob er noch lebt Gaya?" fragte Lenka nun, musste sich verzweifelt bemühen, dass ihre Stimme nicht brach.

„Leider kann ich ebenfalls keine Gedanken von ihm empfangen oder ihn sonst irgendwie erreichen. In den Mauern befinden sich kleinste Mengen Radioaktivität, nicht gefährlich für euch, aber sie blockiert mich."

„Ich bleibe hier und suche weiter!" sagte Lenka dann entschieden.

„Lenka, wir können hier nicht viel ausrichten und wir werden woanders gebraucht. Die Leute hier suchen weiter nach ihm."

„Nein Gi, ich kann ihn nicht einfach aufgeben."

„Das tut keiner von uns. Aber Wheeler würde es wollen, dass wir einem Notfall Vorrang geben. Wer weiß wie viele Tiere oder Menschen in Gefahr sind, während wir hier vielleicht vergeblich suchen," erwiderte Kwame nun und realisierte erst was er gesagt hatte, als Lenka erneut Tränen in die Augen traten.

„Er ist nicht tot Kwame!" rief sie nun verzweifelt.„Er darf nicht tot sein."

„Das war echt dumm von dir Kwame," zischte Gi ihm zu.

„Aber es ist die Wahrheit, selbst wenn er Atomars Strahl überlebt hätte, das da sind Tonnen, die über ihm zusammengestürzt sind. Es wäre ein Wunder..." murmelte er arg.

„Kwame!" ermahnte Gi ihn noch einmal wütend, ehe sie zu ihrer besten Freundin eilte, die in einen bitterlichen Heulkrampf ausgebrochen war.„Sie finden ihn Lenka. Komm wir sollten uns wirklich ausruhen," sagte Gi dann und half ihr auf die Beine, um sie zum Shuttle zu führen.„Hier Lenka, du brauchst es," sagte Gi dann und hielt ihr eine Flasche Wasser und eine Tablette hin, die sie aus dem Erste-Hilfe-Kasten geholt hatte.„Es ist nur eine Beruhigungstablette."

Lenka griff dankbar danach und nahm sie. Sie wusste, dass sie ohne deren Hilfe nicht zur Ruhe kommen würde. Sie hatten einen Abend, eine Nacht miteinander gehabt und jetzt war er unter tonnenschweren Trümmern begraben. Was hatten sie beide nur getan, um vom Schicksal so hart bestraft zu werden?

Sie sah noch einmal zu dem Kraftwerk hinüber, auf dessen Trümmern immer noch Männer herum liefen und mittlerweile auch Suchhunde im Einsatz waren. Sie würden Wheeler finden und er würde bald wieder bei ihr sein, sagte sie sich. Vielleicht war er dann etwas angeschlagen, aber er lebte, ganz sicher.