Kapitel 9

Lenka öffnete die Augen und sah als erstes den Ring an ihrem Finger in einem Sonnenstrahl glitzern. Wheeler hatte direkt am Morgen nach seinem Antrag darauf bestanden, dass sie losflogen und einen Ring aussuchten. Er war schlicht, aber wunderschön, und die Acht symbolisierte seine unendliche Liebe für sie, so hatte er ihr erklärt, als er ihn ausgesucht hatte. Drei Wochen hatte sie ihn bereits, aber sie konnte sich nicht daran satt sehen und nicht aufhören daran zu denken, wie unglaublich es war, dass sie bald verheiratet sein würden.

„Na, hast du erste Bedenken Babe?" fragte Wheeler sie und sie sah von ihrer Hand auf in sein Gesicht.

„Niemals", erwiderte sie lächelnd und küsste ihn.„Guten Morgen Yankee."

„Guten Morgen und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag."

„Hm-hm," seufzte sie an seinen Lippen, während er seine Hand sanft über ihre Seite gleiten ließ, doch dann wandte er sich von ihr ab.„Hey, warum hörst du auf?" fragte sie frustriert. Er kramte in seiner Hosentasche nach etwas, ehe er sich wieder umdrehte und ihr ein schmales Päckchen hinhielt.„Was ist das?" fragte sie dann verwirrt.

„Dein Geburtstagsgeschenk, mach es auf."

„Ich hab dir doch gesagt, dass ich nichts will oder brauche", sagte sie und verdrehte genervt die Augen.

„Es hat mich nichts gekostet, außer einem Versprechen. Mach es schon auf." Sie sah ihn fragend an, folgte aber seiner Aufforderung und öffnete die Schatulle. Zum Vorschein kam eine wunderschöne Halskette und sie wusste einen Moment nichts zu sagen, so überwältigt war sie davon.

„Sie ist wunderschön", hauchte sie dann leise.

„Es freut mich, dass sie dir gefällt. Es ist ein Familienerbstück, dass meine Eltern für meine zukünftige Frau aufgehoben haben. Meine Mutter hat keine Verwendung dafür, weil sie nie ausgehen. Ich hab es mir von ihnen schicken lassen, musste ihnen aber versprechen, dass wir sie bald besuchen kommen, damit sie dich kennen lernen können. Tut mir leid", erwiderte er lächelnd.

„Sag so was nicht, ich freue mich darauf deine Eltern kennen zu lernen. Danke Yankee," sagte sie lächelnd und küsste ihn.„Ich fürchte nur, dass ich es auch nicht tragen kann, genau wie deine Mutter. Wann haben wir schon die Möglichkeit richtig schick auszugehen?!"

„Oh, die haben wir, dass war nämlich noch nicht alles", erwiderte er grinsend, holte erneut etwas aus seiner Hosentasche und reichte es ihr.

„Das russische Ballett?!" fragte sie vollkommen perplex, als sie auf die Karten in ihrer Hand sah.

„In Moskau. Ich habe mit Gaya und den anderen gesprochen. Wir können an dem Wochenende beruhigt dorthin fliegen und uns das Ballett ansehen, und ich habe deinem Bruder und deiner Großmutter bescheid gesagt, dass wir sie besuchen werden. Jetzt wollen sie wissen, ob wir das ganze Wochenende bei ihnen bleiben. Ich habe auch ein nettes Hotel gefunden, wo wir absteigen können, falls das dir lieber ist." Er grinste breit, als er sah, wie fassungslos sie war. Sie konnte nicht glauben, dass er das wirklich für sie tat. Sie vermisste ihre Großmutter und Mischka so sehr und sie liebte das russische Ballett, hatte es aber nie sehen können. Er hatte ihr all diese Wünsche erfüllt, obwohl sie so lange nicht mehr darüber gesprochen hatten.

„Können wir bei ihnen bleiben?" fragte Lenka zaghaft, wusste sie doch nicht ob er es wollte. Doch er nickte lächelnd.„Ich kann es kaum glauben, dass du das alles arrangiert hast. Du bist einfach der Beste, danke, danke, danke", sagte sie glücklich und küsste ihn.„Und du weißt, was auf dich zukommt? Du willst wirklich freiwillig mit mir ins Ballett gehen?"

„Ich werde es schon durchstehen. Ich mache alles, was dich glücklich macht, weil ich glücklich bin, wenn du es auch bist."

„Ich bin immer glücklich, so lange ich nur bei dir bin. Ich liebe dich."

„Ich liebe dich auch", erwiderte er lächelnd und küsste sie, ließ seine Hände wieder über ihren Körper gleiten und erschauerte, als sie es ihm nachtat. Lenka seufzte leise, als er seine Lippen über ihren Hals und ihre Schultern wandern ließ, mit dem Vorsatz jeden cm ihrer Haut mit Küssen zu bedecken und sie vergrub ihre Hände in seinem Haar. Doch plötzlich zuckte sie unter ihm zusammen und er sah fragend zu ihr auf.

„Was hast du?" fragte er alarmiert, als er sah, wie blass sie plötzlich war.

Auf einmal hielt sie sich die Hand vor den Mund, sprang auf und stürmte ins Bad.

Verwirrt stand Wheeler auf, zog sich seine Shorts über und folgte ihr bis zur Tür.

„Lenka, ist alles in Ordnung?" fragte er, bekam aber keine Antwort, also öffnete er die Tür und sah, wie Lenka sich von den Knien erhob, zum Waschbecken ging und begann sich die Zähne zu putzen, während er sich in die Tür lehnte und wartete bis sie fertig war.„Also waren meine Geschenke doch nicht so toll, wie ich dachte; oder bin ich schuld daran?" fragte er lächelnd, um sie etwas aufzuheitern, während sie sich kaltes Wasser ins Gesicht spritzte.

„Red keinen Unsinn, Yankee", murmelte sie, klang eher erschöpft als böse, und trocknete sich das Gesicht ab.„Es tut mir leid. Ich weiß nicht, warum mir auf einmal so übel war", erwiderte sie dann zögernd.

„Vielleicht der Obstsalat von gestern Abend, den du und Gi verdrückt habt?! Ich hab dir schon tausend mal gesagt, dass zu viele Vitamine nicht gesund sind", scherzte er und zauberte ein Lächeln und eine leichte Röte zurück auf ihre Wangen.„Lass uns sehen, ob Gi auch so übel ist." Sie nickte lächelnd und wollte ins Zimmer zurückgehen, schreckte aber vor dem Geruch darin zurück, als wäre sie gegen eine Wand gelaufen.

„Wow, jetzt weiß ich warum, riechst du das?" fragte sie angeekelt.

„Riecht wie Gi's Pfannekuchen", erwiderte er vom Zimmer aus und rieb sich die Hände voller Vorfreude.

„Bozh moy Yankee, ich kann die heute einfach nicht vertragen."

„Du musst auch keine Essen, bleibt mehr für mich", sagte er grinsend. Er hatte sich fertig angezogen, brachte ihr ihre Klamotten und leistete ihr nun im Bad Gesellschaft, um sich fertig zu machen, während sie sich anzog.„Weißt du, wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man denken du wärst schwanger", sagte er grinsend, während er sich wusch und sah deshalb nicht, wie Lenka innehielt und überrascht seinen Rücken betrachtete.„Ich meine, dir wird morgens plötzlich übel, und du bist überempfindlich gegen Essensduft?! Schon komisch oder?" fragte er dann.

„Ja, wirklich komisch," erwiderte sie, während sich ein flaues Gefühl in ihrem Bauch breit machte, brachte aber ein Lächeln zustande, als er sich ihr zuwandte.

„Wollen wir gehen? Ich sterbe vor Hunger", erwiderte er grinsend.

„Geh du doch schon mal vor und vernichte die Pfannekuchen. Ich will mir grad noch schnell die Haare kämmen", erwiderte sie und küsste ihn kurz auf die Lippen.

„Okay, aber sei nicht böse auf mich, wenn wirklich keiner übrig bleibt", sagte er und verschwand.

Er war kaum zur Tür raus, da lief sie ins Zimmer zurück; vergessen war der Geruch, nur noch ein Gedanke raste durch ihren Kopf. Sie durchwühlte ihre Klamotten, ihre Schränke und fand was sie suchte schließlich hinter dem Nachttisch. Geschockt sank sie aufs Bett und konnte einfach nicht den Blick davon wenden.

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„Was haben wir heute vor Lenka?" fragte Gi ihre Freundin beim Frühstück, nachdem alle ihr überschwänglich zum Geburtstag gratuliert hatten, während Wheeler sich über die Pfannekuchen hermachte.

„Ich hätte mal wieder Lust shoppen zu gehen. Ich brauche ein Kleid für unser Wochenende", sagte sie mit einem kurzen Blick zu Wheeler und erntete frustriertes Stöhnen und Seufzen von den Jungs für den Vorschlag, während Gi begeistert war.„Ihr müsst ja nicht mitkommen!"

„Keine Chance, das ist dein Tag heute!" sagte Wheeler sofort.

„Wir müssen ja nicht mit euch in die Klamottenläden," erwiderte Ma-Ti.„Ich würde mir gern ein neues PC-Spiel holen und ich könnte Wheelers Rat gebrauchen."

„Ist schon okay. Ich und Gi kommen schon gut zurecht."

„Bist du sicher, dass ich nicht mit dir kommen soll?" fragte Wheeler skeptisch.„Geht's dir besser?"

„Mir geht's prima Yankee. Außerdem will ich dich mit meinem Kleid überraschen."

„Ich liebe Überraschungen, je kleiner, desto besser", erwiderte er mit einem anzüglichen grinsen und wackelte mit den Augenbrauen. Sofort wurde sie rot, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen und gab ihm einen Klaps auf den Arm.

„Wollen wir los?" fragte sie dann, um das Gekicher ihrer Freunde zu beenden.

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„Hey Babe, kann ich rein kommen?" rief Wheeler von draußen und sie sprang auf, um die Tür zu öffnen.„Du wolltest doch nur dein Kleid wegbringen. Was hat dich aufgehalten?" fragte er und gab ihr einen kurzen Kuss.

„Ich bin wohl in Gedanken gewesen", murmelte sie nur.

„Babe, was ist los? Du bist den ganzen Tag schon so...ruhig."

„Ich glaube es ist besser, wenn du dich setzen würdest", erwiderte sie, wusste sie doch wie sie sich gefühlt hatte, als sie es vermutet und wie froh sie gewesen war zu sitzen, als es sich bestätigt hatte.

„Oookay", erwiderte er skeptisch, setzte sich auf ihr Bett und sie setzte sich neben ihn.„Also, was ist los?"

„Ich war heute beim Arzt."

„Warum? Du hast gesagt, dir geht es besser. Ich hätte..."

„Yankee, ich war nicht bei einem normalen Arzt. Ich meine, es war eine Gemeinschaftspraxis und Gi denkt, dass ich bei einem Allgemeinmediziner war, aber ich war bei einem...Spezialisten."

„Was ist los Babe? Bist du krank? Was kann ich tun, damit es dir besser geht?"

„Mir erst mal nur zuhören, wäre ein guter Anfang, auch wenn ich nicht weiß, wie ich es dir sagen soll."

„Okay, sag es einfach", erwiderte er nervös. Was wenn er sie verlieren würde...

„Ich...ich bin schwanger, Jayden", sagte sie dann und betrachtete ihre Hände.

„Wow," war alles was er sagte und sie konnte ihm immer noch nicht in die Augen sehen.„Das ist...Babe, das ist wundervoll," sagte er dann und nahm sie in die Arme. Als sie ihm ins Gesicht sah, strahlte er förmlich vor Glück.

„Du bist nicht böse?"

„Warum sollte ich böse sein? Keine Verhütung ist hundertprozentig sicher."

„Es lag eigentlich nicht an der Zuverlässigkeit der Pille, eher an meiner sie zu nehmen. Ich habe keine mehr genommen, seit du verschüttet wurdest. Ich habe in den drei Tagen einfach nicht daran gedacht und danach auch nicht mehr, weil sie hinter meinen Nachttisch gefallen ist. Es tut mir leid."

„Hey, entschuldige dich niemals für so etwas. Was spielt es für eine Rolle warum es passiert ist, Babe?! Alles was ich will bist du, eine Familie mit dir zu gründen. Warum also nicht jetzt? Unsere Feinde sind fast alle für Jahre ausgeschaltet. Das schlimmste was in den nächsten 10 – 20 Jahren passieren kann, ist irgendwo aufzuräumen oder sauberzumachen und bei so was bleib ich dann liebend gerne zu Hause bei dem Kind", sagte er und brachte sie zum Lachen.

„Du willst es wirklich? Du freust dich wirklich darüber?"

„Wie kannst du nur denken, ich würde böse oder traurig über so was wundervolles sein?" fragte er und küsste sie.„Bist du es? Willst du es nicht?" fragte er dann und sie sah in seinen Augen...Angst?!

„Ich war ziemlich geschockt, als ich es vermutet habe und erschreckt als sich rausstellte, dass es wahr ist. Aber ich könnte mich niemals gegen es entscheiden. Es ist von dir und ich liebe es jetzt schon", sagte sie und lächelte glücklich, als sie bei ihren Worten eine Hand auf ihren flachen Bauch legte. Er bedeckte ihre Hand mit seiner und legte die andere an ihre Wange.

„Ich auch, aber vor allem liebe ich seine Mutter", sagte er und küsste sie.„Das ist so...unglaublich", sagte er dann und strich ihr ehrfürchtig über den Bauch.„Wir werden wirklich Eltern?! Wir müssen mit Gaya reden, wie es weiter gehen soll und die anderen sollten auch bescheid wissen...Wir müssen einen Termin für die Hochzeit finden..."

„Jayden bleib ruhig. Wir werden schon alles geregelt kriegen, auch ohne das du dich überschlägst", unterbrach sie ihn lächelnd, wurde dann aber nachdenklich.„Meinst du wir können wirklich für unser Kind sorgen? Ihm eine sichere Zukunft geben?"

„Babe, mach dir niemals darüber Gedanken. Solange wir zusammen sind können wir alles schaffen. Ich schwöre dir, dass du dir nie über die Zukunft oder Geld deinen hübschen Kopf zerbrechen musst. Ich weiß, dass wir beide nicht wirklich wissen, wie man ein Kind erzieht oder wie das Verhältnis zwischen Eltern und Kind sein sollte, aber wir schaffen das. Du wirst eine wunderbare Mutter sein."

„Und du ein großartiger Vater", erwiderte sie lächelnd und küsste ihn.„Und jetzt hör auf zu reden und kümmere dich um mich", fügte sie mit einem anzüglichen Grinsen hinzu und zog ihn mit sich auf die Matratze zurück.

„Yeah, nur zu gerne."