Hey Leute, danke für eure Kommentare.
Der einleitende Teil ist bald vorbei, dann wird's mal etwas spannender. ;)
Und weiter mit der Story =]
Kapitel 2 – Unterhaltungen
Ich befand mich gerade in meinem Truck und war auf dem Weg zu Sam, als mein Handy anfing zu vibrieren. Nach einem kurzen Blick auf die Rufnummer-Erkennung bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil ich anscheinend in solcher Eile das Haus verlassen hatte, dass ich doch tatsächlich vergaß Charlie Bescheid zu geben. Ich klappte das Telefon auf und rief:
„Hey Dad."
„Bella, wo bist du?", schrie er. Ich erkannte an seinem Tonfall, dass er sauer war.
„Ich habe total vergessen es dir zu sagen, doch ich gehe heute aus.", erklärte ich schnell.
„Bella, nur weil du 18 bist heißt das nicht dass du kommen und gehen kannst wie es dir gefällt. Ich erwarte dich heute pünktlich um 11 Uhr zurück. Wohin gehst du eigentlich?"
Es konnte wirklich ziemlich lästig sein, wenn er sich in diesen überfürsorglichen Vater verwandelte, doch ich wusste genau, welche Karte ich als nächstes ausspielen musste.
„Oh, ich bin gerade auf dem Weg zu Jacob. Und ich hatte sowieso nicht vor sehr lange zu bleiben."
Ich konnte es buchstäblich hören, wie sich Charlie's Gesicht am anderen Ende der Leitung schlagartig erhellte. Hab ich schon erwähnt, so sehr Charlie Edward auch ablehnte, genauso sehr vergötterte er Jacob. Ich musste den Namen Jacob nur aussprechen und schon hatte ich absolute Handlungsfreiheit. Und, wie es jede gute Tochter getan hätte, hatte ich schon bald gelernt, dieses Wissen zu meinem Vorteil zu nutzen.
„Schon gut, Bella. Bleib so lange du möchtest. Ich weiß, dass du wie immer sehr viel Spaß mit Jacob haben wirst. Er ist ein guter Junge."
Ich verdrehte die Augen. Langsam fing diese Begeisterung für Jacob an zu nerven.
„Okay, Dad. Wir sehen uns später."
„Bye, pass auf dich auf."
Ich legte auf und warf mein Handy wieder zurück auf den Beifahrersitz. Obwohl ich schon ziemlich spät dran war hatte ich es nicht sonderlich eilig. Ich schaltete das Radio ein und wechselte von Sender zu Sender, doch jeder Song der gerade lief schien mich in irgendeiner Weise an Edward zu erinnern, also schaltete ich das Radio wieder aus und fuhr weiterhin in Stille. Ich begann leise eine Melodie zu summen, doch als ich realisierte, dass Edward diese Melodie für mich komponiert hatte, wollte ich mich am liebsten selbst ohrfeigen.
Ich konnte die heißen Tränen auf meinen Wangen spüren und beobachtete, wie sie langsam auf das Lenkrad fielen, doch ich machte mir nicht die Mühe sie wegzuwischen. Es hatte sowieso keinen Sinn. All die Emotionen und Erinnerungen, die in diesem Moment in mir hochkamen, machten es mir richtig schwer, mich auf die Straße zu konzentrieren. Doch ich versuchte mich selbst zu beruhigen, mit der Absicht, einen netten Abend mit den Leuten zu verbringen, denen ich nicht völlig egal war und die nicht einfach so abhauen würden, wenn es mal ernst wird.
Ich parkte meinen Truck in Sams Einfahrt. Ich stöhnte verärgert, als ich meine Reflektion im Rückspiegel sah, und versuchte meine Erscheinung so halbwegs akzeptabel hinzubekommen. Ich sah sowieso schon aus wie das wandelnde Elend, man musste mir nicht auch noch ansehen, dass ich erst kürzlich geheult hatte.
Als ich aus dem Auto stieg, traf ich auf Leah und Seth, die offensichtlich ebenfalls etwas zu spät dran waren.
„Hey Bella, schön dich zu sehen!", rief Seth und winkte, als ich auf sie zuging. Seine Schwester, die genau neben ihm stand, verschränkte ihre Arme vor der Brust und zog vorwurfsvoll eine Augenbraue hoch.
„Was ist denn mit dir passiert? Du siehst furchtbar aus."
Ich seufzte.
„Ich weiß. Mir geht's allerdings gut. Und, was habt ihr in letzter Zeit so gemacht? Ich habe euch schon lang nicht mehr gesehen."
„Oh, nichts Besonderes. Die meiste Zeit geht für die Schule drauf. Du solltest wirklich öfter was mit uns unternehmen. Du warst schon so lange nicht mehr hier, wir dachten alle du wärst tot.", scherzte Leah.
„Schön wär's.", flüsterte ich, doch sie hörten mich glücklicherweise nicht. Stattdessen antwortete ich nur mit einem Lächeln.
„Lasst uns zu den Anderen gehen. Sie sind alle hinter dem Haus auf der Veranda.", schlug Seth vor. Wir folgten ihm um das Haus herum, wo alle in gemütlichen Liegestühlen saßen. Sie begrüßten mich alle sehr freundlich und ich fühlte mich sofort willkommen. Niemand verlor nur ein Wort über mein langes Fernbleiben von der Gruppe, mein Aussehen oder die Ereignisse zwischen mir und den Cullens. Ich war zwar überrascht, doch erleichtert. Jedoch war ich mir absolut sicher, dass dieses Thema früher oder später noch angesprochen werden würde.
Als ich neben Jacob saß, fühlte ich mich warm und geborgen, wobei ich nicht wusste ob das seine unnatürlich hohe Körpertemperatur oder seine herzliche Persönlichkeit veranlasste. Hie und da legte er seinen Arm um meine Schultern, griff immer wieder mal nach meiner Hand falls ich über längere Zeit zu still war. Es waren unschuldige Gesten, doch sehr süß. Doch, so komisch es auch klingt, desto glücklicher ich war, umso schuldiger fühlte ich mich deswegen. Schon bald übermannten mich meine Emotionen und ich stand auf.
„Leute, ich geh mal nach vorne eine Zigarette rauchen, okay?"
„Du kannst hier rauchen.", rief Jacob sofort, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Ich will euch damit nicht quälen. Ich komme gleich wieder.", sagte ich und machte mich auf den Weg um das Haus herum. Ich setzte mich auf die Stufen vor der Eingangstür und zündete mir eine Zigarette an, atmete die graue Substanz tief ein, bevor ich sie wieder in die laue Nachtluft entließ. Irgendwie waren Zigaretten zu einer willkommenen Ablenkung von Edward geworden. Jedes mal, wenn ich an ihn denken musste, rauchte ich eine Zigarette. Es machte das alles etwas weniger schmerzhaft, zumindest redete ich mir das ein.
Plötzlich hörte ich Schritte, kurz darauf bog Sams Freundin Emily um die Ecke des Hauses und setzte sich neben mich auf die Stufen.
„Hey Süße, alles in Ordnung?"
Ich nickte nur.
„Sicher."
Ich wusste, dass ich nichts erklären musste. Emily war die Art von Mensch, die scheinbar in den Kopf ihres Gegenübers sehen konnte. Sie konnte nicht Gedanken lesen, so wie Edward es konnte. Sie wusste einfach intuitiv, was in den Menschen vorging, Worte waren überflüssig. Sie konnte es einfach spüren, wie sich jemand fühlte. Es war seltsam, jedoch auch ziemlich cool, denn meistens verstand sie einfach das, was nicht in Worte gefasst werden konnte.
„Du vermisst ihn sehr, nicht wahr?", bemerkte sie.
„Stimmt.", gab ich zu.
„Du denkst die ganze Zeit an ihn und alles um dich herum erinnert dich an ihn.", setzte Emily fort.
Ich seufzte tief und wiederholte: „Stimmt."
Emily seufzte ebenfalls, doch sie schwieg für ein paar Minuten. Ich beendete meine Zigarette, ließ sie auf den Boden fallen und trat sie mit meinem Fuß aus.
„Glaube nicht, dass du ihm egal bist, denn ich weiß genau, dass das nicht wahr ist. Sonst hätte er dich nicht verlassen.", sagte Emily schließlich.
Ich gab ein kurzes, sarkastisches Lachen von mir.
„Würde er sich irgendetwas aus mir machen, dann wäre er bei mir geblieben."
Emily schüttelte ihren Kopf.
„Manchmal ist es besser jemanden den man liebt aufzugeben, wenn man weiß, dass dieser Person am Ende etwas Schlimmes passieren könnte. Er ist einfach nicht egoistisch. Ich bin mir sicher, dass es für ihn viel schwerer ist als für dich."
„Das bezweifle ich. Du hast nicht gesehen, wie er sich von mir abgewandt hat. Es sah so einfach aus. Ich hätte das niemals gekonnt. Und warum erzählst du mir, dass er selbstlos ist? Für mich sieht das mehr nach purem Egoismus aus. Wenn es ernst wird zieht er den Schwanz ein und läuft weg. Typisch Mann. Für wen hält er sich eigentlich, dass er einfach so über meinen Kopf hinweg entscheidet, als wäre ich ein kleines, naives Kind? Hat er mich jemals gefragt was ich wohl für das Beste halte? Oder zählt meine Meinung überhaupt nicht?"
Meine Hände ballten sich zu Fäusten und ich spürte, wie die ganze aufgestaute Wut in mir hochkam. Mir war vollkommen bewusst, dass ich kurz davor war, meinen ganzen Frust an der armen Emily auszulassen, doch in diesem Moment war mir das völlig egal. Ich war einfach nur froh, endlich alles raus lassen zu können.
„Natürlich hast du auf gewisse Weise Recht, aus menschlicher Sicht. Doch du musst das ganze aus seiner Sicht sehen. Er ist ein Vampir. Er hätte dir von Anfang an nicht so nahe kommen dürfen, doch er tat es trotzdem. Und was ist daraufhin passiert? Du wurdest von seinesgleichen angegriffen und wärst fast gestorben. Welche Reaktion hast du von ihm erwartet, als ihm klar wurde, dass er nicht der Einzige war, der dir gefährlich kommen könnte? Vielleicht ist er in der Lage seinen eigenen Blutdurst zu kontrollieren, doch wie könnte er sich hundertprozentig sicher sein, dass er dich vor jedem anderen Vampir beschützen könnte? Natürlich stieß er dich von sich weg, um dich zu beschützen. Meiner Meinung nach ist das sehr selbstlos, denn obwohl er dich liebt und bis in alle Ewigkeit mit dir zusammen sein will, ist es ihm trotzdem wichtiger, dass du glücklich und in Sicherheit bist, auch wenn das nur ohne ihn möglich ist. Das ist wahre Liebe."
Es fiel mir wirklich schwer ihren Worten nicht hundertprozentig zu glauben, denn sie sprach mit solcher Gewissheit und Überzeugung. Trotzdem wollte ich ihr einfach nicht glauben. Ich weigerte mich zuzulassen, dass sich Edwards Verschwinden zu etwas Positivem entwickelte.
„Ich werde niemals ohne ihn glücklich sein. Er gibt meinem Leben einen Sinn. Wenn er nicht mehr hier ist, weiß ich nicht ob ich überhaupt noch am Leben bleiben will."
Mir war bewusst wie kindisch ich mich verhielt, doch es war mir egal.
Emily seufzte und erhob sich von der Treppe.
„Ich gebe auf. Zurzeit kannst du nichts anderes tun, als es entweder zu akzeptieren oder eben nicht. Aber wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist wirst du wissen, was zu tun ist. Vertrau mir."
Sie zwinkerte mir geheimnisvoll zu, drehte sich um und verschwand wieder um die Hausecke. Ich war verwirrter denn jemals zuvor. In diesem Moment verstand ich nicht im geringsten was sie meinte, doch ich wusste, dass ich es irgendwann rausfinden würde.
