DREI - Sandburgen und Luftschlösser
Eine Ergänzung zur Folge 1x03, "Red Tide" ("Surfin' California"). Beginnt, kurz bevor Jane die Sandburg fertig gestellt. Es ist keine Missing Scene oder Ergänzung im eigentlichen Sinne, da es nicht wirklich in die Original-Handlungsablauf der Folge passen würde.
"Ich habe Sie gesucht."
So irritiert Teresa Lisbons Stimme auch klang; sie sprach auch von Belustigung. Und wie hätte sie sich auch nicht amüsieren können, bei dem Bild, was sich ihr bot - das Bild eines Patrick Jane, im Sand sitzend, seines Jacketts und seiner Weste entledigt, die Ärmel hochgekrempelt und die Schuhe ausgezogen, und mit Haaren, die die frische Meeresbrise ordentlich durchgewirbelt hatte. Und vor ihm war eine riesige - selbst das war noch eine Untertreibung - Sandburg.
"Brauchen Sie mich für irgendetwas?", fragte er, sah jedoch nicht auf, sondern füllte stattdessen geschäftig einen kleinen Eimer mit Sand. Lisbon wollte lieber erst gar nicht wissen, woher oder von wem er das Strandspielzeug bekommen hatte.
"In der Tat, ja - wir brauchen Ihre Hilfe beim Verhör eines Verdächtigen...", antwortete sie ihm, doch wurde von ihm, der überhaupt nicht richtig zuzuhören schien, unterbrochen, als er fragte: "Wollen Sie mitmachen?"
"Meinen Sie nicht, Sie sollten den Sand lieber den Kindern überlassen?"
"Kommen Sie schon, haben Sie denn nie davon geträumt, eine Prinzessin in einem schönen Schloss zu sein, als Sie noch ein Kind waren?" Ohne auf eine Antwort zu warten, lehnte er sich in ihre Richtung, ergriff ihre Hand und zog sie zu sich hinunter, so dass sie neben ihm kniete.
"Selbst wenn ich das hätte - ich bin kein kleines Mädchen mehr. Und angesehen davon haben wir jetzt keine Zeit für so was", argumentierte sie und versuchte, wieder aufzustehen, was er jedoch effektiv verhinderte, indem er sie zurück in den Sand drückte und dann flink ihre Schuhe auszog.
"Jane, geben Sie sie zurück", murrte sie und langte nach ihnen, doc her versteckte sie schnell hinter seinem Rücken. "Warum können Sie sich nicht wie ein normaler Erwachsener benehmen?"
"Warum können Sie nicht mal eine Pause machen? Zehn Minuten. Sie helfen mir, ich helfe Ihnen. Und ich bin fast fertig, es wird als mit ziemlicher Sicherheit weniger als zehn Minuten dauern. Abgemacht?"
"Nein, Jane, da gibt es nichts abzumachen. Wir haben Arbeit zu erledigen und das hier ist Zeitverschwendung. Also kommen Sie endlich."
"Wissen Sie, Sie arbeiten zu viel. Und", er schaute auf seine imaginäre Uhr, "es ist ohnehin Zeit für eine Pause. Zehn Minuten." Sie verdrehte die Augen, wenn er ihr den Eimer mit einem gewinnenden Lächeln entgegen streckte.
Und sie konnte es nicht fassen, dass sie tatsächlich nachgab.
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So wie er es versprochen hatte, dauerte es wirklich keine zehn Minuten.
Lisbon sah neugierig und erstaunt auf, als die Leute, die sich um sie herum versammelt hatten, anfingen zu applaudieren und zu jubeln. Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass die Menge so begeistert von Janes und ihrer Arbeit war. Mehr Janes als ihre, aber letztlich war es auch ihre Zeit gewesen, also verdiente sie den Applaus genauso, entschied sie für sich.
Sie saß noch immer auf dem Boden, wenn er neben ihr auftauchte, sich hinunterbeugte und ihr eine Hand reichte.
"Schenkt Ihr mir diesen Eröffnungstanz, Eure Hoheit?"
"Was?", fragte sie verwirrt. Entweder hatte er zu viel Sand eingeatmet oder zu lange in der Sonne zugebracht. Oder beides. Aber er hatte auf jeden Fall seinen Verstand verloren und sie zeigte diesen Gedanken deutlich mit ihrem Gesichtsausdruck.
"Das Schloss ist fertig, und jetzt findet ein Eröffnungsball statt. Abgesehen davon habe ich immer noch vier Minuten", erklärte er salopp. Lisbon seufzte.
"Manchmal sind Sie wirklich schrecklich kindisch", kommentierte sie mit einem Kopfschütteln, nahm dann aber dennoch die dargebotene Hand und ließ sich von ihm hochziehen. Augenblicklich zog er sie dicht zu sich. Eine Hand hielt noch immer die ihre, während er die andere auf ihrem Rücken ruhen ließ. Sie legte ihrerseits ihre noch freie Hand auf seine Schulter und sah ihn dann erwartungsvoll an.
Sie wusste nicht, zu welcher Musik er sich bewegte, doch musste sie zugeben, dass ihr die sachten Bewegungen durchaus gefielen, und wie er ihre Körper um das Schloss lenkte. Sie nahm die Menschen um sie herum, die ihnen zusahen, kaum wahr; geschweige denn sah sie das Lächeln auf den vielen Gesichtern. Sie verlor sich nur in seinen Augen; in dem Lächeln und der Zärtlichkeit, die sich in ihnen widerspiegelten.
Nach einer halben Ewigkeit stoppte er langsam ihre Bewegungen; er stand nur noch da und hielt sie in seinen Armen.
"Danke für den Tanz", er gab ihr einen liebevollen Kuss auf die Stirn und ließ sie dann los, "und jetzt können wir zurück zur Arbeit."
Mit diesen Worten nahm er schnell ihrer beider Sachen, gab er ihre Schuhe und nahm dann ihre Hand, um sie mit sich in Richtung ihres Autos zu ziehen, ohne ihr die Chance zu geben, überhaupt über eine Antwort nachzudenken.
ENDE
