BONUS EINS - Dancing in the rain
Spielt am Ende von "Flame Red" ("Flammen der Rache") und stellt eine Art Alternative zu der Schlusszene (beginnend mit Jane und Lisbon auf der Terrasse, während es ja ziemlich heftig regnet).
Diese Story wird sehr kitschig und sehr klischeehaft – nur für den Fall, dass ihr so was nicht mögt ;)
Oh... und ich hoffe, dass mich niemand für das Ende umbringt.
Es war ja nicht so, dass sie den Regen nicht mochte. Eigentlich liebte sie ihn. Aber was sie nicht mochte, war, darin ohne Regenschirm zu laufen oder zu stehen. Denn ganz eindeutig mochte sie gar nicht, klitschnass zu werden, nur weil das Auto einige Meter entfernt stand und es so heftig regnete, dass sie ein Handtuch und eine heiße Dusche auf jeden Fall gebrauchen würde - selbst nach ein paar Sekunden.
So stand Teresa Lisbon auf der Veranda und ihre Gedanken rasten; wie nur konnte sie verhindern, so klitschnass zu werden, dass man sie danach auswringen konnte? Höchstwahrscheinlich würde sie über eine Stunde brauchen, bis sie endlich nach Hause käme, und sie wollte diese lange Zeit wirklich nicht in durchnässter Kleidung in ihrem Auto sitzend verbringen.
Ihrem Kollegen und der ihrem Team zugeteilten Berater Patrick Jane allerdings schien es wenig auszumachen, dass es regnete und er nass werden könnte. Auf seinem Gesicht las sie gar so etwas wie kindliche Freude, als er so in den Himmel blickte.
"Sollen wir?", hörte sie ihn dann fragen und nickte. Sie hätte sich wegen des Regenproblems noch unzählige Minuten mehr den Kopf zerbrechen können, aber sie wusste, dass es ohnehin keine Möglichkeit gab, trocken zu bleiben.
Sie störte sich nicht daran, als er ihre Hand ergriff; sie dachte nur daran, das Auto so schnell wie nur möglich zu erreichen. Und abgesehen davon war diese Art harmloser Körperkontakt nicht ungewöhnlich in seiner Gegenwart. Es gab nur ein Problem - sie standen falsch herum, in der verkehrten Reihenfolge sozusagen - sie mussten erst die Seiten wechseln, um ihre jeweilige Tür des Autos zu erreichen. Lisbon sah sie beide bereits über ihre eigenen Füße fallen, weil der Boden so matschig war und der Regen das Offenhalten der Augen immens erschwerte. Jedes mögliche Szenario ging sie gedanklich durch und bewertete es.
Nun, fast jedes mögliche. Denn unter keinen Umständen wäre ihr eingefallen, was als nächstes geschah. Sie hätte einfach nie damit gerechnet, dass er ihre Hand nicht loslassen würde, als sie an ihm vorbeilaufen wollte, um zur Fahrerseite des Autos zu gelangen. Stattdessen hielt er sie fest, zog sie zu sich und der Arm, dessen Hand gerade noch ihre gehalten hatte, legte sich um ihre Körper. Er lachte; ein glückliches, fast schon leuchtendes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht, und seine sanften Augen sahen sie in einer Art und Weise an, dass ihr Herzschlag für einen Moment aus dem Takt geriet.
Sie wusste nicht, ob er in ihren Augen las oder ob er sie einfach gedankenverloren ansah; letztlich jedoch spielte es keine Rolle, denn so oder so waren seine Augen hypnotisierend. Und es gefiel ihr. Sie verlor sich in dem zarten Grün und bemerkte kaum, wie eine Hand ihr Gesicht rahmte und ein Daumen ihre Wange streichelte.
Die Berührungen waren zärtlich und sie brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu wissen, was nun kommen würde. Und doch war sie nicht vorbereitet auf das Gefühl, als seine Lippen die ihren in einer federleichten Berührung trafen und sie so sanft küsste, dass Teresa nicht sicher war, ob das tatsächlich gerade geschah. Der Kuss war unglaublich zart und liebevoll und brachte ihrem Magen nicht nur ein Kribbeln, sondern ihrem Herzen auch angenehme Verwirrung ein. Und als sie glaubte, ihre Beine würde jede Sekunde nachgeben, griff sie nach seinem Jackett, um sich festzuhalten.
Seinem komplett durchnässten Jackett.
Vorsichtig löste sie sich ein wenig von ihm, jedoch nur so weit, dass sie etwas sagen konnte.
"Es regnet", bemerkte sie, aber der Protest war sehr halbherzig.
"Ich weiß", antwortete er und seine Lippen steifen ihre, weil er so nah war, nur um sofort ihren Kuss fortzusetzen. Sie war ihm und seinen Berührungen hilflos ausgeliefert, einfach nicht in der Lage, sich zu wehren, selbst wenn sie gewollt hätte. Was das andere Problem war - sie wollte es ja gar nicht. Sie wollte sich nicht von ihm lösen und dieses wunderbare Gefühl verlieren. Es war einfach zu gut, um wahr zu sein.
"Ich glaube, ich mag Regen", erklärte sie atemlos, aber lächelnd, als sie sich erneut voneinander lösten, wenn auch nur, um ihre nach Luft ringenden Lungen Genüge zu tun.
"Ich auch", antwortete er - doch irgendwie klang seine Stimme seltsam. So als würde sie eher neben ihr erklingen und nicht vor ihr. Sie schloss für eine Sekunde ihre Augen - und als sie sie wieder öffnete, stand sie auf der Veranda. Und Jane noch immer neben ihr. Fragend sah er sie an. "Sind Sie okay? Sie wirkten ein wenig... abwesend."
Lisbon fühlte, wie sie langsam rot wurde, und versuchte verzweifelt zu verhindern, dass er das sah; sie wollte sich gar nicht ausmalen, welche Schlussfolgerungen er wohl ziehen könnte, nachdem er sie beim Tagträumen erwischt hatte - und da sie immer noch etwas außer Atem war. Immerhin war das Patrick Jane, der Mann, der Gedanken las wie andere Leute Zeitungen.
"Nein. Alles in Ordnung", sagte sie so, ihm verdeutlichend, dass es keinen Grund gab, weiter nachzufragen. Und offensichtlich akzeptierte er das auch. Aus den Augenwinkeln sah sie ihn gen Himmel schauen, mit einem Blick, der zeigte, dass er zwar nicht sonderlich erfreut über das Wetter war, es ihn aber auch nicht wirklich kümmerte.
Mental stellte sie sich - ein zweites Mal - darauf ein, durch den Regen zu rennen, als sie ihn plötzlich "Sollen wir?" fragen hörte und sie jede Fähigkeit, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, verlor. Das letzte, das sie registrierte, war, dass er ihre Hand ergriff und sie mit sich zog...
ENDE
