Disclaimer und Zusammenfassung: siehe Kapitel 1

Kapitel 4: Im Krankenflügel

Die Tür zum Krankenflügel tauchte vor Severus auf, als er verzweifelt den Korridor entlang hastete. Es kam ihm so vor als ob der Korridor, je näher er der Tür kam, immer länger wurde. Er beschleunigte seinen Gang, verlängerte seine Schritte. Zeit war nun das Wesentliche. Der Fehler den seine Zaubertränkeschülerin gemacht hatte war fatal.

Madam Pomfrey war bereit für ihn, als er den Flügel betrat. Johnson, der verängstigte Hufflepuff, versuchte sein Bestes, um dem freundlichen Schulleiter zu erklären, was genau in den Kerkern stattgefunden hatte. Er musste immer wieder unterbrechen, um nach Luft zu schnappen; die Tränen verschluckten die Hälfte seiner Worte. Albus Dumbledore legte eine tröstende Hand auf die Schulter, des schluchzenden Zweitklässlers.

„Ich...weiß nicht...was passierte...im...Lagerraum," heulte der Junge. „Aber plötzlich war...da ein...Explosion...Pro...Professor Snape...schrie. Ich...bin reingerannt...und...Hermine Granger...sie..." Er konnte den Satz nicht beenden. Dumbledore sah ernst aus.

„Poppy, verstehst du was passiert ist?" fragte Dumbledore die rasende Medihexe.

„Kein bisschen, Albus," gab sie zu. „Der arme Mr Johnson konnte es mir nicht zu Ende erzählen, bevor sie kamen. Alles was ich weiß ist, dass es eine Explosion in den Kerkern gab, an der Severus und Miss Granger beteiligt waren."

Dumbledore und Madam Pomfreys Spekulationen wurden bestätigt, als Severus die Tür aufwarf. Hermine lag leblos in seinen starken Armen.

„Severus, was ist passiert?" Madam Pomfrey führte den Zaubertränke-Meister zu einem leeren Bett.

„Herm...Miss Granger arbeitete auf meine Anfrage hin an einem Gesundheits-Wiederherstellungs-Trank," erklärte Severus, als er Hermine vorsichtig auf das Bett legte. Madam Pomfrey vertat keine Zeit und untersuchte die junge Frau auf Lebenszeichen. „Sie hat Pinien- statt Weißdornblüten hinzugegeben. Ich hab versucht sie zu warnen, aber bevor ich es konnte, explodierte der Kessel."

Madam Pomfrey keuchte auf. Dumbledore schüttelte den Kopf.

„Mr Johnson," sagte er ernst. „Geh bitte zurück in deinen Gemeinschaftsraum und vielen Dank für deine Hilfe."

Johnson, der Zweitklässler, verließ schnell den Krankenflügel.

„Warum hat sie so einen schwierigen Trank gebraut, Severus?!" verlangte Madam Pomfrey zu wissen. „Du von allen Leuten solltest die Konsequenzen eines einfachen Fehlers bei diesem Trank kennen! Es könnte jemandes Leben kosten!"

„Deshalb habe ich Miss Granger ja hierher zu dir gebracht! Um ihr Leben zu retten!" gab er in einem bösartigen Ton zurück.

„Severus, Poppy, ein Streit wird uns nicht weiterhelfen," erinnerte Dumbledore seine beiden hitzköpfigen Kollegen ruhig. „Wir müssen alle zusammen arbeiten, um sicher zu gehen, dass Miss Granger sich vollständig erholt."

Severus und Popps beäugten sich misstrauisch, gaben aber schließlich den Wünschen des Schulleiters nach.

„Was können Severus und ich tun, um zu helfen, Poppy?" fragte Dumbledore und legte beruhigend seine Hand auf den Arm des vor Wut rauchenden Professors.

„Sie scheint die gesamte Kraft der Explosion abbekommen zu haben, Albus," antwortete Madam Pomfrey ernst. „Ich werde alles tun was ich kann, aber wir müssen vielleicht jemanden von St. Mungo's dazu holen."

Dumbledore seufzte schwer. Er wusste, dass der Status seiner beinahe Ex-Schülerin sehr schlecht sein musste, dass Poppy nach Hilfe von außen fragte. Sie hatte noch nie einem Arzt von St. Mungo's den Zutritt zu ihrem Krankenflügel gewährt.

„Ich werde St. Mungo's kontaktieren und sie bitten einige ihrer besten Ärzte rüber zu schicken," sagte Dumbledore und schickte sich an den Flügel zu verlassen. „Ich vertraue darauf, dass ihr beiden in meiner Abwesenheit kooperiert. Vergesst nicht, dass Miss Granger eure Hilfe braucht."

Severus ging zur rechten Seite von Hermines Bett. Sie hatte sich keinen Zentimeter bewegt, seit er sie Minuten vorher hingelegt hatte. Die Panik, die er verspürt hatte, als er den Kessel explodieren sah oder als er die Korridore mit Hermine im Arm entlang rannte, war nichts verglichen mit der Angst die er empfand, als sie so still vor ihm lag.

„Was kann ich tun, Poppy?" fragte er beinahe flüsternd.

„Sie braucht eine Brandsalbe auf die Stellen der Haut, die mit dem Trank in Berührung gekommen sind. Wenn du etwas davon aus meiner Vorratskammer herbringst, dann kann ich Miss Granger aus ihrer durchweichten Kleidung holen," gab Poppy schon viel freundlicher zurück.

Er verschwendete keinen Moment. Bevor Poppy Gelegenheit hatte die Vorhänge um Hermines Bett zu ziehen, war er bereits in der Vorratskammer verschwunden. Die Fläschchen mit Zaubertränken und Salben waren ihm nur zu vertraut. Er braute die meisten Tränke und hatte zu vielen Gelegenheiten selber das Auftragen von Brand- und Schmerzsalben benötigt.

Voldemort hatte trotz der wackeren Bemühungen des Ordens weiteren Einfluss in der Welt der Zauberer erlangt. Es war ein Wunder, dass Voldemort nach all diesen Jahren immer noch nicht erfahren hatte, dass Severus ein Doppelagent war. Das Dunkle Mal auf seinem Arm beorderte ihn mehrmals im Monat zum inneren Zirkel des Dunklen Lords. Regelmäßig kam er in Bedarf medizinischer Behandlung von diesen ‚Treffen' zurück. Es war Voldemorts eigene spezielle Art seine Macht über seine Anhänger zu versichern.

„Wie schwer ist sie verbrannt?" fragte Severus, seine Augen mit Vorsicht von der spärlich bekleideten jungen Frau vor ihm abgewandt.

„Ziemlich schwer, aber Gottseidank nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte," antwortete Madam Pomfrey brüsk und schnappte ihm die Tinktur aus der Hand.

„Wird sie in Ordnung sein?" fragte er innig, mit aller Macht die Verzweiflung aus seiner Stimme bannend.

„Ich weiß es nicht, Severus!" entgegnete Madam Pomfrey außer sich. „Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, als der Schulleiter gerade eben hier war!"

Severus erster Impuls war, die Frau vor ihm in die Ewigkeit zu fluchen. Zum Glück stoppte ihn das nervöse Gekreische von Minerva McGonagall.

„Ich hoffte nur, dass Mr. Johnson übertrieben hätte, als ich ihn in der Großen Halle traf!" Professor McGonagall ging rasch zu Hermines Bett. „Was ist mit Miss Granger passiert, Poppy?"

„Sie hat versucht einen speziellen Gesundheitsstärkenden Trank zu brauen. Ich weiß, dass sie eigentlich eine gute Schülerin ist, aber dieser Trank ist recht schwer. Anstelle von Weißdornblüten hat sie Bergkiefer ins Gebräu gegeben," erklärte Madam Pomfrey mit eisiger Stimme.

„Oh je! Warum zum Himmel würde sie überhaupt versuchen so etwas zu brauen?"

„Vielleicht solltest du die Frage an denjenigen richten, der ihr beordert hat es zu tun," sagte Madam Pomfrey kühl und nickte zu Severus hinüber.

Minerva McGonagall gab Severus einen zornigen Blick, der sogar einem von ihm Konkurrenz machte.

„Wolltest du einfach nur einen meiner Schüler umbringen oder gab es einen Grund hinter diesem Wahnsinn?!" schrie sie.

„Miss Granger hat mich nach einer Empfehlung für ihre Position im Zaubereiministerium gefragt. Ich wollte sie ihr nur nicht einfach geben, ohne dass sie bewies, dass sie sie verdient hat!" verteidigte sich Severus.

„Du warst sieben Jahre lang ihr Professor, Severus! Sicher wusstest du, dass sie deine kostbare Empfehlung wert war?" spuckte Minerva zurück.

„Im Zaubereiministerium zu arbeiten würde sie mit vielen schwierigen und mächtigen Zaubern in Kontakt bringen. Wenn sie mit diesem stärkenden Trank, von dem ich ausging, dass sie ihn mit Leichtigkeit brauen würde, umgehen könnte, hätte sie mir bewiesen, dass sie auch mit allem anderen arbeiten könnte!"

Ihr Streit wurde durch das Eintreten von Albus Dumbledore abrupt beendet. Zwei Zauberer, gekleidet in St. Mungo's Umhängen, traten ein paar Schritte nach ihm ein.

„Kann ich dich einen Moment unter vier Augen sprechen, Severus?" fragte Albus freundlich. „Während diese beiden Herren Miss Granger untersuchen?"

Severus folgte Albus in den Flur vor dem Krankenflügel. Minerva warf ihm einen triumphierenden Blick zu, aber er blickte nur zornig zurück.

„Würdest du mir erklären weshalb genau Miss Granger ebendiesen Zaubertrank braute, Severus?" fragte Albus ruhig.

Severus stieß einen langen, frustrierten Seufzer aus. Sicher hatte der Schulleiter das Geschrei aus dem Krankenflügel gehört, während er durch die Gänge lief?

„Miss Granger hat mich gebeten ihr eine Empfehlung zu geben..."

„Ahh, das habe ich vermutet." Albus Augen funkelten den jungen Mann vor ihm an. „Und Miss Granger war nicht voll auf ihre Aufgabe konzentriert?"

Er war sich nicht sicher, aber Severus hatte das Gefühl, dass Albus etwas andeutete. Der alte Schulleiter sah ihn wissend an und lächelte.

„Falls du fragst..." Severus hatte das Gefühl an seiner Zunge zu ersticken. „Falls du fragst, ob ich Miss Granger beschäftigt hätte, fürchte ich muss ich dich enttäuschen. Sie war in meinem Vorratsraum und ich saß vor dem Kamin in meinem Büro."

Das nervtötende Lächeln des Schulleiters verließ sein freundliches, altes Gesicht nicht.

„Aber du sagtest, du hast gesehen, wie sie die falsche Zutat hinzufügte, ohne Zeit zu haben sie zu warnen. Sicher musst du sie beobachtet haben, um dies zu bemerken?"

Severus fühlte sich, wie bei einem Verhör. Irgendetwas in der Stimme seines Mentors ließ ihn fühlen, als ob er ein schmutziger alter Mann war, der erwischt wurde wie er seine junge Schülerin liebäugelte.

„Ich habe von Zeit zu Zeit ihre Fortschritte überprüft, Schulleiter," antwortete er, seine Kehle wie zugeschnürt. „Ich wollte sicher gehen, dass sie den Trank korrekt braute."

„Ahh, ich verstehe." Das Lächeln und die blitzenden Augen waren immer noch da. „Bitte, Severus, geh in den Kerker zurück und notiere exakt welche Zutaten Miss Granger verwendet hat. Das wird den Ärzten von St. Mungo's sicher helfen."

„Ja, Schulleiter."

Severus drehte sich auf dem Absatz um, um der Gegenwart des Schulleiters so schnell wie möglich zu entkommen. Er hatte es beinahe bis zum Ende des Ganges geschafft, als...

„Und Severus..."

„Ja, Schulleiter?" Er versuchte Frust und Irritation aus seiner Stimme zu verbannen, allerdings ohne Erfolg.

„Wenn du zurück kommst hat Minerva sicherlich den Krankenflügel verlassen und ich werde Poppy Bescheid geben, dass du über Miss Granger wachst, bis sie aufwacht."

„Schulleiter?" Was sagte Albus da?

„Ich wage zu sagen, dass du anwesend sein willst, wenn Miss Granger aufwacht."

Dumbledore drehte sich um, um zum Krankenflügel zurück zu kehren und ließ den Zaubertränkemeister wie festgefroren stehen. Er war gänzlich verwirrt. Normalerweise ließen ihn die Unterhaltungen mit dem Schulleiter immer ein wenig verwirrt, aber dies war lächerlich! Nach Albus klang es so, als ob Hermine ihm etwas wichtiges zu sagen hätte, wenn sie aufwachte. Was zum Himmel könnte eine bewusstlose Frau wohl zu sagen haben?

Wenig konnte er wissen, als er die Kühle der Kerker betrat, dass Hermine Granger in diesem Moment gar nicht in Hogwarts war. Ihr Körper lag vielleicht unter gestärkten, weißen Krankenhausdecken und wurde von zwei der besten Ärzte von St. Mungo's behandelt, aber Hermine war es nicht.

Sie war auf einer Reise, über die er nichts wissen würde, bis sie die Augen öffnete. Sie reiste zurück zu vielen Zeiten, zu denen sie versucht hatte ein Leben mit dem Mann zu formen, der jetzt Professor in Hogwarts war. Jedes einzelne Mal hatte in einigen Momenten der Freude resultiert, gefolgt von quälendem Schmerz.

Nur Dumbledore schien die Bedeutung dieser Reise zu verstehen. Hermine lernte von ihren und Severus vergangenen Fehlern. Sie lernte alles was sie konnte, sodass, wenn die Zeit reif war, dieses Leben jenes sein könnte, auf das sie seit Beginn ihrer Existenz warteten.

A/N: Das hier war etwas kürzer, aber danach kommt ein längeres Kapitel! Könnte etwas dauern, da ich gerade noch im Klausurenstress bin... :) Aber ich geb mir Mühe! Danke für die Reviews! :)