Disclaimer und Zusammenfassung: siehe Kapitel 1

Kapitel 5: Cleopatra und Anthony 3

Um sich während der ständigen Veränderung des drehenden Raums, in dem sie sich befand, zu beruhigen, hielt Hermine sich an der Lehne eines Stuhls mit einem beinahe toten-starren Griff fest. Ihrem Körper war wage der Schmerz, den sie während der Explosion im Zaubertränkelabor verspürt hatte, bewusst. Das ständige Wirbeln ihrer Umgebung begann seinen Tribut von ihrem bereits geschwächten Körper zu fordern.

„Wenn ich aufwache, muss ich den traumlosen Schlaftrank nachschlagen," flüsterte sie. „Ohh, nicht schon wieder."

Der Raum wirbelte und offenbarte einen weiteren Raum in traditionellem, römischem Stil. Drei Hauptpersonen waren anwesend. Hermine erkannte zwei, Mark Anthony und Octavius Caesar, sofort. Die andere Person war eine Frau, einige Jahre älter als Hermine. Sie weinte. Beide Männer versuchten anscheinend sie aufzumuntern.

„Na, na, liebe Octavia." Caesar hielt der schluchzenden Frau ein Taschentuch hin. „Nichts wurde je durch Heulen gelöst."

Das war also Octavia? Obwohl sie nicht genau wusste weshalb, fühlte sich Hermine verletzt, als sie diese Frau betrachtete. Sie fühlte sich betrogen. Sei nicht absurd, Hermine. Du hast dich als Cleopatra in Mark Anthony verliebt gesehen. Das ist der einzige Grund, dass du diese lächerlichen Gedanken hast.

Sie schüttelte ihren Kopf, um sich aus ihren Gedanken zu rütteln. Da war nichts besonderes an Octavia, dass ihr Grund gab eifersüchtig zu sein. Sie war eine kleine Frau, aber man konnte sie schön nennen, bis zu einem bestimmten Grad. Alles an der Frau schrie Untergebenheit. Sie war das absolute Gegenteil von Cleopatra.

„Wann werde ich aufwachen?" seufzte Hermine. „Das hat doch schon lange genug gedauert."

Was als nächstes passierte schockierte und widerte Hermine an. Sev... äh... Mark Anthony legte seine muskulösen Arme um die Hüften seiner neuen Ehefrau. Er wisperte etwas, das weder Hermine noch Caesar hören konnten, und streifte seine Lippen gegen ihre.

„Oh, ja, du bist richtig treu gegenüber Cleopatra, Anthony," sagte Hermine empört. „Was hast du noch mal gesagt, bevor du gegangen bist? ‚Keine Entfernung wird unsere Liebe bedrohen.' Du machst mich krank. Ehrlich... Männer!" Sie drehte dem frisch vermählten Paar den Rücken zu, aber nach ein paar Sekunden schon gewann ihre Neugier.

„Die Welt und die Position die ich hier in Rom innehabe werden mich gelegentlich zwingen von Euch zu gehen," sagte Anthony besänftigend zu seiner Frau.

„Ich werde jeden Augenblick den Ihr fort seid im Gebet kniend verbringen und den Göttern um Eure sichere Heimkehr beten," antwortete Octavia mit einer Stimme süßer und klebriger als Honig. Mark Anthony küsste sie leidenschaftlich, sodass Hermine sich von dem Anblick erneut abwandte.

„Auf Wiedersehen meine schöne Octavia," summte Anthony. „Hört nicht auf irgendwelche Berichte, die Ihr über mich erfahrt, während ich fort bin. Ich gebe meinen Schwur nur Euch treu zu sein."

Hermine schnaubte.

„Klar, das ist genau was er auch Cleopatra gesagt hat! Wenn du ihm das glaubst, Octavia, bist du noch naiver als ich dachte."

Mark Anthony küsste seine Frau noch einmal, bevor sie mit ihrem Bruder den Raum verließ. Anthony schritt zum offenen Fenster. Er ließ einen tiefen Seufzer hören und schüttelte den Kopf.

„Worauf hab ich mich da nur eingelassen?" murmelte er zu sich selbst.

Seine Einsamkeit wurde durch das Eintreten eines Wahrsagers unterbrochen. Der bejahrte Mann sagte nichts als er sich dem General näherte.

„Sag mir," sprach Anthony, das Schweigen brechend. „Wünscht du, du wärst zurück in Ägypten?"

„Ich wünschte, ich hätte Ägypten nie verlassen," antwortete der Wahrsager.

„Sagst du mir den Grund für deine Antwort?"

„Ich sehe den Grund in meinem Geist, doch habe ich nicht die Worte um mich auszudrücken."

Beide, Hermine und Mark Anthony, lachten zur selben Zeit. Offensichtlich fühlten beide ähnlich über die sogenannten Seher.

„Sag mir... wessen Glück wird größer sein? Meines oder Caesars?"

Der Wahrsager kratzte sich am Kopf, während er über die Frage nachdachte.

„Caesars," antwortete er. „Deshalb solltet Ihr nicht an seiner Seite verweilen, Anthony!"

Anthony nahm seinen Platz am Fenster wieder ein und atmete tief.

„Wenn Ihr ohne Caesar seid, seid Ihr Mutig, nobel und unvergleichbar. Mit Caesar seid Ihr dies nicht," fuhr der Mann fort. „Bleibt so weit weg von Caesar wie möglich!"

„Sprich nicht mehr davon," entließ Anthony den Wahrsager mit einer Handbewegung.

„Ich werde alles, was ich muss, Euch mitteilen, aber ich werde zu niemandem anders davon sprechen!" Der Mann war, obwohl ältlich und untergeben, unermüdlich. „Falls Ihr versucht gegen Caesar zu kämpfen, werdet Ihr sicher unterliegen."

„Geh!" bellte Anthony den Mann an. „Und sag Ventidius, ich möchte mit ihm sprechen."

Der Wahrsager verließ schnell den Raum, offensichtlich den Zorn des Generals fürchtend.

„Wir werden zur Invasion Parthias heute Nacht aufbrechen," sagte Anthony gerade als der Raum wieder begann sich zu drehen.

Hermine fand sich zurück in Ägypten im Palast der Königin, die genauso aussah wie sie. Cleopatra war in Begleitung ihrer Dienerin Charmian und einem Mann, den Hermine bis jetzt noch nicht gesehen hatte.

„Lass uns ein Spiel spielen," rief Cleopatra aus. „Es wird meine Gedanken von meinem Geliebten abwenden."

Ein Bote betrat abrupt den Raum. Hermine und Cleopatra sahen in sein Gesicht, als er eintrat. Beide bemerkten, dass er zögerlich war, seine Nachricht zu überbringen.

„Ist es mein Geliebter?!" kreischte Cleopatra. „Er ist tot, nicht wahr?" Sie warf sich in Charmians Arme und weinte für einige Momente. Dann wandte sie sich wieder dem Boten zu. „Wenn du mir sagst, dass Anthony tot ist, werde ich dich töten!"

„Nein, meine Königin! Anthony ist gesund und am Leben," entgegnete er hastig. „Aber... er hat Octavia, Schwester von Caesar, zur Frau genommen."

Cleopatra sprang auf und schlug den Boten mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte. Er stolperte zurück.

„Es tut mir sehr leid, aber es ist meine Pflicht, die Wahrheit zu sprechen," sagte der Bote und hielt seine rote Wange.

Cleopatra brach erneut dramatisch in Tränen aus.

„Obwohl ich Königin bin, hatte ich kein Recht zuzuschlagen," sagte sie zum Boten. „Es ist unter mir so bösartig zu reagieren. Der Gedanke an meinen Geliebten, mit einer anderen Frau verheiratet, brachte mich zu dieser Gewalt!"

Charmian versuchte ihre Königin so gut es ging zu trösten.

„Bote, geh sofort nach Rom. Finde diese Octavia. Berichte mir, wie sie aussieht und wie alt sie ist. Ja, ich will sogar ihre Haarfarbe wissen!" befahl Cleopatra dem Boten, der sofort den Raum verließ.

Der Raum verdunkelte sich für einen Moment. Sobald Hermine wieder sehen konnte, sah sie eine Szenerie, die der vorher gegangenen sehr ähnlich war. Nur durch die unterschiedliche Kleidung konnte sie erkennen, dass es sich um einen anderen Tag handeln musste.

„Sag mir Bote," befahl Cleopatra. „Wie ist Octavia?"

Er räusperte sich nervös, bevor er begann.

„Ist sie so groß wie ich?" bellte Cleopatra.

„Nein, Madam. Das ist sie nicht."

"Wie alt denkst du ist sie?"

„Sie ist eine Witwe, Madam. Ich schätze sie auf etwa dreißig."

„War ihr Gesicht lang oder rund?"

„Rund, viel zu rund."

„Welche Haarfarbe hat sie?"

„Braun, Madam."

Cleopatra sah aus, als würde sie vor Freude über den Bericht explodieren. Sicher würde ihr Geliebter nicht an einer Frau wie Octavia Interesse haben. Sie sah keine Gegnerin in der römischen Frau.

„Hier ist etwas Gold für deine Mühen," sagte sie und drückte dem Mann einen kleinen Beutel in die Hand, bevor sie ging. „Charmian, ich fühle mich schuldig ihn geschlagen zu haben, als ich ihn das letzte mal sah. Der Gedanke an eine andere Frau, wie sie meinen Geliebten berührt, beschert mir Übelkeit."

Mark Anthony traf seine Königin in der nächsten Szene, die sich vor Hermine entfaltete. Er war wütend, aber Cleopatra tat alles, um ihn zu beruhigen.

„Ich werde dort bei Euch sein!" sagte Cleopatra und zog ihren Geliebten dann in einen tiefen Kuss.

„Ihr werdet eine Ablenkung für den General sein," sagte Enobarbus frustriert. „Er braucht Euch nicht an seiner Seite."

Anthony durchschritt den Raum, um mit seinem General, Canidius, zu sprechen.

„Wir werden Caesar auf See treffen," sagte Anthony bestimmt.

Beide, Enobarbus und Canidius, widersprachen diesen Neuigkeiten.

„Aber General," begann Enobarbus. „Wir sind unübertroffen an Land, aber Caesar ist stärker auf der See."

„Seine Flotte ist sehr viel stärker," fügte Canidius hinzu.

Mark Anthony wandte sich von seinen Männern ab, offensichtlich nicht zuhörend.

„Meine Flotte von sechzig Schiffen wird den Kampf gewinnen!" beteuerte Cleopatra.

„Ich werde die Marine vorbereiten," sagte Anthony und fegte aus dem Raum. Cleopatra folgte rasch.

Hermine musste sich hinsetzen und ihre Augenschließen. Der Raum drehte sich zu schnell und zu oft, als dass sie stehen konnte. Als sie schließlich ruhig genug schien, um ihre Augen zu öffnen und ihre Umgebung zu betrachten, wurde sie vom Anblick Charmians und Enobarbus, die sich unterhielten begrüßt.

„Was ist während des Kampfes geschehen?" fragte Charmian ängstlich.

Enobarbus stieß einen müden, frustrierten Seufzer aus. „Der Kampf war Anthonys. Er war am Gewinnen... aber dann, ohne Warnung... Cleopatras Schiff floh ohne Vorwarnung. Anthony befahl seinem Schiff zu folgen..."

Charmian legte eine beruhigende Hand auf die Schulter des Soldaten, damit er fortfuhr.

„Die Flotte war verwirrt. Caesar nahm den Sieg."

Die Dienerin der Königin keuchte.

„Anthonys Soldaten waren empört vom Ausgang. Canidius hat seine Armee auf Caesars Seite gezogen. Sechs weitere königliche Verbündete Anthonys haben sich Caesar angeschlossen."

Ein sehr wütender Mark Anthony betrat den Raum. Er nahm eine große Vase und warf sie gegen die Wand. Charmian verließ leise den Raum.

„Lass mich, Enobarbus!" brüllte Anthony. "Du brauchst nicht länger in meinem unerträglichen Dienst zu stehen!"

„General..."

„Nein! Ich habe deine Gesellschaft nicht verdient! Verlasse mich, wie ich mein edleres Selbst verlassen habe!"

Cleopatra platzte zur Tür herein und rannte zu ihrem Geliebten.

„Oh! Mein Liebster!" Sie versuchte ihre Arme um ihn zu schlingen, aber er wies ihre Umarmung ab.

„Ich war einst ein edler General, aber jetzt..." klagte er. „Jetzt habe ich mein Herz mich im Kampf leiten lassen!"

„Oh, mein Herr, tadelt nicht Euch selbst für etwas, das so eindeutig meine Schuld war!" bettelte Cleopatra und warf ihre Arme erneut um ihn. „Ich hätte nie geglaubt, dass Ihr meinen Segeln folgen würdet!"

„Sicher wisst Ihr nun, meine Liebe, dass wo auch immer Euer Herz geht, auch meines gehen wird."

„Vergebt mir!"

„Jetzt muss ich Caesars Vergebung suchen." Er wandte sich der tränenüberströmten Königin zu. „Bitte weint nicht, Liebste. Ich kann den Anblick Eurer Sorgen nicht ertragen."

Er zog sie in einen tiefen, brennenden Kuss.

Einige Momente später fand Hermine Anthony, wie er sich erneut auf einen Kampf vorbereitete. Als er seine Rüstung anlegte, bestand Cleopatra darauf ihm zu helfen. Er legte seine Arme um die Königin und küsste sie.

„Ich muss Euch nun verlassen, aber ich gebe Euch dies zur Erinnerung, während ich fort bin." Er küsste sie erneut. „Kommt." Er gab den Soldaten im Raum ein Zeichen ihm zu folgen.

Cleopatra legte sich auf eine Couch, um auf die Rückkehr Mark Anthonys zu warten.

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„... Raupe... Nachtschatten… Bergkiefer," murmelte Severus, während er die Worte auf das Pergament kritzelte. „Ich glaub, das ist alles."

Er überblickte die Schäden der Vorratskammer erneut. Der Kessel war in Stücke zerborsten, aber das konnte ersetzt werden. Fläschchen mit Zaubertränken und Zutaten übersäten den Boden. Eine dicke Schicht aus zerbrochenem Glas bedeckte jeden Zentimeter von Boden und Arbeitstisch. Blut, unbestritten Hermines, war in einer Pfütze in der Mitte des Raumes. Das alles konnte leicht repariert werden. Ein Wink mit dem Zauberstab und der Raum kehrte in seinen Originalzustand zurück. Wenn ich das nur mit Hermine machen könnte.

„Was hat Albus nur gemeint, als er sagte, ich würde dort sein wollen, wenn sie aufwachte?"

Es war nicht das erste Mal in der letzten Stunde, die er im Kerker verbracht hatte, dass er sich dies fragte.

„Es gibt nur einen Weg das herauszufinden."

Er schnappte sich das Pergament und machte sich auf den Weg zurück zum Krankenflügel. Wenn er an Hermines Seite sein sollte, wenn sie ihr Bewusstsein wiedererlangte, sollte er verflucht sein irgendetwas dazwischen kommen zu lassen.

A/N: ein neues kurzes Kapitel... ich kann es einfach nicht lassen... ;) hoffe es gefällt!