Disclaimer und Zusammenfassung: siehe Kapitel 1
A/N: Diesmal etwas länger. Hier ist das Ende der Geschichte von Cleopatra und Mark Anthony... Taschentücher bereit halten! ;)
Kapitel 6: Cleopatra und Anthony 4
Die Stille des ägyptischen Palastes wurde plötzlich von lauten, gellenden Schreien durchbrochen. Hermine hastete zum Eingang des Raumes, um zu sehen was diesen Aufruhr verursacht hatte. Bevor sie sich aber versichern konnte, was in den Fluren geschah, drängte eine aufgelöste Cleopatra durch die Tür. Ohne zu wissen, dass Hermine stand wo sie stand, stürmte sie geradewegs durch sie hindurch, als wäre sie nichts weiter als ein Geist. Das Gefühl bedrückte Hermine, aber die Königin war zu aufgeregt, um es zu bemerken.
„Hilf mir!" schrie Cleopatra, als sie sich in die Arme ihrer Dienerin, Charmian, warf.
„Was ist los, meine Königin?" fragte Iras verzweifelt. „Was ist geschehen?"
„Es ist... es ist mein Geliebter!" Sie brach in Tränen aus. „Er wünscht mich tot!"
„Ich verstehe nicht..." sagte Charmian und versuchte ihre Königin beruhigen.
Cleopatra sprang aus den Armen ihrer Dienerin, ihre Augen sprühend vor Zorn und Schmerz.
„Er glaubt, ich hätte ihn verraten! Er drohte mich zu töten!"
„Dann müssen wir Euch im Monument verstecken!" schlug Charmian einfühlsam vor. „Ja, wir bringen Euch ins Monument und lassen Anthony wissen Ihr seid tot!"
„Ja! Zum Monument! Mardian," sprach Cleopatra zu einem ihrer Diener. „Finde Anthony... sag ihm, dass ich mich selbst tötete... sag, dass die letzten Worte von meinen Lippen sein Name waren. Bitte Mardian, lass es furchtbar mitleidsvoll klingen. Dann komm zu mir und erzähl, wie er die Neuigkeiten von meinem Tod aufnimmt."
„Ja, meine Königin." Mardian floh rasch aus dem Zimmer.
„Kommt... zum Monument!" Cleopatra lief aus dem Raum, dicht gefolgt von ihren Dienern.
Hermine blinzelte nur kurz und die Szenerie vor ihr veränderte sich erneut. Dieses Mal fand sie sich in einem Zimmer mit Anthony und seinem Soldaten Eros. Anthony Gesicht wies die selbe Entschlossenheit auf, die sie so oft auf dem Gesicht ihres Zaubertränkeprofessors gesehen hatte. Es war beunruhigend diesen Mann, der Severus Snape so ähnelte, mit einem mörderischen Glitzern in den Augen zu sehen.
„Sah Professor Snape wohl je so aus, wenn er bei einem Angriff war?" Sie konnte sich nicht davon abhalten ihre Gedanken laut auszusprechen.
Mark Anthony nahm ein langes Schwert auf und steckte es in die Scheide an seinem Gürtel. Eros, der Soldat, beäugte ihn unbehaglich. Er wusste, dass sein General zu schrecklichen Bösartigkeiten fähig war. So hatte er sich seinen Rang in der römischen Armee erkämpft. Man musste einfach am Rande eines beinahe vollends Bösen sein.
„Eros, mein teurer Soldat, du hast durch alles an meiner Seite gestanden. Ich habe diese Kämpfe, die wir kämpften, für Ägypten gekämpft. Ich dachte, ich hätte die Liebe seiner Königin, so wie sie meine hatte..." Anthonys erboste Stimme wurde ruhiger, als er von der Königin sprach. „Sie hat mich betrogen, unsere Liebe verraten... aber ich werde sie nicht so davonkommen lassen!"
Mardian, der Eunuch, den Cleopatra gesandt hatte, die schlimme Nachricht ihres ‚Todes' zu übermitteln, betrat den Raum in Begleitung zweier Römer. Anthony blickte ihn finster an.
„Du dienst einer niederträchtigen Frau!" fauchte er, den Eunuchen einschüchternd. „Sie hat mir alles geraubt... meine Armee und meine Liebe. Ich dachte, sie fühlt genau wie ich, aber anscheinend lag ich falsch."
„Nein, Anthony... meine Herrin hat Euch geliebt. Ihr wart alles für sie," korrigierte Mardian ihn.
„Verlasst mich! Sie hat mich betrogen, ich werde davor sorgen, dass sie den Tod stirbt, den sie verdient hat!"
„Ein Mensch kann nur einmal sterben. Sie sprach Euren Namen, als sie im Sterben lag. Das letzte Wort, das über ihre Lippen kam, war ein geflüstertes ‚Anthony'!" rief Mardian. Er war gebeten worden, die Nachricht von Cleopatras Tod echt erscheinen zu lassen und so verschwendete er keine Zeit schluchzend seine gefallen Herrin zu betrauern.
Hermine beobachtete mit großem Interesse Anthonys Reaktion. Er benötigte einige Augenblicke, um zu verstehen, was Mardian ihm soeben mitgeteilt hatte. Die Wut in seinen Augen wurde durch einen eindeutigen Blick der Sorge ersetzt. Er ließ seine Hand, die auf seinem Schwert geruht hatte, an seine Seite fallen. Langsam drehte er sich zu dem Mann, der ihm so einen schrecklichen Bericht überbracht hatte, hin.
„Cleopatra… ist tot?" fragte Anthony kaum hörbar.
„Ja, sie ermordete sich, nachdem sie hörte, Ihr wünschtet sie tot. Sie tat nur selbst, was sie wusste, dass Ihr es tun würdet."
Anthonys Gesicht fiel.
„Lass deine Waffe fallen, Eros," wies er an. „Danke für diese... Information. Bitte lass mich jetzt in Frieden."
Mardian verließ den Raum so schnell wie er gekommen war. Anthony sah sich um, entdeckte eine Vase und wuchtete sie gegen die nächste Wand. Die Vase zerbarst in tausend Stücke, ein Abbild zu dem, was im Herzen des Generals vor sich ging.
„Oh, Cleopatra," flüsterte er und fiel auf die Knie. „Was hab ich getan?"
Eros und Hermine waren beide unsicher, ob sie den armen Mann alleine lassen sollten oder nicht. Wissend, was als nächstes geschehen würde, wünschte Hermine verzweifelt, dass sie den unnötigen Schmerz, der folgen würde, verhindern könnte. Sie wünschte, sie könnte Mark Anthony genau erzählen, was geschehen würde. Aber, erinnerte sie sich, selbst wenn ich es ihm sagen könnte, sollte ich es nicht tun. Das würde ohne Zweifel den Lauf der Geschichte ändern.
„Es tut mir so leid, meine Liebste," seufzte Anthony. „Bitte vergebt meine Torheit. Bald... bald werde ich Euch wiedersehen."
Anthony mühte sich aufzustehen. Entschlossen stellte er sich vor seinen Soldaten.
„Du hast mir einst versprochen, Eros," begann er. „Dass, falls ich je besiegt würde und müsste Entehrung und Gräuel begegnen, du mich töten würdest, wenn ich nur fragte."
Eros Augen weiteten sich vor Schreck, als er realisierte, was sein General von ihm verlangen würde.
„Ich bitte dich jetzt, Eros... töte mich! Erlöse mich von der Schmach und schenke mir die Möglichkeit wieder mit meiner Königin vereint zu sein."
„Oh Götter, bewahrt mich vor diesem Schicksal!" Eros blickte himmelwärts. „Wie kann ich Euch töten, wo andere so oft gescheitert sind?"
„Würdest du mich lieber in Rom vor Caesar gebeugt sehen... ein gewöhnlicher Verbrecher?!"
„Nein, das würde ich nicht."
„Dann musst du mich töten! Töte mich mit dem Schwert, dass Rom so viel Ehre gebracht hat!"
„Bitte, General, entlasst mich von dieser Tat!"
„Als ich dich befreite, hast du mir geschworen mich zu töten, wenn ich darum bitte. Töte mich jetzt!"
„Dann... wenn ich Euch töten muss, bitte seht mich nicht an. Ich möchte Euer Gesicht nicht sehen, wenn ich zuschlage."
Anthony drehte den Kopf von seinem Soldaten. Eros, sichtbar schwitzend, zog sein Schwert aus der Scheide.
„Ich habe mein Schwert," sagte er dem General.
„Dann verliere keine Zeit. Töte mich jetzt!"
„Lebt wohl, General. Soll ich es jetzt tun?"
„Jetzt."
Eros hob sein Schwert. Als er in Position ging seinen General zu erschlagen, hielt er inne. Er drehte die Spitze auf sich selbst zu und fiel in sein Schwert.
„Eros!" Anthony drehte sich um, als er das Geräusch hörte. „Was hast du getan?"
„Ersparte mir, den Tod des großen Mark Anthony mitzuerleben."
Eros nahm seinen letzten Atemzug.
„Du warst ein edlerer Mann, als ich es bin, Eros." Anthony zog sein eigenes Schwert. „Im Leben warst du mein Soldat, im Tod bist du mein Lehrer. Du zeigtest mir was ich tun muss."
Hermine hielt einen Schrei zurück, als sie sah, wie Anthony in sein eigenes Schwert viel. Sie kannte die Geschichte, konnte aber ihre Gefühle nicht unterdrücken, als sie es nun vor sich sah.
„Warum bin ich nicht tot?" rief Anthony. „Wachen!"
Drei römische Wachen betraten den Raum und sahen das Blutbad. Sie keuchten auf beim Anblick ihres Generals.
„Ich habe es nicht geschafft mich zu töten wie geplant," erklärte Anthony. „Freunde, beendet es. Lasst den, der treu ist, mich töten."
„Ich werde Euch nicht töten, Herr," sagte der erste.
„Ich auch nicht."
„Keiner von uns wird Euch töten, Herr," sagte der dritte.
Ein Mann betrat den Raum. Wenn Hermine sich Shakespeares Version der Geschichte richtig entsann, war dies Diomedes, Diener Cleopatras.
„Wo ist Anthony?" fragte Diomedes die Wachen.
„Anthony ist dort."
„Diomedes." Anthony keuchte nach Luft. "Töte mich! Beende, was diese Männer nicht können."
"Ich kann nicht, mein Herr. Meine Herrin Cleopatra schickte mich zu Euch." Diomedes lief an die Seite des gefallenen Generals. Anthony sah verwirrt drein bei dieser letzten Aussage.
„Wann hat Cleopatra dich geschickt?"
„Geradeeben, mein Herr."
„Wo ist sie?" verlangte er streng, während er nach Atem rang.
„Sie hat sich im Monument eingeschlossen. Als sie von Eurer Wut erfuhr, schickte sie ihren Diener Euch zu sagen, sie hätte sich getötet. Aber dann bekam sie Angst, was passieren könnte, wenn Ihr die Nachricht bekommen würdet," erklärte Diomedes. „Sie befahl mir, Euch mitzuteilen, dass sie nicht tot ist, sonder in der Tat sehr lebendig. Aber ich fürchte, ihre Angst war gerechtfertigt. Ich bin zu spät."
„Ja, zu spät, aber es ist allein meine Schuld. Wachen!"
Die drei Wachen liefen zu ihrem Herrn.
„Bringt mich, meine Freunde, zu meiner Cleopatra. Es ist das letzte, das ich je von euch verlangen werde."
Behutsam trugen die drei Männer Anthony aus dem Zimmer. Hermine verschloss erneut ihre Augen vor dem allzu bekannten Wirbeln. Sie fand sich in einem Raum, der ohne Zweifel Cleopatras Versteck in ihrem Monument war.
„Oh, Charmian! Ich kann dieses Versteck nie verlassen, rief sie dramatisch.
„Dort ist Diomedes!" rief Charmian aus und zeigte aus einem Fenster. Beide, Hermine und ihre Doppelgängerin Cleopatra, liefen, um zu sehen, was unten geschah.
„Diomedes!" rief die Königin. „Sag mir, ist er tot?"
„Noch nicht, meine Königin," entgegnete Diomedes. „Ich fürchte aber, dass es nicht mehr weit ist. Seine Wachen haben ihn hergetragen."
Die Wachen, die Anthonys verwundeten Körper trugen, kamen in Sicht. Cleopatra jammerte beim Anblick.
„Charmian! Iras, hilf ihn herzubringen!" befahl sie unter Tränen.
„Halt, meine Liebste!" rief Anthony. „Es war nicht Caesar, der versuchte mich aus dieser Welt zu schaffen. Ich war es der zustach!"
„So sollte es sein. Niemand außer Anthony sollte ihn niederschlagen können!"
„Ich sterbe, meine Liebste, sterbe. Aber ich kann nicht sterben, ohne einen letzten Kuss von Euren süßen Lippen."
„Ich kann diesen Ort nicht verlassen. Ich wage es nicht! Caesar könnte herkommen und mich als Preis fordern. Ich werde nicht in den Straßen Roms zur Schau gestellt werden! Aber du wirst zu mir herauf kommen, Anthony. Helft Frauen," befahl sie ihren Dienerinnen. „Helft Freunde."
„Rasch, oder ich werde vergangen sein, bevor ich Euch erreiche!" schrie Anthony.
Die Gruppe schaffte es irgendwie Anthony hinauf zu seiner Cleopatra zu heben. Sie zog den geschlagenen Anthony in ihre Arme.
„Hier sollt Ihr sterben, dort wo Ihr lebtet... in meinen Armen," sagte Cleopatra und küsste ihn.
„Ich sterbe, Geliebte," wiederholte er. „Aber lasst mich sprechen, bevor ich gehe. Sucht Caesars Vergebung. Weint nicht, meine Teure. Ich bin Römer und sterbe von Hand eines Römers. Es ist ein ehrenvoller Tod. Mein Geist wird meinen Körper nun verlassen. Ich kann nicht mehr."
„Wie kann ich ohne Euch in dieser grausamen, farblosen Welt zurück bleiben?" rief sie und küsste ihn erneut.
Die Zuschauer, unter ihnen Hermine, wischten sich die Tränen aus den Augen, als sie sahen, wie der noble Mark Anthony in den Armen der Königin seines Herzens starb. Als Anthony seinen letzten Atemzug tat, fiel Cleopatra in Ohnmacht. Ihre Dienerinnen liefen an ihre Seite, sie wieder zu erwecken. Einige Augenblicke später schlug sie die Augen auf.
„Wir werden in nach hoher römischer Art begraben," befahl sie. „Sobald er
beerdigt ist, werde ich meinen eigenen Tod suchen."
Hermine fand sich zurück im Palast. Cleopatra und ihre Dienerinnen, Charmian und Iras, standen bei ihr.
„Ich werde keine römische Marionette sein, die Caesar herumzeigen kann!" schrie Cleopatra die Frauen an. „Kleidet mich in meine wertvollsten Kleider. Ich werde wie die Königin aussehen, die ich bin!"
Die Frauen verließen den Raum und kehrten schnell mit den Kleidern zurück. Sie zog sich hastig um und sah wie sie ruhmreiche Königin aus. Ein Hofnarr betrat den Raum, in seinem Arm ein Schlangenkorb. Er stellte ihn nach dem Befehl seiner Königin ab und verließ das Zimmer.
„Beeilt euch, Frauen! Ich glaube, ich kann meinen geliebten Anthony hören! Kommt her und lasst euch zum Abschied küssen!"
Charmian küsste ihre Königin. Als Iras sie küsste, überkam sie die Trauer und brach tot zusammen.
„Sind meine Lippen vergiftet?" rief Cleopatra. „Beeilung, Charmian, oder mein Anthony trifft sie noch vor mir.
Hermine keuchte auf, als Cleopatra den Korbdeckel anhob. Natürlich wusste sie, dass der Korb giftige Nattern enthielt, war aber nicht vorbereitet sie tatsächlich zu sehen. Sie wusste, dass die Schlangen ihr keinen Schaden zufügen konnten, war sie doch nur ein Schatten eines Besuchers in dieser Welt, aber sie fürchtete sie dennoch.
Cleopatra griff mit ihrer Hand in den Korb und nahm eine Natter heraus.
„Mit deinen scharfen Zähnen und deinem Gift, bringe mich zu meinem Geliebten und fort von Caesars Macht!"
„Oh, meine Herrin!" rief Charmian.
„Still, Charmian. Dies wird mich von diesem schrecklichen Ort entführen und in die Arme meines Geliebten bringen."
Sie ließ sich von der Natter in den Arm beißen.
„Es gibt nichts mehr in dieser Welt für das ich leben möchte," sagte Cleopatra, als ihr Körper nachließ. Sie brach auf dem Bett zusammen um zu sterben.
„Lebt wohl, meine Königin," sagte Charmian und rückte die Krone auf dem Haupt der Königin zurecht.
Eine Wache platzte zur Tür herein und erschreckte sowohl Charmian als auch Hermine.
„Wo ist die Königin?" verlangte er.
„Still, Herr. Weckt sie nicht auf," antwortete Charmian.
„Caesar sandte..." begann die Wache.
„Einen zu langsamen Boten." Charmian setzte eine Natter an ihrem eigenen Arm.
Hermine blickte auf die Szene vor ihr. Die Sage von Mark Anthony und Cleopatra war ohne Zweifel eine der tragischsten Liebesgeschichten in Geschichte und Fiktion. Es mit den eigenen Augen zu sehen, auch wenn sie nicht auf die Gesichter achtete, war schwierig.
Der Anblick der toten Königin, in all ihrem Reichtum gekleidet, brachte Hermine zu Boden. Sie entlöste Tränen voll Gefühl und Trauer, wie sie nie geahnt hätte, dass sie sie besäße. Sie fühlte den Schmerz, jemand Geliebtes verloren zu haben, obwohl es nicht sie selbst war. Sie sah Cleopatras Schmerz und fühlte ihn selbst. Hermine schloss ihre Augen und weinte.
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Professor McGonagall kam Severus im Flur vor dem Krankenflügel entgegen. Ohne ein Wort zu dem Mann, den sie nur eine Stunde vorher beschuldigt hatte ihre Schülerin umbringen zu wollen, ging sie an ihm vorbei. Er schoss ihr einen kurzen, aber effektiven Blick zu.
„Hier ist die Liste mit den Zutaten aus Miss Grangers Trank." Severus drückte einem der Ärzte von St. Mungos das Pergament in die Hand. „Irgendwelche Veränderungen, Poppy?"
„Nein, ich fürchte nicht, Severus," sagte Poppy mitfühlend. „Die Ärzte suchen noch immer nach einer Möglichkeit ihr zu helfen. Kann sein, dass sie dich später bitten einen Zaubertrank zu brauen."
Severus nickte. Er trat unruhig auf der Stelle.
„Poppy, Albus fragte mich an Miss Grangers Seite zu sitzen, wenn sie aufwachte..." fing er an.
„Ja, er hat es mir erklärt," entgegnete Madam Pomfrey, offensichtlich nicht einverstanden mit der Entscheidung des Schulleiters.
„Weißt du warum er so eine Forderung stellen sollte?"
„Keine Ahnung, Severus," seufzte sie.
Mit einem kurzen Nicken zu Poppy umschritt Severus die Vorhänge um Hermines Bett. Erfreulicherweise hatte sie ein wenig Farbe zurück bekommen, aber sie sah immer noch schlecht aus.
„Was hast du vor, Albus," flüsterte Severus zu sich selbst, als er sich auf den Stuhl neben dem Bett setzte. Ein Stuhl, der dort ohne Zweifel vom Schulleiter platziert worden war.
Er sah sich die schöne, junge Frau an, die vor ihm lag. Sie war in seiner Gegenwart noch nie so still gewesen. Er lachte leise in sich hinein. Sie musste immer alle Fragen beantworten oder denen um sich herum die wichtigsten Informationen zukommen lassen. Ja, sie war eine kleine Besserwisserin, aber um ehrlich zu sein hatte ihn das noch nie gestört. Er respektierte sie.
Er respektierte, dass sie immer die Initiative ergriff alles über ein bestimmtes Thema herauszufinden. Sie war immer gründlich in ihren Aufsätzen oder ihren Erklärungen im Unterricht. Andere Schüler taten nur das, was gerade so ausreichte. Hermine Granger tat das und viel mehr als erwartet wurde. Sie schämte sich nie dafür, die Antwort zu etwas zu wissen. Er wusste, dass in anderen Klassen Schüler, die die Antwort wussten, diese aus Angst dennoch nicht preisgaben. Sie hatten Angst was andere denken würden, wenn sie die Antwort auf alles wüssten. Nicht Hermine... nein, Hermine überhaupt nicht.
Sie so hilflos vor sich zu sehen, ließ ihn fühlen, wie er nicht geahnt hatte, fühlen zu können. Als ihr ohne halt die Tränen aus den geschlossenen Augen liefen, überraschte er sich selbst damit, dass er besorgt war.
„Poppy!" Er sprang aus dem Stuhl, um die Heilerin zu finden.
„Sie spricht gerade mit den Ärzten aus St. Mungos," kam die bekannte Stimme.
„Albus..."
„Ist etwas nicht in Ordnung?" fragte er. Das glitzern in seinen Augen begann Severus zu nerven.
„Herm... Miss Granger weint, Sir," erklärte Severus. "Ich dachte, sie hat vielleicht Schmerzen. Vielleicht benötigt sie einen Schmerztrank."
Albus Dumbledore verschwand hinter den Vorhängen. Severus folgte ihm.
„Ja, es sieht aus, als ob sie weint," sagte Albus zum Zaubertränkemeister. „Aber... ich glaube nicht, dass wir irgendetwas dagegen tun können."
„Aber..."
„Nein, ich denke es ist das Beste, wenn du die in den Stuhl setzt und darauf wartest, dass sie von selbst aufwacht."
„Schullei..."
„Setzen," unterbrach und befahl Albus ihm. Bestimmt, aber sanft.
Widerwillig kehrte Severus auf seinen Platz zurück. Dumbledore lächelte und verschwand.
Es gab nichts, dass Severus tun konnte, um Hermine am Weinen zu hindern. So sehr es ihn auch beunruhigte sie zu sehen, er konnte nichts tun. Diese Tränen musste Hermine vergießen, bevor sie zurückkehren konnte. Sie musste die Fehler der Vergangenheit überwinden.
